Bei der großen Menge an Mainboards auf dem Markt ist es schwierig, die richtige Wahl zu treffen. Aufgrund der guten Erfahrung mit ASUS habe ich mir jedoch im Mai 2002 das 'CUSL 2-C'-Nachfolgemodell 'TUSL 2-C' gekauft. Dabei sollte man wissen, daß es dieses Board optional auch onBoard mit Sound und RAID (0+1) gibt, wobei ich auf RAID verzichtet habe (das sagt das C in 'TUSL 2-C' aus).
Ich werde versuchen die Produktmeinung so sachlich wie möglich zu halten, denn genauere technische Informationen, Hinweise zum Übertakten und ähnliche Dinge sind besser auf den Tweaking-Seiten im Internet aufgehoben. Dennoch ist eine Menge an Infos zusammengekommen und ich hoffe, daß euch damit nicht zu schnell langweilig wird. :-)
GRUNDLEGENDES
Bei dem 'TUSL 2-C' handelt es sich um ein ATX-Board für 'Sockel 370'-Prozessoren (FC-PGA), wie z.B. dem Pentium III (Coppermine), Celeron oder insbesondere den neueren Tualatin-Prozessoren von Intel. Der Bustakt kann 66, 100 oder 133 MHz betragen - je nach verwendetem Prozessor und der Einstellung im BIOS. Auch eine entsprechende Frequenzteilung des AGP- und PCI-Busses ist möglich.
LIEFERUMFANG
Hier war ich richtig erstaunt, was da alles für schöne Dinge in dem bunten Karton lagen. Neben dem Board an sich, Schräubchen, Steckbrücken und Treibern gab es auch noch Anschlußkabel für ein Diskettenlaufwerk, ein IDE- und ein UltraDMA-IDE-Laufwerk. Zusätzlich überraschten jeweils ein USB- bzw. COM-Slotblech, welches nach dem Anschließen zwei zusätzliche USB-Ports bzw. einen weiten COM-Port zur Verfügung stellten. Die beiligende Anleitung ist sehr ausführlich, reich bebildert und komplett in englisch.
Insgesamt überzeugt der erste Eindruck, alles wirkt aufgeräumt und sicher verpackt.
EXTERNE ANSCHLÜSSE
Diese sind zumeist farblich gekennzeichnet, um auch weniger Erfahrenen die Chance zu geben, ohne Probleme Geräte anzuschließen. Neben den Standardanschlüssen für Maus und Tastatur (2x PS2 und 2x USB), Modem (1x COM) und Drucker (1x Parallel-Port) findet man noch einen Monitor- und einen Joystickanschluß. Einen LAN-Anschluß gibt es leider nicht, auch wenn dafür theoretisch Platz gewesen wäre.
Die drei Audioaus- bzw. eingänge sind mittels 3,5mm-Klinkenbuchsen realisiert worden. Bei manchen Steckern kann es später jedoch passieren, daß sie nicht richtig einrasten, da die Buchsen etwas vertieft liegen. Da hilft nur probieren und/oder Stecker auseinanderschrauben.
Im eingebauten Zustand des Boards sollte man zudem nicht zuviel Gewalt mittels der zu steckenden Leitungen ausüben. Sämtliche Buchsen sind etwas labil und bei häufigen Stecken und Ziehen kann ich mir gut vorstellen, daß es Kontaktprobleme gibt.
INTERNE ANSCHLÜSSE
- SPANNUNGSVERSORGUNG / LÜFTER
Die Buchse für die Spannungsversorgung ist großzügig zu erreichen und stellt im Normalfall absolut kein Problem dar. Auch ohne Haken und Ösen ist somit das Stecken und Ziehen möglich. Insgesamt stehen drei über das Board verteilte Lüfteranschlüsse zur Verfügung, die mehr oder weniger sinnvoll angeordert worden sind.
- AUDIO / USB
Einige der sich auf dem Board befindenden 'internen' Anschlüsse wie z.B. die Aufnahmen für das erwähnte USB-Slotblech oder die Audioanschlüsse kann man im Grunde nicht erreichen, wenn Karten in den Slots stecken. Somit kommt man nicht um den Ausbau dieser drumherum, doch wie immer muß man bedenken, daß dies meist nur einmal geschieht und dann keine Änderung mehr vorgenommen wird.
Bei einer der beiden vierpoligen Anschlüsse für das CD-Laufwerk hat
sich außerdem die Plastikhalterung komplett gelöst, so daß man beim Ziehen insbesondere dieser Leitungen vorsichtig sein sollte. Man kann es jedoch ohne Probleme wieder draufstecken, dennoch ein Fehler.
- LED/SCHALTER-ANSCHLÜSSE (ASUS IPANEL)
Diese Mini-Anschlüsse für externe Leuchtanzeigen, zum Neustart des Boards, zum Ein-/Ausschalten, usw. liegen sehr tief. User mit großen PC-Gehäusen könnten so eventuell Probleme bekommen, weil die Verkabelung nicht ausreicht. Gerade dann, wenn man das optional erhältliche 'Asus iPanel' anschließen möchte, werden die Kabel kaum reichen und schon ist man auf Verlängerungen oder eigene Bastellösungen angewiesen.
- SMARTCARD
Zum Schutz vor Unberechtigten kann man optional einen 'Smart Card Reader' anschließen, um so mittels Zugangskarten zu regeln, wer den PC bedienen darf oder nicht. Nunja, gute Idee, doch wer sich auskennt wird das Gerät wieder ausbauen bzw. überbrücken und kann doch drauf zugreifen. Empfehlenswert ist es daher weniger.
SPEICHER
Es sind drei Bänke auf dem Board vorhanden, welche mit maximal 512 MB DIMM-Speicher bestückt werden können. Leider wurden diese etwas zu nahe an den CPU-Sockel gebaut, so daß man bei übergroßen Kühlkörpern Platzprobleme bekommt. Bei mir sind deswegen nur zwei Bänke nutzbar.
CPU-Sockel
Wie gewohnt ist der Sockel an sich sehr robust und gut verarbeitet. Zu den unter 'SPEICHER' genannten Problemen muß man beim Kauf von Lüftern und Kühlkörpern achten, daß diese nicht mit den hohen Kondensatoren zusammenstoßen, die sich ebenfalls verdächtig nahe am Sockel befinden.
Alle diese Platzprobleme treffen aber wirklich nur dann zu, wenn man extrem kühlen möchte. Für Standard-Prozessoren, die nicht übertaktet werden und mit normalen Lüftern laufen, stellt die Bauweise des 'TUSL 2-C' kein Problem dar.
SLOTS
Es stehen 1 AGP-, 1 CNR und 6 PCI-Steckplätze zur Verfügung. Die von älteren Boards bekannten ISA-Slots fehlen gänzlich, doch heutzutage benötigt man diese im Normalfall auch nicht mehr.
- AGP
Im Gegensatz zum Board mit RAID fehlt der kleine PRO-Sockel beim AGP-Slot, doch man kann meist auch gut ohne ihn auskommen. Leider ist der AGP-Slot zu nahe am ersten PCI-Slot, so daß bei Grafikkarten mit größerem Lüfter keine Karten in besagten PCI-Slot gesteckt werden können.
- CNR
Der kleine CNR-Slot dient für spezielle Modem-, Netzwerk- oder Soundkarten, die es quasi kaum zu kaufen gibt auf dem freien Markt und somit ist er für den Normalanwender komplett überflüssig. Zum Glück nimmt er jedoch keinen großartigen Platz weg.
- PCI
Bis auf den sechsten PCI-Slot sind alle anderen mit dem stabilen Standardslot versehen, den 99% aller Mainboards haben. Um oben beschriebenen CNR-Slot unterzubringen, nahm man für diesen PCI-Slot die 'Billigvariante', die dafür um einiges dünner ist. Dennoch erfüllt sie ihren Zweck, sofern man nicht jeden Tag die Karten wechselt.
- IDE/Floppy (RAID)
Diese sind im Grunde zu einem Block zusammengefaßt und dementsprechend eng aufgebaut. Die einzelnen IDE-Leisten sind abwechselnd schwarz und blau, so daß sie nicht allzu schnell verwechselt werden können. Dennoch braucht man viel Gefühl und Geschick, gerade wenn man die RAID-Variante des Boards hat, wo alle vier IDE-Anschlüsse hintereinander liegen. Man hätte hier vielleicht etwas mehr Platz lassen sollen.
EINSTELLUNGEN
- JUMPER
Die grundlegenden Einstellungen des Boards können (wie bei fast allen anderen Mainboards auch) mittels Jumper verändert werden. Diese Steckbrücken sind überwiegend in hellblau gehalten und somit gut zu erkennen. Viele Einstellungen können im serienmäßigen 'JumperFree'-Modus über das BIOS eingestellt werden, ohne immer wieder den PC auseinanderzunehmen. Da hat mal jemand mitgedacht.
- BIOS
Dieses ist von 'Award', womit man dem 'TUSL 2-C' sicherlich das Beste antun konnte. Wie gewohnt sind alle Menüs ordentlich und logisch aufgebaut und beinahe jedes bißchen läßt sich bequem konfigurieren. Nicht benötigte Komponenten (wie z.B. Sound onBoard) können ebenfalls per Menü ausgeschaltet werden, was erneut den Griff zu den Jumpern erspart.
Selbst Updates sind ganz einfach über ein Windowsprogramm und das Internet machbar. 'Verbrennt' man sich jedoch, steht man im schlimmsten Fall vor dem Dilemma, sich ein neues BIOS zu besorgen. Andere Hersteller bieten an dieser Stelle schon zwei BIOS-Chips, um immer auf der sicheren Seite zu sein.
SOFTWARE
Die mitgelieferten Programme sind an sich schon interessant, doch ein Muß sind sie auf keinen Fall. So kann man die Prozessortemperatur mit Fremdsoftware komfortabler überwachen und auch den MP3-Player kann ich nicht wirklich empfehlen. Die für den Soundchip nötige Software sollte man später brandaktuell aus dem Internet herunterladen.
SOUND ONBOARD
Manche schwören darauf, manche hassen es: Sound onBoard. Für mich war es das erste Mainboard dieser Art und ich konnte mich noch in keinster Weise beschweren. Die drei externen Buchsen sind mit der Treibersoftware frei konfigurierbar und wenn man sich nicht auf solche Dinge wie SPDIF-Anschluß festgeschossen hat, kann man auch hiermit wunderbaren 6-Kanal-Sound hören.
GRAFIK ONBOARD
Der oben erwähnte Monitoranschluß ist vollwertig, jedoch kein Brüller. Für Standardanwendungen oder im Büroeinsatz mag es ausreichen, doch bei hochauflösenden Grafiken ist auch hier Schluß. Sinnvoll wird es jedoch, wenn die Grafikkarte versagen sollte und auf die Schnelle kein Ersatz gefunden werden kann. Solange somit der AGP-Slot verwendet wird, ist die interne Grafik ausgeschaltet.
SONSTIGES
Die Pufferbatterie für das BIOS kann im Normalfall gut erreicht werden, wenn die PCI-Karten nicht zu lang dimensioniert sind. Somit ist dann der Tausch im Betrieb möglich. Eine hellgrün-leuchtende LED zwischen zwei PCI-Slots zeigt an, wenn die Standby-Spannung am Board anliegt - so wird man optimal gewarnt, daß man keine Karten und Kabel stecken sollte.
KOMPATIBILITÄT
Auch hier verhält sich das 'TUSL 2-C' sehr souverän. Egal, wie ich meine derzeitigen Karten auch stecke, schluckt es das Board ohne Murren (abgesehen davon, daß Windows meckert). Im Einsatz sind derzeit ein SCSI-Controller von Adaptec, eine NoName-USB2.0-Karte, eine D-Link-Netzwerkkarte und eine Asus-Grafikkarte. Auch die angeschlossenen USB-Geräte und die erst kürzlich entferne IDE-Festplatte können da keine Verwirrung stiften.
KRITIK
Neben den schon in der Beschreibung erwähnten Problemen gibt es keine weitere Kritik. Seit besagtem Mai werkelt das Mainboard ohne nennenswerte Probleme in meinem Rechner. Nie gab es Abstürze oder Hänger, die auf das Board hätten zurückgeführt werden können.
FAZIT
Für Hardcore-Gamer mag das Board nicht optimal sein (schon aufgrund dessen, daß der Tualatin nicht weiterentwickelt wird), doch die anderen, die sich mit knapp 1 bis 1,6 GHz einen stabilen und flinken Rechner aufbauen wollen, der zudem Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten ohne Ende bietet, werden mit dem 'Asus TUSL 2-C' ihre reine Freude haben.
BEWERTUNG
Aufgrund der marginalen Mängel ein wirklich sehr gutes und wohlverdientes 'gut'.
...
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