Akai GX-75

Akai-gx-75
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Produktbeschreibung

Akai GX-75

gelistet seit 09/2003

Tests und Erfahrungsberichte

  • Ist der Kultfaktor dieses Decks immer berechtigt?

    • Ausstattung:  sehr gut
    • Klangqualität:  gut
    • Aufnahmequalität:  gut
    • Bedienung:  einfach
    • Verarbeitung:  sehr gut
    • Support & Service:  sehr schlecht
    • Besitzen Sie das Produkt?:  nein

    Pro:

    super Verarbeitung, zahlreiche Funktionen, gutes Tonkopfmaterial

    Kontra:

    Preis, recht schneller "Alterungsprozess", in Sachen Aufnahmequalität gab es Jahre vorher schon bessere

    Empfehlung:

    Ja

    Heute möchte ich mal wieder einen weiteren alten HiFi-Klassiker vorstellen. Wie einige vielleicht schon wissen, bin ich schon seit fast 25 Jahren HiFi-Fan und benutze auch heute noch einige hochwertige Geräte aus meiner Anfangszeit. Und manche HiFi-Geräte der 70er bis frühen 90er Jahre werden unter "Kennern" immer wieder gelobt, da sie oft moderneren Geräten überlegen sind. Somit bleiben manche Modelle nahezu zeitlos, auch wenn man sie natürlich nicht mehr neu bekommt. Aber der Gebrauchtmarkt boomt mehr denn je.


    WARUM - UND WOZU - EIN GEBRAUCHTES HIFI-GERÄT?

    Gerade bei Plattenspielern und Kassettendecks stellt sich immer wieder die Frage (sofern man noch darauf angewiesen ist und Bedarf an einer Neuanschaffung hat), neu oder gebraucht? Fakt ist, dass die Nachfrage beider Gerätetypen auf ein Minimum gesunken ist, seit die beiden Tonträgerformate durch neuere (CD, MD, MP3) verdrängt wurden - und somit lohnt es sich für die Hersteller nicht mehr, heute noch hochwertige Plattenspieler oder Kassettendecks zu produzieren. Die paar Geräte, die man heute noch bekommt, sind zu einem großen Teil nicht so gut verarbeitet und klingen bei weitem nicht mehr so gut wie frühere Modelle. Deswegen ist die Alternative des Gebrauchtkaufs immer wieder sehr populär, schaut nur bei eBay, da gehen bestimmte HiFi-Veteranen weg wie warme Semmeln. Einige dieser alten Modelle sind besonders bekannt und werden trotz des hohen Alters immer wieder zu recht hohen Preisen bei eBay versteigert. Einen dieser absoluten HiFi-Klassiker möchte ich heute mal vorstellen, ein wahres Kultgerät:


    DAS KASSETTENDECK "AKAI GX-75"

    Ein Gerät, das man relativ häufig bei eBay findet, ist das legendäre Akai Kassettendeck GX-75. Dieses wurde zwischen Ende der 80er und 2. Hälfte der 90er Jahre hergestellt. Ein sehr langer Zeitraum also, was für ein HiFi-Gerät ziemlich unüblich ist. Aber das GX-75 war nicht "bloß ein Kassettendeck", sondern für viele Musikfreunde DAS Kassettendeck überhaupt - es war das Beste, was man zum damaligen Zeitpunkt auf dem Markt bekommen konnte. Entsprechend war auch der Preis: 998,- DM habe ich Ende 1991 dafür bezahlt. Heute muss man bei eBay für ein Gebrauchtgerät dieses Typs etwa zwischen 50 und 150 Euro ausgeben, je nach Erhaltungszustand.

    Etwa 1988 kam das GX-75 auf den Markt, aber bereits zwei Jahre später wurde dieses Modell leicht überarbeitet (ein paar mechanische Teile, vorwiegend aber leichte Veränderungen des Designs). Daraus wurde das GX-75 Mk II. Mein 1991er-Gerät war also schon die neuere Version. Das Gerät war nur im damals üblichen Schwarz erhältlich. Es handelt sich um ein Einzel-Kassettendeck ohne Autoreverse - auf so einen Schnickschnack hat man bei so edlen Geräten natürlich verzichtet.

    Wie einige meiner "Stammleser" vielleicht sich noch erinnern, fand meine Jugend in den 80er Jahren statt - und in der Zeit (ich war schon großer Musik- und speziell Kassettenfan) nannte ich ein Yamaha K-320 mein eigen, dessen Aufnahmequalität in jeder Hinsicht enttäuschend war. Ich beneidete die tollen Aufnahmen meiner Bekannten. Das änderte sich, als bei meinem Yamaha mal wieder der Tonkopf verschlissen war. Ich dachte an die früheren Reparaturrechnungen und kam zum Schluss, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. So bekam ich im Sommer 1991 von meinen Eltern erst mal für den Übergang ein wenig benutztes 1981er Yamaha K-560, von welchem ich heute noch schwärme. Ende 1991 war es dann so weit, dass ich mir eine besonders tolle "Maschine" erlauben konnte. Eigentlich wollte ich ja nicht so viel Geld ausgeben, ich hatte so um die 600 bis 700 DM gespart. Dafür hätte ich auch schon ein sehr gutes Gerät bekommen können, aber der Händler empfahl mir gleich das damalige Spitzenmodell von Akai. Da ich immer schon ein großer Kassettenfan war, entschied ich mich schließlich für das GX-75. Die Nutzungsdauer meines GX-75 betrug genau 6 Jahre (Ende 1991 bis Ende 1997).


    DIE VERARBEITUNG

    Das Gerätegehäuse und auch die Frontplatte sind noch aus Metall, nicht aus Kunststoff, obwohl Anfang der 90er der Trend schon lange in Richtung Kunststoff ging. Lediglich die Regler und die Bedientasten sind schon aus Kunststoff, was man aber aufgrund der restlichen guten Verarbeitung verschmerzen kann. Ich weiß nicht mehr, wie schwer das Gerät ist, jedoch hatte es ein stattliches Gewicht (ich schätze ca. 10 kg). Ebenso stattlich ist die Höhe des Gerätes, mindestens 15 cm ist das Gerät hoch.
    Außerdem ist das Gerät in separaten Blöcken verarbeitet. Einmal für die Mechanik, einmal für die Elektronik und einmal für das Netzteil. Das Gerät ist mit drei Motoren bestückt, wobei der eine Motor ganz allein zum Öffnen und Schließen des Kassettenfachs dient.

    Der Antrieb ist relativ gleichmäßig und auch nicht zu schwach (im Gegensatz zu anderen 90er-Jahre-Decks in ähnlicher Preisklasse). Selbst schwergängige Kassetten lassen sich bis auf ein paar Ausnahmen verwenden - das Band wird meistens so "gerade" aufgewickelt, dass es beim nächsten Abspielen nicht leiert oder blockiert, auch schnell vor- und zurückspulen lassen sich selbst die meisten schwergängigen Bänder. Allgemein stufe ich die Gleichlaufeigenschaften also als voll zufrieden stellend ein.
    Zur Stabilität des Bandlaufes trug außerdem noch die Doppel-Capstan-Technik bei, das Gerät hatte also zwei Andruckrollen und zwei Tonwellen anstatt von nur je einer.


    FERNBEDIENUNG UND ELEKTRONISCHE STEUERUNG

    Das GX-75 ist komplett computergesteuert, sprich die mechanischen Teile werden per Tipptasten in Gang gesetzt. Man braucht diese Tasten nur kurz anzutippen, schon setzt sich die Mechanik in Bewegung. Auffällig ist hier, dass das Gerät hierbei sehr leise arbeitet, nahezu geräuschlos, im Gegensatz zu vielen anderen Kassettendecks, die dabei regelrecht klappern. Außerdem ist die Reaktionszeit sehr kurz, also vom Betätigen einer Taste bis sich die Mechanik in Gang gesetzt hat.

    Diese elektronische Steuerung ermöglicht auch die Benutzung einer Fernbedienung. Diese gehört zum standardmäßigen Lieferumfang des Gerätes. Sie ist sehr leicht und handlich und beinhaltet alle elektronisch gesteuerten Funktionen des Decks.


    DAS KASSETTENFACH

    Das Kassettenfach lässt sich elektronisch per Knopfdruck öffnen und schließen (auch per Fernbedienung). Dies geschieht durch einen eigenen Motor speziell für das Kassettenfach. Außerdem besitzt das Kassettenfach einen speziellen Stabilisator für die Kassette, so dass diese stabil und ohne Vibrieren ihren Platz im Kassettenfach findet. Sie wird durch spezielle Noppen angedrückt. Da das Kassettenfach nur geringe Aussparungen hat, kann man die eingelegte Kassette nicht erkennen (bei noch älteren Kassettendecks war oft die Kassette sichtbar, so dass das Auge irgendwie "mithörte"). Jedoch sieht man weiterhin wenigstens das Sichtfenster der Kassette und somit auch das verbleibende Restband (kann vor allem bei der Aufnahme wichtig sein). Dieses Sichtfenster ist sogar dezent beleuchtet.


    ANZEIGEN

    Die Anzeigen sind bereits volldigital, also komplett per blaue LED-Anzeige. Selbstverständlich sieht man die Aussteuerungsanzeige für Aufnahme und Wiedergabe in Form der beiden üblichen LED-Ketten. Für die Einmessung des Bandmaterials (dazu gleich noch) werden diese beiden LED-Ketten ebenfalls verwendet. In diesem Display befindet sich außerdem ein digitales Echtzeitzählwerk (jedoch ohne Restzeitanzeige, das gab es erst bei einigen Nachfolgemodellen) und Anzeigen für die Betriebsart und gewählte Dolby-Einstellungen.


    DIE BEDIENUNGSELEMENTE

    Die Bedienungselemente befinden sich allesamt an der gebürsteten Aluminium-Gerätefront. Als erstes erkläre ich die Tipptasten:
    - Schneller Rücklauf
    - Schneller Vorlauf
    - Play/Start
    - Stopp
    - Aufnahme/Aufnahmebereitschaft
    - Mute (erzeugt ca. 4 Sekunden lange Leerstelle nach der Aufnahme)
    - IPSS. Ist diese Funktion aktiviert, kann man (sofern die Aufnahme ausreichend lange Leerstellen zwischen den Songs hat) durch Drücken der Taste für schnellen Vorlauf direkt zum nächsten Lied springen - oder halt durch Drücken der Taste für schnellen Rücklauf zum Anfang des aktuellen Liedes. Doch davon nicht genug: Drückt man beispielsweise viermal auf "schneller Vorlauf", wird das vierte Lied nach der aktuellen Position angewählt. Einen solch komfortablen Suchlauf findet man längst nicht bei jedem besseren Kassettendeck. Bei den meisten kann man nämlich nur das folgende Lied anwählen. Übrigens reagiert hier der Suchlauf häufig schon bei Leerstellen von nur zwei bis drei Sekunden.
    - Markierung A-B: Auch das ist eine recht seltene Funktion. Eine bestimmte Bandposition kann auf diese Weise markiert werden, wobei A für den Anfang steht und B für das Ende der Markierung. Man kann diese Funktion z.B. für eine Endloswiederholung nutzen, aber auf diese Weise kann man unerwünschte Tonfetzen auch bequem löschen. Um dies noch weiter zu präzisieren, kann man das markierte Stück auch in Zeitlupe wiedergeben. Man denke bei den unerwünschten Tonfetzen bloß an den Radiosprecher, den man am Ende des Liedes doch noch mit erwischt hat, oder an Reste einer früheren Aufnahme zwischen zwei neu aufgenommenen Stücken auf einer bereits benutzten Kassette.

    Als nächstes finden wir noch ein paar mechanische Drucktasten.

    DOLBY B/C. Hier wählt man z.B. das gewünschte Dolby-System, entweder B oder C. Dolby S war damals noch nicht so weit verbreitet, jedoch vermisst man es an diesem Gerät auch nicht unbedingt.

    DOLBY HX-PRO ist ein System, das die Dynamik während der Aufnahme speziell im Höhenbereich erweitert. Dieses System vermisste ich damals ganz besonders bei meinem ehemaligen 320er Yamaha, das Akai-Deck hatte es natürlich schon (war Ende der 80er/Anfang der 90er immer noch nicht selbstverständlich, sondern erst ab oberer Mittelklasse). Man konnte am GX-75 das HX-Pro manuell zu- bzw. abschalten. Auf diesen Schalter hätte man verzichten können. HX-Pro ist für Aufnahmen immer eine Bereicherung - wieso schaltet es man denn dann ab und verschlechtert damit die Aufnahme? Bestimmt machen das die wenigsten freiwillig.

    MPX. Durch eine weitere Taste lässt sich ein MPX-Filter aktivieren, der die Reduzierung von UKW-Rauschen während Radioaufnahmen bewirkt.

    CD/DAT DIRECT. Dann gibt es schließlich einen CD/DAT-Direkt-Schalter. Man kann hier eine digitale Quelle, die an separate Cinch-Buchsen an der Geräterückseite angeschlossen wird, direkt anwählen. Dadurch soll die Aufnahmequalität noch weiter verbessert werden, da der Umweg über den HiFi-Verstärker entfällt.
    Anm.: DAT ist ein digitales Kassettenband-System, ein Vorgänger der heutigen CD-R und Minidisc, konnte sich damals aber nicht im Consumer-Bereich durchsetzen.

    KALIBRIERUNG. Mit dem letzten Druckschalter lässt sich die manuelle Einmessungshilfe einschalten. Ist diese aktiviert, startet man bei eingelegter Leerkassette die Aufnahme. Nun wird ein hochfrequenter Ton aufgezeichnet. Mit den beiden Drehreglern "Level Calibration" und "Bias Calibration" reguliert man die Einmessung so lange, bis beide Anzeigebalken konstant blau aufleuchten, ohne zu "zappeln" und ohne dass die roten LEDs aufleuchten. Natürlich müssen beide Balken gleich lang sein. Somit wäre die Kassette optimal eingemessen, so dass bestmögliche Aufnahmen möglich sind.

    Da ich gerade bei den Drehreglern bin: Neben den beiden bereits erwähnten findet man hier auch noch den Balance-Regler für die Aufnahme, den Lautstärkeregler für den Kopfhörerausgang, der sich in Form einer 6,3mm-Klinkenbuchse an der Gerätefront befindet, sowie einen etwas größeren Regler für die Aufnahme-Aussteuerung.

    Die Bandsortenwahl erfolgt wie bei den meisten Geräten in diesem Alter bereits vollautomatisch, darum braucht man sich nicht mehr zu kümmern. Geeignet ist das Gerät für Ferro-, Chromdioxid- und Reineisenkassetten, die drei zu der Zeit (und heute noch) üblichen Bandsorten. Die älteren Ferrochrom-Kassetten sollte man nicht mehr verwenden.


    QUALITÄT DER AUFNAHMEN

    Normalerweise sind mit dem GX-75 äußerst brillante Aufnahmen möglich. Schließlich ist es gut und schwer verarbeitet, verfügt über Dolby HX-Pro und über diese Einmesshilfe - also sind das beste Voraussetzungen für gute Aufnahmen. Nachdem ich von meinem alten 320er Yamaha eher "verwaschene" Aufnahmen gewohnt war, hauten mich die "neuen" Aufnahmen in der ersten Zeit wirklich vom Hocker. Ich erinnere mich noch gut an eine Orchester-Aufnahme von CD auf Maxell XL II-S Band. Man hörte sogar das Klappern von Instrumenten - trotz eingeschaltetem Dolby bei der Wiedergabe.
    Übrigens kann man während der Aufnahme zwischen Quelle und Bandwiedergabe umschalten. Da es nämlich ein Dreikopf-Gerät ist, kann man unmittelbar die Aufnahme direkt abhören und somit deren Qualität begutachten. In der Anfangszeit stellte ich hier keinen nennenswerten Unterschied fest (besonders mit neuwertiger Maxell XL II-S).
    Als das Gerät neu war, bespielte ich sogar einige meiner alten 70er-Jahre-Kassetten neu, die oft sogar "nur" vom Typ I (Ferro, LH) waren. Während mit dem alten Yamaha das Rauschen die Musik übertönte (gerade beim Typ I), konnte man aus diesen Schätzchen so einiges an Klang herauskratzen, dank der Einmessmöglichkeit. Trotzdem konnte man bei diesen Kassetten schon einen hörbaren Unterschied zum Original feststellen, so dass ich von solchen Kassetten abrate.


    DIE TONKÖPFE

    "Lebenslange Garantie", damit warb die Fa. Akai damals. Sie entwickelten die so genannten GX-Köpfe mit einer speziellen sehr dünnen Glasschicht, wodurch die Köpfe kaum nennenswertem Verschleiß ausgesetzt waren. Das kam mir mehr als gelegen, denn damals war die Kassette noch das von mir am meisten genutzte Medium, und pro Tag war mein aktuelles Kassettendeck jeweils mehrere Stunden in Betrieb. Beim alten Yamaha musste ich mehrmals den Tonkopf erneuern lassen.


    QUALITÄT DER WIEDERGABE

    Bei jedem Gerät, das nicht über eine Höhenoptimierung wie "Play Trim" verfügt, besteht die Problematik, dass zu alte und/oder fremd bespielte Kassetten schlecht klingen können. Ich muss aber sagen, dieser Qualitätsschwund hielt sich bei diesem Gerät noch einigermaßen in Grenzen. Jedoch war es manchmal schon ratsam, bei der Wiedergabe fremd bespielter Bänder die Rauschunterdrückung abzuschalten.


    LANGZEITERFAHRUNGEN

    Und jetzt kommt's! Bis hierhin hört sich meine Produktbeschreibung ja sehr viel versprechend an. Das waren auch meine guten Erfahrungen im ersten Nutzungsjahr. Ist so ein teures und robustes Gerät denn wirklich eins, das Jahre oder Jahrzehnte lang hält und nur Freude bringt? Leider nein! Zumindest meins nicht.

    Auch habe ich schon in diversen HiFi-Foren gelesen, dass wohl eine bestimmte Baureihe betroffen ist mit bestimmten Mängeln, die den Hörgenuss mindern. Mein Gerät gehörte auch wohl dazu.

    Hier meine Langzeiterfahrungen:

    Bereits nach einem Jahr musste ich erste Ermüdungserscheinungen feststellen. Es fing schon an, wenn die Kassette nicht mehr ganz frisch war. Gute Ergebnisse erzielte ich immer noch mit neuen Maxell XL II-S Bändern. 1991/92 waren das die schweren, anthrazitfarbenen Gehäuse. Von den Vorgängern hatte ich auch eine ganze Reihe, die wurden zwischen 1983 und 1986 hergestellt und hatten das goldfarbene Label, dazu eine sehr glänzende Bandoberfläche. Ich habe diese Bänder eigentlich immer gern verwendet, zumal sie nicht so schwergängig waren wie die Nachfolger. Bespielte ich diese aber neu mit dem GX-75, war das Ergebnis katastrophal. Ein ständiges Schwanken der Lautstärke, von Höhen war kaum noch die Rede. Wenn ich die Einmesshilfe kalibrierte, zappelten die beiden Balken nur so.
    Nächstes "Testobjekt" ist eine uralte AGFA-Kassette vom Typ "Low-Noise" aus den 70er Jahren, die sollte mit dem 2 - 3 Jahre alten Akai-Deck neu bespielt werden. Schalten wir nun die Einmesshilfe ein. Während der untere Balken völlig dunkel bleibt, leuchtet beim oberen nur das allererste Glied der LED-Kette auf, egal wie man die beiden Drehregler auch positioniert. Dementsprechend schwach ist auch die Aufnahme, sofern diese überhaupt mit diesem betagten Bandmaterial noch möglich ist. Als das Gerät neu war, erzielte man mit diesem Bandmaterial noch befriedigende Ergebnisse.
    Danach versuchen wir unser Glück mit einer Standardkassette, egal ob neu oder schon mal bespielt. Meine Favoriten waren Maxell XL II (S)/UD II/UDXL II, TDK SA (X), BASF CR-S II (E II, M II), Sony UX (S), sprich all das, was in den 80er und 90er Jahren in der Chromklasse üblich war. Meistens funktionierte die Einmessung problemlos, die Aufnahmequalität war gut bis akzeptabel (aber besser war sie schon mal). Als ich Anfang dieses Jahrtausends meine Kassetten digitalisierte, gehörten diese Aufnahmen mit zu dem problematischsten. Im Prinzip waren diese nicht mehr nennenswert besser als die früheren Aufnahmen mit dem Yamaha K-320. Vor allem nach ein paar Jahren wurden sie immer höhenärmer, je länger ich sie "lagerte".

    In diversen HiFi-Foren im Internet habe ich gelesen, dass auch andere Besitzer des GX-75 über ähnliche Erfahrungen berichteten: erstklassige Aufnahmequalität nur für gewisse Zeit, danach Höhenschwund. Sogar von Bänderknittern musste ich öfter lesen, dieses Problem hatte ich lediglich bei wenigen Kassetten (ich erinnere mich speziell an eine Sony UX-S).
    Es mag sein, dass die Köpfe meines GX-75 magnetisiert waren. Hier soll die Verwendung einer Entmagnetisierungskassette bzw. -drossel Abhilfe schaffen. Selbst habe ich keine Erfahrungen damit machen können. Als Ende 1997 die Qualität ganz schlecht wurde, ersetzte ich das Gerät durch ein Yamaha KX-690, mit dem ich sehr gute Erfahrungen machte (zweitbestes Deck, das ich hatte; Spitzenreiter: Yamaha K-560).

    Auch die elektronische Schließung des Kassettenfachs bereitete nach einigen Jahren Probleme. Es schloss bei eingeführter Kassette nicht mehr immer komplett, manchmal musste man den Kassettenfachdeckel mit dem Finger noch etwas anschubsen.

    Ich habe ganz bewusst auch die weniger guten Langzeiterfahrungen hier genannt, denn zum einen hätte ich von einem Gerät in dieser Preisklasse eine wesentlich längere Stabilität erwartet, zum anderen möchte ich darauf hinweisen, dass schon auf die Beschreibung des Zustands zu achten ist, wenn man dieses Gerät gebraucht erwirbt.


    FAZIT / EIGENE MEINUNG

    Bezeichnet wird es oft genug als DAS High-End-Kassettendeck. Aber ich persönlich war mehr als enttäuscht über die Kurzlebigkeit des Gerätes bzw. über die viel zu schnell schon nachlassende Tonqualität. Gerade von einem Gerät in dieser Preisklasse und mit den angeblich lebenslang haltenden Tonköpfen sollte man schon viel mehr erwarten. Es sollte wirklich jahrelang halten und nicht nach nur 1 - 2 Jahren schon schlapp machen. Und das lag nicht an den Kassetten bei mir - damals war meine Lieblingskassette die Maxell XL II-S, welche damals eine der besten in der Chromklasse war. Und man sollte auch erwarten können, dass eine nur 3 - 4mal vorher bespielte ältere Chromkassette weiterhin voll verwendungsfähig ist (die "Gebrauchten" schnitten nämlich noch schlechter bei mir ab als nagelneue Kassetten).
    Auch wenn es gut ging bei der Aufnahme, so war ich auch enttäuscht, dass nach ein paar Jahren der Archivierung die Qualität doch ziemlich nachließ. Auch in dieser Hinsicht hatte ich mit anderen Kassettendecks teilweise bessere Ergebnisse.
    Selbst wenn es wirklich an zu hohem Magnetismus gelegen haben sollte, ich bleibe enttäuscht. Ein solches Problem habe ich mit meinen anderen Kassettendecks nie gehabt, obwohl diese teils noch viel länger im täglichen Einsatz waren. Es ist also Vorsicht geboten bei Gebrauchtkäufen.

    Ich empfehle dieses Deck zwar weiter mit "empfehlenswert", aber mit einigen Einschränkungen (nur 3 Sterne). Wenn Ihr Glück habt und ein Exemplar erwischt, das nicht von diesem zu schnellen Alterungsprozess betroffen ist, dann habt Ihr eine super Maschine! Wer heute noch auf analoge Kassettenaufnahme angewiesen ist, könnte sich auch nach günstigeren Alternativen umsehen. Mein ehemaliges Yamaha K-560 ist zwar sehr schlicht und noch ein Stück älter als das Akai, aber dafür ideal für Langzeitarchivierung der Aufnahmen. Auch andere HiFi-Klassiker wie z.B. Dual oder Revox sollen im Bereich der Kassettendecks (von vor ca. 20 - 25 Jahren) einen sehr guten Ruf haben. Ich kenne diese beiden zwar persönlich nicht, aber es muss nicht unbedingt das Kultteil von Akai sein, wenn Ihr einen soliden Tapedeck-Klassiker mit optimalen Aufnahmeeigenschaften sucht. Da gibt es auch noch genug Alternativen!

    Erstveröffentlichung von mir unter gleichem Benutzernamen auch bei ciao.de in 04/2003

Akai GX-75 im Vergleich

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