Auge - Frank Herbert Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Sehr schön illustrierter Storyband
ein Testbericht von mima0072003-03-18 16:02:30vom 18.03.2003Empfehlung: ja
Vorteile: sehr schön gemachter Storyband mit zahlreichen Illustrationen, ein Sammlerstück
...Nachteile/Kritik: gibts nur noch bei abebooks oder sfbasar.de
"Auge" ist eine Sammlung von illustrierten Kurzgeschichten des Erfinders des "Wüstenplaneten" und bietet einen repräsentativen Querschnitt durch Herberts Werk eine Ehrung und Erinnerung an ihn: Denn am 11. Februar 1986 starb der Science Fiction-Autor an den unerwarteten Komplikationen nach einer vorsorglichen Krebsoperation.
Der Herausgeber hat die Geschichten jeweils mit genauen Angaben zur Erstveröffentlichung versehen und in zeitlicher Reihenfolge sortiert. Die Auswahl hingegen erfolgt noch durch Herbert selbst, der das Erscheinen der US-Ausgabe noch erleben konnte. Durch den engen Kontakt, den herbert und der bekannte Illustrator Jim Burns pflegten, entstanden realistische, eng an den jeweiligen text Schwarzweiß-Illustrationen.
Ein Höhepunkt dieser Arbeiten stellt sicherlich der Bilderzyklus "Auf dem Wüstenplaneten" dar. Der nach den Illustrationen geschriebene Text dieses Kapitels (keine Story!) steht umschreibend neben der Hauptsache, dem Bild. Zu sehen sind auf diesem "Rundgang" die Palastanlagen in Arrakeen, der Tempel Alias, ein Außenpanorama – vor allem aber mehrere Figuren aus den Romanen: Prinzessin Irulan, hier tituliert als "Mua'dibs jungfräuliche Gefährtin" (?!), daneben auch Duncan Idaho und eine hohe Vertreterin des Bene-Gesserit-Ordens, Gaius Helen Mohiam.
Die zwölf Geschichten selbst sind von unterschiedlicher Qualität und oftmals von politischer Thematik. Ein Beispiel sei herausgegriffen. "Der Drache in der See" ist die Vorlage zu Herberts erstem Roman "Atom-U-Boot 1181" ("The dragon in the sea"). Darin geht es recht spannend um die Frage, wie ein Kapitän eines Schiffstyps mit solcher Vernichtungskraft ethisch angemessen oder rechtfertigbar handeln kann. Am Ende der Geschichte bricht der Spannungsbogen leider abrupt ab. Wer wissen will, wie es weitergeht, muss sich den entsprechenden Roman im Antiquariat kaufen.
Eine gewisse Entschädigung bildet die Einführung zu dieser Sammlung. Herbert liefert hier interessante Hintergrundinformationen zur Filmproduktion von "DUNE – Der Wüstenplanet" aus einer eigenen Sicht. Dazu gehört eine Detailliste von herausgeschnittenen, bereits fertig gedrehten Szenen. Sie und andere Szenen machen etwa drei Fünftel des Gesamtmaterials aus! Inklusive dieses Materials hätte es der Film auf eine Gesamtlänge von rund 5 Stunden gebracht. Leider wurde die damit anvisierte TV-Mini-Serie nie realisiert. Dies gelang erst Ende 2000 mit völlig anderen Darstellern. Diese DUNE-Version findet im Januar 2001 ihren Weg ins deutsche Fernsehen (Pro7).
Porträts des Autors, des Illustrators und weitere Erklärungen zu den Illustrationen runden die ganze Ausgabe ab. Das trägt zu einer selten anzutreffenden Geschlossenheit dieser Buchproduktion bei. Zahlreiche Geschichten dieser Sammlung sind nochmals in der Collection "Der Tod einer Stadt" wiederzufinden (ebenfalls bei Heyne), die wesentlich umfangreicher ist.
Fazit
Zweifellos handelt es bei diesem Buch um ein Sammlerstück. Für nur 12 Stories ebenso viele Markstücke hinzulegen, war schon 1987 recht teuer. Aber es lohnt sich: So eine geschlossene, wertvolle Buchausgabe von einem der wichtigsten Science Fiction-Autoren und dem bestbezahlten Science Fiction-Illustrator kommt niemals wieder.
Info: Eye, 1985; Heyne 1987, Nr. 06/4441, München; 397 Seiten, aus dem US-Englischen übertragen von Ronald M. Hahn, zahlreiche Illustrationen von Jim Burns; ISBN 3-453-00959-2