Vom Gottesstaat. (De civitate dei) Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Hoffnung auf Glückseeligkeit
ein Testbericht von Lukrezia1232009-09-08 19:08:08vom 08.09.2009Empfehlung: ja
Vorteile: Klassiker, flüssig zu lesen, Thematik...Nachteile/Kritik: manchmal zu ausschweifend
Heute stelle ich euch das Buch vor, über das ich die letzten Wochen eine Hausarbeit geschrieben habe. Es handelt sich um "de civitate dei", ein Klassiker der theologischen Literatur.
~~~~~~Daten~~~~~~
Autor: Aurelius Augustinus
Aus dem Lateinischen von: Wilhelm Thimme
Titel: Vom Gottesstaat
Originaltitel: De civitate dei
Verlag: dtv
Erscheinungsjahr: 1977
ISBN: 3 423 02160 8
Taschenbuch: ja, in zwei Bänden
damaliger Preis: 48 DM
HINWEIS: Auf dem Bild seht ihr die aktuelle Ausgabe, die auch in zwei Bändern erhältlich ist und 39 € kostet. Ich besitze die Vorgängerausgabe, die inzwischen nur noch über Antiquariate zu beziehen ist.
~~~~~~Kurze Biographie von Augustinus~~~~~~
Augustinus wurde 354 in Nordafrika als Sohn eines Heiden und einer Christin geboren. Er wurde Lehrer für Rhetorik , wirkte unter anderem in Rom und Mailand. Dort hatte er auch eine Beziehung zu einer Frau, aus der ein Sohn hervorging. 387 lässt er sich taufen und legt sein Amt als Lehrer nieder; er verzichtet auf die Ehe und zieht sich ins monastische (klosterähnliche) Leben zurück. 390 wird er dann zum Priester geweiht und bereits fünf Jahre später ernennt man ihn zum Bischof von Hippo in Nordafrika. Vier Jahre nachdem er sein Hauptwerk "De civitate Dei" verfasst hat, stirbt Augustinus im Jahre 430.
Er zählt zu den vier Kirchenvätern der katholischen Kirche, sein Namenstag wird am 28. August, dem Tag seines Dahinscheidens begangen. Dargestellt wird er mit einem brennenden Herzen oder einem kleinen Jungen, der einen Löffel in der Hand hat. Der Hintergrund zu dieser letzten Darstellung war, dass Augustinus einen kleinen Jungen am Strand sah, der mit einem Löffel Wasser vom Meer in die ein kleines Loch schöpfte. Auf Frage, was er denn da mache, antwortete ihm der Junge: "Ich schöpfe das Meer aus." Auf den Hinweis Augustinus´, dass es sich hierbei um ein törichtes, nicht zu verwirklichendes Unterfangen handelte, erwiderte der Kleine: "Genauso wenig, wie ich es schaffe, das Meer auszuschöpfen, bekommst du Gott in deinen Geist."
~~~~~~Warum wurde der Gottesstaat verfasst?~~~~~~
Das Buch "de civitate dei" stellt eine Verteidigungsschrift für das Christentum dar. Als die Westgoten im Jahre 410 Rom eroberten, wurden Stimmen laut, die den Christen die Schuld für den Fall der ewigen Stadt gaben. Schließlich war Rom immer wehrhaft gegen die restlichen Völker, als noch die alten Götter verehrt wurden. Seit das Christentum jedoch Staatsreligion war, ging es mit dem damaligen Weltreich bergab, was natürlich aus heutiger Sicht durch andere Faktoren bedingt war.
Aus diesem Grund machte sich Augustinus daran, ein Konzept zu entwerfen, das alle irdischen Reiche als vergänglich darstellt und allein dem Reich Gottes, das mit dem Jüngsten Gericht beginnt, Ewigkeit zugesteht.
~~~~~~Der Inhalt~~~~~~
Das Werk ist in 22 Bücher eingeteilt. In den ersten fünf Büchern argumentiert Augustinus gegen diejenigen, die heidnischen Götterkult betreiben, um irdisches Wohlergehen zu erlangen. In den folgenden Büchern geht er gegen die Heiden vor, die auch zusätzlich noch soweit gehen, dass sie von ihrem Glauben jenseitiges Glück erwarten und kritisiert platonische und neuplatonische Theorien. Dann kommt der eigentliche Hauptteil des Buches. Die Bücher XI bis XIV erklären, wie die beiden Staaten entstanden sind, dann wird ihr historischer Verlauf erläutert. Die Bücher XIX bis XXII erzählen von dem
Ende der Zeiten, davon, was die Bürgerschaften nach dem Tod erwartet.
Augustinus geht davon aus, dass es zwei Bürgerschaften gibt, die auf der Welt umherwandern. Zum einen ist da die civitas dei, die Bürgerschaft Gottes, die durch ihre Liebe zu Gott geprägt ist und die nach dem Tod die ewige Glückseligkeit erlangen wird. Zum zweiten gibt es die civitas diaboli, die durch ihre Selbstliebe und die daraus resultierenden egoistischen Handlungen nach dem Jüngsten Gericht die ewige Strafe erleiden wird. Bevor Christus auf die Welt kam, um die Menschheit durch seinen Tod am Kreuz zu erlösen, waren es hauptsächlich die Nachfahren von Abraham, die der civitas dei angehörten. Nach der Auferstehung konnte jeder, der an Christus glaube, Aufnahme in die Bürgerschaft Gottes erlangen.
~~~~~~Meine Meinung~~~~~~
Man möge es mir verzeihen, dass die Inhaltsangabe etwas kurz geraten ist, doch die Detailliertheit, mit der Augustinus die civitates schildert, würde an dieser Stelle nur ermüden. Im Gegenzug wird meine Meinung zu dem Buch etwas ausführlicher und hier wird dann auch auf den einen oder anderen Aspekt des Werks eingegangen werden.
Viele fragen sich wahrscheinlich, wie man dazu kommt, sich ein über tausend Jahre altes Werk zu Gemüte zu führen. Ich gebe zu, bei mir war es nicht in erster Linie aus reinem Interesse, sondern ich musste eine Hausarbeit im Fach politische Philosophie verfassen, in der sich die Fragestellung auf "de civitate dei" bezog. Das Lesen des Buches gestaltete sich überraschend einfach, was nicht zuletzt der Übersetzung von W. Thimme zu verdanken ist, der sich durch seine sprachliche Qualität auszeichnet. Für das über 1.000 Seiten umfassende Werk habe ich mit Herausschreiben und gliedern nur 5 arbeitsintensive Tage gebraucht, obwohl ich gut eine Woche eingeplant hatte. Der Stil ist zumeist sachlich, nur da, wo eine Darlegung für Augustinus besonders wichtig erscheint, wird es ausschmückend. Die 22 Bücher sind in Unterkapiteln von ein bis drei Seiten gegliedert und sind mit Überschriften versehen, so dass eine leichte Orientierung und ein rasches Vorankommen ermöglicht wird.
An manchen Stellen, vor allem in der zweiten Hälfte des Werks schweift Augustinus gelegentlich so sehr ab, dass man sich beim lesen wünscht, er würde doch bald wieder zum roten Faden zurückkehren. So finden sich in "de civitate dei" seitenlange Bibelauslegungen, die mit seinem staatstheoretischem Entwurf kaum etwas zu tun haben. Hier muss man jedoch Verständnis aufbringen und bedenken, dass das Christentum zur Zeit des Kirchenvaters noch in den Kinderschuhen steckte und Augustinus einer der ersten großen Theoretiker war, der natürlich auch die Fundamente des Glaubens den Gelehrten seiner Zeit nahe bringen wollte.
Die Idee von zwei Bürgerschaften, die die Erde bevölkern, ist für die Zeit geradezu revolutionär. Noch dazu, weil man während des Lebens nicht feststellen kann, welcher Bürgerschaft man angehört. Erst nach dem Tod zeigt sich, ob man der civitas dei oder der civitas diaboli angehört. Nicht einmal die Mitgliedschaft in der christlichen Kirche bietet Gewissheit, die ewige Glückseligkeit zu erlangen, trotzdem solle die Kirchenführung immer mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Mitgliedern das Leben vorleben, das sie zur Erlangung des der ewigen Glückseligkeit führt.
Bei dem Gottesstaat handelt es sich nicht in erster Linie um ein theologisches Werk, sondern Augustinus hat einen Meilenstein in der europäischen Philosophiegeschichte geschaffen. Dadurch, dass er oftmals abschweift und jeden Aspekt soweit wie möglich zu begründen sucht, behandelt er eine Vielzahl von Bereichen aus der praktischen und theoretischen Philosophie. So geht er zum Beispiel auf den freien Willen ein, in der Geisteswissenschaft "Determinismus-Problem" genannt. Nach Augustinus ist Gott allwissend. Diese Allwissenheit geht soweit, dass er bereits bei der Schöpfung wusste, was mit jedem von uns passieren wird. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass unsere Leben auf vorgegebenen Bahnen abläuft, was eigentlich bedeuten würde, dass die Menschen keinen freien Willen haben. Das würde jedoch bedeuten, dass wir jeglicher Verantwortung entzogen sind, da wir uns ohnehin blind dem Schicksal unterwerfen müssen. Dieses Paradoxon löst der Kirchenvater jedoch, indem er behauptet, dass Gott selbst menschliches Wollen voraussieht. (Darüber lohnt es sich mal nachzudenken!)
Die beiden Bürgerschaften wandern also auf der Erde umher und ihre Aufgabe ist es, die Seelen für das ewige Reich zu sammeln. Es ist immer schwer für uns Menschen zu glauben, dass die Welt einmal nicht mehr sein wird. Die Idee eines darauffolgenden ewigen Reiches, auf das wir hoffen können, ist für mich persönlich tröstlich. Klar, es gibt keine Beweise dafür und die Naturwissenschaften haben in den letzten Jahrhunderten gezeigt, dass man die Welt auch ohne Gott recht gut erklären kann. Trotzdem gibt es noch viele gläubige Menschen; ganz einfach aus dem Grund, weil eine Entzauberung unseres Daseins durch mathematische Formeln nicht zu unserem Naturell passt. Der Mensch strebt nach Wissen, das ist klar, doch strebt er auch danach, sich aufgehoben zu fühlen, auf etwas vertrauen zu können. Das mag der Grund sein, warum er sich einen Gott geschaffen hat. Auf dieses Wesen hat er nämlich keinen Einfluß, umgekehrt aber schon. Sich Gedanken über Gott zu machen ist nicht altmodisch, im Gegenteil. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit empfinde ich es für mich wichtig, mein Leben an einem festen Ankerplatz anleinen zu können. Man muss nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen oder ein heiligengleiches Leben führen, allein der Glaube an etwas, das für einen da ist, hilft einen in vielen Lebenslagen.
Für "de civitate dei" vergebe ich volle 5 Sterne. Eine Leseempfehlung auszusprechen ginge wohl zu weit, da die meisten von euch sich nicht unbedingt für die Details der christlichen Mythologie interessieren werden. Trotzdem möchte ich betonen, dass mir der Gottesstaat wahnsinnig viel Kraft gegeben hat, da er die Liebe zu Gott und die Ewigkeitserwartung ins Rampenlicht rückt. Wer sich daran versuchen will, wird es auf keinen Fall bereuen.
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Produktbeschreibung Vom Gottesstaat. (De civitate dei) (Taschenbuch)
Allgemeine Informationen Vom Gottesstaat. (De civitate dei)
ISBN: 3423301236
EAN: 9783423301237
gelistet seit: 11.06.2004Bewertung durch unsere Mitglieder
Produktbewertung:
Details
Erscheinungsjahr: September 1997
Untertitel: Bd. 1 Buch 1-10 / Bd. 2 Buch 11-22. (_Tb)
Auflage: 4. A.
Hersteller / Verlag: DTV Deutscher Taschenbuch
Seitenzahl: XXXII, 621; XXXII, 1018 S.
Maße (L x B x H): 195 x 123 x 60
Ausgabeformate: Taschenbuch
Kurztitel: Augustinus, A: Gottesstaat /2 Bde.
Mehrbändigkeit: 2 Bände.
Unverbindliche Preisempfehlung: 29.50
Herausgeber: Mit einem Kommentar von: Andresen, Carl
Schlagworte: Gott - Gottheit;Göttlich;Gottheit / Gott;Staat;
Übersetzer: Aus d. Lateinischen v.: Thimme, Wilhelm
Vom Gottesstaat. (De civitate dei) (Taschenbuch) im Vergleich
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