Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Bergwerk im Keller - Das Oberharzer Bergwerksmuseum
ein Testbericht von Swinja2003-06-15 22:28:36vom 15.06.2003Empfehlung: ja
Vorteile: historisch fundierte Drastellungen, interssante Schaustücke...Nachteile/Kritik: keine Superlative und keine Sensationen
Es ist nur natürlich, daß eine Region, die jahrhundertelang vom Bergbau geprägt wurde, dies auch irgendwann in musealer Form festhält, auch wenn es diesen Bergbau schon lange nicht mehr gibt.
Im Oberharz, im Bereich der Bergstädte Clausthal und Zellerfeld, wurde seit der ersten Jahrtausendwende - vermutlich auch schon früher - geschürft, denn vor allem Kupfer, Blei und Zink konnten hier gewonnen werden, auch ein bißchen Silber. Nach einer wechselvollen, fast tausendjährigen Geschichte wurde der Bergbau um 1930 herum eingestellt, in der Nachbarstadt Bad Grund überdauerte eine Restbetrieb bis in die 90er Jahre.
Schon in den 30er Jahren entstand die Idee, dem untertage schaffenden Volk ein Denkmal zu setzen - und zwar auf dem Gelände eines bereits vorhandenen Heimatmuseums in Zellerfeld. Nicht mehr benötigte, sonst vom Abriß bedrohte Gebäude und technische Anlagen wurden an dieser Stelle wieder aufgebaut, verbunden mit einem Schaubergwerk, das neu angelegt wurde.
In dem äußerlich wenig spektakulär wirkenden hübschen Gebäude - das Zwischen einer Museumsgaststätte, einem Gemischtwarenladen und einem zur Frittierstube umfunktionierten Gemüseladen 'eingeklemmt' liegt - zeigt die Ausstellung auf drei Etagen Schaustücke vom Leben im Oberharz, vom Bergbau in seinen Anfängen, von seinen Begleiterscheinungen (z. B. Entstehung einer Bergschule), vom Münzwesen, vom Leben und Sterben einfacher und besserer Leute, und von berühmten Abkömmlingen der Bergstädte - da wäre zum Beispiel Robert Koch zu nennen. Im Keller, in dem früher ein eigens dafür ausgebildeter Museumsmitarbeiter Erzbrocken zerschlug (im Harzer Originaldialekt: '...auf Wurzen draufgebufft hat...'), ist seit einigen Jahren ein Mineralienkabinett eingerichtet, das sich aber nicht nur auf lokal vorkommende Minerale (z. B. Selenblei, der 'Clausthalit') beschränkt. In einem Nebenraum der allerobersten Etage läuft ein Endlosvideo mit in den 30er Jahren gedrehten Szenen aus dem Bergbau.
Aber der Höhepunkt des Besuches ist eine Führung durch das Schaubergwerk, die im Schachtgebäude im Hinterhof des Museums beginnt. Man erfährt, was eine 'Fahrkunst' ist, warum Bergleute immer vor dem Einfahren beteten (und nicht erst, wenn sie schon unten waren), und was es mit einer ominösen Holzkabine neben der 'Hängebank' auf sich hat. Während man enge Gänge und steile Treppen hinuntersteigt ('einfährt'), wird einem auch erklärt und vorgeführt, warum man einen mehrere Zentner schweren, mit Gestein gefüllten Grubenwagen (einen 'Hund') trotzdem mit einer Hand anheben kann, und daß 'angezündete Frösche' hier keine Tierquälerei sind.
Inzwischen befindet man sich tief unter der Erde (ach ja?) und der Bergwerksführer wird einem hier auch zeigen, was man früher unter 'Beleuchtung am Arbeitsplatz' verstand. Einer seiner Amtsvorgänger pflegte einem spätestens hier mit schallender Stimme und zahlreichen 'Glückauf' das bekannte Steigerlied vorzusingen, sowie unter dem Hinweis auf '...gewaaaltige Wassermassen...' die breite Verwendung der Wasserkraft als Energieträger deutlich zu machen.
Am Ende des ca. einstündigen Exkurses steht man vor einem der Motoren der Frühzeit, einem hölzernen Wasserrad, wie sie zu Hunderten hier oben (oder besser unten?) im Einsatz waren. Man verläßt den Stollen zurück ans Tageslicht und wundert sich, wie schnell das 'Ausfahren' geht. Eigentlich kein so großes Wunder, denn die ganze Stollenanlage liegt nicht tiefer als ein normaler Keller.
Ein kleiner Rundgang durch die im Hinterhof aufgestellten Freianlagen (Gaipelhaus, Erzauifbereitung etc.) rundet den Besuch
ab.
Neben allerlei Souvenirs - Bücher, Postkarten, Grubenlampen - verkauft die Kasse auch originale Erzbrocken aus dem letzten Bergwerk in Bad Grund, wobei vor allem der goldene, manchmal auch bunt anlaufende Kupferkies und der silbrig glänzende Bleiglanz schöne Mitbringsel sind. Sie werden in allen Größen vom faustgroßen Handstück bis zum in Fläschchen abgefüllten Grus verkauft. Allerdings: auf den ersten Blick leere Fläschchen mit der Aufschrift 'Original Grubenwetter aus Bad Grund' dürften eher ein unseriöses Angebot sein.
Zu loben ist das Gesamtkonzept. Hier werden keine Superlative vorgestellt und kein Museumsbergbau auf Jahrmarktsniveau betrieben. Statt dessen liegt das Gewicht auf einer wissenschaftlich fundierten Darstellung einer für die Region so prägenden, tausend Jahre dauernden Ära.
...