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| 20577 WOLFGANG BORCHERT *DAS GESAMTWERK* +Nachwort HC |
6,44 € |
5T 22Std. | 0 | ||
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![]() Das Leben selbst ist Weinein Testbericht von Boadicea2004-06-23 17:58:23 vom 23.06.2004 Empfehlung: ja Vorteile: wundervoll, bewegend...Nachteile/Kritik: ***Ich kann mich immer schnell für solch originelle Bilder und Wortwahlen begeistern, und so war ich also geradezu hingerissen von diesem Satz (und bin es heute noch). Ich informierte mich mehr über diesen Autor, und fand heraus, dass seine Persönlichkeit nicht weniger faszinierend war, als die Werke, die er schuf. Wolfgang Borchert wurde am 20. Mai 1921 in Hamburg geboren, war Buchhändler, dann Schauspieler, kam dann 1941 an die Ostfront. Erst 1945, nachdem er zuletzt nach Russland geschickt worden war, kehrte er in das zerstörte Hamburg zurück, chronisch fieberkrank. Er arbeitete unter anderem als Kabarettist, bis Freunde ihm einen Kuraufenthalt in der Schweiz ermöglichten. Da war es wohl schon zu spät. In nur zwei Jahren schrieb Borchert sein gesamtes Werk nieder, er brachte leidenschaftlich alle seine Erinnerungen in Gedichten, über 20 Kurzgeschichten und in seinem Drama "Draußen vor der Tür" zu Papier. Am 20. November 1947 starb Borchert in Basel. Sein Drama wurde einen Tag nach seinem Tode in Hamburg uraufgeführt. Borcherts Werk gehört dem Genre "Trümmerliteratur" an, also der Literatur, die verfasst wurde, als die Welt nach dem Krieg in Trümmern lag. Sein Werk ist in dem Buch: "Wolfgang Borchert: Das Gesamtwerk" zusammengefasst, erscheint bei rororo für 8,50 Euro. Gedichte unter der Überschrift "Laterne, Nacht und Sterne" bilden die erste Kategorie des Buches. Dies sind Gedichte, die von Borcherts Heimatstadt Hamburg inspiriert sind. Man muss diese Gedichte dabei als über Kritik erhaben betrachten, obwohl sie teilweise vielleicht nicht "lyrisch-einwandfrei" sein mögen, dienen sie in diesem Werk, worauf auch hingewiesen wird, eher der Betonung der künstlerischen Persönlichkeit Borchert. Seine Worte sind hier einfach, klar, und bewegend, handeln von dem Gefühl der Einsamkeit, der Dunkelheit und der Großstadt, aber auch von Hoffnung, von Liebe. Dabei sprechen sie in beeindruckend starker Weise für sich selbst, wenn man sie länger ausklingen lässt. Borchert scheint dabei Alliterationen und Personifikationen zu lieben: "Das Meer grinst grün und glasiggrau" heißt es im Gedicht "Prolog zu einem Sturm". Unter dem Motto "Die Ausgelieferten" folgen nun 4 Kurzgeschichten: ?Die Hundeblume?, "Die Krähen fliegen abends nach Hause", "Stimmen sind da ? in der Luft ? in der Nacht" und "Gespräch über den Dächern", die dem Jahr 1946 entstammen. Die Hundeblume ist dabei eines der größeren Prosawerke Borcherts. Ich bitte dabei um Verständnis, das ich hier nicht jede Geschichte in eine kurze Zusammenfassung presse, die m.E. werde Borchert noch der Geschichte gerecht werden könnte. Wieder 5 Geschichten sind unter der Überschrift "Unterwegs" zusammengefasst: "Generationen ohne Abschied", "Eisenbahnen, nachmittags und nachts", "Bleib doch, Giraffe", "Vorbei vorbei" und "Die Stadt". Erstere ist dabei eher ein Appell, als eine typische Kurzgeschichte. Die zweite hat wieder ein besonders schönes Zitat zu bieten: "Mensch bist du, giraffeneinsam ist dein Hirn irgendwo oben am endlosen Hals. Und dein Herz kennt keiner genau." Die folgenden Geschichten "Hamburg", "Billbrook" und "Die Elbe" fallen unter die Überschrift: "Stadt, Stadt: Zwischen Himmel und Erde". "Hamburg" fasst zusammen, was diese Stadt für Borchert bedeutet. Auf diese Kurzgeschichten folgt zunächst das Drama "Draußen vor der Tür", die Geschichte von einem jungen Soldaten, der verletzt aus dem Krieg zurückkehrt und spüren muss, dass er kein zu Hause mehr hat, dass im Bett seiner Frau ein anderer liegt, ein Soldat, der die bedrückende Verantwortung an seinen Vorgesetzten abgeben will. Untertitel dieses Stücks ist "Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will", eine Formulierungen, die eine Interpretation in zwei Richtungen zulässt. Erstaunlicherweise schrieb Borchert das Stück in nur wenigen Tagen nieder. Der Nordwestdeutsche Rundfunk hat dazu auch ein Hörspiel produziert. Verfilmt wurde es unter dem Titel "Liebe 47" von Wolfgang Liebeneiner. Eines der bedrückensten, aufwühlensten Stücke, das es in der Literaturwelt gibt. Weitere 19 seinem Vater gewidmete Kurzgeschichten sind unter der Überschrift "An diesem Dienstag" zusammengefasst: "Die Kegelbahn", "Vier Soldaten", "Der viele viele Schnee", "Mein bleicher Bruder", "Jesus macht nicht mehr mit","Die Katze war im Schnee erfroren", "Die Nachtigall singt", "Die drei dunklen Könige", "Radi", "An diesem Dienstag" unter dem Motto "Im Schnee, im sauberen Schnee", "Der Kaffee ist undefinierbar", "Die Küchenuhr", "Vielleicht hat sie ein rosa Hemd", "Unser kleiner Mozart", "Das Känguruh", "Nachts schlafen die Ratten doch", "Er hatte auch viel Ärger mit den Kriegen", "Im Mai, im Mai schrie der Kuckuck" und "Die lange Straße lang". Die letzten zehn erscheinen unter dem Motto "Und keiner weiß wohin". Darauf folgen noch einige nachgelassene Gedichte, die zwar in der selben Zeit wie dien anderen Gedichte entstanden sind, wurden aber aus einem noch umfangreicheren Nachlass Borcherts ausgewählt, dem er selbst nicht viel Bedeutung beimaß. Ich möchte hier einmal ein Beispiel für ein Gedicht Borcherts geben: Der Mond lügt Der Mond malt ein groteskes Muster an die Mauer. Grotesk? Ein helles Viereck, kaum gebogen, von einer Anzahl dunkelgrauer und schmaler Linien durchzogen. Ein Fischernetz? Ein Spinngewebe? Doch, ach, die Wimper zittert, wenn ich den Blick zum Fenster hebe: Es ist vergittert. Obwohl man Lyrik und auch Epik ja allgemein nicht unbedingt biographisch erklären soll, sondern den Ansatz eher werkimmanent suchen soll, so lassen sich doch Parallelen bei Borchert nie vermeiden. Im Gegensatz zu etwa einer biographischen Interpretation von Kafkas Werken wirkt jedoch diese Art der Interpretation zum Glück nie reduzierend. Acht Nachgelassene Erzählen schließen die Sammlung Borcherts Werke ab. Hier befindet sich auch eine aus dem gesamten Werk herausstechende Geschichte: "Schischyphusch", erzählt von einem Nachmittag in einem Café, bei dem der Onkel des Erzählers, der durch eine Kriegsverletzung mit einem Zungenfehler gestraft ist, durch den er kein "S", sondern nur "Sch" sprechen kann, auf einen Kellner trifft, der den gleichen Zungenfehler von Geburt an hat, und darunter sein Leben lang zu leiden hatte. Die Geschichte hat einen abgründigen, schwarzen Humor, den man bei anderen Werken Borcherts nie in diesem Ausmaß findet. Trotzdem ist diese Geschichte m.E. eine der bewegensten unter den Werken Borcherts. Den Abschluss bildet Borcherts Geschichte "Sag nein", die er ein Appell, eine Warnung der Menschheit ist vor einem weiteren Krieg. Er warnt davor, dass ein Krieg sich wiederholen könnte, wenn wir nicht schon die ersten Anzeichen erkennen und "Nein" sagen. Im Anschluss an Borcherts Werke folgt noch ein Nachwort von Bernhard Meyer-Marwitz, das ein detaillierteres Bild vom Menschen Borchert zeichnet. Obwohl seine Geschichten, seine Gedichte häufig vom Schrecken des Krieges, von zerstörten Persönlichkeiten handeln, warnen, anklagen und den Menschen hinter all dem Schrecken suchen, war Borchert kein pessimistischer Mensch. Sein Satz "Was morgen ist, auch wenn es Sorge ist, ich sage: Ja!" leitet das Nachwort ein, Borchert hat sein Leben, soweit es ihm möglich war, es richtig zu leben, dem Schreiben gewidmet, und sich dabei während seiner Krankheit immer weiter geschwächt. Ich möchte gar nicht eingehen auf die aktuellen Bezüge einer solch aufrüttelnden Literatur. Nicht nur die Botschaft von Borcherts Literatur ist bewegend, auch seine Art zu schreiben ist, wenn man auch die Umstände, unter denen er schrieb berücksichtigt, erstaunlich. Er konnte nicht viel Zeit verschwendet haben, seine Geschichten mehrmals zu überarbeiten. Seine Zeilen sind impulsiv und scheinen direkt aus seinem Herzen gekommen zu sein. Sie brauchen noch nicht einmal den Hintergrund, vor dem sie aufrichtig stehen, sie stehen für sich, als pure, starke Bilder. Wolfgang Borchert ist kein Autor von Schullektüre. Borchert war eine starke, interessante Persönlichkeit, deren Gesundheit der Krieg wohl brechen konnte, nicht aber seine Lust zu schreiben, in der sich nicht nur seine Verzweiflung, sein Unverständnis, seine Qual ausdrückt, sondern auch seine Lebenslust, die sich in seiner Liebe zum (nie übertriebenen) Detail zeigt. Danke fürs Lesen! Berauscht euch! Nur berauscht Läßt sich dies Leben leben ? Berauscht von Geist und Blut und Reben, berauscht von Licht und Dunkelsein! Sauft doch das Leben ? Das Leben selbst ist Wein. Wolfgang Borchert Boadicea/Boda für yopi, dooyoo, ciao u./o. compinion ... |
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Allgemeine Informationen Wolfgang Borchert: Das Gesamtwerk
ISBN: 3499225093
EAN: 9783499225093
gelistet seit: 10.06.2004
Hersteller: Borchert, Wolfgang weitere Borchert, Wolfgang Belletristik Gesamtausgaben Bewertung durch unsere Mitglieder
| Details Hersteller / Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verla Maße (L x B x H): 193 x 126 x 27 Erscheinungsjahr: September 1998 Kurztitel: Borchert, W: Gesamtwerk Untertitel: (_Tb) Schlagworte: Deutsche Belletristik; Unverbindliche Preisempfehlung: 8.90 Ausgabeformate: Taschenbuch Seitenzahl: 354 |






















