Carven
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Platz 2 in der Kategorie "Mehr zu Skifahren".
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Carven Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

heinuun

CARVING, SO GEHTS RICHTIG !!!

ein Testbericht von 2004-03-26 18:37:51 vom 26.03.2004
Empfehlung: ja
Die Skisaison ist jetzt schon seit drei Monaten eröffnet und da kommt jetzt wieder der Skilehrer in mir durch. Ich sehe immer mehr Carver, die denken sie könnten es, aber sind weit davon entfernt, ich hoffe ich kann hier ein wenig helfen.Seit gut fünf Jahren ist jetzt der Carvingski auf dem Markt. Kneissel hat mit seinem Ergo den ersten taillierten Ski, den so genannten Carvingski auf den Markt gebracht. Dummerweise haben sie es damals verpasst ein Patent darauf anzumelden. Lag wahrscheinlich daran, dass zu wenige dachten, dass diese neue Skiform ein Durchbruch sein wird. Viele dachten, dass das Skifahren out ist in Zukunft nur noch Snowboardfahren im Trend sein wird, aber das ist ja jetzt bei weitem nicht der Fall, denn durch den Carvingski und die damit verbundene neue Abfahrtstechnik wurde zum Megahit und mittlerweile sind wieder mehr Skifahrer als Einbrettrutscher oder Sitzer unterwegs und viele steigen wieder auf zwei Bretter um.
Viele reden jetzt vom Carven, vom neuen Skivergnügen und vom neuen Stil. Aber die wenigsten wissen wirklich, wie man richtig carvt und überschätzen sich dabei auch recht oft, was die Verletzungsstatistiken in den letzten Jahren zeigen.

Carving ?

Was ist das überhaupt, über das alle sprechen? Es ist das Fahren auf der Kante. Durch die besondere Form der Skier kann man leichter Kurven fahren, der Ski dreht leichter und ist auch in schnellen Kurven leichter und besser zu kontrollieren. Außerdem kann man durch den Kanteneinsatz schneller und ohne großen Tempoverlust durch Kurven fahren und das tolle Gefühl des Kräftespiels zwischen Zentrifugal und Zentripedalkraft genießen, da man sich bei richtigen Kanteneinsatz und richtigen Tempo richtig in die Kurven legen kann und flach über den Schnee liegen kann, so wie man es bisher nur von den Snowboarder kannte.

Ausrüstung

Um richtig zu Carven braucht man erst einmal einen Carvingski. Dabei gibt es einige Skiunterschiede. Ich möchte mich hier nur auf die Taillierung und Länge der Ski beschränken und nicht den Unterschied der einzelnen Carvingskier, denn das würde endlos gehen.
Also es gibt im groben drei verschiedene Carvingskier, die sich in der Taillierung und Länge unterscheiden.
Was ist die Taillierung? Das ist die Form des Skis. Ein Carvingski ist vorne breit, wird zur Mitte wieder schmaler und nach hinten wieder breiter. Die Taillierungsunterschiede und die Auswirkung der Skilänge werde ich dann im folgenden Text beschreiben.

Ski

1. Race Carver (RC): Das ist der längste Carvingski mit relativ geringen Taillierungsunterschieden. Das heißt der Unterschied zwischen der Skibreite vorne, Mitte und hinten ist nicht so groß. Wie die meisten Carvingskier ist der Race Carver vorne breiter als hinten. Mit einem Race Carver kann meine keine so kleinen Kurven auf der Kante fahren, er ist ausgelegt auf hohe Geschwindigkeiten und einen schnellen Fahrstil, da der Ski nicht unruhig wird, wenn man mal schnell und nicht auf der Kante fährt (Schussfahrten). Man kann nur große Radien fahren die zwischen 17 und 22 Meter liegen.

2. Allround Carver oder RS (Riesenslalom), SL (Slalom): Dieser Ski hat eine ausgeprägter Taillierung, das heißt, dass der Skibreitenunterschied zwischen vorne, Mitte und hinter größer ist. Der Allrounder eignet sich für jeden Skifahrer und ist optimal für den Einstieg ins Carven. Mit diesem Carver kann man Kurven auf der Kante mit einem Radius von 13 bis 17 Metern fahren. Aber er eignet sich auch noch für schnellere Abfahrten. Bei Schussfahrten wird er allerdings schon unruhig und man sollte bei sehr schnellen Abfahren sehr konzentriert fahren oder immer etwas die Kanten einsetzten.
Wieder der Name schon sagt ist der RS etwas weniger tailliert wie der SL und somit kann man mit dem SL auch engere Kurven auf der Kante fahren.

3. Fun Carver: Das ist der Ski für den Carvingspezialisten. Die Taillierung ist bei diesem Ski sehr stark ausgeprägt, so dass der Ski vorne viel breiter ist wie in der Mitte und nach hinten hin wieder sehr breit wird, wobei auch die meisten Fun Carver hinter etwas schmaler, sind wie vorne. Mit diesen Carver werden Kurven auf der Kante möglich, die einen Radius von 8 bis 13 Metern haben. Bei Schussfahrten wird diese Carver allerdings schnell unruhig und es ist zu empfehlen immer die Kanten etwas einzusetzen, damit ein Verkanten vermieden wird.

Bindung

Es gibt mittlerweile spezielle Carvingbindung, die den Stand etwas erhöhen. Bei einem Race oder Allroundcarver reicht eine solche Bindung eigentlich aus.
Der Sinn des erhöhten Standes ist die bessere Druckverteilung und der Schutz vor stürzen, wenn man sich beim Carven in die Kurve legt und mit dem Skischuh in den Schnee kommt. Um diesen Schneekontakt zu vermeiden steht man etwas höher und kann so sicher fahren. Da man bei Race und Allroundcarvern nicht so stark in der Kurve liegt, reichen erhöhte Bindungen. Bei Fun Carvern sollte man noch eine Platte unter die Bindung machen, damit noch etwas höher steht und den Schneekontakt so vermeidet. Bei den Platten gibt es große preisliche und qualitative Unterschiede. Eins muss aber jedem bewusst sein, durch die Platte wird der Ski steifer, auch wenn es jetzt bessere Platten gibt, die den Ski nicht ganz so hart machen. Wichtig ist auch, dass die Stoppen an der Bindung verlängert werden, wenn eine hohe Platte unter die Bindung kommt, damit beim Sturz der Ski nicht den ganzen Berg hinunterjagt und eventuell noch jemanden verletzt.

Stöcke

Das kann man so handhaben wie man möchte. Ich fahre immer mit Stöcken, aber es gibt viele Skifahrer, vor allem die mit den Fun Carvern, die ohne Stöcke fahren. Ich würde sagen es bringt auch nur etwas bei den Fun Carvern, denn nur bei denen erlabt man das wirkliche Carvinggefühl und nur bei denen kann man wirklich mal wagrecht über dem Schnee liegen und dabei stören die Stöcke dann. Beim normalen Carven braucht finde ich es zum Teil recht affig, wenn man kaum auf der Kante fährt oder nur sehr weite Kurven fährt und dann auf die Stöcke verzichtet. Für Anfänger ist es gut, wenn sie mal ohne Stöcke fahren, damit sie im Oberkörper ruhig bleiben, aber für jeden anderen Fahrer ist der Stock doch ein wichtiges Instrument um einen Rhythmus aufzubauen und gleichmäßige Kurven zu fahren und Sicherheit zu bekommen. Ich empfehle es mit Stöcken zu fahren, es sein den man ist ein guter Fun Carver.

Wie kommt es zum Carvingschwung

Durch die Taillierung und dadurch, dass auch das Skiende nach oben gewölbt ist. Es greift beim Kanteneinsatz nicht mehr der ganze Ski gleich, sondern nur ein vorne und hinten besonders Stark und in der Mitte etwas weniger. Durch die hinter Wölbung greift dann auch noch die Kante bei seitlicher Lage des Skis, somit ist immer für einen Kantendruck gesorgt. Es greift also eine Kante, die nicht mehr gerade ist, sondern insgesamt gewölbt und kurvenähnlich. Der Ski folgt also der Kante und zieht von alleine eine Kurve.

Technik

Viele denken, dass das Carven einfach ist. Losfahren und Kanten einsetzten. Aber wie macht man das genau und welche Fehler treten auf.
Zu erst sollte man seine Lage auf den Ski finden. Das Gewicht ist mittig über dem Ski. Die Skier werden schulterbreit gehalten und auch die ganze Fahrt wird diese Schulterbreite bestehen bleiben und auch das Gewicht bleibt auf der Mitte des Skis. Und hier treten schon die ersten Fehler bei viele auf, denn viele geraten in Rücklage und setzten sich ein bisschen auf die Skier. Das sieht nicht nur scheiße aus, sondern sorgt auch für viel weniger Skikontrolle, da der Kantengriff nicht mehr voll da ist. Der Druck auf die vordere Kante ist bei Rücklage nicht mehr so stark und somit geht Kontrolle verloren und das Potenzial des Skis kann nicht mehr genutzt werden. Hat man die Position gefunden, sollte man im flachen Gelände mal schauen, wie der Ski reagiert, wenn ich ihn auf die Kante stelle.

Wie stelle ich den Ski auf die Kante?
Man muss beide Knie gleichzeitig in eine Richtung kippen, so dass die Kanten von beiden Skiern gleichzeitig greifen. Der Ski fährt dann automatisch eine Kurve. Zu beachten ist hierbei, dass die Skier weiterhin schulterbreit auseinander sind und die Skispitzen parallel sind. Denn der am meisten gemachte Fehler ist die Schrittstellung. Diese sorgt dafür dass der Kantengriff nicht richtig ist und man etwas in Rücklage gerät. Außerdem ist die Kontrolle nicht mehr ganz so gut und man kann auch hier wieder nicht das ganze Potential ausnutzen.

Körperhaltung?

Knie und Hüfte sind gebeugt und locker. Arme werden nach vorne gehalten und beleiben ruhig, was auch für den Oberkörper gilt. Der Hüftknick ist allerdings nur nach vorne und nicht so wie bei vielen seitlich, denn durch den Seitlichen Knick in den Kurven wird der Oberkörper etwas unruhiger und somit auch das gesamte Fahrverhalten. Man bleibt also im Oberkörper stets ruhig und hält auch die Arme ruhig nach vorn und auseinander, als ob man jemanden in den Arm nehmen möchte. In den Knien, Hüfte und im Sprunggelenk ist man weich und ruhig um die Unebenheiten abzufangen.
Den Knick bekommt man nur recht schwer raus, am besten ist man fährt mal ganz steif und lässt sich mit dem ganzen Körper zu einer Seite fallen, natürlich nur so viel, dass man nicht umfällt. Denn wenn man den seitlichen Hüftknick wegbekommt merkt man schnell, dass man viel leichter Druck auf die Kanten ausüben kann und dann vor allem auch mehr Druck auf dem Innenski bekommt. Sehr gut ist hier auch die Fliegerübung, man streck die Arme zur Seite aus und fährt so relativ steif den Berg hinunter und legt sich dann wie ein kleines Kind, dass spielt ein Flugzeug zu sein, in die Kurven.

Wenn ich am Kurvenausgang bin, richte ich die Skier wieder auf, in dem ich beide Knie gleichzeitig wieder in die Senkrechte bringe um sie dann gleich wieder auf die andere Seite abknicken zu lassen, was dann die Kurve in die andere Richtung einleitet.

Beschleunigen

man wird schnell merken, dass man mit viel weniger Tempoverlust fährt, wenn man die Kurven auf der Kante fährt. Doch man kann sogar aus den Kurven raus beschleunigen. Wichtig ist dabei, dass man die Skier schulterbreit hält und dann den Außenski zum Kurvenende hin nach vorne schiebt. Dabei belastet man automatischen den hinteren Teil des Außenskis und erhöht so den Druck auf das Außenskiende. Allerdings sollte man dabei unbedingt darauf achten nicht in Rücklage zu geraten. Besonders gut ist diese Technik auf flachen Schussstrecken anzuwenden, damit schneller wird und nicht anstoßen muss.

Richtig?

Wie kann ich selber feststellen, ob ich richtig Carve?
Ganz einfach, indem man mal hinter sich schaut. Wenn man dann nur zwei schmale Spuren sieht, die wie Schienen aussehen, dann war das ein Carvingschwung. Ob in diesem Schwung allerdings eine Schrittstellung war oder man in Rückenlage war, können nur sehr gute Skifahrer selbst feststellen, da sollte man doch eher auf Hilfe von außen hoffen.

Fehlerbeseitigung

Die Schrittstellung bekommt recht leicht raus, indem man in der Kurve ganz bewusst den Außenski nach vor drückt und die Spitzen der Skier parallel sind. Das kann man ja auch ohne Probleme selber sehen, ob die Skier auf gleicher Höhe sind.
Wenn die Skier zu nah aneinander sind, dann sollte man sich die Skistöcke in beide Hände nehmen und in die Kniekehlen drücken und so ein paar Kurven fahren. Besser ist allerdings, sich Knieschoner um die Knie binden mit der Schutzfläche zu einander. Die Knieschoner dürfen sich nicht berühren und wenn sie es tun hört man es.
Rücklage kann man beseitigen, indem man die Skistöcke in den Kniekehlen hält oder man mal mit etwas extremer Vorlage fährt.

Fazit

Insgesamt bereitet einem der Carvingstil viel Spaß, wenn man Ihn richtig anwendet und sich nicht selbst überschätzt und andere somit gefährdet. Man soll immer so schnell fahren, dass man immer einen Richtungswechsel durchziehen kann oder schnell zum Stillstand kommt.
Wenn man alles beachtet und dann loslegt und die Pisten runter Carvt, dann macht das Skifahren erst richtig Spaß. Zu empfehlen ist übrigens auch das Tiefschneecarven, da kommt es einem so Vor als ob man fliegt, einfach genial.
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