Das Dienstagskind - Merlyn Frank
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Das Dienstagskind - Merlyn Frank

Platz 218 in der Kategorie "Medien & Unterhaltung Bücher - A-E".
Bewertung: Kundenbewertung 4,00 / 5,00 (4.0 von 5)

Das Dienstagskind - Merlyn Frank Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

dottigross_juliaa

Kein Sonntags- sondern ein Dienstagskind

ein Testbericht von 2003-04-08 17:45:46 vom 08.04.2003
Empfehlung: ja
Kaufgrund
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ZUFALL. Einmal im Jahr kann ich günstig Bücher bestellen. Meist verfalle ich dann in einen Kaufrausch und lasse mir wahllos irgendwelche Bücher schicken, deren Titel mich in irgendeiner Weise ansprechen. So war es auch mit *Das Dienstagskind* von Merlyn Frank. Der 172 Seiten umfassende Roman ist unter der ISBN 3-453-19937-5 im Diana-Verlag erschienen und kostet 7.- EUR.
Ich interessiere mich für den zweiten Weltkrieg und die damit verbundene jüngste jüdischen Geschichte. Der Titel *Das Dienstagskind* mag im ersten Moment nicht auf dieses Thema hinweisen. Doch die Inhaltsangabe auf dem Buchumschlag weckte meine Neugierde.


Inhalt
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Der Roman beginnt mit einem Prolog, der von einem kleinen Mädchen erzählt, dass während der Judenverfolgung bei einem Ehepaar abgegeben wird. Der Leser erfährt während des Lesens, dass es sich hierbei um ein jüdischen Kind handeln muss, das unter anderem Namen bei einer arischen Familie Unterschlupf findet. Das Mädchen hat Schwierigkeiten, sich mit den *neuen Eltern* anzufreunden. Sie wurde von Vater und Mutter getrennt und bitter enttäuscht und gibt ihrer *neuen Mutter* die Schuld daran.

Dann beginnt der eigentliche Roman, welches in einer Art Tagebuchform geschrieben ist. Die Amsterdamer Jüdin Koosje erzählt von ihrem Leben während der Machtergreifung Hitlers. Sie lebt zwar in den Niederlanden und ist politisch eher uninteressiert, kann die Augen aber nicht völlig vor der drohenden Gefahr für sich und ihrer Familie verschließen. Anfangs verdrängt sie das polititsche Geschehen und lebt ihr Leben. Sie ist Verkaufsleiterin einer Kosmetikfirma namens *Gerzon* und ist in ihrem Beruf sehr erfolgreich. Sie hat sogar die Möglichkeit ab und zu geschäftlich nach England zu reisen und hofft, auch mal in die Schweiz oder sogar nach Indonesien fahren zu dürfen. Eines Tages lernt sie Abraham Frank kennen, der - wie sie viel zu spät erfährt - eine Scheinehe mit einer deutschen Jüdin eingegangen ist, um dieser eine Ausreise nach Holland zu ermöglichen. Doch Koosje ist schwanger und so ändert sich ihrer beider Leben grundlegend.

In Deutschland werden inzwischen die ersten Juden deportiert und während in Holland viele Menschen dagegen protestieren, verdrängt Koosje diese politischen Ereignisse. Für sie zählt nur das Glück ihrer Familie und für sie ist ihr Leben eine heile Welt. Naiv und die Augen vor dem drohenden Unheil verschließend, versucht sie die Welt ein kleines Stückchen heiterer zu machen. Doch als Hitlers Macht auch auf die Niederlande übergreift, sind auch Koosje und ihre Familie in Gefahr.


Schreibweise/meine Meinung
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Wie bereits erwähnt, ist das Buch in Tagebuchform geschrieben. Merlyn Frank - die Tochter der Hauptfigur Koosje - schreibt also aus dem Blickwinkel ihrer Mutter und somit in Ich-Form. Daher wirkt die Schreibweise etwas holprig und ungelenk, was der Geschichte aber ihren eigenen Reiz gibt und mir persönlich gut gefällt. Koosje wirkt zwar etwas naiv, wird aber dadurch sehr menschlich und persönlich. Manchmal konnte ich jedoch nur den Kopf schütteln und dachte mir, wie man nur so blauäugig durchs Leben gehen kann. Doch auch Koosje selbst, scheint dieser Meinung zu sein, so schreibt sie in einem Brief an ihre englische Freundin: *Wenn ich an dich denke, Susan - und das tue ich sehr oft -, komme ich mir vor wie eine große Egoistin, die sich vornehmlich mit den heiteren, oberflächlichen Dingen im Leben beschäftigt. Ich bewundere dich sehr für die Hingabe, mit der du dich für andere Menschen einsetzt!...* Und so beschreibt dieses Tagebuch hauptsächlich das heitere Leben der Koosje und beschäftigt sich mit ihrer erfolgreichen Arbeit als Kosmetikerin, mit ihren literarischen Abenden und dem Klavierspiel. Nur am Rande erfährt der Leser mehr von dem drohenden Unheil.

Doch gerade dieses allzu menschliche Verhalten, Probleme zu verdrängen, bringt dem Leser Koosje Frank näher. Nach über der Hälfte des Buches beschäftigte sich die Hauptfigur des Romans immer noch mit ihrem harmlosen, alltäglichen Leben. Dadurch entstand auch eine Art von Spannung. Ich dachte mir ständig: *Wann passiert’s denn endlich? Es ist doch schon mitten im Krieg. Die grausame Nazimaschinerie läuft doch schon auf Hochtouren und sie ist Jüdin und immer noch zuhause und frei.* Manchmal ertappte ich mich dabei, dass ich die Story wie eine ganz normale fiktive Geschichte auffasste und musste mir mehrmals in Erinnerung rufen, dass es sich hierbei um eine wahre Begebenheit handelt. So hatte ich öfter ein schlechtes Gewissen, weil ich die Sache nicht ernst genug nahm, sondern als spannende Unterhaltung.

Im Laufe der zweiten Buchhälfte wurde mein Denken jedoch völlig umgekrempelt. Schleichend und untergründig nimmt die grausame Judenverfolgung ihren Lauf und der Leser wird entgültig mit dem Geschehen konfrontiert. Ich muss sagen, der Aufbau dieses Buches hat mich - im nachinein - fasziniert. Man musste nämlich zwischen den Zeilen lesen, was ich viel zu spät erkannte. Ich überlege schon, ob ich das Buch gleich noch einmal lese, um es aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.


Fazit
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Die Schreibweise und die Hauptfigur *Koosje* faszinierte mich ungemein. Doch erst zum Schluss erkannte ich, dass man zwischen den Zeilen lesen und es mit einem gewissen Abstand betrachten muss. Ich steigerte mich zu sehr in Koosje Frank hinein und wollte sie ständig als blauäugiges, naives Dummchen verurteilen. Viel zu spät merkte ich, dass es hier nicht um sie, sondern um die schleichende Gefahr geht.

Das Buch sollte man jedoch nur lesen, wenn man gewissen Vorkenntnisse besitzt. So sollte man sich mit Hitler und der Judenverfolgung auseinander gesetzt haben und wissen, was damals passiert ist. Da die Umstände in diesem Roman meist nur angedeutet werden und man erahnen muss, was mit den Menschen passiert, ist ein Grundwissen unumgänglich.

*Das Dienstagskind* ist ein bewegender und fesselnder Roman, der das Thema *Judenverfolgung* auf nur 172 Seiten komprimiert und einen grausamen und sehr persönlichen Einblick gibt. Ich empfehle ihn für stille Abende. Trotzdem die Schreibweise recht einfach ist, erfordert sie höchste Konzentration. Also nicht als Urlaubslektüre geeignet oder für die kurzen Zugfahrten zur Arbeit.

Einen Stern Abzug gibt es für den horrenden Preis von 7.- EUR für ein 172-Seiten-Buch.
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Produktbewertung:Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Produktbeschreibung Das Dienstagskind - Merlyn Frank

 
Allgemeine Informationen Das Dienstagskind - Merlyn Frank
gelistet seit: 15.09.2003
Bewertung durch unsere Mitglieder
Produktbewertung: Kundenbewertung 4,00 / 5,00
Allgemeine Informationen
Autor: Merlyn Frank 
Autoren von A-Z:
Kategorie: Belletristik 
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