Der Dessousverkäufer - Bertrand Blier
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Der Dessousverkäufer - Bertrand Blier
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Der Dessousverkäufer - Bertrand Blier

Platz 360 in der Kategorie "Medien & Unterhaltung Bücher - A-E".
Bewertung: Kundenbewertung 4,00 / 5,00 (4.0 von 5)

Der Dessousverkäufer - Bertrand Blier Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

mima007

Schuld war nur der BH Nova

ein Testbericht von 2003-05-23 17:39:38 vom 23.05.2003
Empfehlung: ja
Vorteile: sinnlich, voller Überraschungen, hintersinniger Humor...
Nachteile/Kritik: liest sich etwas verworren: nur für Literaten empfehlenswert
Dies ist die abenteuerliche Geschichte eines Besessenen, der vor nichts zurückschreckt. Schuld daran waren nicht nur ein seltsames Elternhaus, sondern vor allem der kriminellste alle Büstenhalter, der Gossard G7.-- Blier konfrontiert uns mit der Frage, wo eigentlich Normalität endet und Perversion beginnt.

Handlung

Mitten zwischen Betonwohnblocks wächst ein Junge auf, der auf den trotteligen Namen Baudouin Treuttel hört, dabei ist er gar kein Belgier, auch wenn er so belgisch redet, dass sich seine Schulkameraden ständig über ihn lustigmachen. Das aufgeweckte und frühreife Bürschchen wird allseits frustriert. Sein Vater redet nicht mit ihm, sondern liest im Büro Zeitung. Er ist Fabrikbesitzer und lebt angeblich von den Erträgen. Die Dame, die Baudouin als seine Mutter kennt, schläft nicht mit seinem Vater, schon seit Jahren nicht. Sie ist schmal, eine Maus, aber elegant, denn sie spielt Klavier.

Verständnis findet der Junge nur beim Hausmädchen, der fetten und hässlichen Mathilde. Sie war ja auch seine Amme und zog ihn an Mutter Statt auf. Schade, dass sie an seinem siebten Geburtstag, als er sie von hinten vögelt, an einem Herzanfall stirbt. Ihr Kopf fällt ins Spülbecken. So gesehen, ist sie Baudouins erstes Opfer. Und nur eine von zahlreichen Absurditäten, mit denen die Erzählung – denn von einer geradlinigen Handlung findet sich weit und breit keine Spur – zu verblüffen vermag.

Baudouin hat nach Mathildes Tod und dem Schulfrust allen Grund, den Kopf hängen zu lassen – er mag schon ein paar Jahre weiter sein: Da heitert sich seine Miene auf, als sein Blick an der Auslage eines Dessousgeschäfts kleben bleibt. Dort zeigt sich ihm die Faszination des Verbergenden: der Büstenhalter. Stützende, hebende, halb enthüllende, schmeichelnde Büstenhalter. Sofort betritt er das Geschäft, wenig später macht ihn die Inhaberin zu ihrem Liebhaber.

In kurzer Zeit, mit Hilfe seiner Damensbekanntschaften – er ist nicht wählerisch - wird Baudouin Experte und Verkäufer in Sachen Dessous. "Ich präsentierte den händlern meine Waren: Cavatine! Passacaille! Sarabande! Das Neueste vom neuen, und natürlich auch die großen Klassiker: das Biustier da Capo, dem aktuellen Zeitgeschmack angepasst, das Miederhöschen Chaconne, das einen die Augen niederschlagen lässt, den Body Mélomane, der einem Lust macht, Arpeggio zu spielen..."

Erst später begegnet ihm der kriminelle Inbegriff des Büstenhalters: der Gossard G7. "Im Übrigen sind die Mädchen, die einen Gossard kaufen, alle ziemlich geil und lieben die Gefahr. Besonders diejenigen mit dem Modell G7. Transparenter geht's nicht mehr. Er ist unter dem Pulli unsichtbar, gibt einem das gefühl, nackt zu sein, zieht man aber den Pulli aus, so entblößt man das Höchstmaß an Schamlosigkeit, ein Büstenhalter, wie für den Polizeibericht gemacht."

Kein Wunder, dass er solche Frauen umbringt. Es ist wie ein Zwang. Immer müssen sie im letzten Schritt den BH ausziehen. Das kann er nicht ertragen, und sie müssen mit ihrem Leben für ihre Frechheit zahlen. Schließlich wird er doch noch erwischt und verknackt. Das Buch besteht in der Hauptsache aus den Zeugenberichten des Angeklagten und seines Vaters. Beide bestreiten zur Hälfte die meisten Einlassungen. Aber auch der weibliche Judas der Polizei, Sandrine, eine Gelegenheitsdiebin und –nutte, weiß einiges über Baudouin, ihr Opfer, zu berichten. Etwa von einem "Unbekannten von undefinierbarer Eleganz", der unverkennbar die Züge eines Mephisto trägt. Ist unser Held also ein verführter Faust? Und somit quasi unschuldig? Jedenfalls nicht schuldiger als der Gerichtspräsident...

Nur soviel ist sicher: Es hagelt Überraschungen. Natürlich war Baudouins Mutter nicht seine Mutter – das war Mathilde. Und die Mutter war auch kein Mann, sondern ein Kerl. Und dass Porträtgemälde lebendige, gut verkäufliche Inhalte haben und dass zum Schluss der Romancier, der dieses Buch verbrochen hat, umgebracht wird, verwundert auch nicht mehr.

Fazit

Dies ist kein Buch, das man sich im Freibad reinziehen kann. Ist es in der ersten Hälfte noch relativ durchschaubar, als Baudouin selbst mit zynischem Humor von der Herausbildung seiner kriminellen Obsession berichtet, so zerfasert die zweite Hälfte, die sich auf die Geschichte des Umfelds des Jungen konzentriert. Im Vordergrund stehen die Eskapaden des naiven, pathetisch-romantischen Vaters, dann wieder Sandrine, dann das absurde Gericht, dann nur noch Notizen – ein Fade-out. Zum Glück gibt der Erzähler keine seiner Figuren der absoluten Lächerlichkeit preis, sondern weckt Sympathie und Interesse – so fällt das Weiterlesen nicht schwer. Auf der nächste Seite wartet stets eine weitere provokante Überraschung!

Mit seinem rabenschwarzen Humor und der Lust an der Provokation steht Bliers Roman im Genre der erotischen Literatur ziemlich allein da. Natürlich versuchten schon viele AutorInnen, Erotik zur Brechstange der Moral zu machen und die Zensoren mit freizügigen Schilderungen zu provozieren.

Doch Blier geht noch viel weiter. Nicht nur die Zensoren selbst sind korrupt. Auch die Erotik selbst endet hier meist tödlich, und wenn es mal eine seltene, romantische Beziehung gibt, so hat sie garantiert mit Geld zu tun – jener omnipotenten Währung, mit der selbst der romantischste Schein herstellbar ist.

Der Autor

Betrand Blier ist Schriftsteller und Regisseur. International bekannt wurde er mit Filmen wie "Die Ausgebufften", "Frau zu verschenken" und "Abendanzug". "Der Dessousverkäufer" ist sein dritter Roman und sein erstes Buch, das auch in deutscher Sprache erscheint.

Michael Matzer © 2003ff

Info: Existe en blanc, 1998; Rowohlt 2001, Nr. 22736, Reinbek; 268 Seiten, DM 16,90, aus dem Französischen übertragen von Marianne Schönbach; ISBN 3-499-22736-3
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Produktbewertung:Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Produktbeschreibung Der Dessousverkäufer - Bertrand Blier

 
Allgemeine Informationen Der Dessousverkäufer - Bertrand Blier
gelistet seit: 16.09.2003
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Produktbewertung: Kundenbewertung 4,00 / 5,00
Allgemeine Informationen
Kategorie: Erotikliteratur 
Autoren von A-Z:
Autor: Bertrand Blier 
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