Der Windows-Berater
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Platz 258 in der Kategorie "Medien & Unterhaltung Bücher - A-E". Ratgeber in Loseblattform zu allen Problemen mit Windows ...mehr
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Der Windows-Berater Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

klausalfred

Wie man Kunden ködert

ein Testbericht von 2004-02-21 17:05:33 vom 21.02.2004
Empfehlung: nein
Vorteile: Grundwerk ist günstig...
Nachteile/Kritik: Nachlieferungen überteuert, Mailservice unzulänglich
Da stapeln sich im Arbeitszimmer mehrere dicke Schwarten und auch einige Taschenbücher mit „Tipps und Tricks“. Doch wenn dann wieder einmal das System aus unerfindlichen Gründen abstürzt und die Onlinehilfe auch nicht weiter weiß, dann helfen im Zweifel die Bücher auch nicht. Entweder behandeln sie frühere Windows-Versionen, sind zu kompliziert oder zu einfach. So war ich also für Alternativen aufgeschlossen, als mir eine Werbung für die Loseblattsammlung „Der Windows-Berater“ auf den Schreibtisch kam.

Die klang wirklich ganz verheißungsvoll: Der Windows-Berater helfe, Probleme mit Windows 95, 98, Me und XP wie Geschwindigkeitsverluste, Systemabstürze oder fehlerhafte Konfigurationen „schnell und effizient zu lösen“. Er enthalte „Tipps, die Sie bei einer Windows-Neuinstallation unbedingt beachten sollten“ sowie „effiziente Lösungen zum Einrichten einer Highspeed-Verbindung für die Datenfernübertragung“ und „Tuning-Tricks für deutlich mehr Systemleistung“ und „Fehler-Tabellen inklusive Schnellübersichten und Soforthilfe-Anleitungen“.

Ja, an solchen Lösungen bin ich sehr interessiert. Zumal die Loseblatt-Sammlung mir garantiert, dass mir auch nach einem Versionswechsel noch geholfen wird. Das 672 Seiten umfassende Grundwerk soll zur Einführung nur 14,95 statt später 24,95 Euro kosten und ich kann es sechs Wochen kostenlos testen und innerhalb dieser Frist jederzeit zurückschicken. Außerdem nehme ich mit der Bestellung automatisch am „Aktualisierungs- und Ergänzungs-Dienst des Verlags“ teil. Der Seitenpreis dafür betrage derzeit 17,3 Cent. (Dass bei einem solchen Seitenpreis das Hauptwerk sage und schreibe 116 Euro kosten würde, ist mir natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht klar.) Eine Verpflichtung zur Abnahme der Lieferungen entstehe auch hieraus nicht. Ich kann sie nach Erhalt zurückschicken – dann erlischt meine Teilnahme am Aktualisierungs-Service – oder mitteilen, daß ich keine weiteren Lieferungen wünsche.

Also ganz offenkundig kein Risiko für mich. Außerdem soll ich noch fünf „Geschenke auf CD-ROM“ erhalten. Diese Geschenke haben Namen wie „DLL-TV", „Die Microsoft PowerToys", „Die Antiviren-Safetytools", „Die Word-Formular-Maschine" und „Die 17 besten Windows-Tools". Sie soll in jedem Fall behalten dürfen, „unabhängig von meinem Test-Urteil“.

Ich schaue mir die Unterlagen ein wenig genauer an. Als Anbieter firmiert ein „Fachverlag für Computerwissen“, der eine Tochter des „Verlags der Deutschen Wirtschaft“ ist. Die Bonner Adresse kommt mir bekannt vor. Sitzt da nicht auch der Verlag von Norman Rentrop, dessen zahllose und manchmal undurchsichtige Aktivitäten mir aus meinen Bonner Zeiten einigermaßen vertraut sind? Und gibt dieser Verlag nicht auch Handbücher heraus, in denen Unternehmer lernen können, wie sie die Gründung eines Betriebsrats verhindern können?

Aber egal, hier geht es nicht um obskure Machenschaften gegen die Vertretung von Arbeitnehmern in einem Betrieb, sondern um Hilfestellung beim Umgang mit Windows, um „einen verläßlichen, stets aktuellen Ratgeber ..., der Ihnen Tag und Nacht bei der Arbeit hilft“. Also schicke ich den Bestellschein ab.

Etwa eine Woche später kommt ein Päckchen, das einen gut gefüllten grün-weißen gehaltenen Ringordner sowie eine CD-ROM enthält. Auf dieser einen CD sind die fünf angekündigten Geschenke. Das halte ich ein bisschen für Bauernfängerei. Auf der CD sind die neuen Versionen von gängigen Programmen wie der Internet-Explorer oder Adobe Reader und Freeware- und Shareware-Versionen von allerlei Programmen, deren Nützlichkeit ich in vielen Fällen nicht richtig erkennen kann. Ich installiere „Dr. Hardware“. Dem Programm kann ich zwar ein paar Einzelheiten über den Arbeitsspeicher meines Rechners entnehmen, die mir Windows verheimlicht. Aber es bleibt mir nähere Angaben über den Hersteller des Mainboards schuldig. Und bei einigen Aufgaben bleibt das Programm hängen. Zudem ist Dr. Hardware eine Testversion, die bei dauerndem Gebrauch Geld kosten soll. Das muss nicht sein.

Ramón, der Systemmanager unserer Firma, meint, diese Software sei veraltet. Er empfiehlt mir, Aida herunterzuladen. Das war ein guter Tipp. Diese kostenlose Software verrät mir blitzschnell, dass das Mainboard von Micro-Star International stammt und gibt auch gleich einen Link zur Homepage der Firma. Aida kann ich wirklich nur empfehlen, denn dieses Programm hat mir später bei der Installation eines zusätzlichen Arbeitsspeichers sehr geholfen. Hier könnt ihr das Tool kostenlos herunterladen: http://www.aida32.hu/download/aida32ee_388.exe

Nun nehme ich mir das Handbuch vor, das mit Hilfe von Kunststoffblättern mit Register alphabetisch, also einigermaßen übersichtlich, sortiert ist. Auf den ersten Blättern finde ich eine Anleitung zum Gebrauch des Suchwortverzeichnisses. Auf die verzichte ich, schaue gleich mal unter „Absturz-Ursachen“ nach. Da finde ich eine Übersicht über die schlimmsten Fehlermeldungen und auch eine Reihe von Tipps, die Fehler zu beseitigen. Allerdings setzen die meisten Tipps schon weiterreichende PC-Kenntnisse voraus, wenn es zum Beispiel lapidar heißt, man solle den defekten Baustein auswechseln.

Da ich schon mehrmals erfolglos versucht habe, meinen 128er SD-RAM-Arbeitsspeicher gegen einen mit doppelter Kapazität auszutauschen, suche ich nach dem Stichwort RAM. Da heißt es „RAM-Probleme lösen“ und ich werde auf ein Schaubild verwiesen: „So konfigurieren Sie die Festplatte korrekt“. Damit kann ich nichts anfangen. Aber als ich mir die BIOS-Einstellungen ansehen will, da kann ich im Handbuch mal schnell nachschlagen, wie das geht.

Einiges ist also ganz nützlich. Die 14,95 Euro für die Basisausgabe scheinen mir angemessen zu sein. Also bezahle ich die Rechnung, womit ich automatisch in den Genuss des Bezugs der Ergänzungslieferungen komme. Als die erste bei mir eintrifft, verstehe ich, woran der Verlag sein Geld verdient. Da kommen ungefähr 120 Seiten mit trivialen Tipps, mit denen ich kaum was anfangen kann. Und dafür soll ich nun über 20 Euro zahlen?

Einen Versuch starte ich noch. Als Abonnent besitze ich ja „zahlreiche Privilegien, die sich in Mark und Pfennig auszahlen“. Mark und Pfennig? So ganz auf dem neuesten Stand scheint mir der Verlag nicht zu sein. Jedenfalls gehört zu meinen Privilegien ein E-Mail-Service, durch den ich vom Chefredakteur des Windows-Beraters, Manfred Kratzl, „jederzeit, Tag und Nacht“ Antworten auf Fragen erhalten kann, die im Handbuch angesprochen sind. Vielleicht kann mir der Herr mit dem bodenständigen Namen bei meinem Arbeitsspeicher helfen.

Ich schicke ihm am 14. Dezember eine Mail und gebe wie vorgeschrieben brav auch meine Kundennummer an.

„Sehr geehrter Herr Kratzl,

ich bin Abonnent des Windows-Beraters und beziehe mich auf Kapitel M 10, Installation von RAM-Bausteinen. Nach Einbau eines neuen SD-RAM-Speichers nach Ihren Angaben in meinen Rechner (AMD Athlon Prozessor, 700 Mhz, AMI 686-HiFlex-Bios V13.00) passiert beim Neustart nichts. Das System erkennt den RAM offenbar nicht. Es gibt aber auch keinerlei Pieptöne wie von Ihnen beschrieben. Ich habe beide Steckplätze ausprobiert. Wenn ich den alten SD-RAM 128 MB wieder einbaue, erkennt der BIOS ihn sofort. Was soll ich tun?
Besten Dank und freundliche Grüße“

Als ich nach sechs Tagen noch nichts gehört habe, steht mein Entschluss fest. Ich schreibe, ich wolle von meinem gesetzlichen Rückgabe- und Widerrufsrecht Gebrauch machen. „Ich schicke Ihnen hiermit die erste Lieferung des Aktualisierungsdienstes Windows-Berater fristgerecht und auf Ihre Kosten zurück.“

Sechs weitere Tage später kommt dann die Mail-Antwort auf meine Frage. Offenbar hat Herr Kratzl unter dem Weihnachtsbaum über meine Probleme nachgedacht. Er schreibt:

„Sehr geehrter Herr Lantermann,

Entschuldigung, aber leider kann ich Ihnen wegen der großen Anfrage erst jetzt antworten.
Zu Ihrer Frage, das ist aus der Ferne schlecht zu beurteilen. Am besten tragen Sie alten und neuen RAM zu Ihrem Händler, damit dieser Ihnen dann die richtigen Bausteine geben kann. Auch das Manual zu Ihrem Motherboard enthält entsprechende Hinweise auf Spezifikation geeigneter Bausteine.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit dem Windows-Berater und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen“

Ein Manual fürs Motherboard meines Rechners habe ich noch nie gesehen. Zudem habe ich erst kürzlich gelernt, was ein Motherboad überhaupt ist. Mit Mamas Küchenbord hat es jedenfalls nichts zu tun. Und auf die Idee mit den Händlern war ich auch schon allein gekommen. Ein geduldiger Mensch bei Vobis hat mir schließlich auch weiter geholfen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Fazit: Der Verlag mit dem so offiziell klingenden Namen arbeitet mit dem Modell, mit dem auch Druckerhersteller ihr Geschäfte machen. Mit vollmundigen Versprechungen und einem Dumping-Preis für den Einstieg werden die Kunden geködert. Sind die dann erst gewonnen, kommt der Gewinn durch die überteuerten Nachlieferungen.

Aber immerhin muss man dem Verlag der deutschen Wirtschaft zugute halten, dass er seine Kunden deutlich auf ihre Rechte hinweist. Jeder Fisch kommt hier ohne Schaden wieder von der Angel. Das ist beim Druckerkauf schon anders.
...
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Produktbeschreibung Der Windows-Berater

Technische Daten und Produkteigenschaften
Ratgeber in Loseblattform zu allen Problemen mit Windows
Allgemeine Informationen Der Windows-Berater
gelistet seit: 18.02.2004
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