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Bewertung
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Nachteile/Kritik
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![]() Makaber, pervers, abartig und krankein Testbericht von Realjackass2005-02-04 11:51:18 vom 04.02.2005 Empfehlung: ja Vorteile: Der Film an sich...Nachteile/Kritik: Makaber, pervers, abartig und krankStory ------------------- Italien, kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs: Vier Männer, ein Richter, ein Bischof, ein Herzog und ein Bankier lassen von SS-Leuten rund um den Gardasee junge Mädchen und Jungen entführen. Diese werden dann von den Männern begutachtet und wenn sie den Anforderungen entsprechen, auf ein großes Schloß mitgenommen. Insgesamt sind es 8 Mädchen und 8 Jungen. Was die Jugendlichen auf dem Schloß erwartet, übertrifft ihre schlimmsten Alpträume, denn die 4 Männer sind absolute Faschisten, die in den jungen Menschen nichts anderes sehen, als Objekte, an denen sie ihre Lust befriedigen können. Nach der Ankunft auf dem Schloß werden zunächst die Regeln erklärt und danach geht es auch gleich los. Erster Tag: Der Höllenkreis der Leidenschaft: Hier sitzen die Opfer zusammen mit den 4 Männern und einer Art Leibgarde in einem großen Saal. In der Mitte des Saales sitzt eine alte Prostituierte, die Geschichten erzählt, welche stimulierend wirken soll. So erzählt sie zum Beispiel von den Fetischen ihrer ehemaligen Freier. Die 4 perversen Männer können gar nicht genug von den Geschichten bekommen, während die Jugendlichen mehr und mehr verängstigen, denn 2 von ihnen werden schon jetzt getötet. Zweiter Tag: Der Höllenkreis der Scheiße: Die alte Hure erzählt eine Geschichte, wie sie bei einem Freier war, der wollte, dass sie sich auf ihm `entleerte´ und ihn danach damit füttere. Dies hat sie gemacht und sieht Exkremente seither als Delikatesse. Auch die 4 Männer sehen das so und deshalb werden die Jugendlichen dazu gezwungen, an einem großen Festmahl teilzunehmen, in der eine große Platte voller Exkrementen serviert wird. Jeder muss davon essen. Ein Mädchen, das sich weigert, bekommt ein Brot, welches mit Nägeln gespickt ist. Dritter Tag: Der Höllenkreis des Blutes: Dies ist der letzte Tag der Jugendlichen, denn alle werden hier getötet. Verstümmelt, verbrannt, erhängt usw. Währenddessen tanzen die 4 Männer und ejakulieren. So finden die Geschehenisse auf dem Schloß ihr makaberes Ende. Schauspieler --------------------- ---- Mir geht es hier weniger darum, Namen zu nennen, vielmehr will ich euch ein bisschen die verschiedenen Charaktere näher beschreiben. Zunächst sind da natürlich die 4 Fetischisten. Diese sind eigentlich sehr intelligent und gehen auch höflich und gesittet miteinander um. Man könnte niemals meinen, dass sie imstande sind, andere Menschen zu Qüalen. Doch wenn sie dann bei den Jugendlichen sind, werden sie sozusagen zu Tieren. Sie zwingen sie, Exkremente zu verspeisen, vergewaltigen und erniedrigen sie usw. Deshalb hat mir die Darstellung dieser Männer auch gefallen, da es sehr facettenreiche Akteure sind. Unsymphatisch hin oder her, das muss ja so sein. Kommen wir zu den Jungendlichen. 8 Jungen und 8 Mädchen, wenn ich mich nicht irre. Normalerweise müsste man ja annehmen, man hätte Mitleid mit diesen armen Geschöpfen. Doch das macht uns der Regisseur ziemlich schwer. Denn man erfährt fast nichts über die Kinder und außerdem Reden sie fast nie. Sie vergießen die ein oder andere Träne, Schreien das ein oder andere mal, aber richtige Symphatie kann man nicht aufbauen. Es ist auch nicht so, dass es sowas wie eine Hauptfigur gäbe, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Die Jugendlichen werden einfach als Opfer der Fetischisten dargestellt. Als Opfer, Objekte oder unwichtige Tiere. Alle anderen Darstellungen haben ihre Sache auch gut gemacht, wie die SS-Typen, die alte Prostituierte und noch ein paar andere. Gewalt im Film --------------------------- Ich will hier nicht nur auf die physische, sondern auch die die psychische Gewalt eingehen, die in diesem Film eine große Rolle spielt. So geht es den 4 perversen nur darum, ihre Lust an den Opfern auszuleben, mehr wollen sie nicht. Dies gelingt ihnen, indem sie den Gefangenen klarmachen, dass sie Leiden und Sterben werden. So werden sie fast komplett unterwürfig. Der Anfang des Filmes ist schon ziemlich brutal und wegweisend für den Streifen: Ein junges Mädchen wird gezwungen, an einer männlichen Puppe die Befriedigung zu Üben. Nachdem sie sich aber sträubt und es dann nicht richtig macht, wird sie am nächsten Morgen mit aufgeschnittener Kehle gefunden, was von allen lachend begrüßt wird. In einer anderen Szene weigert sich ein Mädchen, Exkremente zu Essen. Daraufhin tut ihr einer der Männer mehrere Nägel in einen großen Teigklumpen und zwingt sie, diesen zu Essen. Als sie danach schreit und aus dem Mund blutet, ist das Gelächter der Männer groß. Das ist natürlich mehr als krank, aber typisch für den Film, denn solche Szenen kommen immer wieder mal. Wer auf Blut aus ist, sollte sich diesen Film nicht ansehen. Zwar passiert immer wieder mal was blutiges, vor allem am Schluß, doch das wird Splatterfans nicht gefallen. Nicht, dass es nicht hart dargestellt wäre, vielmehr ist es ZU hart dargestellt. Das ganze wirkt zu Deprimierend, als dass man sich am Film erfreuen könnte, wie etwa an Filmen wie ``Braindead´´. Daten zum Film -------------------------- Originaltitel: Salò o le 120 giornate di Sodoma Alternativtitel: Salo, or The 120 Days of Sodom Land: Frankreich, Italien (1975) Regie: Pier Paolo Pasolini Länge: 111:48 Min. Freigabe: 18 Indiziert: Ja @ Realjackass Die Deutsche DVD -------------------------------- In Deutschland ist der Film garnicht uncut auf DVD erschienen. Es gibt ledigleich ein Booklet, welches den Film zwar uncut bietet, aber ich rate grundsätzlich von Bootlegs ab. Zu empfehlen wäre da schon eher das Deutsche Video, welches uncut ist, den Film allerdings nur in Italienisch mit Englischen Untertiteln bietet. Das ganze wird vertrieben von Cult Classic Video. Kritik -------------------- Wer sagt, dass er von diesem Film gut unterhalten wurde und danach nicht schockiert war muss absolut krank sein in meinen Augen. Ich meine ich schaue auch fast jeden Tag ein Horrorfilm aber sowas wie Die 120 Tage von Sodom ist mir noch nie untergekommen. Der ganze Film ist teilweise so unglaublich abartig, dass er auf den Zuschauer einen gewissen Reiz ausübt, was wohl vom Regisseur beabsichtigt war. Man soll sich nach dem Film fragen: ``Sind wir von diesen Fetischisten wirlich soo weit entfernt?´´. Schließlich hat jeder Mensch Träume und Sehnsüchte, traut sich aber nicht diese in die Tat zu setzen und auszuleben. Diese 4 Menschen tuen das aber und das ist das schockierende. Was einem auch zu Denken geben sollte, ist dass die Herren alle eine hohe gesellschaftliche Stellung haben und Ansehen genießen. Das steht wohl dafür, dass es egal ist, welche Bildung man hat. In jedem steckt solch ein Fetischist. Doch der Film will mehr als nur den Zeigefinger erheben und uns auf etwas hinweisen: Es läuft alles auf Tabubrüche hinaus. Schließlich stammt der Film aus dem Jahre 1975 und da war man sowas noch nicht so gewohnt ( heutzutage übrigens auch noch nicht ). Wenn auf expliziteste Art und Weise diverse Sexuelle Praktiken beschrieben werden, dann kann der Regisseur nichts anderes damit bezwecken, als zu Schockieren. Nun gut, man kann nun auch sagen, dass mansich nur nah an die Vorlage von Marquis de Sade halten wollte, aber das ganze soo extrem darzustellen wäre wohl nicht nötig gewesen. So dürfen wirklich nur diejenigen den Film anschauen, die einiges ertragen. Denn sonst fällt es einem wahrlich schwer die ganzen Bilder aus Vergewltigung und Exkrementen wieder zu vergessen. Selbst die härtesten Horrorfreaks, die glauben, schon alles gesehen zu haben, dürften damit ihre Probleme haben. Was auch noch auffällt, ist dass von den Machern alles versucht wurde, um den Film Depressiv zu gestalten. Dies fängt bei der Ausstattung des Schloßes an, die einfach nur trist und schutzlos wirkt. Alles in weiß gehalten ohne einen gewissen Touch. Folgende Szene ist auch sehr niederschmetternd: Die 4 Fetischisten wollen wissen, welches der Opfer den schönsten Hintern hat. Derjenige soll dann erschossen werden. Nachdem ein `Gewinner´ gefunden wurde, wird ihm eine Pistole an den Kopf gehalten und abgedrückt. Diese war allerdings nicht geladen. Der folgende Satz ``Denkst du wirklich wir würden dich töten? Was dir noch wiederfahren wird ist schlimmer als tausend Tode´´, steht stellvertretend für den ganzen Film denn die ganze Zeit über wird gefoltert, vergewaltigt, angepinkelt usw.. Fazit ------------------ Ich könnte dem Film nun 1 Stern und auch 5 Sterne geben. Beides wäre durchaus berechtigt. Denn bei all der kranken Perversion die der Film zeigt, ist doch etwas Gesellschaftskritik vorhanden. Außerdem fragt man sich nach dem Film, warum man sich denn das nun angesehen hat. Eine Frage, die man wohl nicht beantworten kann. Allein, dass der Film geschafft hat, dass der Zuschauer sich diese Frage stellt, wäre eine volle Wertung wert. Hinzu kommt noch, dass es wohl keinen anderen zweiten Film gibt, der Dinge wie hier darstellt. So bleibt mir nichts anderes übrig, als dem Film 3 Punkte zu geben, ein gesundes Mittelmaß. Ob man diesen Film aber als Kunst, Perversion oder absoluten Müll ansieht, wird jeder für sich selbst entscheiden müssen. Wer allerdings nicht viel erträgt, sollte dem Film unbedingt fernbleiben. Mfg Realjackass ... |
kleinvolli, 04.02.2005
Mir fehlen die Worte. Echt hart
klukklukkluk, 04.02.2005
der ist echt asig!
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![]() *Lust*Folter*Leidenschaft*Tod*ein Testbericht von Kuhli2003-11-02 10:17:06 vom 02.11.2003 Empfehlung: ja Vorteile: erschreckend, bewegend, ein Kunsterwerk?...Nachteile/Kritik: abartig, eine einzige Perversion?Mit einem thematisch geregelten Ablauf werden die Jugendlichen erniedrigt, gefoltert, vergewaltigt, gequält, verstümmelt, gedemütigt bis zum unausweichlichen Ende… Eine Geschichte, die schnell erzählt werden kann, doch anders als obige Beschreibung fällt die Verteilung im Film aus. Während die Vorgeschichte bis die Jugendlichen in der Villa ankommen keine zwanzig Minuten benötigt beschäftigt sich der Rest des Films ausschließlich mit dem detaillierten Zeigen von Peinigung, Folter und Erniedrigung. „Die 120 Tage von Sodom“ basiert auf dem bis heute nicht mehr komplett erhaltenen gleichnamigen Buch des Marquis de Sade. Dass der Sadismus nach ihm benannt wurde spricht für sich und die Abartigkeit der Geschichte. Die Jahre zuvor beschäftigte sich der Regisseur Pier Paolo Passolini mit seiner filmischen Trilogie des Lebens, in der er die menschliche Sexualität als etwas Wunderbares, Schöpferisches darstellte. Hier jedoch entsteht urplötzlich ein Bruch in Passolinis Schaffen. Die Sexualität verliert all ihr sinnliches, schöpferisches und wird ausschließlich zu einem Instrument der Macht und Folter. Die Unterwürfigkeit der Opfer wird zur einzigen Befriedigung und Sexualität der Peiniger. Er bezieht sich dabei nicht nur auf den Akt selbst, sondern auch auf alles was dem einhergeht, was man heutzutage durchaus als Fetisch abtun kann. Dabei teilt er dies frei nach Dantes Höllenkreisen ein. Tag eins – Der Höllenkreis der Leidenschaft. Die Jugendlichen werden mit den vier Männern und den Damen in einen Raum geführt in dem ein Großteil des Filmes spielt. Eine der Damen fängt an eine erotische Geschichte zu erzählen, dadurch inspiriert nehmen sich die Männer und auch einige der faschistischen jungen Wächter die Jungen und Mädchen zur Seite und befriedigen sie oder lassen sich befriedigen. Eine groteske Hochzeit wird organisiert zwei der Jugendlichen werden bereits jetzt schon durch ihren Tod erlöst. Tag zwei – Der Höllenkreis der Scheiße. Wieder finden sich die Personen in dem Saal ein, wieder erzählt die Dame eine Geschichte. Ein Erlebnis in dem sie zum ersten Mal in den Genuss der Exkremente eines älteren Mannes kam. Diese Inspiration veranlasst die Führer ein Festmahl zu halten. Den Jugendlichen wird verboten in ihre Nachttöpfe zu machen, all ihre Exkremente werden gesammelt und beim Essen serviert und von allen verspeist. Auch weiterhin werden die Jugendlichen zudem vergewaltigt, wie Hunde gehalten und gezwungen die Männer anzupinkeln. Tag drei – Der Höllenkreis des Blutes. Akt Drei. Das Finale. Durch ein Fernrohr beobachten die Männer abwechselnd wie auf einem Hof die Jugendlichen gefoltert, vergewaltigt und massakriert werden. Zungen werden abgeschnitten, Menschen werden aufgeschlitzt und skalpiert. Hier findet der Film durch eine erneut groteske Szene sein Ende. Die Geschichte an sich ist verstörend genug. Die Willkürlichkeit der Demütigung, die Grundlosigkeit, die Kalkuliertheit der brutalen Inszenierung der vier hochgestellten Männer, doch was Passolini daraus macht ist schlimmer als man es hätte je beschreiben können. Kühl bis eiskalt und absolut schonungslos inszeniert zeigt er explizit was in de Sades Kopf herum schwirrte. Dass er die Geschichte in einen noch immer aktuellen Kontext, den des europäischen Faschismus des 20. Jahrhunderts versetzt, macht den Film noch bedrückender. Trotz der Gewaltszenen, sei es körperlich oder physisch ist der Film stark dialoglastig. Doch findet man hier kaum Dialoge im eigentlichen Sinne, wenig wird diskutiert oder unter den Jugendlichen abgesprochen, ob sie vielleicht fliehen wollen. Dies wird nie thematisiert, die Jugendlichen reden nie, sie bleiben fast austauschbare, gesichtslose Dinge, so wie die vier Männer sie sehen. Ab und zu wird der ein oder andere in den Vordergrund gezogen, aber auch hier bleiben sie stumm in ihrer Unterwürfigkeit, lediglich Schreie kann von ihnen gehört werden. Auch gibt es keine Versuche von außen die Jugendlichen zu befreien, denn der Film beschäftigt sich tatsächlich fast ausschließlich mit der Aneinanderreihung der Abartigkeiten. Immer und immer wieder überbieten sich hier die Bilder und Aktionen in ihrer Perversion und Menschenverachtung. In Großaufnahme wird das „Scheiß-Festessen“ ausführlich zelebriert, einem Mädchen, dass sich wie die anderen in Hundestellung auf dem Boden bewegt wird ein mit Nägeln bestücktes Brot vor die Füße geworfen, sie isst es, dass Blut läuft aus ihrem schreienden Mund, ein Mädchen, dass sich weigert an einer Puppe die männliche Handbefriedigung zu üben wird später mit aufgeschlitzter Kehle der Gruppe vorgeführt. Wer denkt er hätte genug Gewalt in Kino und Fernsehen konsumiert und könnte auf diesen Film gefasst sein, wird sich irren. Nicht nur die optische Darstellung der Gewalt, sondern vor allem die Art der Gewalt verstört, ohne Wimpernzucken mit einer selbstgerechten Genugtuung und Selbstverständlichkeit gehen die vier Männer aber auch der Regisseur vor. Er macht dies nicht aus Sensationsgier oder Unvermögen, sondern um eben diesen Effekt zu erzielen, dass man sich als Betrachter angewidert abwenden möchte, aber gleichzeitig eine unerklärliche Faszination entdeckt. Die Faszination für sich selbst zu entdecken, ob man als Mensch ebenfalls die verankerten Veranlagungen hat so zu handeln, wenn die Umgebung einen ungestört lassen und einen sogar dazu hin beeinflussen würde. So absurd diese Gewalt erscheinen mag, sie ist in der Menschheitsgeschichte mehr als einmal vorgekommen und auch oder vor allem wie in diesem Film in der Gesellschaftsschicht, die eigentlich durch ihre Schulbildung und daraus erschließende Intelligenz geprägt sein sollte. Intelligenz und Wissen, so Passolinis böse Aussage, ist kein Grundgerüst für das Gute im Menschen. Weiterhin wird die Drastik und die Banalität jedweden Fehlens eines Ansatz von Gewissen durch die exorbitante aber dennoch nicht im sarkastischen oder comichaften Sinne übertriebene Gewaltdarstellung verstärkt. In keinster Weise wird die Brutalität ironisch unterlaufen oder durch fiktive Einschübe abgeschwächt und zu einer Satire hingeleitet. Die Akteure versuchen auch nicht in ihren Rollen als aufzugehen um diese einzunehmen, sie spielen sie offensichtlich, dabei versprühen sie eine abstoßende Fröhlichkeit und pervertierte Unbeschwertheit. Hinzu kommt die eher subtile Kameraarbeit, die an manchen Stellen fast dem Theater entsprungen wirkt und lediglich eine gewisse bildliche Überladung fehlt um an einen Peter Greenway zu erinnern. Doch Passolinis Bilder sind eintönig, fast schon steril, fremd, fast unwirklich karg. Die nackten Wände und Räume der Villa beißen sich mit dem einzigen bürgerlich anmutenden, roten Geschichten- und Orgienraum. In den anderen Räumen dienen als Schmuck lediglich die entblößten Körper jugendlicher Menschen, die fast wie Einrichtungsgegenstände drapiert werden können, wenn sie nicht in einem letzten Aufschrei, oft blutend aus der stummen Reihe fallen. Sie lassen das Dingwerden über sich ergehen, denn unweigerlich folgt ihr Tod im finalen Höllenkreis. Hielt sich die Darstellung des Blutes bis dahin bis auf wenige Ausnahmen in Grenzen wird hier auf einmal durch eine eingeschränkte Fernglassicht die Nähe zu den Jugendlichen auf paradoxe Weise stärker. Die Männer entfernen sich von ihren Opfern, betrachten sie aus einer Entfernung und doch sind sie ihnen nöher als je zuvor und mit ihnen der Zuschauer. Ab hier wird aus der Erniedrigung, die bis her nicht an Grausamkeiten aber an Blut sparte, um die Qualen der Jugendlichen hinauszuzögern und nicht zu früh enden zu lassen, eine Orgie aus Sex und gewetzten Messern. Das Fernglas zeigt uns einen Jungen derssen Kopf festgehalten wird, ein Wärter holt seine Zunge mit einer Zange heraus, er setzt ein Messer an, erst als das Messer die halbe Zunge durchtrennt hat setzt der Film einen Schnitt an, doch man wird noch lange nicht erlöst, ein Mädchen wird skalpiert, die Kopfhaut löst sich, dass Blut läuft ihr in die Augen, auch kommt hier bald der scheinbar erlösende Schnitt, der weiterhin nur neue Grausamkeiten nach sich zieht, eine Vergewaltigung, peitschen, weitere Todesopfer durch blutige Einschnitte. Die Männer geilen sich daran auf, wie schon an all den anderen Folterungen, doch diese hier sind endgültig, zumindest für diese Opfer. Neue könnten längst bereitstehen und die Hollenkreise könnten von neuem beginnen, doch das zeigt uns Passolini nicht mehr. Ein Glück. Ähnlich wie später Stanely Kubrick in seinem Meisterwerk „Uhrwerk Orange“, dass dagegen wie ein Kinderfilm wirkt nutzt Passolini die Schönheit in Form von klassischer Musik als bösen Kontrast zu der gezeigten Folter. Obwohl der Film scheint sich in Perversionen zu wälzen und die Schaulust der Zuschauer zum Selbstzweck auszunutzen, trügt diese Empfindung. Menschen die hier nackte Haut sehen wollen oder sich an Blutfontänen ergötzen möchten werden an diesem Film keinen gefallen finden. Von Schaulust kann keine Rede sein, eher von einer abartigen Faszination der menschlichen Abgründe. Dennoch oder gerade deswegen hat der Film einen negativen Beigeschmack. Seine Aussage ist zu subtil, als dass man sie ohne nötiges geschichtliches Hintergrundwissen vollends verstehen kann, dadurch wirkt er schnell pervers ohne jeglichen anderen Bezug. Doch auch mit diesem Wissen möchte man den Film kein zweites Mal sehen, nicht weil er nicht im Begriff steht als Kunstwerk geltend zu sein, sondern weil er unangenehm, entfremdend und verletzend ist. Man muss ihn gesehen haben, dass steht außer Frage, in welche Sparte man ihn drängen möchte steht jedem frei, Kunstwerk oder perverse Sinnlosigkeit. Beide Richtungen sind weder abwegig noch vertretbar, so muss man ein Mittelmaß finden, was bei einem so deutlichen Film sehr schwer fällt. Die Vorstellung dass dieser Film ein Opfer weltweiter Zensur war und ist, dürfte Niemanden verwundern. Die ungeschnittene Fassung auf die sich dieser Bericht bezieht hat eine Lauflänge von ca. 111 Minuten und lediglich das Zitat von Passolini zum Anfang des Films fehlt in dieser Version. Fazit: Kunstwerk oder eine Aneinanderreihung von Abartigkeiten? Eine Mischung aus Beidem, die aus dem Film ein selten gesehenes verstörendes Gesamtbild schafft, dass uns Menschen verstört, verletzt und vielleicht sogar ein bisschen unserer Würde beraubt. Ein Film, den man gesehen haben muss – einmal und nie wieder. #DATEN# Salò o le 120 giornate di Sodoma F/I 1975 Von Pier Paolo Passolini Mit Paolo Bonacelli, Giorgio Cataldi, Umberto Paolo Quintavalle, Aldo Valletti, Caterina Boratto, Elso de Giorgi FSK 18 Ca. 111 Minuten *Salo oder die 120 Tage von Sodom sollte Passolinis letzter Film werden. Er wurde im selben Jahr am 2. November 1975 auf mysteriöse Weise ermordet auf einem öffentlichen Bolzplatz mit zertrümmertem Schädel und überfahren von seinem eigene Auto aufgefunden worden. Ein Tot, wie er ihn schon einmal in einem seiner Filme inszeniert hat. Die Theorien über den Täter reichen von einem Stricher bis hin zu einem rechtsradikalen Hintergrund* ... |
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| 1-2 von 2 Dramen | |||||
Allgemeine Informationen Die 120 Tage von Sodom
gelistet seit: 03.02.2005
Bewertung durch unsere Mitglieder
| Film / Kino-Daten Darsteller: Paolo Bonacelli , Giorgio Cataldi , Uberto P. Quintavalle Genre: Drama Kategorie: Spielfilm Land / Jahr: Italien/Frankreich 1975 Originaltitel: Salò o le 120 giornate di Sodoma Altersfreigabe (FSK): (JK) Indiziert: ja Regie: Pier Paolo Pasolini Video / DVD-Daten Anbieter (Label): Legend Films Bildverhältnis: 1:1,85 Auslieferung: 14.03.2005 Mehrkanalton: Dolby Digital 1.0 Sprache: Deutsch DD 1.0/Italienisch DD 1.0 System: DVD Ton-System: Mono Untertitel: Deutsch Vertrieb: Universum Film |






















