Kind Nr. 95 (Taschenbuch) / Lucia Engombe

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Engombe, Lucia: Kind Nr. 95
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Kind Nr. 95
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Produktbeschreibung

Kind Nr. 95 (Taschenbuch) / Lucia Engombe

EAN 9783548258928
ISBN 3548258921
gelistet seit 06/2004

Weitere Merkmale

Ausgabeformate Taschenbuch
Erscheinungsjahr Oktober 2003
Hersteller / Verlag Ullstein Taschenbuchverlag
Kurztitel Engombe, L: Kind Nr 95
Schlagworte Erinnerung;Denkwürdigkeiten;Lebenserinnerung;Autobiografie / Lebenserinnerung;Memoiren;
Seitenzahl 272 Seiten
Untertitel Meine deutsch-afrikanische Odyssee. (_Tb)
Unverbindliche Preisempfehlung 8,95

Tests und Erfahrungsberichte

  • ...zwischen.zwei.welten...

    Pro:

    Fesselnd und beindruckend...

    Kontra:

    ...

    Empfehlung:

    Ja

    „Plötzlich hörte ich jemanden meinen Namen rufen.
    Ich drehte mich um und sah einen weißen Mann mit zwei Afrikanern auf mich zukommen.
    Der Deutsche fragte mich: „Lucia, willst du mit nach Deutschland fliegen?“
    Ich erinnere mich an diese Frage und die Gefühle, die sie bei mir auslöste, deutlich:
    Mein Herz tat vor Freude einen Riesensprung!
    bwohl ich nicht die geringste Ahnung hatte, was das sein sollte – Deutschland …
    Endlich durfte ich auch mal fort aus Nyango.
    Weg von einem Ort, an dem ich stets Hunger und oft Angst hatte.
    Ich würde ja wieder kommen …“


    "Als die 7-jährige Lucia Engombe sich im Dezember 1979 auf das Abenteuer ihres Lebens einlässt, weiß sie nicht, dass sie ein Spielball der Politik ist - und erst elf Jahre später als Fremde nach Afrika zurückkehren wird. Mit zahlreichen anderen namibischen Kindern wird sie von einem Tag auf den anderen in die DDR ausgeflogen - mit dem Ziel: Die „neue Elite“ des zukünftigen unabhängigen Namibias heranzuziehen. Doch nach dem Mauerfall sind die afrikanischen „DDR-Kinder“ nicht mehr erwünscht und werden 1990 in einer Nacht- und Nebelaktion in ihre unbekannte Heimat zurückgebracht. Als „Kind Nr. 95“ landet Lucia Engombe im Armenviertel der Hauptstadt Namibias und begibt sich auf eine schmerzhafte Suche: nach ihrer Familie und ihrer Identität.“ Lautet die Beschreibung des Buches, welches uns unser Reiseleiter während uneerer Namibia-Rundreise empfahl und welches ich mir gleich nach dem Urlaub zugelegt hatte, da mich das Thema sehr interessierte. Ich wusste zwar, dass namibische Kinder in die DDR geschickt wurden - aber mehr wusste ich darüber nicht."

    Bei unserem Aufenthalt in Windhoek wurden wir von einem jungen Mann angesprochen, der uns erzählte, dass er eines dieser in die DDR gebrachten Kinder sei. Er erzählte uns von einer Ausstellung, die vorbereitet werde und letztendlich wollte er eine Spende. Die Story, die er uns erzählte war nicht schlecht, wirkte glaubhaft. Aber wir waren bereits gewarnt worden - zum Einen von unserem Reiseleiter, zum Anderen durch einen Aushang in der Christuskirche in Windhoek.

    Folgenden Artikel fand ich dazu unter http:// fernlokal.wordpress.com /2010/01/22/mafia-methoden- in-namibia- touristenfalle- im-namen-der- ddr-kinder/ (ohne Leerzeichen)

    „Seit Mitte des letzten Jahres wiederholen sich in der Allgemeinen Zeitung (AZ), der deutschsprachigen Zeitung in Nambia, Warnungen vor einer Betrügerbande und Berichte über verschiedene Vorfälle. Auf der Independence Avenue, die sich durch das Zentrum Windhoeks zieht, sammeln einige junge Männer angebliche Spenden für eine Ausstellung über die Geschichte der DDR-Kinder von Namibia. Laut der AZ scheint der Trick zu funktionieren. Geschäftsmänner berichteten, dass Touristen der Truppe bereits öfter 10 bis 50 Euro gegeben hätten. Ein Augenzeuge habe sie auch schwerbepackt in einen Mercedes einsteigen sehen. Wer versuche, dazwischenzugehen, werde aggressiv angepöbelt und verbal bedroht…“




    DIES UND DAS

    Für 8,95 Euro bekommt man die broschierte 272 Seiten umfassende Ausgabe aus dem Ullstein Taschenbuchverlag unter ISBN-10: 3548258921 / ISBN-13: 978-3548258928 im gut sortierten Buchhandel. Ich habe mir das bereits im Jahr 2004 erschienene Buch allerdings bei ebay ersteigert und incl. Porto gerade einmal 2,50 Euro dafür bezahlt.


    LUCIA ENGOMBES GESCHICHTE

    Ihre eigene, ihre wahre Lebensgeschichte erzählt Lucia in diesem Buch, angefangen von der Verfrachtung der Flücktlingskinder aus dem Flüchtlingslager in Sambia in die ehemalige DDR. Lucia war das Kind eines Swapo-Kämpfers - wurde als das Kind eines Verräters abgestempelt. Gegen die Unabhängigkeitsbewegung führte die südafrikanische Protektoratsmacht einen erbitterten Kampf. Ständig war da Leben der Flüchtlinge durch die Luftangriffe der südafrikanischen Armee und durch den Hunger gefährdet. Sieben Jahre alt ist Lucia und schon fünf Jahre lang lebt sie als Flüchtlingskind, als sie eines Tages gefragt wird, ob sie nach Deutschland will.

    Sie erzählt von der langen und beschwerlichen Reise mit einer Gruppe aus um die 80 großteils unterernährten Kindern, ihren ersten Begegnungen im fremden Land, von den Schwierigkeiten mit der Kultur, von ihrem neuen Leben, in dem so vieles fremd für sie ist. Sie erzählt vom Alltag im Swapo-Kinderheim in Schloß Berlin, davon, dass man ihr sagte ihr Vater sei tot, von bettnässenden Kindern, die zur Elite Namibias gemacht werden sollten, von Nachtmanövern und ersten Parties, von ungewollten Teenagerschwangerschaften und der Suche nach Normalität.. Elf lange Jahre lang wurden die Kinder von namibischen Swapo-Kämpfern und deutschen und namibischen Erzieherinnen, zu denen sie enge Kontakte schließen, ausgebildet, sollten zu der neuen Führung ihres Landes gemacht werden. Während dieser Zeit lebten die gut versorgten Kinder überwiegend vom Rest der Bevölkerung der DDR abegschottet. Sie lernten wie man mit Gewehren umgeht, machen militärische Übungen, lernen die deutschen Tugenden, sie lernten aber auch Oshivambo und die traditionellen Tänze und Lieder ihrer alten Heimat.
    Im Jahr 1989 werden die südafrikanischen Truppen aus Namibia abgezogen. Als dann die Berliner Mauer fällt, will man die Kinder in der ehemaligen DDR nicht mehr. Lucia erzählt nun von der Wende und vom Rassismus der ehemaligen DDR, vom Rassismus der so gewalttätig wurde. Die sich mittlerweile an der Macht befindende Swapo hat noch so gar keinen Plan, was denn nun aus den Kindern werden soll. Man bringt sie zurück nach Naimbia.

    Lucia erzählt von ihrer Rückkehr nach Namibia und von den der inzwischenfast 20-Jährigen vollkommen fremden Eltern, vom Leben in einem Land, das ihr so fremd geworden ist. Viele der so abgeschobenen Kinder trifft ein Kulturschock als alles so anders ist, als sie es sich vorgestellt haben. Was sie hier vor Augen haben sind die Townships für die Schwarzen und das gute Leben der Weißen. Mit dem zweiten Kulturschock ihees Lebens müssen nun die Kinder umgehen, für die weder Deutschland noch Namibia eine wirkliche Heimat ist.
    Wo gehörten diese Kinder nun hin? Für ihre Familien waren sie zwar schwarz, aber auch sehr deutsch und für die Deutschstämmigen waren sie zwar ziemlich deutsch, aber auch ziemlich schwarz.

    Ihre Mutter, der sie nun nach so langer Zeit wieder gegenüber steht ist ihr vollkommen fremd. Diese Frau, der es so schwer fällt Gefühle zu zeigen, dies Frau, die nicht verstehen kann, dass Lucia durch die neue Kultur und die schwere Feldarbeit überfordert ist, soll ihre Mutter sein? Die Sprache ihrer verwandten ist Lucia fremd. Von täglichen Maisbrei bekommt sie Durchfall….Und doch hat sie dieses Buch reher Mutter gewidmet.

    Erst langsam beginnt Lucia zu begreifen, was geschehen war, dass sie nur ein Spielball der Politik war und um zu begreifen wie grausam diese Politik doch ist.

    "Ostdeutsche wurden wir in Namibia genannt. Das war kein guter Name damals. Die haben gedacht, wir wären arrogant", erzählt Lucia in einem Interview der Berliner Zeitung. Weiterhin sagt sie "Mal sehen, ob ich in Namibia bleiben kann. Ich habe viele Dinge geschrieben, die Sam nicht gefallen werden. Falls er mein Buch liest, verliere ich vielleicht meinen Job beim staatlichen Rundfunk und dann: tschüss Namibia." Sam Nujoma, der SWAPO-Führer und erste Präsident des befreiten Namibia, ist in Lucias Geschichte eine ambivalente Figur. "Die SWAPO hat meine Familie getrennt", sagt sie. "Andererseits: Ohne die SWAPO wäre ich nie in die DDR gekommen, hätte ich wahrscheinlich niemals so eine Ausbildung machen können. Ich muss der SWAPO auch dankbar sein."

    "Das Buch war für mich Medizin. Ich habe viel geweint beim Schreiben", sagte die Autorin. "Jetzt ist die Vergangenheit bewältigt."


    PETER HILLIGES

    Die Erfahrungen von Lucias Kindheit und Jugend hat der der Journalist und Buchautor Peter Hilliges für sie aufgezeichnet. Er organisierte jede Menge Pressetermine für Lucia und ihr Buch, tat sein Möglichstes um das Buch bekannt zu machen. Lucia trat im Fernsehmagazin "Mona Lisa" auf und sie wurde für den "Kulturweltspiegel" interviewt. "Frau im Spiegel" schrieb über sie und auch die Bild-Zeitung, Ausgabe Ost.



    MEINE MEINUNG

    Dieses Buch ist ein sehr interessanter Teil der namibisch-deutschen Geschichte und ich habe ich geradezu verschlungen. Faszinierend, beeindruckend und persönlich,,aber auch sehr bedrückend und erschütternd, sehr menschlich und herzergreifend ist dieses Schicksal eines Kindes, das kein Einzelschicksal ist. Lucia leidet - wie wohl auch die anderen Flüchtlingskinder - noch heute darunter, dass ihre Familie nicht mehr zusammen ist. Lucia, die ihr ganzes Leben lang von anderen bestimmt wurde, muß sich auf die Suche nach ihrer eigenen Identität machen.

    Diese Kinder haben keine wirkliche Heimat, leben zwischen zwei Welten. Wender im armen Ovamboland noch in Windhoek fühlen sie sich zuhause - aber sie sehnen sich auch nicht zurück in die DDR. Zuhause sind sie nur, wenn sie unter sich sind. Denn sie haben so viele Erfahrungen gemeinsam, die andere nicht verstehen können.

    Aus ihren ganz eigenen Erinnerungen, ihre ganz persönliche deutsch-afrikanische Lebensgeschichte erzählt Lucia Engombe und hat man dieses Buch erst einmal begonnen, dann will man es nicht mehr beiseite legen, denn von der allerersten bis zur letzten Seite sind die Schilderungen ihrer Erlebnisse und ihrer Erfahrungen fesselnd. Dieses sehr informative Buch ist danke der eher einfachen Sprache leicht zu lesen und gut verständlich. Ein literarisches Meisterwerk darf man hier allerdings nicht erwarten. Es ist so, als würde einem Lucia ihre Erlebnisse geradeweg erzählen…

    Ich vergebe für dieses meiner Meinung nach sehr lesenswerte Buch eine ganz klare Empfehlung und fünf von fünf Sternchen.