Evangelisches Studienwerk Villigst e.V.
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Platz 8 in der Kategorie "Mehr zum Thema Studium".
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Evangelisches Studienwerk Villigst e.V. Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

linnie

Kein Heiligenschein benötigt!

ein Testbericht von 2003-06-18 17:15:45 vom 18.06.2003
Empfehlung: ja
Vorteile: finanzielle und ideelle Förderung der Promotion für maximal 3 Jahre...
Nachteile/Kritik: nur 150 Doktoranden werden insgesamt gefördert -> kleine Chance, aufgenommen zu werden
Wie finanziere ich bloß meine Promotion? Von dem 620 Euro-Stipendium der Graduiertenförderung kann ich einfach nicht leben, aber kriege ich (als Ottonormalbürgerin mit nichtmal sehr gutem Examen) überhaupt ein anderes Stipendium??? Ich konnte es ja nicht so recht glauben, aber inzwischen hat es doch geklappt ;-)

Wie bereits in meinem Bericht über die Konrad-Adenauer-Stiftung beschrieben, bieten sich mehrere Stiftungen an, die Studenten und Graduierte fördern: Die Studienstiftung, die politisch neutral ist, die politischen Stiftungen (Friedrich Ebert Stiftung, Konrad Adenauer Stiftung, Heinrich Boell Stiftung, Friedrich Naumann Stiftung etc.) und die religiösen Stiftungen das evangelische Studienwerk Villigst und das Cusanus Werk.

Ich habe mich bei mehreren Stiftungen beworben und insgesamt 3 Auswahlgespräche gehabt, die allesamt sehr unterschiedlich verlaufen sind. Vorher habe ich mich allerdings immer gefragt, was mich da bloß erwartet. Um nun anderen Studenten, die sich die gleichen Fragen auch stellen mögen, ein wenig weiterzuhelfen, schreibe ich nun meinen zweiten Bericht über eine Stiftung. Auch bei Villigst habe ich mich um ein Promotionsstipendium beworben (logisch, oder?), sodass ich schwerpunktmäßig wieder auf die Promotionsförderung eingehen werde.

** Wen fördert Villigst?
Villigst fördert evangelische Studenten aller Fachrichtungen während des Studiums und auch während der Promotion. Außerdem legt Villigst Wert auf Frauenförderung, allerdings habe ich das so verstanden, dass nur Frauen mit Kindern besonders bevorzugt werden. Weiterhin hat Villigst Forschungsschwerpunkte, über die man sich auf der Homepage des Studienwerks detailliert informieren kann (http://www.evstudienwerk.de/).

Wichtig ist hier, wie auch bei allen anderen Stiftungen, dass man ein gesellschaftspolitishes bzw. kirchliches Engagement nachweisen kann. Auch bei Villigst muss ein ausführlicher Lebenslauf eingereicht werden, der Auskunft über besondere Tätigkeiten geben soll. Dieser Lebsnlauf sollte bestenfalls schon 2 bis 3 Seiten lang sein.

Bewerbungsvoraussetzungen sind:
Zugehörigkeit zu einer ev. Kirche
Studium in Regelstudienzeit
Abschlussnote mindestens "gut" (bzw. bei Jura "vollbefriedigend")
promotionsberechtigender Abschluss

** Wie fördert die Villigst Promotionsstudiengänge?
Neben der finanziellen Unterstützung bietet auch Villigst ein Seminarprogramm während der Semesterferien an, die aber hier nicht verpflichtend zu sein scheinen. Natürlich halte ich es für wichtig, dieses Seminarangebot wahrzunehmen, da man dort Kontakte zu anderen Doktoranden knüpfen und sich nebenher auch weiterbilden kann. Zweimal jährlich finden Treffen der Stipendiaten in Villigst statt. In meinem Brief, in dem ich die Zusage für das Stipendium bekommen habe, wurde mir mitgeteilt, dass das erste Treffen (Ende November) verpflichtend für neue Stipendiaten ist. Auf das Treffen freue ich mich allerdings schon :-)

In allen Entscheidungsbereichen des Studienwerks sind Stipendiaten stimmberechtigt, auch bei der Auswahl der Bewerber und bei der Festlegung der Seminarthemen können Stipendiaten mitentscheiden und mitgestalten.

Das Promotionsstipendium beträgt monatlich 920 Euro zzgl. 100 Euro Sachkostenpauschale. Das Stipendium wird eltern- aber nicht einkommensunabhängig vergeben, sodass eigene Einkünfte angerechnet werden. Ich werde mal abwarten, in welchem Umfang eigenes Einkommen angerechnet wird und dann meinen Bericht dementsprechend aktualisieren.

Das Promotionsstipendium wird erstmal auf ein Jahr bewilligt, danach muss bis Ende April bzw. bis Ende September (weil dann der Ausschuss tagt) ein Verlängerungsantrag auf ein weiteres Jahr gestellt werden. Es muss dazu ein etwa 5 seitiger Arbeitsbericht und eine Stellungnahme des Doktorvaters beigefügt werden. Nach zwei Jahren muss semesterweise verlängert werden. Eine Förderung über drei Jahre hinaus ist nicht möglich, wobei mögliche andere Promotionsstipendien angerechnet werden.

** Wie bewerbe ich mich?
Es gilt wie bei fast allen Stiftungen das Prinzip der Selbstbewerbung. Für das Promotionsstipendium sind folgende Unterlagen erforderlich (einmal im Original, einmal in Kopie einreichen):
1) beglaubigte Kopie des Abschlusszeugnisses (mit Nachweis der einzelnen Noten)
2) tabellarischer UND ausführlicher Lebenslauf, beides mit Unterschrift
3) Expose der Dissertation (maximal 15 Seiten)
4) zwei Gutachten von Hochschulprofessoren bzw. -dozenten, eines davon vom Doktorvater
5) Personalbogen mit Passbild (der ist hier nur eine Seite lang und innerhalb von 5 Minuten auszufüllen!)

Zur Bewerbung müssen 16 Euro Bearbeitungsgebühren überwiesen werden. Das ist zwar erstmal ärgerlich, da die Bewerbungen insgesamt (allein wegen der Fotos) nicht billig sind, aber wenn man ein Stipendium bekommt, zahlt sich das wieder aus :-)

Bewerbungstermine für den Promotionsstudiengang sind 15. Juni und 15. Januar eines jeden Jahres.

Die Bewerbung macht schon Arbeit, auch wenn für Villigst das Ausfüllen eines seitenlangen Bewerbungsbogens entfällt, aber das 10 bis 15 seitige Expose will erstmal geschrieben sein. Um nicht in gewaltige Zeitnot zu geraten, empfehle ich zwei Monate, in denen man sich seinen Bewerbungsunterlagen widmet! Immerhin sollte das Expose gut begründet sein, damit man die Gutachter von seinem Dissertationsvorhaben überzeugen kann.

** Wie geht es dann weiter?
Ich habe ziemlich schnell nach Losschicken meiner Unterlagen eine Empfangsbestätigung bekommen, in der mir mitgeteilt wurde, wann ich wieder vom Studienwerk hören würde und wann die Auswahlgespräche stattfinden. Ich habe mich Ende November 2002 beworben, mir wurde aber gleich mitgeteilt, dass ich vor Ende März keine weiteren Informationen bekommen würde. Die Auswahlgespräche fanden am 16. Mai statt, der Auswahlausschuss tagte am 17. Mai.

Nach dem Auswahlgespräch musste ich zwei Wochen auf eine Antwort warten, in der mir aber nur geschrieben wurde, dass die finanzielle Situation des Studienwerkes noch nicht geklärt sei, sodass noch nicht feststünde, wie viele neue Stipendiaten aufgenommen werden könnten. Insgesamt 4 Wochen nach dem Auswahlgespräch kam dann endlich die Zusage!

** Was passiert beim Auswahlgespräch?
Villigst veranstaltet an einem Tag Auswahlgespräche in drei Orten in Deutschland (Villigst, Berlin, Frankfurt waren es dieses Jahr). Insgesamt sind etwa 100 Studenten eingeladen worden. Da Villigst zur Zeit etwa 600 Stipendiaten und 150 Doktoranden fördert und es zwei Bewerbungstermine pro Jahr gibt, gehe ich davon aus, dass pro Auswahltermin etwa 25 neue Doktoranden aufgenommen werden. Das ist zwar nicht viel, aber ein bisschen Glück gehört eben auch dazu und man bekommt immerhin ziemlich viel Geld geschenkt.

In Villigst wird man gezielt zu einem Gespräch eingeladen, das heißt, dass man auch nicht viel Zeit einplanen muss. Für jedes Gespräch sind 30 Minuten eingeplant und zumindest vor dem Mittag (mehr kann ich nicht beurteilen) fingen die Gespräche auch sehr pünktlich an.

Im Haus Villigst wird man von zwei Stipendiaten nett mit Tee und Getränken begrüßt und auch nochmal beruhigt, dass das ja alles halb so schlimm sei. Leider wird aber kein Baldrian an besonders Bedürftige verteilt ;-) Beim Gespräch sind drei Leute neben einem selbst anwesend. Zwei Altstipendiaten und ein aktueller Stipendiat, der das Gesprächsprotokoll schreibt.

Ich hatte dort ein sehr nettes und freundliches Gespräch, in welchem ich zuerst nach dem Titel meines Exposes befragt worden bin, danach durfte ich die physikalische Messmethode erklären (alles ganz easy, wenn man bereits 9 Monate lang promoviert!). Eine einzige unangenehme Frage wurde mir gestellt und zwar wurde ich gefragt, ob ich nicht auch eine Industrieförderung in Anspruch nehmen könne. Sowas muss man eben irgendwie möglichst geschickt umschiffen und sich rausreden. Ein einfaches ja oder nein reicht da nicht. Natürlich ist das eigene Projekt förderungswürdig, aber man muss dann eben einen Grund erfinden, warum die Industrie daran eben doch nicht interessiert ist, sodass eben Villigst einspringen muss....

Nach etwa 10 bis 15 Minuten kamen wir dann auf meine Hobbies zu sprechen und meine Teilnahme an "Jugend musiziert", das war alles ganz locker und angenehm. Nach gut 20 Minuten war das Gespräch bereits beendet und mir wurde gesagt, wie das Prozedere nun weiterginge, dass also am nächsten Tag entschieden würde, wer aufgenommen werden soll, dass diese Gutachten dann aber noch durch einige Gremien gehen müsse und man erst nach 2 bis 3 Wochen mit einer Antwort rechnen könne. Danach ist mir noch eine gute Fahrt gewünscht worden und das war's dann.

Als Einstieg ins Gespräch wurden mir vom Vorsitzenden alle Anwesenden vorgestellt, wobei gleich rauskam, dass die beiden Altstipendiaten beide aus Hannover kamen. Das führte dann zu einer kleineren Diskussion, ob Hannover schön ist bzw. vor 20 Jahren schon war und ob uns/mir die EXPO gefallen hat. Da wird man dann schon ein wenig warm.

Die Atmosphäre während des Gesprächs war sehr entspannt und freundlich, so wünscht man sich ein Auswahlgespräch!

** Fazit
Noch weiß ich ja nicht, in welchem Umfang ich finanziell gefördert werde, aber insgesamt kann ich das evangelische Studienwerk natürlich wärmstens weiterempfehlen. Ich bin kein einziges Mal nach meinem kirchlichen oder gesellschaftspolitischem Engagement gefragt worden und ich hatte nicht das Gefühl, dass sie da nur "Heilige" aufnehmen wollen. Dann wäre ich sicherlich auch nicht positiv begutachtet worden. Also bloß keine Angst haben und sich nicht für gut genug halten. Man muss das einfach mal versuchen mit der Bewerbung, vielleicht klappt es ja. Da gehört eine gute Portion Glück dazu, aber warum soll man das nicht haben?

Da ich ja nun aufgenommen worden bin beim evangelischen Studienwerk, werde ich diesen Bericht weiterhin aktualisieren und dann über die finanzielle und ideelle Förderung berichten, wenn ich mehr darüber weiß.

Ich kann nur sagen: Bewerbt euch, das macht zwar erstmal Arbeit, aber das kann sich auch auszahlen!
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Produktbeschreibung Evangelisches Studienwerk Villigst e.V.

 
Allgemeine Informationen Evangelisches Studienwerk Villigst e.V.
gelistet seit: 26.08.2003
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Themenbereich: Studiumsfinanzierung 
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