Heinz Kaminski: Sternstraßen der Vorzeit
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Heinz Kaminski: Sternstraßen der Vorzeit
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Heinz Kaminski: Sternstraßen der Vorzeit

 (gebundene Ausgabe)
Platz 22 in der Kategorie "Bücher Vor- & Frühgeschichte".
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Heinz Kaminski: Sternstraßen der Vorzeit gebraucht & neu

Heinz Kaminski: Sternstraßen der Vorzeit Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Haramis

Wo zum Geier liegt Wormbach?

ein Testbericht von 2005-07-17 10:10:17 vom 17.07.2005
Empfehlung: nein
Vorteile: Man braucht nur die erste Hälfte zu lesen, die zweite sind rein Berechnungen und Tabellen....
Nachteile/Kritik: Es ist immer wieder erstaunlich, welcher Schwachsinn in den Buchhandlungen verkauft wird.
Es gibt Momente, da braucht man einfach ein schlechtes Buch, nur um sich abreagieren zu können. Auf der Suche in meinen Bücherregalen stieß ich schließlich auf ein Exemplar, bei dem der Titel schon von weitem schrie: "Faß mich nicht an, sonst wirst du es bereuen!" Das Buch schimpft sich "Von Stonehenge nach Atlantis – Sternenstraßen der Vorzeit" und ist von Heinz Kaminski. Wer jetzt glaubt, etwas über Stonehenge oder gar Atlantis lesen zu können, der wird enttäuscht sein, denn es geht fast ausschließlich um Wormbach – wo auch immer das sein mag (Nordrhein-Westfalen, soviel habe ich inzwischen herausgefunden)...



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Zum Autor
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... weiß ich rein durch sein Buch leider gar nichts, nur daß er unglaublich viel Fantasie und wenig Fachwissen hat.
Wikipedia dagegen hat sogar einen eigenen Eintrag für ihn. Demnach ist er 1921 in Bochum geboren und 2002 in Arnsberg verstorben. Er war Chemieingenieur und Weltraumforscher und gründete die Sternwarte Bochum. Anscheinend war er auf seinem Gebiet äußerst erfolgreich – wäre er doch nur dabei geblieben...



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Inhalt
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Ku rz zusammengefaßt geht es in dem Buch darum, daß Kaminski ein Stonehenge/Wormbach-System gefunden haben will, bei dem imaginäre Linien ganz Europa durchziehen, nach dem Prinzip der leylines (Kraftlinien), die man zur Genüge aus der Geomantie kennt. Diese Wege sollen in megalithischer Zeit in Betrieb genommen worden sein und die Priester sollen darauf ihr Wissen transportiert haben.



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Kritik
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Ich habe mir lange überlegt, wie ich diese Kritik aufbauen soll. Am Ende bin ich zu dem Schluß gekommen, daß ich Aussage für Aussage durchgehen muß, da das Buch zum einen sehr verworren ist, zum anderen diese wirren Behauptungen immer fleißig wiederholt werden. Diese Meinung wird also eine Menge Zitate beinhalten (man soll hinterher nicht behaupten, ich hätte dem guten Mann etwas in den Mund gelegt – derart verdrehte Aussagen müssen einfach zitiert werden), dafür wird's diesmal aber wieder ein wenig länger, weil ich schließlich meinen Senf auch noch dazugeben will – und das wird ein Senf der Marke "Extrascharf" sein, soviel kann ich versprechen! Fangen wir doch gleich mit Kaminskis ersten beiden Sätzen an:

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"De r frühgeschichtliche Kultraum Wormbach, Deutschland, liegt auf einer exakt Ost/West verlaufenden Linie, d.h. der gleichen geographischen Breite wie Stonehenge in England. Diese Beziehung, die ich 1988 fand, führte zu dem bislang unbekannten, West- und Mitteleuropa überdeckenden, megalithischen Kultnetz, einem metrologischen und geographischen Netz, dem Stonehenge/Wormbach-System." (S. 12)
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O tto Normalbürger wird sich jetzt auf ein spannendes Buch freuen, denn Kaminski stellt hier so einiges in den Raum, auf das man sich im Laufe des Buches Antworten erhofft. Doch Kaminski war Chemiker und Weltraumforscher, kein Archäologe oder Historiker.
Vielleicht sollte man vorab klären, was Kaminski wohl nie begriffen hat: "frühgeschichtlich" und "vorgeschichtlich" ist nicht dasselbe. Die Frühgeschichte fängt da an, wo die Vor- oder Urgeschichte aufhört. Bei uns war dies ungefähr zur Zeit der Kelten. Vorgeschichte bezeichnet Völker, über die es keinerlei schriftliche Quellen gibt, während Frühgeschichte besagt, daß man zwar Schriftquellen hat, aber daß die nicht von den Völkern selbst, sondern von Außenstehenden angefertigt wurden. Das beste Beispiel hierfür sind die Aufzeichnungen der Römer über die Kelten. Die Kelten selbst waren trotz allem schriftlos.

Zu den genannten Orten Wormbach und Stonehenge läßt sich jede Menge sagen, vor allem eines: Sie mögen zwar auf einem Breitengrad liegen, jedoch liegen sie zeitlich mehrere tausend Jahre auseinander! Ich weiß nicht, wieso Kaminski ausgerechnet auf Wormbach kam (wobei er wohl aus der Gegend stammt und wie viele andere das Glück der Einfachheit halber vor der eigenen Haustüre gesucht hat), aber sein Beispiel ist mit Sicherheit schlecht gewählt. Das kleine Örtchen weist wohl keltische oder germanische Wurzeln auf, soweit ich das rausfinden konnte, jedoch schreibt selbst Kaminski nichts über ältere Funde, zumal er sich einzig und allein auf die Pfarrkirche von Wormbach stürzt.
Stonehenge dagegen ist im Neolithikum entstanden und wurde ca. zwischen 3.000 und 1.500 v. Chr. erbaut. Da die Anlage in der Frühbronzezeit nur noch erweitert wurde, kann man wohldavon ausgehen, daß Kaminski bei Stonehenge den Beginn der Erbauung im Hinterkopf hatte – und der war somit gute 2.500 Jahre vor dem keltischen Wormbach! Daß das "megalithische Kultnetz" bislang unbekannt war, verwundert also mitnichten.

Doch wir sind ja noch ganz am Anfang des Buches und immer noch voll naiver Hoffnungen auf eine erleuchtende Aufklärung.

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"Die geistigen Lenker und Lehrer in megalithischer Zeit reisten, d. h. wanderten ebenfalls durch die Lande und vermittelten den angetroffenen Völkern, Sippen oder Familien ein ihnen angemessenes Wissen für ihre weitere geistige und praktische Entwicklung." (S. 13)
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U nd schon ahnt man ganz fürchterlich, worauf diese Buch hinausläuft: auf hanebüchernen Blödsinn. "Die geistigen Lenker und Lehrer in megalithischer Zeit" – wer soll das wohl gewesen sein? An anderen Stellen bezeichnet Kaminski sie konkret als "Priester" oder gar "Druiden". Nun ist uns derartiges aus der Jungsteinzeit nicht überliefert. Weder kennen wir das Priestertum (sofern es denn eines gab), noch wissen wir, ob ausgerechnet die Priester durch Wald und Flur gelatscht sind, um ihr Wissen "in angemessener Weise" weiterzugeben.

Die Menschen im Neolithikum waren Ackerbauern und Viehzüchter, hatten also ein recht bodenständiges Leben, das natürlich, wie man von vielen Funden weiß, nicht ohne Religion auskam. Doch möchte ich mal stark bezweifeln, daß sie ihr ganzes Wissen von umherziehenden Priestern gelernt haben. Ich weiß ja nicht, was das für Priester gewesen sein sollen, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß sie den Leuten vermittelten, wie man Schweine züchtet. Auch ist die Aussage Kaminskis, sie hätten den Menschen ein "ihnen angemessenes Wissen" vermittelt, schon als arrogant zu bezeichnen. Im Grunde zielt dies auf nichts anderes ab als die vielen esoterischen Schriften über Atlantis, die besagen, daß Überlebende dieses angeblich untergegangenen Kontinents sich aufs Festland gerettet und ihr Wissen weitergegeben hätte, soweit die Menschheit schon "dafür bereit" war. Atlantis – die Hochzivilisation, die allen anderen überlegen war, die nach manchen Meinungen sogar in einer Atomexplosion untergegangen sein soll usw. – diese Legende, die uns von Platon überliefert wird, muß eben immer herhalten, wenn man nicht sofort und auf der Stelle die gesamte Vorzeit erklären kann.
Menschen, die tonnenschwere Steine durch die Gegend schleppten? Gibts nicht – das müssen Atlanter gewesen sein. Menschen, die mehrere tausend Kilometer gereist sind? Nix da – sowas können keine dummen Ackerbauern, das können nur die Atlanter. Dies ist insofern schon äußerst dumm, da bereits die Menschen der Altsteinzeit in der Lage waren, tausende von Kilometern zurückzulegen (und auch wieder zurückzufinden! Und das ganz ohne Telepathie, man soll's nicht glauben!).
In diesem Zusammenhang noch ein kleines Zitat von Seite 14: "Mittels dieser Maßlinien (Anm.: Gemeint ist die "megalithische Elle", die Alexander Thom als Einheitsmaß des Megalithikums errechnet haben will) konnten sie sich über Distanzen von tausend und mehr Kilometern orientieren."
Erstaunlich – der Neandertaler konnte das auch, ganz ohne Maßstab...

Ach ja – das Wissen haben diese vermeintlichen Priester ja weitergegeben, um die "geistige und praktische Entwicklung" anzuspornen. Schade, daß sie so jämmerlich versagt haben. Denn Tatsache ist, daß sich die Menschen im Neolithikum eine lange Zeit hinweg erstmal gar nicht nenneswert weiterentwickelt haben. Sie haben am Anfang gelernt, Vieh zu züchten, Getreide anzubauen, Beile zu schleifen, zu töpfern usw., aber irgendwann waren sie damit zufrieden und lebten jahrhundertelang mit diesen Kenntnissen weiter – bis das Metall ins Spiel kam.

Zur eben angesprochenen Arroganz kann man vielleicht noch vermuten, daß dies Kaminskis eigene Einstellung ist, die er hier vertritt. Wie sehr er von sich selbst eingenommen ist, kommt fast auf jeder Seite zur Geltung, denn er wird nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, daß er der Entdecker dieses mysteriösen Stonehenge/Wormbach-Systems ist. Auch zitiert er laufend aus seinen eigenen Publikationen oder verweist auf sie. Spätestens nach dem 10. Mal hat es denn aber auch der dümmste Leser kapiert und man hätte sich die 100 weiteren Male sparen können.

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Kaminski schreibt von seinen "Sternenstraßen" 1. und 2. Ordnung, die wie ein Netz Europa überziehen sollen und dessen Fixpunkte Kultstätten der Vorzeit seien, die bis in unsere Zeit fortleben sollen:
"Das sich langsam daraus entwickelnde politische Gesamteuropa besaß in diesen hier aufgedeckten Beziehungen schon einen realisierten, geistig übergreifenden Vorlauf für ein funktionierendes europäisches Ordnungssystem. Auf diesen Sternenstraßen zogen bereits vor Tausenden von Jahren die lenkenden und gestalteten Weisen, die megalithischen Weisen, durch diese Weiten, die wir heute Europa nennen. Kamen diese Weisen aus dem untergegangenen Atlantis? Der Autor sieht zwingende Gründe zu dieser Annahme vorliegen." (S. 15)
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I ch fasse noch einmal zusammen: Die Atlanter, die den Steinzeitlern das große Wissen gebracht haben, haben die EU erfunden. Man lernt eben nie aus.
Wo der Autor seine zwingenden Gründe sieht, verrät er leider mit keinem Wort. Es scheint allerdings so, als würden seine fiktiven Sternenstraßen alle am Atlantik enden, was für ihn wohl Beweis genug ist. Nur dummerweise spricht sehr vieles dagegen, daß Atlantis jemals im Atlantik lag. Nur nebenbei: Der Atlantik wurde nach Atlas benannt, nicht nach Atlantis, wie man in manchen pseudowissenschaftlichen Büchern öfter lesen kann.

Im gleichen Atemzug behauptet Kaminski auch gleich noch, daß natürlich die dummen Menschen in Mesopotamien ihre Kultur von den Atlantern hätten, die eben irgendwann bis dorthin gekommen sind. "Ex occidente lux" – als ob ich es nicht schon immer geahnt hätte...

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"Der Wanderstab der pilgernden Weisen war zugleich ein Meßstab, ein Maßstab und ein Erkennungsstab!" (S. 16)
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N un ja, laut Kaminski haben diese Möchtegern-Druiden mit ihren Stäben das Land vermessen und sich gegenseitig am Stab erkannt. Angeblich lebt diese Tradition noch heute bei den Pilgern des Jakobswegs fort. Wir wissen ja, daß die christliche Religion sehr rückständig ist, aber steinzeitliche Methoden sollte man ihr dennoch nicht unterstellen. Zumindest nicht in dieser Beziehung.
Der "Meßstab" bezieht sich natürlich wieder auf ein vermutetes Einheitsmaß, das man in ganz Europa verwendet haben soll. Alexander Thom glaubte, dies für die Megalithen nachweisen zu können, jedoch ist seine Rechnerei eher Spekulation und kann praktisch auch auf alles nicht-megalithische angewandt werden. Seltsam wäre es zudem, wenn dieses wundervolle Einheitsmaß wieder verlorengegangen wäre, denn noch in der Eisenzeit kannte man etwas derartiges nicht. Man hat wohl eher gut geschätzt als wirklich millimetergenau gemessen und gewogen.

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Kommen wir zum eigentlichen System. Das soll ja angeblich "eine unerwartet erkannte West/Ost- oder Ost/West-Verbindungslinie zwischen zwei bedeutenden Kultorten" darstellen (S. 18).
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Der Knackpunkt ist wohl der, daß Kaminski eher willkürlich zwei Orte ausgesucht und sie durch eine Linie verbunden hat, mit der Vorbedingung, daß diese auf demselben Breitengrad liegen müssen. Ich denke, er ging zuerst von Stonehenge aus. Was bietet sich auch besser an als dieses bis ins Kleinste in sämtlichen pseudowissenschaftlichen und esoterischen Publikationen ausgeschlachtete Touristendenkmal? Jeder kennt es, jeder glaubt zu wissen, was es damit auf sich hat – und es verkauft sich natürlich gut. Als nächstes nehme man einen Atlas und ein Lineal und ziehe eine Linie von Stonehenge aus quer durch Europa. Und siehe da – da liegen doch tatsächlich ein paar Orte drauf! So ein Zufall, wo Europa doch nur so spärlich besiedelt ist!
Man suche sich unter all diesen netten Örtchen das heraus, das man am besten ausschlachten könnte, weil es irgendeine Besonderheit aufweist, die gut ins Schema paßt – nehmen wir in diesem Fall mal Wormbach, diesen "bedeutenden Kultort", den komischerweise keiner meiner Bekannten kennt. In Wormbach gibt es eine nette Dorfkirche mit einem "heidnischen" Tierkreis an der Decke. Das reicht erstmal als Grund, den ganzen Ort zu mystifizieren. Tatsächlich gibt Kaminski im ganzen Buch keinen einzigen weiteren Grund an als diesen Tierkreis, der schließlich heidnisch ist und gefälligst mit Stonehenge in Verbindung zu stehen hat. Nun ja, Stonehenge ist auch ein Kreis, aber nicht einmal auf diese augenfällige Übereinstimmung kommt Kaminski.

Sein "System" enthält mehrere Ost/West-Linien und eine Reihe Nord/Süd-Linien. Auf welche Art er sie verteilt hat, habe ich bis zum Schluß nicht recht verstanden. Während er die Ost/West-Linien noch "berechnet" hat, und sie eigentlich nur in gleichem Abstand über die Karte verteilt hat, scheinen seine Nord/Süd-Linien völlig irregulär zu verlaufen und zufällig gerade da Europa zu teilen, wo "prähistorische Kultorte" in der Nähe liegen. Auf Seite 34/35 sieht man eine Mercator-Karte, auf der die Linien und Orte eingetragen sind. Verblüfft stellt man fest, daß nur sehr wenige (eigentlich fast nur die Anfangspunkte) direkt auf den Linien liegen. Doch auch dafür gibt es eine einleuchtende Erklärung:

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"Die Ablage der Kultorte von der geometrischen Linie der Sternenstraßen 1. Ordnung sind in der Ebene praktisch zu vernachlässigen, sie erreichen dagegen ihre größten Ablagewerte in den schwer begehbaren Bereichen wie Gebirgen, Fluß- und Seenlandschaften usw." (S. 183)
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Das heißt also, die Orte mußten gar nicht auf den Linien liegen, um auf den Linien zu liegen. Alles klar. Wenn man sich die Mercator-Karte ansieht, erkennt man, daß manche Orte mehrere Millimeter neben der Linie liegen. Dies dürfte in der Realität mehrere Kilometer ausmachen – der "Ablagewert" ist für mich damit viel zu groß, um noch in Betracht gezogen werden zu können. Wenn die "Kultorte" nicht einmal mehr in Sichtweite zu den Linien liegen – welchen Sinn haben diese "Sternenstraßen" dann noch?

Auch vergißt Kaminski, daß es weniger wichtig ist, was die Linien schneiden, sondern eher, was sie NICHT schneiden. Es gibt in Europa so viele bedeutende Orte und von mir aus auch "Kultorte" – warum werden die nicht von seinen Linien geschnitten? Die Orte, die er verzeichnet hat, wie etwa St. Odilienberg (Niederlande), Voudemont (Frankreich), Freising (Deutschland) oder Puente la Reina (Spanien), sind zum einen nicht das, was ich mir unter "bedeutenden Kultorten" vorstelle, zum anderen ist nicht einer davon ein neolithisches Kultzentrum. Die meisten Orte sind römisch oder im Höchstfall noch keltisch. Mit Sicherheit gibt es dort auch neolithische Funde, jedoch erwähnt Kaminski diese nicht und es scheint ihm auch herzlich egal zu sein. Seltsam, wo er doch auf Biegen und Brechen eine Verbindung zum neolithischen Stonehenge herstellen will!

Um auch ja alle Orte unterzubringen, bedient sich der Autor reichlich primitiver Mittel. Er bemüht die Sprachwissenschaft und behauptet dreist, alle Orte, die auf seinen Linien liegen, wären kultisch, da sie, wie ihre Namen beweisen, entweder etwas zu tun haben mit Göttern, mit Mutter-, Jungfrauen- und Matronen-Gottheiten, oder mit dem Mithras-Kult. Und wenn das noch nicht reicht, gibt es noch eine letzte Möglichkeit, auch das kleinste Kuhdorf auf seinen "Sternenstraßen" zu rechtfertigen:

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"Besondere Aufmerksamheit wurde auch den spanischen, französischen und latinisierten Abwandlungen der Namen für Stern, Sonne, Mond und Gestirn in heutigen Orts-, Berg-, Flur- und Landschaftsnamen gewidmet." (S. 142)
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Sein System ist lächerlich, zumal er immer noch auf ein "megalithisches" Netz pocht, während er aber alle Götternamen der germanischen, keltischen, gallisch-germanischen und römischen Religion entnimmt – widerum also nichts Neolithisches, nichts Megalithisches.

Es gäbe zu diesem Buch noch so vieles anzumerken, doch das würde den Rahmen sprengen. Deswegen möchte ich nur noch eine Stelle zitieren:

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"Aus dieser Erkenntnis wächst ein wesentlich qualifizierteres Geschichtsbewußtsein, als es bislang über die zurückliegende Geschichte des west- und mitteleuropäischen Raumes vorlag." (S. 32)
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Eine Archäologie-Studentin sagt Danke für diese ungemein wichtige Aufklärung...




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Zum Buch
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Meine Ausgabe ist gebunden, stammt aus dem Bechtermünz-Verlag und ist von 1997. Sie ist, soweit ich weiß, derzeit vergriffen, kann aber leicht über diverse Antiquariate bezogen werden. Notfalls findet sich bestimmt eine arme, verirrte Kleinstadt-Bibliothek, die ihr Geld für diesen Schund verpulvert hat. ISBN 3-86047-917-2 (351 Seiten).






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FAZIT
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D ieses Buch ist nicht einen einzigen Cent wert. Kaminski phantasiert fröhlich vor sich hin, stellt absolut nicht nachvollziehbare Theorien in den Raum, die er nicht einmal beweist. Sein ge- oder erfundenes "Stonehenge/Wormbach-System" beruht auf einer imaginären Linie zwischen Stonehenge und Wormbach, die seiner Meinung nach eine "geistige Verbindung" hatten, in Wirklichkeit jedoch absolut nichts miteinander zu tun haben, da sie zu völlig verschiedenen Zeiten entstanden sind und auch sonst nichts gemeinsam haben. Kaminski erzählt zusammenhanglos von Kelten, Germanen, Römern und nordischen Völkern, die er noch nicht einmal genauer einordnet, obwohl er eigentlich beweisen wollte, daß seine Linien megalithischen, also jungsteinzeitlichen Ursprungs sind. Wo er keine Antworten gefunden hat, mußten die allwissenden Atlanter herhalten, die nicht nur für die dummen Europäer, sondern auch für Mesopotamien die Kultur und das "Wissen" brachten, welches Wissen das auch immer gewesen sein mag. Das Buch entbehrt jeglicher Logik und sollte weiträumig gemieden werden.






Danke für's Lesen und Bewerten!

Eure Haramis
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Kommentare
Travelwriter
Travelwriter, 17.07.2005
Das kann ein schoumlnes Hobby sein, in den Wogen des Zufalls nach Muster zu suchen. Zweifellos wird man sie auch finden, doch trotzdem bleibt es nur Zufall. Ein sehr schoumlner Bericht von dir, solche Berichte wuumlrde ich gerne noch viel oumlfters
morla
morla, 27.03.2006
sehr hilfreich
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Produktbeschreibung Heinz Kaminski: Sternstraßen der Vorzeit (gebundene Ausgabe)

 
Allgemeine Informationen Heinz Kaminski: Sternstraßen der Vorzeit
ISBN: 3776670290
EAN: 9783776670295
gelistet seit: 11.06.2004
Hersteller: Kaminski, Heinz
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Details
ISBN: 3-88498-092-0 
Schlagworte: Heide - heidnisch - Heidentum;Heidentum;Kult;Kultus;Steinzeit; 
Maße (L x B x H): 222 x 139 x 36 
Seitenzahl: 351 
Kurztitel: Kaminski, H: Sternstrassen D. Vorzeit 
Untertitel: Von Stonehenge nach Atlantis. 
Erscheinungsjahr: März 1996 
Abbildungen: Zahlr. Abb., Tab. 
Unverbindliche Preisempfehlung: 9.90 
Ausgabeformate: Gebundene Ausgabe 
Hersteller / Verlag: Herbig Verlag 
Heinz Kaminski: Sternstraßen der Vorzeit (gebundene Ausgabe) im Vergleich
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