Kemco Mickey Mouse Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Braver Mickey
ein Testbericht von sinfortuna2005-09-11 17:52:03vom 11.09.2005Empfehlung: ja
Vorteile: Grundsolide Schwarzweiß-Optik, gute Soundkulisse, übersichtlich, viele Extras, intelligent agierende Feinde, erstaunlich anspruchsvoll, Passwortfunktion...Nachteile/Kritik: Mir insgesamt aber doch zu leicht, anfangs etwas gewöhnungsbedürftige Steuerung, zu geringe Langzeitmotivation, zu kurz
Über die weltberühmte Comicfigur Mickey Mouse (oder von mir aus auch Micky Maus) möchte ich eigentlich keine weiteren Worte verlieren, jedenfalls war es aufgrund des gewaltigen Berühmtheitsgrades praktisch zu erwarten gewesen, dass Anfang der 90er auch brav eine Umsetzung auf den alten Gameboy Nintendos erfolgte. Was für einige Games von und mit Mickey Mouse auch in der Folgezeit galt, war erfreulicherweise auch bei dieser GB-Version bereits der Fall, denn auch bei diesem Modul haben wir es mit einem von überdurchschnittlicher Qualität zu tun. Ich persönlich kann mich auf jeden Fall an keinen richtigen Flop eines Mickey-Mouse-Videospiels erinnern, da macht dieses Modul zum Glück auch keine Ausnahme. Was Nintendos Spielsysteme anging, so feierte die Disney-Figur allerdings eine Premiere, bis dato waren lediglich Fassungen für Konsolen des damaligen großen Konkurrenten Sega erschienen, so zum Beispiel für den Game Gear und das Master System.
Die Geschichte an sich ist eher trivial, was nicht überrascht, da wir es mit einem klassischen Jump and Run zu tun haben und dies in Vertretern dieses Genres eher so üblich ist bzw. zumindest damals so üblich war. „Natürlich“ ist Minnie entführt worden und wird in einem finsteren Kerker eines großen Schlosses gefangen gehalten. Jenes Schloss ist natürlich von finsteren Kreaturen nahezu überbevölkert und da sich jenes Gesocks regelmäßig wenig erfreut über unseren Besuch zeigt (denn selbstverständlich machen wir uns umgehend auf die Socken, um unser holdes Fräulein zu befreien), müssen wir alle auftauchenden Feinde quasi in Fließbandarbeit von der Bildfläche fegen. Da es sich um ein reinrassiges Hüpfspiel handelt, wird überwiegend gerannt, geklettert und natürlich auch gehüpft, was unter anderem auch aufgrund des (mir etwas zu) niedrigen Schwierigkeitsgrades auf eine relativ junge Zielgruppe schließen lässt, wen wundert’s.
Insgesamt erwartet uns eine umfangreiche Reise, welche uns durch knapp dreißig Level führt, dabei bahnen wir uns unseren Weg durch ein ellenlanges Labyrinth, in welchem praktisch an jeder Ecke finstere Individuen auf uns lauern. Ziel in jedem Abschnitt ist es, an jeweils acht Schlüssel zu gelangen, diese sind quasi die Objekte unserer Begierde, bevor wir uns nicht sämtliche Schlüssel eingesackt haben, geht es definitiv nicht weiter. Haben wir uns alle acht eingesackt, lässt sich die bis dahin verschlossene Tür wie von Geisterhand öffnen, wir dürfen den nächsten Spielabschnitt betreten, in welchem uns natürlich erneut üble Gestalten wie zum Beispiel bösartige Tierarten, finstere Zauberer und allerlei sonstiges aggressives Gesocks erwarten. Dem (zumindest etwas) erfahreneren Jump-and-Run-Spieler dürfte das Ganze aber nicht vor allzu große Probleme stellen, zumal es in steter Regelmäßigkeit massenweise Extras aufzusammeln gibt, die uns das Leben (noch mehr) erleichtern.
Das Spielgeschehen in Mickey Mouse für den Gameboy zeigt sich konsequent in einer 2D-Seitenansicht, wobei in alle Richtungen gescrollt werden kann, wir also nicht nur nach links und rechts, sondern auch nach oben und unten hüpfen können, Letzteres wird uns dadurch ermöglicht, da wir uns von einer Treppe bzw. einem Mauervorsprung zum nächsten bewegen, nur eine kleine Lücke erlaubt es uns dabei, die nächsthöhere Ebene zu erreichen. Manchmal existieren in einem Level auch Falltüren oder eine spezielle Zone, in welcher Ihr
Euch praktisch nur in Zeitlupe fortbewegen könnt, was uns zumindest ab und an in kleinere Schwierigkeiten bringt. Mit der nötigen Konzentration und dem richtigen Timing dürften die meisten uns gestellten Aufgaben aber leicht zu lösen sein, schließlich wird uns dieses Gameboy-Modul entsprechend kindgerecht serviert.
Doch nicht nur Leitern und Treppen kommen vor, für die nötige Abwechslung sorgen zusätzliche Rohre, durch die wir in Windeseile in alle möglichen Richtungen sausen können, kollidieren wir in diesen mit Feinden, passiert uns netterweise nichts, was das Ganze demzufolge auch nicht unbedingt schwieriger macht. Die ersten Erfolgserlebnisse sollten sich demzufolge auch für den vergleichsweise unerfahrenen Videospieler relativ schnell einstellen, schätze ich. Erst in den späteren Stufen wird es zumindest etwas knackiger, doch nur Anfänger und Gelegenheitsspieler kommen hier aller Voraussicht nach ab und an ins Schwitzen.
Erstaunlich ist allerdings, dass unsere Spielfigur (entgegen der überwältigenden Masse an Jump and Runs) von alleine nicht zu springen vermag, Mickey Mouse benötigt eben die kleinen Treppenstufen oder Röhrensysteme, um nach oben zu gelangen, die Feinde können ausnahmsweise nicht mit einem beherzten Sprung auf den Schädel ausgeschaltet werden. Eine Berührung mit den Feinden ist uns strengstens untersagt, dies würde zu einem augenblicklichen Abzug unserer Lebensenergie führen, so dass wir generell auf Bomben, Pfeile oder schwere Gewichte zurückgreifen müssen, um uns tapfer zur Wehr setzen bzw. diese zerbomben, zerschießen oder zermalmen zu können. Zuweilen versperrt uns ein kleiner Felsblock den Weg, über die wir entweder völlig gelassen hinwegsteigen (den Feinden dann aber zumindest für wenige Sekunden ein gutes Ziel bieten) oder diese völlig humorlos mit einem entsprechenden Werkzeug, sprich einem Hammer bearbeiten, woraufhin sich dieser in seine Einzelteile auflöst.
Was mir persönlich gut gefiel, ist die Tatsache, dass wir über erstaunlich viele Möglichkeiten verfügen, was unsere Bewegungsabläufe im Hinblick auf Fortbewegung und Bekämpfen von Feinden angeht, darüber hinaus ist es im weiteren Verlauf des Spiels (trotz des mir etwas zu niedrigen Schwierigkeitsgrades) durchaus sinnvoll, die Vorgehensweise der jeweiligen Feinde zu studieren, um auf deren Attacken später besser vorbereitet zu sein. Insgesamt existieren nämlich nur zwölf oder dreizehn verschiedene Arten von Feinden, was meines Erachtens aber hier noch völlig ausreichend ist. Diese agieren sehr unterschiedlich, verfügen über individuelle Angriffstechniken, was sehr wichtig ist, da wir später nicht mehr über ein derart reichhaltiges Ausrüstungsinventar zurückgreifen können wie noch am Anfang. Nicht selten muss der Gegner dann ausgetrickst werden, ohne dass wir diesen direkt unter Beschuss nehmen konnten, dies im Detail jetzt aber zu erläutern, würde meines Erachtens den Rahmen dieses Berichts sprengen, diese würde zu weit führen bzw. zu sehr ins Detail gehen.
Die Präsentation dieses Gameboy-Titels ist dem Entwicklerteam von Kemco gut gelungen, trotz der Schwarzweiß-Optik kommt eine erstaunlich dichte Spielatmosphäre auf. Dies liegt vor allem daran, dass unsere Spielfigur und auch die Feinde großgezeichnet sind und über die ein oder andere beachtliche Animation verfügen, zudem die übersichtliche (wenn auch für heute Verhältnisse natürlich schrecklich unspektakuläre bzw. extrem nostalgische) Seitenansicht zu keinem Zeitpunkt für ein etwaiges Chaos sorgt, Ihr behaltet stets den Überblick, was unter anderem auch dafür verantwortlich ist, dass richtig unfaire Passagen im Grunde nicht existieren. Die Hintergründe sind für damals auch noch halbwegs ansprechend gezeichnet, deutlich sind die unterschiedlichen Extras oder auch Fallen (meistens) zu erkennen. Die Soundkulisse gefällt mir da sogar noch eine Klasse besser als die ohnehin schon grundsolide Grafik, da die Begleitmelodien sehr stimmungsvoll daherkommen und die Atmosphäre sehr gut unterstützen und vom Start weg mitverantwortlich für die Gute-Laune-Stimmung sind. Deutlich ist gerade bei diesem Modul zu erkennen, dass auch schon auf dem uralten Gameboy auch in akustischer Hinsicht etwas möglich war, wenn ich auch zugeben muss, dass es mit den Soundeffekten etwas mau aussieht, sehr mau sogar. Trotzdem ist gerade der Sound neben dem abwechslungsreichen Gameplay und den intelligent und sehr unterschiedlich agierenden Feinden das dickste Plus.
Dass es nicht zu einem richtigen Gameboy-Hit gereicht hat, sondern „nur“ zu einem überdurchschnittlich guten Spiel, liegt neben dem etwas zu niedrigen Schwierigkeitsgrad und dem viel zu geringen Spielumfang, die circa zwei bis drei Stunden Spielzeit standen in keinem angemessenen Verhältnis zu den ungefähr 60 bis 70 DM, welche Ihr seinerzeit in dieses Modul investieren musstet, zumal die Langzeitmotivation deutlich zu wünschen übrig lässt, noch nicht einmal eine Highscoreliste wird uns spendiert, schade eigentlich. Des Weiteren ist die Optik nicht so bombastisch, als dass ich von ihr magisch in den Bann gezogen wurde, sie ist guter Durchschnitt, aber eben auch nicht mehr. Schließlich ist die Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig, da unsere Spielfigur sich nicht „wie aus einem Guss“ fortbewegt, nicht über fließende Bewegungsabläufe verfügt, doch nach einer gewissen Zeit solltet Ihr Euch auch daran gewöhnt haben. Immerhin gibt es die Möglichkeit, mittels einer Passwortfunktion zwischendurch Euer Abenteuer speichern zu können, was ja bei einem Handheld für unterwegs enorm wichtig ist. Meine Wertung für diesen Gameboy-Titel fällt im Hinblick auf den Spielspaß mit 76% jedenfalls gut aus.
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Schnuffelinchen, 11.09.2005
kannst Du ein paar mehr Absaumltze in diesen Text bringen, da er auch lang ist und ich mich schwer tat beim Lesen.
Sonst aber echt gut.
Gruszlig, Schnuffelinchen