Kemco Twisted Edge Snowboarding Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Landung im Schnee
ein Testbericht von Yasmeen2005-03-01 11:55:41vom 01.03.2005Empfehlung: ja
Vorteile: Schön weite Strecken, einfach zu erlernende Steuerung, angenehm großer Spielumfang ...Nachteile/Kritik: Ziemlich unspektakuläre Präsentation im Hinblick auf Grafik und Sound, unrealistisches Sprungverhalten (wenn dadurch auch einfacher), motiviert nur für relativ kurze Zeit
Ein weiteres Videospiel aus dem Bereich meines Lieblingsgenres steht an, es handelt sich wieder einmal um eine Funsportart, welche Ihr vor dem Fernseher betreiben dürft, diesmal allerdings nicht auf der Sony Playstation sondern auf dem Nintendo 64. Der Name ist „Twisted Edge Snowboarding“ und ist zunächst einmal für den ein oder anderen von Euch deswegen attraktiv, da es heutzutage allerhöchstens noch 10€ kosten dürfte, selbst vor vier Jahren habe ich nur unwesentlich mehr bezahlen müssen. Doch das allein reicht natürlich noch längst nicht für eine Kaufempfehlung aus, daher habe ich mir noch einmal dieses N64-Spiel gründlich angeschaut. Jetzt aber schnell ab zum Spiel an sich, welches alle Snowboardfans, die momentan nicht besonders viel Geld für ein derartiges Spiel ausgeben wollen, aufhorchen lassen dürfte.
In „Twisted Edge Snowboarding“ warten insgesamt sechs Rennpisten und neun Athleten darauf, von Euch befahren bzw. angewählt oder genauer gesagt zunächst erst einmal freigespielt zu werden. Zu Beginn des Spiels habt Ihr die Möglichkeit in einem Rennen gegen drei Konkurrenten aus dem gegnerischen Fahrerlager antreten zu können, um dort schon einmal klarzustellen, aus welchem Holz Ihr geschnitzt seid. Solltet Ihr nach dem Abschluss aller Rennen in der Gesamtwertung ganz weit vorne liegen, habt Ihr das erste Zwischenziel erreicht, Ihr steigt einen Level hoch bzw. dürft Eure Künste in einem höheren Schwierigkeitsgrad unter Beweis stellen. Im weiteren Verlauf des Spiels motivieren dann immer neue freizuspielende Charaktere und Rennstrecken, wobei allerdings zwingende Voraussetzung ist, dass Ihr konstant gute Leistungen erbringt. Wem das alles aber erst einmal zu aufwendig ist oder sich zu Beginn des Spiels zunächst keinem Leistungsdruck unterwerfen möchte, ja der hat die Möglichkeit, im Stunt-Modus seine Trickski-Künste zur Schau zu stellen. Kenner/innen der Snowboard-Szene wissen sicherlich wovon ich spreche, wenn die Rede von „Spins“, „Grabs“ und „Flips“ ist, aber auch diejenigen von Euch, die mit der Materie rund um das Snowboarding nicht so vertraut sind, werden meiner Ansicht nach nur eine sehr kurze Eingewöhnungsphase brauchen, um begreifen zu können, worum es geht und wie das Ganze möglichst erfolgreich zu bewerkstelligen ist.
Euer Hauptziel ist es dabei, durch die zu vollbringenden Stunts eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen, jedenfalls ist eine Mindestpunktzahl streng vorgegeben, unterschreitet Ihr diese, war Eure Mühe ganz umsonst. Ebenso müsst Ihr peinlichst darauf achten, eine möglichst saubere Landung hinzulegen, denn was nützen Euch die eindrucksvollsten Stunts, wenn Ihr bei der Landung wenig Glänzendes zu bieten habt? Natürlich wenig, in solchen Fällen gibt es gar keine Punkte, Ihr müsst demzufolge entscheiden, ob Ihr mehr auf Sicherheit geht (soweit dies überhaupt möglich ist) oder „auf Teufel komm raus“ waghalsige Sprünge vollbringt. Hier hielt ich mich zwei, drei Stunden mit auf, wechselte dann aber wieder zum Kernpunkt des Spiels, nämlich den Rennstrecken, wo in einem Wahnsinnstempo um die Wette gerast wurde. Unterschätzen dürft Ihr die Streckenführung jener Rennpisten auf gar keinen Fall, denn es gibt doch einige tückische Streckenverläufe und sehr enge Passagen bzw. Kurven, was sicherlich einiges an Übung erfordert, bis Ihr eine Strecke nahezu fehlerlos absolvieren könnt. Dies liegt unter anderem auch daran, dass der
Untergrund sich je nach den Wetterbedingungen unterscheidet, im tiefen Schnee kommt Ihr zwar weniger gut voran als auf spiegelglattem Eis, aber die Kontrolle im Pulverschnee fällt dann doch etwas leichter aus, beides hat somit seine Vor- und Nachteile. Wer sich stark genug fühlt, um seine Künste auch seinen Mitmenschen zu demonstrieren, klickt den Zweispielermodus an und kann dann im Splitscreen-Modus (also auf einem vertikal geteilten Bildschirm) versuchen, den anderen Mitspieler zu beeindrucken.
„Twisted Edge Snowboarding“ weist Licht und Schatten auf, wobei es so richtig keine Begeisterung bei mir hervorrufen konnte. Richtig grobe Mängel sind eigentlich nicht ersichtlich, die Grafik ist zwar nicht beeindruckend schön und wirkt phasenweise doch ziemlich blass und detailarm, genügt aber durchschnittlichen Ansprüchen, zumindest damals. Der Soundtrack reißt zwar sicherlich auch niemanden vom Hocker, aber eine große Enttäuschung ist er auch wiederum nicht. Ein Pluspunkt ist jedenfalls die Steuerung, welche doch als ziemlich „gutmütig“ bezeichnet werden kann, verzeiht sie doch den ein oder anderen kleinen Fehler und lässt doch noch ab und zu kleine Korrekturen zu bzw. Euch „unverdienterweise“ öfters doch einmal halbwegs sauber landen. Außerdem dauern die Flugpassagen bei den Sprüngen erstaunlich lange, was das Ganze für mich zwar leichter machte aber dann doch sehr unrealistisch rüberkam. So empfand ich es jedenfalls. Genau das bin ich bei anderen Spielen dieses Genres nicht unbedingt gewohnt, wo doch oft kleinen Fehler ziemlich unbarmherzig bestraft werden, dafür dann aber auch deutlich mehr Wert auf Realismus gelegt wird. Dies mag den ein oder anderen von Euch erfreuen, den erfahrenen Videospiel-Snowboarder aber möglicherweise verärgern, da dieser sich eventuell unterfordert fühlt. Nun ja, lasse ich diesen Punkt einmal eher Geschmackssache sein und demzufolge nicht allzu sehr als negatives Kriterium ins Gewicht fallen. Obwohl ich selber keine eingefleischte Snowboard-Veteranin bin, kam es mir derart merkwürdig und manchmal unfreiwillig komisch vor, dass ich es kurz erwähnen wollte.
Ein kleiner Trost für die doch sehr unspektakulär wirkende Präsentation ist neben der einfachen Steuerung und den schönen weit angelegten Rennstrecken der nicht gerade geringe Spielumfang, ich war schätzungsweise gut 20 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt, Einspieler- und Mehrspielermodus zusammengerechnet. Wer von Euch nicht zu tief in die Tasche greifen möchte und darüber hinwegsieht, dass dieses Snowboardspiel keine Chance gegen den N64-Konkurrenten „1080 Snowboarding“ und schon gar nicht gegen die teilweise sehr berauschenden Versionen „SSX“ auf der Playstation 2 hat (obwohl der Vergleich da ja eigentlich auch gemein ist und im Grunde nicht zähen darf), der kommt zumindest phasenweise hier auf seine Kosten, zumindest Snowboardfans werden einen Kauf sicher nicht bereuen, demnach gibt es eine knappe Empfehlung von mir.
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