Schachblumen-Samen Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Guck mal... ein Kiebitzei !!!
ein Testbericht von PaterBrown2007-02-05 20:49:59vom 05.02.2007Empfehlung: ja
Vorteile: Auffällige Blume an geeignetem Standort; vermehrt sich dort auch selbst...Nachteile/Kritik: Anfällig für Schnecken und "Lilienhähnchen"
Der bislang viel zu milde Winter bringt es mit sich, dass zahlreiche Frühlingsblüher bereits "in den Startlöchern" stehen... in meinem eigenen Garten schaut an einem geschützten Platz sogar schon das eigentlich eher als "mittelfrüh" einzustufende, sogenannte "Kiebitzei" mit ersten Blättern aus dem Boden. So möchte ich dieser schönen Pflanze einen Bericht widmen...
Die Pflanze...
...heißt botanisch Fritillaria meleagris; der oft verwendete Populärname "Kiebitzei" stammt wohl daher, dass das eigenartige und sonst im Pflanzenreich nicht mehr anzutreffende Viereckmuster der purpurn blühenden Urform dem Ei eines solchen Vogels ähnlich sieht - bestätigen kann ich das allerdings nicht, da ich noch nie ein "echtes" Ei eines Kiebitz zu Gesicht bekommen habe. Eine andere geläufige Bezeichnung - die sich auch auf dieses Muster bezieht - ist "Schachbrettblume". Wie aus der Gattungsbezeichnung zu entnehmen ist, handelt es sich um eine Verwandte der sogenannten "Kaiserkrone". Ursprünglich kommt die Schachbrettblume hier in Deutschland wild vor, steht aber inzwischen unter strengstem Schutz, da ihre natürlichen Lebensräume in weiten Teilen des Landes bereits von der "Zivilisation" zerstört wurden. Recht selten erscheint sie auch in der weißblühenden Varietät "Alba". Sie ist eine Pflanze, die Zwiebelchen mit einer Größe von 2-3 cm ausbildet und nach der Samenreife im Sommer vollständig "einzieht".
Habitus und Größe
An vollbesonnen Plätzen, womöglich noch mit sehr magerem Boden, bringt es F. meleagris oft kaum auf mehr als 15 cm Wuchshöhe; dennoch entwickelt sie auch hier ihre prächtigen "nickenden" Blütenglocken mit bis zu 7 oder 8 cm Höhe. Die Blätter sprießen - für Laien von der Form her etwa kleineren grünen "Stricknadeln" vergleichbar *g* - kerzengerade und wenig spektakulär in die Höhe. An beschatteten Standorten werden die Pflanzen oft doppelt so hoch, weil sie einfach bestmöglich dem Licht entgegenstreben.
Wie alle Zwiebelpflanzen kann es natürlich in staunassen Böden auch bei der Schachbrettblume zum Wegfaulen der Zwiebeln kommen - während der Ruhezeit darf das unterirdische "Lebenszentrum" der Pflanze also nicht "ersäuft" werden. Recht ärgerlich ist es, dass sich insbesondere an frisch gesetzten oder jung aus Zwiebelbrut bzw. Samen nachwachsenden Jungpflanzen oft Schnecken gütlich tun - die sogar nicht davor zurückschrecken, die sich öffnende Blüte oder heranreifende Samenkapseln anzufressen. Hier muss man schon aufmerksam "gegensteuern". Ein absolut unerwünschter Gast ist an diesem Gewächs auch das sogenannte "Rote Lilienhähnchen" - dieser ca. 1,5 cm große, feuerrote Käfer (und noch schlimmer: seine fette Larvenbrut) können enorme Schäden durch furiosen Blattfraß anrichten !
Man kann den Käfer aber durch konsequentes Absammeln und gnadenloses Zerquetschen unter Steinen aber durchaus ohne Chemie wirksam im Zaum halten.
Vermehrung
Die F. meleagris vermehrt sich durch Zwiebelbrut ständig selbst weiter, wo ihr die Lebensbedingungen zusagen, aber es geht langsam voran. Wer nach der Blüte immer aufmerksam nachguckt, wie weit der Samenansatz fortgeschritten ist, kann nach dem Abreifen auch die beigebraun gewordenen, aufspringenden 4klappigen Samenkapseln abtrennen und die papierdünnen Samen (über den Winter dem Frost aussetzen !) an einer vor Schnecken geschützten Stelle (ich mache das immer im Gewächshaus im Hochregal) in einer Tonschale und einfacher Gartenerde zur Keimung ansetzen.
Stecken bzw. Pflanzung
Eigentlich müssen die Zwiebeln im Herbst in die Erde. Ich habe den Bericht dennoch JETZT plaziert, weil vielleicht mancher Leser Bekannte hat, der diese Pflanze bereits im Garten sein eigen nennt... dann kann man im kommenden Sommer die Samenentwicklung abwarten und mit eigenen Zuchtversuchen beginnen... !
Doch, auf jeden Fall. Ich denke schon, dass es die Schachbrettblume auf jeden Fall wert ist, hierzulande als "einheimische Blume" weiterzuleben - auch wenn die natürlichen Lebensräume schwinden und es schon ein wenig "pervers" aufstößt, dass kultivierte Zwiebeln nicht selten aus Holland eingeführt werden. Zumindest die Nachfolgegenerationen werden ja dann wieder "echte Einheimische"... ;-) Allerdings muss man für die Kultur dieser Pflanze im eigenen Garten schon ein wenig Liebe zur Sache, Geduld und Zeit zum Experimentieren und Beobachten mitbringen - denn die F. meleagris kann (wie aber auch alle anderen Fritillarien) schon ziemlich "zickig" sein, was die Eingewöhnung angeht. Hinzu kommt, dass die bereits erwähnten und häufig sehr lästig werdenden Fressfeinde - Schnecken und Lilienhähnchen - ggf. konsequent überwacht und vernichtet werden müssen; da kann der Zeitaufwand auch schon recht hoch werden. Aber mir selbst würde doch inzwischen jedes Jahr etwas fehlen, wenn nicht an ihren gewohnten Plätzen meine Schachbrettblumen immer wieder erscheinen würden... sie sind einfach so schön und außergewöhnlich, dass sich meiner Meinung nach alle Mühe lohnt...