Konami Holy Magic Century Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Magie auf dem N64
ein Testbericht von Yasmeen2004-11-05 15:06:16vom 05.11.2004Empfehlung: ja
Vorteile: Niedlicher Anime-Look, bunte Grafik, riesige 3D-Welt, sehr gute Pal-Anpassung, tadellose Steuerung, einzig brauchbares RPG auf dem N64 ...Nachteile/Kritik: Angestaubte, detailarme Grafik, ganz müder Soundtrack, stummer Held, der zudem farblos wirkt, daher mangelhafte Identifikation, zu geringer Spielumfang, schwache Geschichte
Das Genre, welches neben den reinrassigen Adventure-Spielen am Allerwenigsten auf dem Nintendo 64 vertreten ist, ist das der Rollenspiele. Woran das liegt, kann ich Euch nicht sagen, jedenfalls war ich doch sehr positiv überrascht, als ich durch meine Brüder erfuhr, dass doch tatsächlich ein solches Spiel für die Nintendokonsole erschienen war. Und da es sich bei „Holy Magic Century“ auch noch um ein Rollenspiel handelt, in dessen Vordergrund sehr niedliche Hauptfiguren stehen, musste ich mir dieses RPG einfach unbedingt einmal anschauen. Als kleine Nebeninformation möchte ich den möglicherweise Interessierten von Euch auch noch sagen, dass dieses Spiel ebenso als US-Version erschienen ist (das natürlich viele Monate früher) und dass es dann allerdings „Quest 64“ heißt. Ich war auf jeden Fall froh, dass „Holy Magic Century“ als deutschsprachige Pal-Version (also wirklich mit deutschen Texten im Spiel) erschien und so begann ich doch ziemlich neugierig irgendwann im Jahr 1999 dieses Fantasyabenteuer.
Die Geschichte spielt zunächst auf einer schönen Insel namens Celtland, wo jedoch von der einstigen Harmonie derzeit nicht allzu viel zu spüren ist. Die Bewohner sind nämlich äußerst beunruhigt und trauen sich gar nicht mehr so richtig aus ihren Häusern, denn das heilige Zauberbuch, in welchem das gesamte Wissen aller Magier von Celtland steht, wurde gestohlen. Der Übeltäter ist Mammon, der sich in erster Linie den schwarzen Künsten der Magie verschworen hat. Dass dies auf Dauer natürlich nicht gut gehen kann und der Frieden auf der Insel eigentlich nicht mehr lange andauern kann, dürfte auf der Hand liegen. Daher ist es an der Zeit, dass ein mutiger Held ins Spiel kommt, dessen Steuerung in Person eines blutjungen Zauberlehrlings natürlich wir übernehmen werden. Das Schicksal meinte es ohnehin schon nicht gut mit unserem jungen Helden, den schon seit vielen Jahren gilt unser Vater als verschollen, es fehlt seitdem jegliche Spur von ihm. Dies ist nicht nur tragisch für uns, sondern auch für die gesamte Inselbevölkerung, galt doch unser Vater als echter Held, der sich der allergrößten Bewunderung und des Respekts nahezu aller Einwohner sicher sein konnte. Da uns jedenfalls sowieso nicht allzu viel zu Hause hält und uns nach spannenden Abenteuern dürstet, machen wir uns also schnurstracks auf in Richtung der düsteren Festung des bösen Schwarzmagiers Mammon.
Was mir direkt angenehm auffiel, war die Tatsache, dass wir uns in diesem Rollenspiel, in einer nett anzuschauenden völlig freien 3D-Welt umherbewegen können. Dies bedeutet allerdings nicht, dass wir uns auf eigene Faust auf zahlreiche Erkundungstouren machen können oder dass zahlreiche Nebenhandlungsstränge existieren, nein, vielmehr haben wir es auch hier bei Holy Magic Century (leider) mit einem im Grunde doch streng linearen Spielverlauf zu tun. Uns ist der rote Faden der Geschichte also streng vorgegeben, irgendwann müssen wir zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem bestimmten Ort oder eine spezielle Information erhalten haben, bevor es weitergehen kann. Unsere eigene Handlungsfreiheit ist somit dann doch sehr eingeschränkt aber dies ist ja bei Rollenspielen (auch heute noch) oft Standard. Ganz so schlimm fand ich dies aber nicht, war ich doch schließlich sehr erfreut darüber, dass überhaupt ein deutschsprachiges
Rollenspiel in niedlichem Design auf dem Nintendo 64 erschienen war.
Die Grafik ist durchweg sehr bunt gehalten und sowohl unser kleiner Zauberlehrling als auch sämtliche Bewohner sind süß gezeichnet worden, wobei die Figuren an sich erfreulicherweise auch gar nicht einmal so klein geraten sind. Natürlich sind wir alle möglichen Haarfarben vertreten und an fast jeder Ecke schauen Euch große Kulleraugen an, was mir auf jeden Fall sehr gefallen hat. Trotzdem sind die Animationen und auch die Gestaltung der Hintergrundlandschaften doch sehr einfach gehalten, dies war eigentlich schon zur damaligen zeit nicht mehr Standard, hatte höchstens noch durchschnittliche Qualität, dies muss ich leider auch ehrlich zugeben. Die Waldgebiete, Höhlen oder Kerker sehen doch ziemlich detailarm gezeichnet aus, wenn ich auch glücklicherweise nirgendwo große Grafikfehler ausmachen konnte, nur ab und zu klappen ein paar Polygone vereinzelt auf, was aber nicht sonderlich stark ins Gewicht fällt. Zum Glück sorgen zumindest die knallig-bunten Farben und das schon erwähnte auf Niedlichkeit getrimmte Design für eine gemütliche Spielatmosphäre, große Spezialeffekte dürft Ihr aber nicht erwarten, die gibt es hier schlichtweg einfach nicht, sind nicht nur Mangelware, sondern absolute Fehlanzeige. Zumindest bieten Euch die Zaubersprüche der Grundelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft nichts Spektakuläres, als dass ich von herausragenden Effekten sprechen könnte. Was mir jedoch außerordentlich zusagte, war die in meinen Augen doch sehr gelungene Pal-Umsetzung, was ja nicht immer der Fall ist. Damit meine ich, dass bei der Umsetzung der US- auf die europäische Pal-Version kaum Geschwindigkeitseinbußen festzustellen sind und auch die oft doch sehr lästigen dicken schwarzen Balken am oberen und unteren Bildschirmrand hier nicht auftauchen, hingegen wir dieses Abenteuer in einem angenehmen Vollbildmodus genießen können. Das fand ich natürlich sehr gut und wo ich das gerade schreibe, fällt mir auf, dass auch viele Importspiele auch heute noch sich hiervon ruhig eine Scheibe abschneiden könnten. Außerdem wussten aus meiner Sicht auch die deutschen Übersetzungen zu gefallen, auch dies ist ganz sicher kein Standard, oft sind gerade die deutschen Übersetzungen unfreiwillig komisch und manchmal auch richtig misslungen. Glücklicherweise ist dies hier nicht der Fall. Doch Soundtrack und Soundeffekte haben ihren Namen hier eigentlich leider nicht verdient, denn die Präsentation gerade in dieser Hinsicht ist klar unterdurchschnittlich, was mir im Grunde völlig unverständlich ist. Die Melodien sind absolut langweilig, wirken völlig uninspiriert und von bemerkenswerten Soundeffekten ist praktisch keine Spur, unser Held in diesem Abenteuer scheint sogar völlig verstummt zu sein, was natürlich unweigerlich für Abzüge beim Spielspaß führen muss, leider.
Ansonsten ist der Spielverlauf auch nicht besonders abwechslungsreich, was ich natürlich sehr schade fand. Ich durchstreunte die obengenannten Gebiete, schlug Räuber in die Flucht, machte aus Drachen Kleinholz und machte mich ansonsten auf die Suche nach versteckten magischen Seifenblasen, mit denen ich meine elementaren Magiekräfte ausbauen bzw. perfektionieren konnte. Aber okay, ich war relativ genügsam, so wahnsinnig gestört hat mich dieser Punkt auch wiederum nicht, vielmehr schlenderte ich ein ums andere mal gutgelaunt in der Stadt umher und hielt mit zahlreichen Einwohnern ein nettes Schwätzchen, die mir dann auch oft nützliche Hinweise geben konnten oder mir sogar brauchbare Gegenstände zukommen ließen. Was mir jedoch deutlich weniger gefiel, war die mangelnde Identifikation mit dem jungen Zauberlehrling, zu keinem Zeitpunkt wurde ich so richtig „mit ihm warm“. Nicht nur, dass er während des gesamten Abenteuers völlig „stumm“ bleibt, er gibt tatsächlich im gesamten Spiel keine Worte von sich, sondern überhaupt wirkt der Hauptcharakter irgendwie doch sehr blass und emotionslos. Und genau das darf bei einem Rollenspiel ja eigentlich nicht der Fall sein. Ein weiterer Negativpunkt ist dann der doch sehr geringe Spielumfang, den nach knapp 12 Stunden war ich tatsächlich durch mit diesem Spiel. Und so unheimlich viele Gründe, dieses Abenteuer unbedingt noch einmal durchzuspielen, gibt es leider auch nicht, denn dafür ist die Geschichte an sich einfach zu wenig fesselnd. Dass die Kameraführung ebenso wie die Steuerung des Helden im Großen du Ganzen gut gelungen ist und die 3D-Welt an sich riesengroß ist, ist dann leider nur ein schwacher Trost.
Ich war bei „Holy Magic Century“ hin- und hergerissen, habe mich aber letztlich dann doch ziemlich leicht damit getan, eine (wenn auch hauchdünne) Empfehlung auszusprechen. Die genannten Negativpunkte in Form eines blassen Helden, einer dünnen Geschichte, einem zu kurzen Spielumfang, einer detailarmen (wenn auch schön bunten) Grafik und einem müden Soundtrack haben nicht gerade wenig gewicht. Allerdings sind auch die positiven Merkmale nicht zu unterschätzen, die da wären der mittlerweile doch recht niedrige Preis (höchstens noch 10€), das niedliche Design, die sehr gute Pal-Umsetzung, die gelungene deutsche Übersetzung und die riesengroße 3D-Welt. Von entscheidender Bedeutung war dann schließlich die Tatsache, dass es gerade auf dem Nintendo 64 so gut wie gar kein anderes auch nur halbwegs brauchbares Rollenspiel gibt, daher ist Holy Magic Century allein aus diesem Grund schon für Anhänger dieses Genres fast schon ein Pflichtkauf.
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