Konami Midnight Run Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Mitternachtsraser
ein Testbericht von Yasmeen2005-03-20 09:41:29vom 20.03.2005Empfehlung: ja
Vorteile: Rennaction pur, unaufhörliches (anspruchsloses) Rasen, irgendwie schöne Spielatmosphäre bei den Nachtrennen, immer wieder gut für einen Versuch, sich in die Highscorelisten einzutragen
...Nachteile/Kritik: Bestenfalls Durchschnittsgrafik, langweiliger Sound, Steuerung nur mit Steuerkreuz möglich, nur vier Sportwagen zur Auswahl, kein Liga- oder Saisonmodus, simples Rasen ohne jeglichen Anspruch
Möglicherweise hängen dem ein oder anderen von Euch Rennspiele für die Sony Playstation so langsam zum Hals raus, das ist gut möglich, ich könnte das ganz gut verstehen. Trotzdem ist Midnight Run ein Playstation-Racer, der etwas anders ist als die meisten Vertreter seines Genres, ja im Grunde sogar sehr anders. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Spiel für viele von Euch überhaupt nichts sein wird und dies nicht nur aufgrund seines Alters sondern auch aufgrund des doch sehr merkwürdigen Spielverlaufs. Genauso sicher bin ich aber auch, dass es den ein oder anderen unter Euch geben wird, der genau dieses (eigentlich sehr simple) Spielprinzip sehr gut findet, wenn auch eventuell nur sehr wenige Besitzer/innen einer Sony Playstation dann auch wirklich zugreifen möchten. Eine Erwähnung verdient hat dieses schon etwas (sehr) betagte Rennspiel aber in meinen Augen trotzdem.
Stellt Euch einfach Straßenrennen vor, die nicht besonders viel mit Realismus zu tun haben, so hoffe ich es jedenfalls, Midnight Racer kommt auf jedem Fall einem Arcade-Rennspiel, wie Ihr es möglicherweise aus den Spielhallen kennt, sehr nahe, mit ernstzunehmenden Rennsimulationen hat es hingegen sehr wenig zu tun. Ihr rast jedenfalls oft mit über 200 Sachen durch die Innenstädte, überholt rechts oder links, je nachdem wo gerade ein bisschen Platz ist und schreckt auch nicht davor zurück, Euch gelegentlich im Gegenverkehr aufzuhalten. Die anderen Verkehrsteilnehmer sind dabei fast wie paralysiert, im Gegensatz zu Euch halten sie sich meistens schön brav an die Vorschrift beziehungsweise an die Straßenverkehrsordnung.
Doch Ihr seid nicht alleine, es gibt noch drei Gleichgesinnte, die ebenfalls Spaß an diesen Kamikaze-Rennen haben und Euch den Sieg in einem 4er-Starterfeld streitig machen wollen. Alle Fahrer/innen versuchen jedenfalls es zu vermeiden, Blechkontakt mit anderen Teilnehmern des Straßenverkehrs aufzunehmen, dies weniger aus Rücksichtsnahme als vielmehr deswegen, da dies wertvolle Sekunden kosten würde. Ziel ist es auf jeden Fall, so viele Autos wie möglich zu überholen, wie der momentane Stand ist, könnt Ihr jederzeit auf einer speziellen Anzeige ablesen, falls Ihr bei dem mörderischen Tempo auf diese überhaupt einen Blick riskieren wollt. Drei dieser halsbrecherischen Rennen sind hintereinander zu absolvieren, bevor Ihr Euch das erste Mal zumindest für einen kurzen Augenblick zurücklehnen könnt.
Wer von Euch jetzt zahlreiche Spielmodi erwartet, den muss ich jetzt bitter enttäuschen, denn Midnight Run hat beispielsweise nicht so etwas wie einen Liga- oder Saisonmodus, Ihr rast mit einem der (nur) vier anwählbaren Sportwagen praktisch nur in einem Arcade-Modus und dies ausschließlich (wie der Titel schon vermuten lässt) zu sehr später Stunde, nämlich mitten in der Nacht. Im Mittelpunkt steht einzig und allein die Bestzeiten beziehungsweise die Anzahl der überholten Autos, Euer Name sollte möglichst bald in den Highscore-Listen stehen und ob Ihr das glaubt oder nicht, das war es im Grunde dann auch schon. Damals war dies angesichts des Preisleistungsverhältnisses eventuell eine Unverschämtheit, heute können wir angesichts des sehr niedrigen Preisniveaus, allerdings darüber lächeln.
Was aber noch merkwürdiger ist, betrifft die Steuerung, denn eine Analogunterstützung gibt es nicht, Ihr dürft also noch schön auf dem Steuerkreuz herumdrücken und Euch entsprechend die
Finger verbiegen. Dies ist zwar sicher steinzeitlich, doch damals ging es ja auch irgendwie, also will ich mich in diesem Punkt nicht allzu sehr anstellen, besonders toll ist dies natürlich trotzdem nicht. Bei den Kameraperspektiven empfehle ich Euch (wie fast immer) nicht die Cockpitperspektive, denn diese ist zwar spektakulär, macht ein frühzeitiges und feinfühliges Einlenken in die Kurven mangels Übersicht aber fast unmöglich, zumindest war dies bei mir so. Deutlich mehr Übersicht verschafft Euch da die Perspektive von hinten, die eigentlich auch das gesamte Spiel über ganz gut gelungen ist.
Die Grafik ist gar nicht einmal so schlecht, wie es nun wahrscheinlich viele von Euch vermutet hatten, natürlich sind da die Nachtrennen hier auch etwas von Vorteil, weil in der dunklen Umgebungen doch einige technische Unzulänglichkeiten möglicherweise ganz gut verdeckt werden konnten. Die Spielatmosphäre ist durchweg angenehm, der dunkle oder manchmal auch glutrote Nacht- beziehungsweise Abendhimmel und im Hintergrund die Neonlichter der Wolkenkratzer der Großstadt sind schon okay, auch die Sportwagen sehen nicht so wahnsinnig pixelig und kantig aus. Da auch die Farben sehr frisch wirken, kann ich mich sogar noch zur Bewertung als durchschnittliche Grafik durchringen. Der Sound hingegen ist dann doch unterdurchschnittlich, hier wird uns einfach zu wenig geboten, das Gedudel im Hintergrund wird schnell langweilig und die Soundeffekte könnt Ihr an einer Hand abzählen.
Möglicherweise wird mich der ein oder von Euch, der dieses etwas merkwürdige Rennspiel kennt, für leicht bescheuert halten (wenn ich das einmal so sagen darf), doch irgendwie mag ich Midnight Run und ich möchte es sogar noch hauchdünn empfehlen. Dies liegt n erster Linie daran, dass mir die Atmosphäre bei den Nachtrennen gefiel und das Spielprinzip so simpel wie aber auch selten ist. Was damals angesichts des Preises eine Dreistigkeit war, zählt heute ja nicht mehr, denn mehr als 10€ (wenn überhaupt) müsst Ihr sicher nirgendwo im Internet ausgeben. Es ist ein typischer Spielhallen-Titel, genau so ein Spiel, zu dem mich meine Brüder früher immer wieder überreden wollen. Ohne große Eingewöhnungsphase rast Ihr einfach wild drauflos, genießt die (völlig anspruchslose) Renn-Action, überholt und überholt und überholt alles, was vier Räder hat und wollt Euch unbedingt in die Highscore-Liste eintragen. Trotz der genannten (teilweise gravierenden) Mängel, die ich Euch auch gar nicht verschweigen wollte, hat dieses Spiel irgendetwas, fragt mich nicht wieso, spielt es einfach.
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