Konrad Adenauer Stiftung e.V.
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Platz 6 in der Kategorie "Mehr zum Thema Studium".
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Konrad Adenauer Stiftung e.V. Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

linnie

Tipps für das Auswahlgespräch

ein Testbericht von 2003-06-18 17:13:32 vom 18.06.2003
Empfehlung: ja
Vorteile: 920 Euro pro Monat beim Promotionsstipendium, zusätzliches Seminarprogramm...
Nachteile/Kritik: es werden nur wenige aufgenommen
Wie finanziere ich mein Studium bzw. meine Promotion? Das sind Fragen, die sich die meisten Studenten irgendwann einmal stellen müssen. Neben Bafög bieten sich da diverse Stiftungen an: Die Studienstiftung, die politisch neutral ist, die politischen Stiftungen (Friedrich Ebert Stiftung, Konrad Adenauer Stiftung, Heinrich Boell Stiftung, Friedrich Naumann Stiftung etc.) und die religiösen Stiftungen das evangelische Studienwerk Villigst und das Cusanus Werk. Ende letzten Jahres habe ich mich bei diversen Stiftungen beworben und bei Auswahlgesprächen einige Erfahrungen gemacht. Dabei habe ich festgestellt, dass man mit seinen Fragen "was werde ich bloß im Auswahlgespräch gefragt" ziemlich alleine dasteht, wenn man keine Leute kennt, die das bereits durchgemacht haben. Deswegen werde ich hier einen Bericht über mein Auswahlgespräch bei der Konrad Adenauer Stiftung (KAS) schreiben, auch wenn ich dort nicht aufgenommen worden bin. Aber vielleicht kann der Bericht anderen Leuten eine Hilfe sein.

** Wen fördert die KAS?
Die KAS fördert einmal das Studium, aber auch die Promotion bzw. Ausbaustudiengänge. Ich habe mich für ein Promotionsstipendium beworben, sodass ich über die andere Bewerbung keine Informationen haben. Zur Aufnahme in die KAS sind ganz wichtig gute bis möglichst sehr gute Noten und ein nachweisbares gesellschaftspolitisches Engagement. Das kann sehr breitgefächert sein und schließt nicht unbedingt das politische Engagement in einer Partei (bestenfalls in der CDU :-) ) ein. Unter gesellschaftspolitischem Engagement kann man Aktivitäten in einer kirchlichen Gruppe anführen oder auch Arbeit in studentischen Gruppen. Wichtig ist, dass man irgendwas mal gemacht hat. Jemandem mit kurzem Lebenslauf laden sie wohl erst gar nicht zum Auswahlgespräch ein.

** Wie fördert die KAS Promotionsstudiengänge?
Die KAS fördert finanziell und ideell. Die finanzielle Förderung steht einem für zwei Jahre zu, kann aber noch ein weiteres Jahr verlängert werden. Man bekommt bei der KAS monatlich 920 Euro (im Promotionsstudiengang!). Die ideelle Förderung besteht in einem umfangreichen Seminarprogamm zu aktuellen politischen und gesellschaftspolitischen Themen. Das Seminarprogramm kann unter www.kas.de eingesehen werden. Hierzu muss gesagt werden, dass Seminare bei der KAS auch zum Pflichtprogramm gehören. Man kann nicht ausschließlich die finanzielle Förderung in Anspruch nehmen!

Auslandssemester: Da würde ich mal direkt bei der KAS anfragen, denn die Finanzen stehen dort zur Zeit sehr schlecht. Normalerweise werden sicherlich auch Auslandsaufenthalte gefördert, aber beim jetzigen Finanzloch könnte das etwas anders aussehen...

** Wie bewerbe ich mich?
Es gilt das Prinzip der Selbstbewerbung. Bewerbungsschlusstermine sind normalerweise der 15.6. und 15.12. eines Jahres. Je nach Finanzlage kann sich das aber auch verschieben bzw. kann auch mal ein Termin ausfallen. Zur Bewerbung muss ein 9-seitiges Formular ausgefüllt werden, bei dem unter anderem gesellschaftspolitische Aktivitäten aufgezählt werden müssen, Angaben zu Berufswünschen und zu den Gründen für die Bewerbung bei der KAS gemacht werden müssen und so weiter. Alleine das Ausfüllen des Formulars braucht schon seine Zeit. Für das Promotionsstipendium müssen außerdem abgegeben werden: ein tabellarischer Lebenslauf und ein ausführlicher Lebenslauf (in dem man möglichst detaiiliert aufschreiben soll, "wie toll man eigentlich ist"), ein Expose des Dissertationsvorhabens (10 bis 15 Seiten) und ganz wichtig: zwei Gutachten von Hochschullehrern. Auf das Formular dann noch ein aktuelles Passbild und dann ab mit der Bewerbung.

** Wie geht es dann weiter?
Die Unterlagen werden stiftungsintern gesichtet und vorausgewählt. Bei der Auswahltagung gingen die Schätzungen der Bewerberzahlen weit auseinander (von 500 bis 1200), ich denke, mit 700 bis 800 Bewerbern pro Bewerbungstermin kann man schon rechnen. Etwa 80 Leute davon werden aufgrund ihrer Unterlagen (Noten, Fach, Expose, Engagement...) zu einer Auswahltagung eingeladen. Diese findet im Schloss der KAS (zwischen Köln und Bonn) statt. Reisekosten werden nicht erstattet, dafür bekommt man Essen und Verpflegung kostenlos, Getränke müssen bezahlt werden. Dieses Jahr fand die Auswahltagung von Freitagnachmittag bis Samstagvormittag statt.

** Was passiert auf der Auswahltagung?
Alle etwa 80 eingeladenen Stipendienanwärter wurden erstmal begrüßt und dann in Gruppen entsprechend der Studienfächer eingeteilt. Es gab beispielsweise zwei Gruppen mit je knapp 10 Leuten, die in Jura promovieren wollen. Ich studiere Physik und befand mich in einer zusammengewürfelten Gruppe mit Chemikern, einem Biochemiker, einer Mathematikerin, einem Metallologen und anderen spannenden Fächern. Normalerweise wird darauf geachtet, dass der Prüfungsausschuss (bestehend aus einem habilitierten und zwei promovierten Altstipendiaten) fachnah angesiedelt sind. In der bunt gemischten Gruppe klappte das natürlich nicht, sodass dort zwei Chemiker und ein Physiker saßen. Innerhalb der Gruppe wird man alphabetisch einsortiert und in dieser Reihenfolge finden am Freitagabend bzw. Samstagvormittag die Auswahlgespräche statt. Hat man einen Nachnamen, der mit "a" beginnt, so braucht man den Samstag nicht mehr für die Tagung einzuplanen.

Die Gespräche finden als Einzelgespräche statt und dauern zwischen 20 und 45 Minuten (grob geschätzt). Ein Rahmenprogramm findet bei der Tagung nicht statt, sodass man ausgiebig Gelegenheit hat, dort Kontakte zu anderen Doktoranden zu knüpfen. Es ist schon sehr interessant, die unterschiedlichsten Fachgebiete mal näher kennenzulernen.

** Das Auswahlgespräch
Man hat nur ein einziges Auswahlgespräch, auf dem man sich möglichst gut verkaufen muss. Natürlich laufen die Auswahlgespräche alle unterschiedlich ab, aber einiges kann ich dazu trotzdem sagen. In manchen Fällen wird man gebeten, sein Dissertationsvorhaben kurz darzustellen. Das sollte man zu Hause auf jeden Fall üben, damit man einen guten Einstieg hat. Danach geht es mit teilweise sehr, sehr detaillierten Fragen zum Diss.vorhaben weiter. Das kommt ganz darauf an, welche Wissenschaftler im Auswahlkommitee sitzen, aber das weiß man vorher nicht, deswegen sollte man sich detalliert und gründlich auf das Gespräch vorbereiten.

Wichtig ist auf jeden Fall, dass man seine Arbeit gut begründen kann "warum will man das machen", "warum ist dieses Thema so wichtig", "wie kann man das Thema der Gesellschaft verkaufen", "warum ist man selbst der absolut Richtige, um das Thema zu bearbeiten" etc. Ich bin auch zweimal gefragt worden, ob ich nicht auch von anderer Stelle gefördert werden kann. Das ist sehr sehr unangenehm, weil man fast nichts Richtiges sagen kann. Antwortet man mit "ja", braucht man ja kein Stipendium von der KAS, sagt man "nein", dann ist das Thema eben auch nicht förderungswert. Auf diese Frage sollte man sich vorbereiten.

Außerhalb des Promotionsthemas können ganz unterschiedliche Fragen gestellt werden: In diesem Jahr zeichneten sich folgende Fragen ab: "nennen Sie alle deutschen Kanzler bzw. Präsidenten", "nennen Sie die Bundesminister (Ämter und Namen)", "wie wird ein Gesetz verabschiedet", "Meinungen zum Irak-Krieg (also zu aktuellen politischen Fragen, heutzutage wäre es vielleicht die Agenda 2010)", "woher hat die KAS das Geld (BMBF) und wer ist der Chef vom BMBF (zur Zeit Frau Bulmahn)" etc. Ganz wichtig ist, dass man politische Ämter und Namen vorher auswendig lernt, vielleicht auch die Ministerpräsidenten. Wir sind fast alle nach solchen Dingen gefragt worden. Ganz entscheidend kann auch sein, dass man sich vorher schonmal seine Meinung zu aktuellen politischen Fragen macht, dann muss man sich da nicht erst etwas ausdenken.

** Fazit
Es gibt ja nur Mutmaßungen, aber ich denke mal, dass von den 80 eingeladenen Leuten weniger als 30 ein Stipendium bekommen haben. Bei etwa 800 Bewerbungen ist die Chance also nicht groß, dass man aufgenommen wird. Aber man sollte es trotzdem versuchen.

Die Bewertung bezieht sich auf die Höhe der Finanzierung, wenn man das Stipendium denn bekommt. Einen Punkt Abzug gibts für die Pflichtseminare.
...
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Kommentare
patsam
patsam, 03.10.2005
Auch hier würde der Bericht ein bh verdienen, aber das wurde leider nicht miteingebaut, wenn schon sonst alles neu ist..wie immer einer sehr guter Bericht von Dir!!!!!!!!!!Liebe Grüsse, Patricia
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