Macht's gut und danke für den Fisch - Douglas Adams
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Platz 91 in der Kategorie "Medien & Unterhaltung Bücher - L-R".
Bewertung: Kundenbewertung 3,00 / 5,00 (3.0 von 5)

Macht's gut und danke für den Fisch - Douglas Adams Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Daverigger

Liebe auf Erden ist mir keine 7 Euro wert!

ein Testbericht von 2003-10-29 18:13:18 vom 29.10.2003
Empfehlung: ja
Vorteile: Verlagerung des Humors, er wirkt dadurch direkter, weil er die Menschen ohne Umwege aufs Korn nimmt...
Nachteile/Kritik: Die fehlplatzierte Liebesgeschichte, fehlender Galaktischer Charme, nur wenig Weltraumquark im gegensatz zu den vorhergehenden Bänden
Was tun, wenn man eine Trilogie voll Humor, Charme und ganz besonderem Wortwitz und Esprit fertiggestellt hat, sich aber noch ein paar Ideen auf einem vollgeklecksten und –gekritzeltem Stück Papier befinden, das man zufällig in einer Schublade gefunden hat? Die Ideen wegzuwerfen ohne sich näher mit ihnen auseinander zu setzen wäre für einen Schriftsteller der etwas auf sich hält doch eine wahre Freveltat. Daher heißt es hinsetzen und noch ein Buch schreiben. Doch die Ideen sind noch immer aus dem Stoff der ehemaligen, prinzipiell abgeschlossenen Trilogie. Was also tun? Richtig, die Trilogie einfach so mir nichts, dir nichts, mit einem vierten Roman ausweiten.
Und so sehr ich Douglas Adams schriftstellerische Künste auch bewundere, hier begann er, Fehler zu machen. Aber ich greife vor.

Die „Per Anhalter durch die Galaxis“-Trilogie hat Douglas Adams Weltruhm beschert wie kein anderes seiner weniger bekannten, dafür aber nicht minder bemerkenswerten Werke. Doch aus irgendeinem Grund sollte es nicht bei einer Trilogie bleiben, und so erschien 1984 das Buch „Macht’s gut, und danke für den Fisch“ bei „Completely unexpected Productions Ltd.“, dem Verlag, der vorher schon von 1979-1982 die ersten drei Teile des Anhalters herausbrachte.
In diesem Vierten Band, der stofflich natürlich direkt an den dritten Band, „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“ anknüpft, lässt Adams zum ersten Mal nach. Zwar nicht wirklich grob, aber dennoch spürbar. Schade!


Das Universum blickt in jeder Zeit und an jedem Ort auf zwei Namen. Arthur Dent und Ford Prefect. Diese beiden Weltraumbummler sind in die Geschichte des Universums in etwa so tief verankert und haben so vieles beeinflusst wie das eine von den Wasserstoffteilchen kurz nach dem Urknall, das weiter vorne, links von dem zu klein geratenen Heliumkern. Nun ja ... vielleicht nicht ganz so sehr, aber ihren Beitrag in den unmöglichsten Epochen der interstellaren Geschichte haben die Beiden durchaus geleistet. Zusammen mit dem Präsidenten der Galaxis, Zaphod Beeblebrox, dessen Freundin Trillian McMillian und dem ewig manisch-depressiven Androiden Marvin tingelten sie im schnellsten Raumschiff der Galaxis, der „Herz aus Gold“, quer durch Raum und Zeit, erfuhren von der Antwort auf DIE Frage, die sich die Menschheit schon seit Anbeginn der Zeiten gestellt hat (42!), retteten das Universum vor einem drohenden, alles vernichtenden Krieg und bewohnten die prähistorische Erde von vor 2 Millionen Jahren für 5 Jahre in einer Höhle im 2 Millionen Jahre späteren Islington, wo sie sich mit den wahren Urvätern der Menschheit rumschlugen ... Außerirdischen Frisören, Anwälten und Telefondesinfizierern.

Im vierten Band der Reihe, „Macht’s gut, und danke für den Fisch“, geht es um ein ganz besonderes Mädchen. Ein Mädchen, das, wenn man auch den 5ten Band gelesen hat, eigentlich überhaupt keine größere Bedeutung hat, aber trotzdem eine Brücke schlägt, und zwar zwischen dem vergangenen und dem kommenden Leben von Arthur Dent. Ein Mädchen, das ihm Halt gibt, obwohl sie selbst nirgendwo halt findet. Sie ist das berühmt-berüchtigte Mädchen, das „ganz allein in einem Café in Rickmansworth saß, plötzlich auf den Trichter kam, was die ganze Zeit auf der Welt so schiefgelaufen war und endlich wusste, wie die Welt gut und glücklich werden könnte.“ ... des Mädchens, das diese Idee niemals jemandem mitteilen konnte, weil die Erde 2 Minuten nach ihrer Erkenntnis in die Luft gesprengt wurde.
Arthur Dent ist zur Erde zurückgekehrt. Und nachdem er in strömendem Regen per Anhalter zu sich nach Hause mitgenommen wird, beginnt er langsam zu merken, das etwas nicht stimmt. Irgendwas stimmt so ganz und gar nicht mit der Geisteskranken jungen, hübschen und bemerkenswerten Dame, die auf dem Rücksitz hängt und Löcher in die Luft guckt, während ihr Bruder den Wagen fährt und Arthur erklärt, das die gelben Raumschiffe damals eigentlich eine Halluzination waren. Damals, als der CIA erklärt hat, das es keine Außerirdischen gäbe, welche die Erde in die Luft sprengen wollten.
Im Laufe der Zeit kommen sich Arthur und Fenchurch (Sie heißt wirklich so) näher, und selbst eine alte Dame, ein vergessenes Los und die Tatsache, das Fenchurch den Boden nicht berührt (Wirklich ...) ändern nichts daran, das sie sich verlieben. Und sie entdecken immer mehr Gemeinsamkeiten, denn sie sind beide fähig, zu fliegen, wissen, dass irgend etwas an der Geschichte mit den gelben Raumschiffen und den Halluzinationen nicht stimmt (Der eine mehr, die andere weniger), und sind erpicht herauszufinden, was wirklich vorgefallen ist, und vor allem, wo die ganzen Delphine sind, die irgendwann, kurz nach den Ereignissen mit den Raumschiffen, spurlos verschwanden. Und die Antwort auf Arthurs und Fenchurchs Fragen ist erstaunlich ... denn sie scheint direkt von Gott zu kommen ...


Ich weiß nicht so recht, was genau an diesem Roman fehlt, was bei den vorangegangenen dreien zur Genüge vorhanden war. Aber irgendwie hat mich „Macht’s gut, und danke für den Fisch“ nicht so sonderlich begeistert wie die ursprüngliche Trilogie des Anhalters.

Es ist nicht am fehlenden, für den Anhalter typischen Charme festzumachen, denn davon ist noch einiges vorhanden. Zwar liest sich dieses Buch im Gegensatz zum ersten Band weitaus stockender, aber dies ist kein Manko an sich. Der Humor spielt sich auf einer viel direkteren Eben ab als er es normalerweise im Anhalter tat. Es sind keine Außerirdischen Wesen oder Völker mehr, es sind keine Raumschiffe, keine Planetensysteme oder Roboter, es sind Menschen auf der Erde, die von Adams in ihrem typisch unlogisch-absurdem Verhalten auf das derbste karikiert werden.
Die Fehlende, abstrahierende Ebene des Unbekannten fehlt in diesem Band fast komplett, da man es vom Anhalter gewohnt ist, das sich die Story an absurden Orten und zu absurden Zeiten abspielt, nicht etwa so nah am Leser dran, das es fast schon weh tut. Aber tut es weh? Adams wirkt in seiner Wortwahl weniger zynisch und sarkastisch in diesem Band, als habe es ihm die Zensur verboten, weiterhin scharfe Pointen über Politik, Gesellschaft und kleinkarierte Nachbarn zu formulieren, wie er es seitenweise vorher, natürlich zur großen Freude seiner Leser und Fangemeinde, getan hat.
Die Verlagerung der Handlung vom Weltall direkt auf die Erde bringt also einen Verlust des Anhalter-Mythos mit sich und nimmt dem Buch ein wenig Flair. Dies ermöglicht im Gegenzug jedoch die gezieltere Veralberung von menschlichen Charakteren und Klischees, was Adams gekonnt umsetzt, ohne seine rhetorischen Möglichkeiten unausgeschöpft bleiben zu lassen.

Dummerweise belässt Adams es nicht bei der Standortverlagerung, er gibt etwas zu diesem Roman hinzu, das ich ein wenig störend finde.
Im Laufe der Handlung verlieben sich Arthur und Fenchurch ineinander und kommen zusammen. Natürlich ist es sehr amüsant mitzuerleben wie wirr und seltsam auch Fenchurch ist, wie sich die Kuriositäten um die Beiden stapeln und wie surrealistisch-realitätsnah (Ich liebe Oxymorone!) ihre Spaziergänge durch die Londoner Parks anmuten. Doch bei allem guten Willen ... es passt einfach nicht in die Welt des Anhalters hinein. Ich drücke gerne zwei oder drei Augen zu, aber hier ist es zu viel. Fast keine Außerirdischen, nur sporadische Einschübe und Gags aus vorherigen Bänden, sogar Ford taucht erst spät auf, von Zaphod und Trillian ganz zu schweigen. Was soll das? Diese Charaktere haben den Charakter der Anhalter-Reihe mit geformt und zu de werden lassen, das Adams, unter anderem, weltberühmt gemacht hat. Und dann so was. Traurig!

Neben diesen Mankos, die mir sehr stark beim Lesen dieses Bandes aufgefallen sind, gibt es aber auch positive Aspekte, die dem Buch wider Sternchen zurückgeben.
Adams schafft nämlich in diesem Band endlich eine Art Pfad zum Endgültigen Kollaps, der im letzten Band stattfindet. Ohne die Figur „Fenchurch“ und die, selbst für den Reiseführer, mehr als nur seltsamen Ereignisse und Zufälle, würde das Ende nicht so gekonnt fragwürdig und gleichzeitig logisch verlaufen.

Auch der von mir in vorigen Berichten zu Adams schon gelobte Wortwitz verliert sich nicht, trotz aller Beziehungskistenähnlichen Kapitel. Arthurs alte Freunde, sein Umfeld, einfach die gesamte menschliche Gesellschaft wird kritisiert und aufs derbste zynisiert. An vorderster Front geht Adams die unglaubliche Ignoranz und Oberflächlichkeit des menschlichen Denkens an, indem er Arthur, nach dessen Abwesenheit im All, durch absolut wirre Geschichten, die er seinen Freunden im Pub erzählt, wieder glaubhaft und völlig integriert schlafen gehen lässt. Genial konzipiert und umgesetzt.


Ich kann nicht sagen, das mich dieser vierte Band sonderlich vom Hocker gehauen hat. Aber doch! Er hat mich insofern erschüttert, als das er vor Augen führt, das man nicht immer nur erfolge haben kann. „Macht’s gut, und danke für den Fisch“ ist in meinen Augen kein würdiger Teil der Anhalter-Reihe. Die vielen Kapitel der Beziehungsentwicklung passen einfach nicht in das Gesamtbild der chaotischen Weltraumorgie, und auch die dafür zutage tretende Gesellschaftskritik Adams’ ist kein befriedigender Ausgleich für diesen Mangel an Galaktischem Charme. Leider kostet auch dieser, mit ca. 180 Seiten noch weitaus kürzere, vierte Teil ganze 7 Euro, was ich für zu viel halte. Die Länge ist ungenügend, der Inhalt gerade noch zufriedenstellend. Wenn die Seitenzahl sich wenigstens jenseits der 200er-Grenze bewegen würde könnte man noch von vordergründiger Quantität und hintergründiger Qualität sprechen, jedoch ist eher beides hintergründig, und ein Wort sticht ganz klar hervor: fehlend!

Ich weiß nicht, wie ich urteilen soll. Der Band ist recht unterhaltsam zu lesen, jedoch nicht auf die erwartete Art und Weise. Er stellt für mich eine kleinere Enttäuschung dar, die ich in Kauf zu nehmen bereit bin, da das Buch einfach zu einer Reihe gehört, die komplett gelesen werden muss. Fans müssen das Buch haben, solche die diese Reihe aus Interesse lesen werden ein wenig schwanken, allen anderen rate ich ein wenig wehmütig, aber dennoch entschieden von diesem Band ab.
Es kann nicht immer genial sein. Manchmal bleibt es eben bei meisterlich. ;-)
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Produktbeschreibung Macht's gut und danke für den Fisch - Douglas Adams

 
Allgemeine Informationen Macht's gut und danke für den Fisch - Douglas Adams
gelistet seit: 28.10.2003
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Autoren von A-Z:
Kategorie: Science Fiction & Phantastische Literatur 
Autor: Douglas Adams 
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