Kutná Hora Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Kutna Hora - Quelle der Pracht und des Reichtums.
ein Testbericht von liskailonka2007-02-18 12:34:40vom 18.02.2007Empfehlung: ja
Vorteile: Hier kann man sich tagelang aufhalten und hat trotzdem nicht alles gesehen. Günstige Schlafgelegenheiten von hohem Niveau vor Ort. Essen und Trinken an jeder Straßenecke zu günstigen Preisen. Nicht so extrem durch Touristen überlaufen....Nachteile/Kritik: Die Führung durchs Bergwerk ist nichts für Leute mit Klaustrophobie. Die Stadt ist nur zu Fuß zu durchstreifen und nicht sehr einfach zu bewältigen.
Einst war Kutna Hora (heute noch 21.000 Einwohner) eine reiche und vor allem wichtige Stadt, die in ganz Böhmen, nur noch durch die größere Stadt Prag übertroffen wurde. Das Silber, welches man hier über Jahrhunderte abbaute, hat einer großen Zahl von tschechischen Königen einen unermesslichen Reichtum eingebracht. Aber auch die Bürger von Kutna Hora (auf Deutsch "Kuttenberg") brachten es zu großem Wohlstand. Damit man auch sehen konnte, wie gut es den Bürgern dieser Stadt ging, investierten sie sehr viel Geld und Zeit in das Bauen von prächtigen Gebäuden, die auch heute noch das Stadtbild prägen und bestimmen.
Schon im 14. Jahrhundert finanzierte Kaiser Karl V. mit dem Silber aus Kutna Hora seine Prachtbauten in Prag. Der sogenannte "Prager Groschen", war im Mittelalter die Einheitswährung in ganz Europa, da das Silber aus Kutna Hora um seinen hohen Reinheitsgehalt gewürdigt und respektiert wurde. Kutna Hora war, weltweit gesehen, Nummer Eins ins Sachen Silberabbau; erst im 16. Jahrhundert sollte es mit diesem Erfolg vorbei sein. Ab dann wurde weniger Silber in den Bergwerken gefunden und genau in dieser Zeit entdeckte man im (gerade entdeckten) Amerika riesige Silberadern, und somit ging das brausende Leben in der Stadt langsam aus wie eine Kerze.
°°° Sehenswürdigkeiten °°°
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Besuchen wir erst den ° ST. BARBARADOM °.
Ein kolossales Bauwerk mit fünf Kirchenschiffen, und ein sehr auffallendes Zeltdach, das aus drei separaten Zeltbauten besteht. Die Kathedrale steht auf dem höchsten Punkt der Stadt und ist fast von jedem Winkel des Ortes aus zu sehen.
Sehr imponierend sind die vielen Stützpfeiler, Luftbögen und Bildhauerwerke an der Außenseite, die ein typisches Vorbild der Spätgotik sind. Im Inneren der Kathedrale erinnert alles an die früheren Reichtümer dieser Stadt. Viele Familienwappen der reichen Bürger zieren Wände und Säulen. Auch die kostbaren Wandmalereien sind eine Pracht für das Auge des Betrachters; die Schönste (finde ich) befindet sich in der Smisekkapelle (die zweite Kapelle rechts vom Altar). Die Bleiverglasung ist jüngeren Datums (Jugendstil), aber trotzdem wunderschön und bunt. Wer sich zur Westwand (linke Wandhälfte) der Kathedrale begibt, wird dort Wandmalereien vorfinden, die das tägliche Leben der Münzpräger in herrlichen Pastelltönen zeigt. In der rechten Wandhälfte dieser Westwand findet man die Ignatiuskapelle mit Wandmalereien, welche die Vision vom Heiligen Ignatius darstellen und einen Altar mit wunderschönen Skulpturen, die auch diese Vision darstellen. Leider ist der Hochaltar nicht mehr im Original vorhanden, sondern einen Replik (Original wird auf der Prager Burg aufbewahrt). Alles in der Kathedrale zeugt davon, das Kutna Hora einst eine reiche Bergbaustadt war - überall findet man Malereien und Skulpturen, die auf das Leben im Ort eingehen.
Nur ein Gebäude in Kutna Hora, kann sich mit dem St. Barberadom messen, und zwar das ° JEZUITENCOLLEGE ° neben der Kathedrale. Der prächtige Barockbau stammt aus dem 17. Jahrhundert, und die Grundrisse zeigen den Buchstaben "F" auf, zu Ehren von Kaiser Ferdinand II. Auf der ausgestreckten Terrasse findet man Repliken von den Statuen vor, die auf der Karlsbrücke in Prag stehen.
Rechts neben dem Jezuitencollege, und tiefer gelegen, findet man den kleinen Palast ° HRADEK °; ein Schloß aus der Spätgotik des 14. Jahrhunderts.
Irgendwann hatte man keinen Gefallen mehr am Aussehen dieses Schlosses, und so wurde es von Innen abgerissen; nur die Außenmauern blieben stehen. Nach und nach baute man das Innenleben des Schlosses wieder auf, und heute kann man dort die prächtigsten Deckenmalereien vorfinden. Das Bergbaumuseum im Inneren sollte man besuchen; anschließend sollte man die Silberbergwerksführung mitmachen, die von hier startet. Ausgerüstet mit Helm und Bergbaubekleidung, wird man tief unter die Erde, durch die Schächte aus dem 13.,14., 15. und 16. Jahrhundert geführt. Diese Tour ist allerdings nichts für Ängstliche oder Klaustrophobiker. Die Schächte sind stockfinster, manchmal kaum 40 Zentimeter breit oder kaum 1 Meter hoch und sie führen den Besucher bis auf eine Tiefe von 500 Metern hinunter. Ich bin zwar nicht sonderlich ängstlich, aber diese (zweistündige) Tour hat auch mir den Angstschweiß ins Gesicht getrieben.
Hat man nun das Schloß Hradek verlassen (oder die Tour gemacht), so sollte man die Straße runtersausen zur ° ST. JAKOBSKIRCHE °. Man wird staunen über die unterschiedliche Höhe der beiden Türme. Einer der Türme ist abgesackt durch eine eingestürzte Silbermine unter der Kirche. Das Innenleben der Kirche sollte man auch bestaunen; prächtiger Marmor, kostbarstes Silberwerk und geniale Skulpturen zeugen auch hier vom einstigen Reichtum der Stadt; jeder Bürger der sich für irgend etwas erkenntlich zeigen wollte, kaufte kostbares Kirchengerät oder ließ einen prächtigen Reliquienschrein bauen und in dieser Kirche unterbringen.
Der ° ITALIENISCHE HOF °, sieht man auch hoch oben der Stadt türmen. Hier war einst die königliche Münzpräge-Anstalt Böhmens. Den Namen bekam die Anstalt wegen den italienischen Meistern, die hier die Vorlagen für die Münzen herstellten. Später wurde die Präge-Anstalt ausgebaut, und zu einem königlichen Palast umfunktioniert. Der König wollte unbedingt in der Nähe von "seinem" Geld wohnen. Hier kann man auch eine brillant konstruierte Sternendecke bewundern, deren Rippen sich im Zentrum der Decke vereinen. Die Wandmalereien stammen aus dem 20. Jahrhundert und zeigen deutliche Einflüsse vom Jugendstil; trotzdem passen sie ganz gut zum Ganzen. Im sog. "Ehrensaal" aus dem 14. Jahrhundert werden auch heute noch wichtige Veranstaltungen abgehalten, und zwei kostbare Fresken zeigen auf, welche historischen Ereignisse in diesem Saal stattfanden. Nebenan findet man noch einen Saal mit den Porträts der gesamten Bürgermeister, die Kutna Hora zwischen 1848 und 1940 hatte.
An der ° PESTSÄULE ° (im Zentrum) findet man das älteste Haus des Ortes; es stammt aus dem Jahre 1495. So klein wie es auch ist, so zeigt es dem Betrachter doch ein schönes Vorbild der spätgotischen Bauweise. Heute sind das Stadtmuseum und das Museum des Kunsthandwerkes in diesem Haus untergebracht. Hier braucht man etwas Geduld; durch die Enge im Haus werden immer nur kleine Besuchergruppen eingelassen. Besuchen sollte man es aber auf jeden Fall.
Fast außerhalb der Stadt, im nördlichen Teil, findet man den uralten Stadtteil ° SEDLEC °. Dort findet man ein sehr bemerkenswertes Kloster aus dem 12. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert wurde das Kloster umgebaut zu einer Zigarettenfabrik. Hier produziert man, auch heute noch, die populärste Zigarettenmarke Tschechiens - Sparta. Auch hier kann man als Besucher an Führungen teilnehmen. Wer um das ehemalige Kloster herumläuft und noch einige 100 Meter nach Norden geht, wird dort eine gotische Kapelle aus dem 14. Jahrhundert vorfinden. Diese Kapelle wurde während und nach der Pest im Jahr 1318 als Beinhaus benutzt. Die untere Hälfte dieser Doppelkapelle besteht gänzlich aus menschlichen Gebeinen und Schädeln. Der Altar, die Kronleuchter und alles andere in der Kapelle wurde aus den Gebeinen von etwa 40.000 Toten hergestellt. Wie es hierzu kam, erzählt eine kleine Legende: einst soll ein Mönch hier Erde aus dem Heiligen Land verstreut haben und jeder wollte hier beerdigt werden, weil die Erde doppelt gesegnet war. Es wurden hier so viele Menschen beerdigt, daß man nicht mehr wußte wohin mit den Gebeinen und so stapelte man sie einfach hinter der Kapelle auf, bis auch dort keinen Platz mehr war. Der unbekannte F. Rint und seine Familie kamen auf die Idee, aus den Gebeinen Kunstwerke zu erschaffen. Er brauchte drei Jahre um alle Gebeine in ihren heutigen Kunstwerken unter zu bringen.
°°° ABSCHLIESSEND °°°
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Für Kutna Hora braucht man mindestens einen Tag, und hat dann gerade die schönsten Bauwerke der Stadt flüchtig betrachtet. Zu empfehlen ist allerdings ein längerer Aufenthalt in dieser Stadt; die vielen Pensionen und Hotels vor Ort sind preiswert und sauber. Empfehlen würde ich Hotel U Ruze, Hotel U Zvonu oder auch Hotel Stoupa; alles 3*** Hotels, mit gut bürgerlicher Küche nach Landesart, faire Preise (auch für Gruppen) und behindertengerechter Einrichtung.
Essen und trinken kann man auch überall, und bereits ab 8oo Kronen (etwa Euro 12,50) kann man "dinieren wie ein Fürst".
Kutna Hora liegt etwa 60 Kilometer östlich von Prag und ist mit dem öffentlichen Nahverkehr (ab Prag oder jede andere größere Stadt in der Nähe) oder dem eigenen Auto gut zu erreichen; Parkplätze sind genug vorhanden, allerdings nur VOR der Stadt. Im Ort ist es nicht gestattet mit dem Auto zu fahren. Man sollte übrigens sehr festes Schuhwerk und evtl. einen Wanderstock mitnehmen; die meisten Strecken im Ort gehen steil bergauf, und alle Straßen sind noch mit den mittelalterlichen Pflastersteinen geschmückt, die nicht nur anstrengend sind, sondern auch rutschig bei Regen. Leider nicht empfehlenswert wenn man nicht mehr ganz so schnell zu Fuß ist, oder wenn man auf einen Rollstuhl angewiesen ist.
Die Führung durchs Bergwerk, Anmeldung im Museum im Schloß Hradek, dauert etwa zwei Stunden. Hier muß man wirklich ein Großteil der Strecke in die Hocke gehen und sogar auf allen Vieren durch Schlamm und Wasser kriechen. Damit der Besucher ein Gefühl bekommt, wie das Leben der Bergarbeiter in den Minen war, und wie sie sich fühlen mussten haben die Führer etwas Besonderes für die Tour gefunden. Man greift hier bewusst auf Ausrüstungen aus der Zeit (Öllämpchen usw.) zurück, und man muß sogar einige Schächte in absoluter Finsternis durchwaten. Obwohl ich heute nach wie vor begeistert bin, diese Führung mitgemacht (überstanden) zu haben, so muß ich doch auch davor warnen - wer an Klaustrophobie leidet sollte hier nicht runter gehen. Außerdem ist die Tour auch körperlich sehr anstrengend; man sollte also einigermaßen fit sein.
Wichtiger Punkt: man darf fast nirgendwo fotografieren innerhalb der Gebäude, es sei denn, man kauft sich eine Fotolizenz. Diese sind zwar nicht teuer, muten dem Touristen doch etwas seltsam an. Leider muß man die Gemälde, Wandmalereien und Skulpturen aus dem frühen Mittelalter schützen vor dem Geblitze der vielen 1000 Kameras; diese kunsthistorischen Schätze leiden unter den hellen Blitzlichtern. Man kann aber überall Dia´s und Fotos von allen Sehenswürdigkeiten für einen annehmbaren Preis kaufen. Dieses ist übrigens keine Willkür, sondern Auflage von der UNESCO, unter dessen Schutz Kutna Hora steht.
In diesem Sinne - besucht Kutna Hora - Quelle der Pracht und des Reichtums.
Offizielle Homepage von Kutna Hora mit erstaunlichen Bildern: http://www.kutnahora.cz
Für das Beinhaus in Sedlec, habe ich übrigens einen Produktvorschlag gemacht, da diese Sehenswürdigkeit einen eigenen Bericht verdient.
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