Microids Tennis Masters Series 2003 Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Nettes Geplänkel am Netz
ein Testbericht von Yasmeen2006-09-19 00:51:17vom 19.09.2006Empfehlung: ja
Vorteile: ATP-Tour-Originallizenz, viele CPU-Gegner auf der Tour, große Auswahl an Spielfiguren, grundsätzlich variantenreiche und präzise Steuerung, guter Mehrspielerspaß, einsteigerfreundlich...Nachteile/Kritik: Nur Durchschnittsoptik, anspruchsloser Spielverlauf durch eine viel zu dominante erfolgsversprechende Taktik, auf Dauer zu schwache CPU-Gegner, keine Erfahrungspunkte und somit kein Aufleveln der Spielfigur möglich, geringe Langzeitmotivation
Das Genre oder besser gesagt die Sportart Tennis stirbt offensichtlich nie aus und das ist eigentlich auch gut so. Leider ist es aber schon immer so gewesen (zumindest soweit ich mich erinnern kann), dass die Anzahl an Tennisspielen pro Jahr zwar ziemlich hoch ist, besonders herausragende Versionen aber die absolute Ausnahme sind. Im Fall von „Tennis Masters Series 2003“ für die Microsoft X-Box erwartete ich eine ziemlich gute (der X-Box angemessene) Präsentation, befürchtete aber wiederum (wie so oft) erhebliche Mängel im Hinblick auf Spielverlauf, Anspruch, eventuell auch der Steuerung und vor allem hinsichtlich der Langlebigkeit. Dass hier der Mehrspielerspaß Berücksichtigung fand, bis zu vier Mitspieler können gleichzeitig teilnehmen, sollte mittlerweile normal sein, schön ist es natürlich trotzdem, dass hier keine (negative) Ausnahme gemacht wurde. Dass wir es hier erneut nicht mit einem Vorzeige-Titel zu tun haben, liegt an mehreren Dingen, welche ein nicht zu nuterschätzendes Gewicht haben und auf die ich jetzt gleich zu sprechen kommen werde. Insgesamt handelt es sich aber trotzdem um ein ordentliches Tennisspiel, aber leider auch nicht mehr. Für gelangweilte Tennisfans sicherlich einen Blick wert, alle anderen sollten sich (sofern diese überhaupt interessiert sind) an bessere Konkurrenztitel handelt, so zum Beispiel an „Top Spin“ für die X-Box. Zwischen jenem Spiel und „Tennis Masters Series 2003“ existieren nämlich Welten.
Immerhin finden wir die Originallizenz der offiziellen ATP-Tour vor, was bedeutet, dass wir an bekannten Schauplätzen wie Madrid, Toronto, Indian Wells oder auch am Rothenbaum in Hamburg den Schläger schwingen dürfen. Was die Auswahl der Athleten betrifft, so müssen wir jedoch auf Fantasienamen zurückgreifen, was ich persönlich aber nicht sonderlich tragisch fand. Schließlich ist mir ein motivierendes und anspruchsvolles Spiel x-mal lieber als irgendwelche Originallizenzen. Oft ist es schließlich so, dass diese eher ein Anzeichen dafür sind, dass nicht genügend Geld im Budget war, um ein ansprechendes Gameplay zu kreieren. Grundsätzlich wären eigentlich abwechslungsreiche und anspruchsvolle Ballwechsel in „Tennis Masters Series 2003“ vorprogrammiert, denn die einzelnen fiktiven Charaktere verfügen über individuelle Stärken und Schwächen. Dies betrifft sowohl die Kraft und Präzision, mit dem die Grundschläge mit Vorhand und Rückhand (Schmetterschlag, Volley, Stopball, überrissener Topspin, unterschnittener Slice, Lob) ausgeführt werden als auch die Spielweise, da die eine Spielfigur sich sehr gut zum Vorrücken ans Netz eignet (schnell und gut im Volleyspiel), eine andere hingegen ein guter Grundlinienspieler ist und über pixelgenaue und knallharte Passierschläge verfügt. Die Anzahl der Figuren, gegen die wir im Laufe der ATP-Tour antreten müssen, ist dabei extrem groß, an die siebzig verschiedenen Athleten stehen zur Verfügung, das ist wirklich enorm.
Als Spielmodi locken zunächst das gewöhnliche Einzelmatch und Doppelwettbewerbe, die als eine Art Schaukämpfe verstanden werden können. Auf Wunsch könnt Ihr auch an einzelnen Einstellungen herumbasteln, welche sich in erster Linie mit den unterschiedlichen Kameraperspektiven, der Stärke des Gegenübers und der Anzahl an Gewinnsätzen beschäftigen. Zu viert im Mehrspielermodus an den Start zu gehen, macht wirklich Spaß und dies auch noch nach mehreren Wochen, zumal sich die Ballwechsel durch die zahlreichen möglichen Schlagvarianten tatsächlich deutlich voneinander unterscheiden können. Im Mittelpunkt steht aber natürlich die ATP-Tour, in der
wir quer über den gesamten Erdball gescheucht werden: hier erwarten uns unzählige Matches mit (den bereits angesprochenen) knapp siebzig Computergegnern. Die Steuerung ist variantenreich und präzise, die Kameraführung geht in Ordnung, stets bleibt die Übersicht gewahrt. Der Haken wird hier allerdings sehr schnell deutlich: fast immer lohnt es sich, ohne große Vorbereitungsschläge schnell nach vorne ans Netz zu stürmen, viel zu selten holen die CPU-Athleten zu Lobs aus oder passieren uns „cross“ oder „long line“. Ein, zwei oder maximal drei Volleys und Ihr habt den Ballwechsel gewonnen, das kann es auf Dauer wirklich nicht sein. Unterschiedliche Taktiken während eines Matches machen somit überhaupt keinen Sinn und das dämpft nach einer gewissen Zeit mangels Anspruchs doch merklich auf die Spielfreude, so schön flüssig die Ballwechsel auch ansonsten verlaufen. Minispiele gibt es übrigens genauso wenig wie die Möglichkeit, unsere Spielfigur nach und nach zu verbessern. Keine Erfahrungspunkte, kein Aufleveln und somit auch eine deutlich geringere Motivation, das ist sehr schade. Unweigerlich ist daher, dass sich zunehmende Langeweile einschleicht und sich „Tennis Masters Series 2003“ nur zu einem netten Spiel für zwischendurch entwickelt beziehungsweise es äußerst wahrscheinlich ist, dass es schnell in irgendeiner Ecke verstauben wird.
Dass die Soundkulisse bei diesem Tennisspiel mit Hintergrundmelodien geizt, ist für ein Tennisspiel völlig normal, denn speziell während der Ballwechsel haben diese dort überhaupt nichts zu suchen. Die Soundeffekte sind mir da schon wesentlich wichtiger und tatsächlich schafft es dieses Spiel, eine angenehme Stadionatmosphäre aufzubauen, das Geschehen auf dem Platz wirkt durch die authentisch klingenden Ballgeräusche (abhängig je nach Beschaffenheit des Bodenbelags) und die Reaktionen des Publikums einen Tick besser als ich es zunächst vermutet hatte. Es existiert eine englische (oder auch französische) Sprachausgabe, deutsche Bildschirmtexte sorgen dafür, dass es keine Verständnisprobleme gibt. Diese dürften bei einem Tennisspiel aber ohnehin eigentlich nicht auftreten und eine deutsche Sprachausgabe ist bei diesem Spiel hier ja nun wirklich nicht nötig beziehungsweise vielleicht ist dies auch besser so. Von der Grafik hatte ich aber mehr erwartet, diese genügt allerhöchstens durchschnittlichen Ansprüchen, bedenkt man, dass wir es immerhin mit einem Spiel für die X-Box zu tun haben. Zwar ist die Grafik nicht hässlich, der 60-Hertz-Modus wird unterstützt und dass die Hintergründe bei einem Tennisspiel eher wenig detailliert rüberkommen, ist Standard, doch etwas spektakulärer hätten die Animationen der Spieler oder auch die Kamerafahrten vor und nach den Ballwechseln ruhig schon sein können. Bemerkenswert ist allerdings, dass Ihr auf Sand beziehungsweise auf Asche die Fußspuren deutlich erkennen könnt, welche die Athleten hinterlassen, das ist doch gar nicht einmal so unkreativ.
Alles in allem handelt es sich bei „Tennis Masters Series 2003“ um ein eher unspektakuläres Tennisspiel, dem es vor allem an Abwechslung, Anspruch und Langzeitmotivation mangelt. Die variantenreiche Steuerung ist zwar grundsätzlich sehr zu begrüßen, wenn aber ein und dieselbe Taktik regelmäßig am meisten Erfolg verspricht, ist dieses Angebot praktisch unnütz. Eine deutlich höhere Gegnerintelligenz wäre demzufolge absolute Pflicht gewesen, ebenso schmerzt es doch sehr, dass wir die Fähigkeiten unserer Spielfigur durch das Hinzugewinnen an Erfahrungspunkten leider nicht ausbauen können. Die offizielle ATP-Tour-Lizenz und die große Anzahl an Computergegnern, mit denen Ihr Euch auf eben jener Tour messen dürft, können nicht verhindern, dass dieses X-Box-Tennisspiel im Mittelmaß und somit in der Versenkung verschwindet.
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