Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen in Sachsen
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Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen in Sachsen

Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen in Sachsen

Platz 24 in der Kategorie "Geschichte 20. Jahrhundert - L-Q". Herausgegeben vom Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e.V. und Sächsiche Landeszentrale für politische Bildung ...mehr
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Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen in Sachsen Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

kruemel02

Vergessen?? Nie und nimmer!!!!

ein Testbericht von 2005-05-11 12:03:05 vom 11.05.2005
Empfehlung: ja
Vorteile: Absolut wichtig und informativ....
Nachteile/Kritik: keins
Hallo ihr Lieben.

Ich möchte mich heute, ganz herzlich, bei euch bedanken. Für die vielen Bewertungen, Lesungen, Kommentare und auch netten Einträge ins GB und Kontakte per Mail.
Wieso fange ich meinen heutigen Bericht so an?
Nicht nur durch das Lesen des Buches, um das es in dem Bericht gehen soll, sondern auch wegen der Ereignisse der letzten Tage. Mir wird heute mehr denn je klar, das ich für viele Kleinigkeiten, seien es auch nur Selbstverständliches, Danke sagen möchte. Das Leben ist viel zu kurz. Jeder sollte es nutzen so gut es eben geht.

Am 08.Mai diesen Jahres, jährte sich der Jahrestag der Befreiung und Ende des 2. Weltkrieges zum 60´ten Mal.
In diesem Krieg starben 50 Millionen Menschen, allein 43 Millionen Soldaten beider Seiten.
Es wurden 6 Millionen Juden, Polen und andere Menschen in den Lagern getötet. Und 1 Million Männer, Frauen und Kinder wurden Opfer einer teuflischen Vernichtungsaktion. Und was war ihre Schuld? Sie kamen mit gesundheitlichen Problemen auf die Welt. Sie bekamen durch den Krieg seelische Probleme. Oder Sie waren „nutzlos für die sogenannte Volksgemeinschaft“.

Kurz zum Aussehen, des Erscheinungsjahres und der weiteren Info´s.

Das Buch, was ich hier vorliegen habe, ist die 3. Auflage aus dem Jahre 1999. Der Inhalt, als die Bilder, Kopien und Pläne, sind in S/W gehalten. Das Foto, was sich über die beiden Umschlagseiten erstreckt, ist ebenfalls in diesen Farben. Es zeigt die Mauer hinter dem Gebäude C16, dem ehemaligem Männerhaus. In dem Keller wurde die Tötungsanstalt eingerichtet. Die Mauer ist dem Elbufer zugewandt.
Auf der Vorderseite steht der Titel und auf der Rückseite der Herausgeber.
Weiter Info´s gibt es auf der Internetseite: http://www.stsg.de/main/pirna/ueberblick/einfuehru ng/


Der folgende Bericht, der keinesfalls umfassend sein kann, handelt von einigen diesen Menschen. Ich möchte euch ein Buch ans Herz legen, was ich im letzten Jahr bei eBay für 1,00 € ersteigert habe. Dieses Buch ist, so ich weiß, nicht im Handel zu erwerben. Der Herausgeber dieses, 167 Seiten starken und konsequent in Schwarz / Weiß gehaltenen, Buches, ist das Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e.V. und die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung.

Dieses Buch ist zur persönlichen Aufbereitung gedacht. Viele Bilder, Tabellen, Kopien von Original Formularen der NS – Zeit und auch einen großen Plan des Kellergeschosses des Haus 14, ehemals C16, helfen einem dabei.

Ich möchte Euch von dem Buch, Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen&n bsp;in Sachsen berichten. Es dreht sich um die Burg Sonnenstein in Pirna / Sachsen. Aber nicht nur hier wurde die „Aktion T4“, wie diese schreckliche Vernichtungsaktion genannt wurde, durchgeführt. In Deutschland, Österreich, und den besetzen Ostteilen Europas wurden diese und viele andere Aktionen angewandt. Ziel war die Vernichtung des Judentums. Welch ein wahnsinniger und sinnloser Plan. Dieser Plan wurde von einem Mann ersonnen, den Mann getrost als einen Irren bezeichnen kann.

Von was und wen handelt das Buch?

Dieses Buch handelt in erster Linie von Menschen die in dieser Anstalt arbeiteten. Egal ob Sie diese Aktion richtig oder falsch fanden. Es wird ein kleiner Einblick in die Geschichte von Sonnenstein gegeben. Von der Begründung als Krankenanstalt, war die Burg bereits 500 Jahre als Burg und sächsische Landesfestung militärisch in Betrieb. Seit 1764 wurde Sonnenstein bereits zivil genutzt. Am 08.Juli 1811 konnte dann die Burg Sonnenstein zur“ Königlich – Sächsischen Heil- und Verpflegungsanstalt „ eingeweiht werden.
Hier wurden, beispielgebend für andere Gebiete in Deutschland, psychisch Kranke Menschen gepflegt, vor allem zum ersten Male, human.
Die Pflegeanstalt wurde binnen kurzer Zeit zur deutschen Ausbildungsstelle für Irrenärzte, trotz eines, seit 1811 in Leipzig befindlichen Lehrstuhles für psychische Therapie. Auf Sonnstein wurden bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts viele namhafte Ärzte, unter Ihnen auch die zukünftigen Leiter der Anstalt, ausgebildet.
Sonnenstein wurde, im Zuge der Psychiatriereform in Sachsen, 1893, zur „Heil- und Pflegeanstalt für heilbar und unheilbar Kranke beiderlei Geschlechts“. Zu diesem Zeitpunkt hat man die Trennung zwischen Heil- und Verpflegungsanstalten aufgehoben.
Bis zur eigentlichen, gräulichen Bestimmung für das NS Regieme, wandelte sich Sonnenstein langsam aber stetig.
Zu Beginn des Jahres 1940 wurde Sonnenstein vom Leiter der Inspektionsabteilung der T4 –Zentrale, besichtigt. Ab April 1940 wurden im ehemaligen Männergarten, eine Tötungsanstalt eingerichtet.

Juni 1940

Die Tötungsanstalt nahm ihren Betrieb auf. In Sonnenstein fielen, bis zum August 1941, 13720, psychisch kranke und geistig Behinderte, der NS zum Opfer.
Im Jahre 1941 wurden auch Transporte aus einigen KZ´s, hier erwartet. Im November 1941 wurde die „Aktion T4“ gestoppt. Das Töten ging nun in den Vernichtungslagern weiter. Das Personal von Sonnenstein war dort aktiv beteiligt.

Ab Sommer 1942 wurde Sonnenstein anderweitig genutzt. Die Spuren der Vernichtungsaktion wurden sorgsam verwischt.

In den nachfolgenden Kapiteln erzählen Hinterbliebene, ehemalige Mitarbeiter und auch Autoren über die Taten die hier in Sonnenstein verübt wurden.
Es ist beschrieben, wie eine solche Aktion durchgeführt wurde, wie es die NS Ärzte schafften, ihre Spuren zu verwischen oder plausible Erklärungen für den Tot zu finden. Es wird von zahlreichen Schicksalen berichtet.
In diesem Buch wird über den „Euthanasie – Tourismus“, der NS Ärzte und Mitarbeiter der „T4“ Zentrale in Berlin erzählt. Das Töten von Menschen war für diese Menschen ein Vergnügen und für die ansässigen Unternehmen der jeweiligen Orte, ein „Wirtschaftsfaktor“.

Da dieses Buch ein sehr vielfältiges und umfassendes Werk ist, lassen sich einzelne Punkte schlecht herauslösen und ohne langweilig zu wirken, erzählen.
Ich möchte Euch aber noch über ein Kapitel berichten, was mich sehr bewegt hat.

Dieses Kapitel ist von Jürgen Trogisch, in Dankbarkeit an Herrn Prof. Otto Speck (München, geschrieben.

Die Rede ist hier von zwei jungen Mädchen. Sie wurde im selben Jahr geboren und starben auch im gleichen.

Anne und Ursula

Die Erstgenannte kenne viele. Die meisten von uns haben ihr Tagebuch gelesen. Darin war ihr Leben und auch ihr Leidensweg genau beschrieben. Sie wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. War Tochter einer jüdischen Familie. Das war auch ihr Schicksal. Sie starb Ende März Anfang April 1945 im „Schonungsblock Nr. 19“ des KZ Bergen - Belsen. Ihr Name war: Anne Frank

Bei dem zweiten Mädchen handelt es sich um die Tochter einer alleinstehenden Mutter. Weil die wirtschaftlichen Verhältnisse es ihr unmöglich machten dieses Mädchen zu behalten. Sie gibt die kleine Ursula Heidrich in ein Dresdener Säuglingsheim. Von hieraus wird sie an Pflegeeltern gegeben, wo sie zusammen mit drei Kindern aufwachsen soll. Auf Grund einer zunehmenden Lähmung, lernt Ursel, wie sie später genannt wird, nicht laufen. Der Gesundheitszustand der Pflegemutter und die Schwierigkeit mit der Lähmung, lässt eine weitere Betreuung in der Pflegefamilie nicht zu. Ursula wird 1934 in das Sächsische Krüppelheim in Dresden und später in das Kinderheim des Vicentius – Vereins in Dresden aufgenommen. Seit dem 17. August 1936 durfte Ursula im Katharinenhof Großhennersdorf leben. Das war eine Einrichtung für Bildungsunfähige. Hier wurde ihre Lähmung operativ behandelt. Leider ohne Erfolg.

Zitat aus dem Buch:
Eine Diakonisse, Schwester Hilma Zerche errinnert sich:
„...Eines Tages sagte meine Ursel, ein 8 jähriges Mädchen, die alles Verstand, aber nicht laufen konnte:“ Tante Hilma, ich möchte so gern laufen lernen.“ Ich sagte ihr: „Ursel, wir können ja den Heiland bitten, und wenn es sein Wille ist, kann er es dir schenken.“ ...Eines Abends sagte sie zu mir: „Nicht wahr, wenn man den Heiland bittet, schenkt er einem?“ Ich sagte: „Ja, wenn es sein Wille ist.“ Da sagte dieses Kind: „Und wenn er es auch nicht gleich schenkt, so sagt er uns doch immer ein Ja im Herzen.“ Das hat mich tief beschämt. Wir gesunden Menschen möchten immer ein sichtbares Zeichen auf unsere Bitten haben, dieses Kind glaubt an das Ja, das Jesus ins Herz sagte.“

Es kam die Zeit, als Hitler die Tötung der Geisteskranken befahl, um den nötigen Lazarettraum für den bevorstehenden Krieg zur Verfügung zu stellen sei. Auch für Ursula musste ein Meldebogen ausgefüllt werden. Doch sie hatte Glück. Sie wurde, von den T4 Gutachtern, nicht für eine Tötung vorgesehen.
Ursula entwickelte sich prächtig. Sie ging in den Kindergarten und später zur Schule. Das lernen machte ihr große Freude.
Laut einem Bericht, den Schwester Zerche über Ursula am 30.12.1942 verfasste, ging hervor:
„...Sie ist wissbegierig. Sie ist für dankbar für jede kleine Arbeit, die sie tun kann....Hat auch im Laufen keine Forschritte gemacht. Ist sehr empfindsam, doch sonst immer fröhlich.“

Weiter schreibt Schwester Freche:
„...Am 23.Mai 1943 mussten wir 80 Kinder und viele Erwachsene nach Großschweidnitz bringen. Als ich meinen Kindern sagen musste, dass wir uns trennen müssen, sagte meine Ursel:“Daß wir uns trennen Tante Hilma muß wohl sein, aber nicht wahr, wir dürfen weinen.“.“

In Großschweidnitz wurde auf eine perfide Art und Weise mit der Tötung weiter gemacht. Gezielte Injektionen ließen die Kinder oft schlafen. Durch die Gabe von hochdosiertem Schlafmittel, wurde eine rasche Lähmung der Schluck- und Hustenreflexe bewirkt. Dadurch kam Nahrung in die Atemwege und zäher Schleim verstopfte sie noch zusätzlich. So entstand eine schwere Bronchitis und Lungenentzündung. In der Regel starben die Patienten daran.

Ich möchte nochmals kurz aus dem Buch zitieren.
„In den Erinnerungen der Lehrerin Margot Reukauff lesen wir:
„Beweis dieser Tötungen, die in Großschweidnitz verübt wurden, war ein an mich gerichteter erschütternder Brief einer Schülerin. Er war geschrieben von Marianne Kühn, meiner Meinung nach damals 12 Jahre alt. Wie es ihr gelang, diesen Brief herauszubringen, weiß ich nicht. Ich schickte ihn an Pfarrer Schadeberg. Marianne schrieb darin die Namen der bereits getöteten Kinder.
Sie schilderte am Beispiel von Ursula Heidrich, wie das geschah. Ursel bekam eine Spritze. Danach wurde ihr schlecht. Eine Schwester schaffte sie von der Station, kam dann allein nur mit den Kleidungsstücken zurück, aber Ursel kam nie wieder.“

Ursula Heidrich wurde am 19.02.1945 in Großschweidnitz ermordet und am 23.02.1945 auf dem Friedhof beerdigt.

Anmerkung

Warum habe ich Euch von diesem Buch und vor allem dem Schicksal der Ursula Heidrich berichtet?
Ich halte es für sehr wichtig, das wir alle über die Dinge in der NS Zeit aufgeklärt werden. Sei es durch dieses und andere Bücher, durch Besuche in Gedenkstätten oder Konzentrations- und Vernichtungslagern. Wir dürfen nicht den Fehler unserer Vorfahren machen. Wir dürfen nicht wegschauen!
Ich habe nun schon einige Berichte geschrieben. Dieser Bericht, und das geben ich gern zu, hat mir die meiste Kraft gekostet. Mehrmals musste ich den Bericht unterbrechen, zum Fenster gehen, hinaus sehen, meinen Hund in den Arm nehmen und still weinen. Ich bin mir sicher, das es Euch ähnlich gehen würde.
Ursel wurde, von ihren Freunden „Schneewittchen“ genannt. In diesem Buch ist ein Bild von ihr zu sehen, als Sie vielleicht 12 war. Ein bildschönes Mädchen mit schwarzem Haar und dunklen Kulleraugen. Ich kann nicht verstehen, wie es Menschen fertig bringen, andere Menschen zu töten. Und das hat nicht einmal etwas mit Sterbehilfe zutun.

Fazit

Ich möchte Euch dieses Buch ganz sehr ans Herz legen. Versucht es zu bekommen. Ich selbst werde, vsl. noch dieses Jahr, Sonnenstein besuchen. Weitere Besuche in Buchenwald, Sachsenhausen, Bernburg und Auschwitz sind geplant.
Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt und ihr seit nicht zu streng mit mir. Es war der erste Bericht über ein Buch.

Danke für die Lesungen, Kommentare und Bewertungen.

Eins möchte ich noch los werden:

Ich widme diesen Bericht Ursula Heidrich, Anne Frank und allen Männern, Frauen und Kindern, die diesem Wahnsinn zum Opfer gefallen sind.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Euer Oli
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Produktbewertung:Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
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Kommentare
April
April, 18.05.2005
Ein unglaublich wichtiger Bericht! Meine Hochachtung! LG April
campino
campino, 10.05.2005
Dein Bericht hat keinesfalls gelangweilt. Im Gegenteil. Dir ist ein sehr aufruumlttelnder Beitrag gelungen und ich glaube Dir gerne, das Dir waumlhrend des Schreibens die Kraft gefehlt hat, so Entsetzliches in Worte zu fassen.
nickvonzoehner
nickvonzoehner, 11.05.2005
tut mir leid, aber solche Buumlcher lese ich nicht. Da ich zu der Zeit noch nicht gelebt habe, fuumlhle ich mich dafuumlr auch nicht verantworlich und moumlchte damit auch nichts zu tun haben.
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Produktbeschreibung Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen in Sachsen

Technische Daten und Produkteigenschaften
Herausgegeben vom Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e.V. und Sächsiche Landeszentrale für politische Bildung
Allgemeine Informationen Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen in Sachsen
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Produktbewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00
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Untertitel: Beiträge zu ihrer Aufarbeitung 
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