Wissen Sie was, ich rauche. Nein, nicht eine nach der anderen. Nicht aus Sucht, Frust oder einfach Gewohnheit. Auch qualme ich keine Räume voll, schon gar nicht mein Wohnzimmer. Ich bin Genuss- und Saisonraucher. Und die Saison hat gerade erst begonnen. Und dann muss es eine Habana sein. Wenn schon, denn schon.
Meistens rauche ich Partagás. Ich kaufe sie mir fast immer auf Reisen in Duty-Free-Shops. So eine Kiste Zigarren mit 25 Stück reicht mir dann immer ein Weilchen. Denn mehr als 2-3 Habanas pro Woche rauche ich selten, außer im Urlaub vielleicht. Wie gesagt, ich bin Gelegenheitsraucher, aber kein Verlegenheitsraucher. Wenn ich am Wochenende gut gegessen habe, setze ich mich auf den Balkon. Wenn ich Glück habe, sehe ich dabei einen schönen Sonnenuntergang. Und wenn nicht, male ich mir den einfach dazu. Die Habana hilft mir dabei.
Die Partagás haben es mir angetan. Ich habe auch schon dicke, 20cm lange Habanas probiert. Das war dann doch manchmal zuviel des Guten. Partagás messen nicht mehr als 12cm und sind höchstens 15mm dick. Mehr als 10g wiegen sie auch nicht. Natürlich gibt es von den Partagás viele verschiedene Sorten und Größen. Ich rede hier von den Partagás Aristocrats. Da sie bei mir immer über längere Zeit halten müssen, wollen sie sorgfältig aufbewahrt werden. Dafür habe ich einen kleinen Humidor. Keinen großen Schrank mit automatischer Regulierung der Luftfeuchtigkeit. Nur eine etwas größere Zigarrenkiste, die auch mit einem Hygrometer ausgestattet ist. Denn die Luftfeuchtigkeit zum Lagern von Zigarren sollte schon bei 80% liegen, damit die kostbaren Glimmstengel nicht austrocknen. Dazu klemme ich stets einen feuchten Schwamm in die Kiste.
Wenn es Frühling wird und die Balkonstühle ihren Winterschlaf im Keller beendet haben, wird auch die Rauchsaison eingeläutet. Meistens steht noch ein Glas Rotwein daneben, wenn vom Essen noch welcher übrig geblieben ist. Oder ein italienischer Averna. Den habe ich gerade erst frisch aus Italien importiert. Grazie, Roma. Im Urlaub auf den Kanaren darf es auch ein Carlos Primero sein. Dort schmecken die Habanas natürlich noch besser.
Ich nehme mir eine Zigarre. Ein Ende beiße ich ab. Das andere muss sorgfältig angezündet werden. Am liebsten verwende ich dazu lange Streichhölzer. Halte ich die nach dem Anzünden senkrecht, entsteht eine breite Flamme. Denn die Zigarre muss gleichmäßig brennen. Nicht dass sie sich "schief" einbrennt. Die Züge müssen leicht gehen. Wenn man an der Zigarre regelrecht saugen muss, kann es daran liegen, dass sie von einer kubanischen Zigarrendreherin zu fest gewickelt wurde. Ihnen gilt beim Rauchen oft mein Mitgefühl. Denn sie dürften vom Verkaufserlös der teuren Zigarren wohl jeweils nur einige wenige Cent erhalten. Dabei sind die Partagás noch relativ preiswert. Man zahlt für sie um die 3 € pro Stück, je nachdem, wo man sie kauft.
Jedenfalls sind die Partagás fester Bestandteil meiner sommerlichen Wochenenden. Mein Dessert nach einem guten Essen. Weißer Rauch steigt auf. Habemus una habana! Nach wenigen Zügen habe ich das Gefühl "Ready for Take-Off". Während ich langsam abhebe, beobachte ich, wie ein Rabe auf einem Fichtenzweig sanft landet. Vergessen ist dann mancher Ärger, der in diesem
Leben nicht immer vermeidbar ist. War es der Verkehrs-Rowdy, der mich neulich auf der Autobahn belästigte, mich schließlich verfolgte und mir am liebsten an die Gurgel wollte? Oder mancher Stress, den das Arbeitsleben gelegentlich mit sich bringt. Vielleicht möchten Sie etwas Musik dazu hören? Bei mir läuft gerade Ravels Bolero. Seit Bo Derek wissen wir ja, wozu das gut ist. Aber die nächste Viertelstunde bin ich allein auf meinem Fliegenden Teppich. Das beste Flugwetter ist natürlich bei Sonnenschein. Leider ist das im Wochenendpaket nicht immer inklusive. Gerade hat mir der Wettergott signalisiert, dass ich gerade noch mal Glück gehabt habe. Denn heute sind längst Wolken aufgezogen, und erste Regentropfen drücken auf die Stimmung. Dennoch werde ich sicher landen. Aber nicht, bevor die Habana nicht auf 1-2cm Restlänge abgebrannt ist. Ich hoffe, meine Balkonrosen freuen sich über die Asche, mit der ich sie zwischenzeitlich dünge.
Manchmal gehe ich auch auswärts rauchen. Wenn wir z.B. in einem Gartenlokal essen, genehmige ich mir "danach" auch eine von meinen Partagás. Aber es gibt auch Spielverderber. Kaum hatte ich dort einmal - ist wohl schon an die zwei Jahre her - die ersten Züge vollzogen, sah ich, wie einem Amerikaner, der in ausreichendem Abstand von unserem Tisch entfernt saß, die Gesichtszüge entgleisten. Und er ließ sich zu folgendem Statement hinreißen: "Alle Zigarrenraucher sind Arschlöcher". Würde ich so etwas jemals über (amerikanische) Schnauzbartträger sagen? Unvorstellbar, wenn ich mir so etwas in Amerika erlauben würde. Aber bei einem Volk, dass George W. zum Präsidenten wählt, muss man sicher auf alles gefasst sein. Beim Genuss auf heimischem Balkon passiert so was sicher nicht. My Home is my Castle. Ich grüße an dieser Stelle den Kanzler. Und Bill Clinton. Weiß der Teufel, was der mit den Zigarren alles so angestellt hat.
Habanas sind wohl der wichtigste Exportartikel Kubas. Und nach Fidel Castro das Bekannteste, was wir mit Kuba verbinden. Im feuchten und sonnigen Karibikklima scheint der Tabak besonders gut zu gedeihen. Wenn auch hierzulande hin und wieder Zigarren aus der Dominikanischen Republik angeboten werden, geht doch nichts über das kubanische Gold. Die Partagás werden in einer Fabrik in Habana hergestellt. Don Jaime Partagás gründete sie vor 160 Jahren.
Partagás sind sehr anregend. Deshalb rauche ich sie auch nicht am späten Abend. Denn das könnte mich meinen geruhsamen Schlaf kosten. Aber ansonsten sind sie sehr gut verträglich. Natürlich rauche ich sie nicht auf Lunge. Und ich rauche sie nur dann, wenn ich mich rundherum wohl fühle und ich die angemessene Muße dazu habe.
Dennoch wollen wir nicht vergessen: Rauchen schadet der Gesundheit. Nicht, dass Sie mir noch die Schuld geben. Ich habe Sie gewarnt ....
Und jetzt wollten die hier auch noch von mir wissen, ob die Partágas schön sind. Jedenfalls nicht so schön wie kubanische Frauen. Aber sie verschönen das Wochenende.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 23.4.2005
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi
...
April, 26.04.2005
kann ich hier getrost ein quotsnquot vergeben! Dein Bericht enthaumllt schlieszliglich eine ordentliche Warnung auf eine Art und Weise, die ich im Uumlbrigen fuumlr wesentlich geschickter halte, als diese laumlcherlichen Aufkleber auf den Zig