Wenn man sich eine Langhaarkatze ins Haus holt, sollte man bedenken, dass die Fellpflege jede Menge Zeit erfordert. Leider gibt es immer noch Menschen die die hübsch anzusehenden Langhaarkatzen als atmende Sofakissen ansehen und vergessen dass die Katze nicht nur ungepflegt aussieht wenn sie nicht gekämmt wird, sondern unter den harten Fellknoten und Filzplatten auch leidet.
Die Notwendigkeit
Das Fell einer Langhaarkatze muss regelmäßig gekämmt werden, da Filzplatten im Fell zu schmerzhaften Ekzemen auf der Haut führen können. Die feine Katzenhaut kann unter den Fellknoten nicht mehr ausreichend atmen und es kann zu schmerzhaften Entzündungen kommen. Die Katze kann sich natürlich in einem gewissen Maß selbst putzen, aber das alleine genügt nicht um das Fell vor Knoten zu schützen. Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die helfen sollen das Fell glänzend und seidig zu halten. Man kann beispielsweise spezielle Puder im Zoofachhandel bekommen, die zwar das Fell glänzend machen, aber auch dazu führen können das die Haut austrocknet und es zur Schuppenbildung kommt. Ausgiebiges Kämmen und Bürsten können diese Mittel aber auch nicht ersetzen.
Das Kämmen der Katze
Wenn man eine junge Langhaarkatze bekommt, muss man sie sofort an die Kämme und Bürsten gewöhnen. Mindestens einmal in der Woche, aber am besten täglich sollte die Jungkatze bereits gekämmt werden. Eine Jungkatze kann man am besten an das Kämmen gewöhnen, wenn man sie abwechselnd streichelt und mit einer weichen Naturbürste kämmt. Besonders wichtig und gleichzeitig schwierig sind die Zonen am Bauch, an der Brust und zwischen den Beinen. Gerade an diesen Stellen ist das Fell sehr fein und die Unterwolle muss sorgsam gekämmt werden. Idealerweise findet die Katze Gefallen am Kämmen und lässt es schnurrend über sich ergehen.
Wenn Paulchen gekämmt wird
Paulchen war ja schon ein alter Herr als er zu mir gekommen ist und kämmen war für ihn die reinste Kampfansage. Als er zu mir gekommen ist wurde er vorher komplett geschoren, da sein Fell so verfilzt war, dass man seine Grundfarbe nicht mehr erkennen konnte. Als sein Fell dann langsam wieder nachgewachsen war, ließ er es überhaupt nicht zu wenn ich ihn kämmen wollte und versteckte sich sofort. Um ihn an die Fellpflege zu gewöhnen, kaufte ich einen Fellpflegehandschuh, den es in den meisten Zoofachgeschäften zu kaufen gibt. Der Handschuh hat auf der einen Seite kleine Noppen, die zwar kaum dazu geeignet sind das Fell wirklich zu kämmen, aber sie gewöhnen die Katze ein wenig an das Gefühl des gekämmt werden. Paulchen ließ es sich nach einer gewisser Zeit gefallen und der Handschuh kam bei uns zum Einsatz, wenn Paulchen sich auf mir gebettet hat und es für ihn eine Mischung aus Streicheln und Fellpflege war. Jedes Mal wenn Paulchen sich mit dem Handschuh pflegen ließ bekam er ein paar seiner geliebten Knuspertaschen und wurde von mir natürlich ausgiebig gelobt und gestreichelt. Anfangs ließ er es nur wenige Minuten zu, aber da wir den Handschuh täglich benutzt haben gewöhnte er sich daran bis er es dann nach ein paar Wochen bis zu 20 Minuten durchhielt.
Trotz des Handschuhs verfilzt natürlich die Unterwolle und es bilden sich
kleine Knoten. Solange die Knoten noch sehr klein sind, kann man sie teilweise lösen indem man sie mit den Fingern in kleinere Partien teilt und mit dem Stil eines Kammes auseinander zieht. Mit Gewalt sollte man natürlich nicht vorgehen, denn dann kann die Katze die Fellpflege als schmerzhaft in Erinnerung behalten und sich irgendwann wieder gegen das Kämmen verweigern. Mit einer Schere muss man sehr vorsichtig umgehen und darf keineswegs zu dicht an die Haut gehen, da die Verletzungsgefahr sehr groß ist. Es gibt spezielle Scheren, die an den Spitzen abgerundet sind, damit man nicht unbeabsichtig in die feine Haut der Katze sticht. Trotzdem bleibt es gefährlich mit einer Schere am Katzenfell rumzuhantieren. Sollten sich sehr große Knoten und Filzplatten gehen, ist meistens der Gang zum Tierarzt unumgänglich. Tierärzte haben Schermaschinen, mit denen sie die große Knoten und Flizplatten entfernen. Das Scheren ist für die Katzen zwar nicht angenehm, aber schmerzfrei. Eine Vollnarkose ist nur nötig, wenn das gesamte Fell verfilzt ist und die Katze komplett geschoren werden muss. Natürlich kann man sich auch selbst einen Langhaarschneider zulegen und die Katze von den Knoten befreien. Allerdings sollte man dann ein wenig Übung haben und gerade bei den ersten Versuchen sehr vorsichtig sein um die Katze nicht zu verletzen.
Ich traue mich nicht Paulchen allein zu scheren und da ich allein mit dem Fellpflegehandschuh sein Fell nicht ausreichend kämmen konnte, kam bei uns als nächstes eine Fellpflegebürste zum Einsatz, die recht kurze und auch biegsame Metallzinken hat. Paulchen schaute mich wieder sehr argwöhnisch an und ich gab ihm die Bürste als erstes zum spielen, damit er sich an sie gewöhnen konnte. Wir spielten mit der Bürste und während ich ihn dann mit der einen Hand streichelte strich ihm mit der Bürste anfangs nur leicht über den Kopf. Paulchen wunderte sich ein wenig, wehrte sich aber nicht wirklich dagegen. Ich bürstete ihn nun jeden Tag ein bisschen mehr mit der kleinen Bürste und nach ein paar Wochen durfte ich ihm sogar schon den ganzen Rücken damit kämmen. Er bekam natürlich jedes Mal nach dem Kämmen seine Knuspertaschen und wenn er zwischendurch mal wieder unwillig war, dann gab’s halt keine. Paulchen bemerkte relativ schnell das Knuspertaschen irgendwie mit dem Kämmen zu tun hatten und er kam dann abends bald freiwillig angetrottet und ließ das kämmen über sich ergehen.
Festgehalten habe ich Paulchen nie während des Kämmens, sondern ich habe mich immer zu ihm auf den Boden gesetzt und gewartet bis er zu mir gekommen ist. Wenn ich ihn kämme geht er zwischendurch immer mal wieder ein paar Schritte zurück und kommt dann nach kurzem Überlegen wieder. Zwischendurch spielen wir auch mal ein wenig mit seinen Bällchen und natürlich wird Paulchen immer von mir gelobt wie schön er sich kämmen lässt.
Es waren fast 3 Jahre vergangen, bis Paulchen sich so an die Bürste gewöhnt hatte, dass man überhaupt von Kämmen reden konnte. Als er sich mit der kleinen Bürste von mir kämmen ließ, wurde es Zeit sich einen Metallkamm zuzulegen, da ich mit der feinen Bürste nur das Oberfell kämmen konnte und die Unterwolle trotzdem verfilzte. Ich fand einen groben Kamm, der drehbare Metallzinken hat. Da die Zinken beweglich sind, ist es viel einfach durch das dichte Fell bis zur Unterwolle zu kommen und Ansätze von Knoten werden entwirrt. Paulchen schaute mich wieder mal nicht begeistert an als ich ihm das erste Mal den Kamm unter die Nase hielt. Mit dem Kamm fing ich dann an, ihm zu Beginn nur am Kopf und am Rücken zu kämmen, da diese Stelle am wenigsten zum verfilzen neigen und ich ihn daher hier gut kämmen konnte, ohne das es ziept und für Paulchen unangenehm werden kann. Nach einiger Zeit fand Paulchen Gefallen daran und während ich ihm am Kinn kraulte gestattete er mir dann sogar seine Brust zu kämmen. Wenn es anfing zu ziepen hörte ich auf zu kämmen damit Paulchen sich beruhigen konnte. Meist kam er aber dann nach kurzer Zeit wieder und ich durfte ihn weiterkämmen. Wenn ich dann die Stellen an den das Fell leicht verfilzt war zwischen die Finger nahm und es ganz vorsichtig mit dem Kamm auseinander zog, schaute Paulchen zwar nicht glücklich, aber es zog dann doch weniger und tat ihm nicht weh.
Um durch das dichte Fell bis in die Unterwolle zu gelangen, hilft es oft wenn man versucht das Fell mit 2 Fingern zu unterteilen und „Strähnchenweise“ zu kämmen. Das ist natürlich eine recht aufwendige Angelegenheit, aber mit etwas Geduld ist es eine recht gute Möglichkeit die Katze stückweise gründlich zu durchzukämmen. Paulchen wird auf diese Art selten einmal komplett gekämmt, aber wenn ich jeden Tag eine andere Stelle gründlich durchkämme, reicht es auch um große Knoten zu verhindern. Gerade im Frühjahr und Herbst beim Fellwechsel ist das Unterfell besonders fein und auch die ausfallenden Haar müssen ausgekämmt werden um verfilzen zu vermeiden. Wenn man die Unterwolle mit einem groben Kamm durchgekämmt hat, lässt sich dann das Oberfell einfach bürsten und es bekommt einen schönen Glanz und ist sehr weich. Es ist deutlich zu erkennen, das das Fell kaum noch zu Schuppenbildung neigt, wenn es regelmäßig und gründlich gekämmt wird.
Mittlerweile lässt Paulchen sich an fast allen Stellen kämmen, es sei denn ich komme mit dem Kamm in die Nähe seines Hinterns. Gerade der Bereich um den After muss natürlich gründlich gereinigt werden und mit kämmen wird man hier nicht bei allen Katzen Erfolg haben. Hin- und wieder kommt es vor, dass ich Paulchen sein zartes Hinterteil waschen muss. Es ist schon eine Anstrengung ihn festzuhalten und zu waschen, aber zu zweit ist es machbar. Wenn das Fell dann sauber und noch ein wenig nass ist, lässt sich dann etwas leichter auskämmen. Trotzdem ist es leider manchmal nicht zu vermeiden, dass wir trotzdem den Tierarzt aufsuchen um Paules Hinterteil scheren zu lassen.
Am Bauch lässt Paulchen sich kämmen, wenn er ganz entspannt auf dem Rücken liegend sein Schläfchen hält. Wenn ich Paulchen dann unterm Kinn kraule und ihm ständig erzähle wie schön er ist, kann ich mit der anderen Hand ganz vorsichtig seinen Bauch kämmen. Ihn im Nacken packen und mit Gewalt auf den Rücken zwingen würde ich ihn nie, denn dann wäre das Unternehmen kämmen sicher wieder für alle Zeiten gescheitert.
Um Paulchens Hinterbeine und seinen Schwanz zu kämmen, nutze ich ein wenig seine Neugier aus. Wenn ich mit ihm auf dem Fußboden sitze, beobachtet Paulchen immer ganz gespannt meine Halskette. Er ist dadurch so abgelenkt, dass ich in Ruhe seine Hinterbeine und den Schwanz kämmen kann. Bis Paulchen dann zum Angriff übergeht und meine Kette fangen will, bin ich mit dem kämmen meist fertig. Natürlich gönne ich ihm dann sein Erfolgserlebnis und lasse ihn mit meiner Kette spielen, auch wenns hin- und wieder etwas wehtut, wenn er daran rumzerrt.
Es hat fast 5 Jahre gedauert, bis ich Paulchen an das tägliche Kämmen gewöhnt habe. Er lässt sich jetzt fast komplett von mir kämmen und sein Fell ist nicht mehr verfilzt und neigt auch sehr selten zur Knotenbildung. Wenn man seine Langhaarkatze nicht von Anfang an regelmäßig kämmt, wird sehr viel Geduld und Ausdauer nötig sein, sie daran zu gewöhnen. Für Paulchen ist das kämmen jetzt eine Mischung zwischen spielen und schmusen und er kommt inzwischen jeden Abend angehüpft wenn er das klappern des Kammes hört. Ich habe ihn von Anfang an nie zum kämmen gezwungen, sondern ihm immer die Möglichkeit gegeben weg zugehen wenn er genug hatte. Jetzt schnurrt Paulchen sogar schon beim kämmen und ist zwar nicht glücklich wenn ich ihn am Bauch und zwischen den Beinen kämmen will, aber auch hier lässt er es immer öfter zu.
Das tägliche Kämmen dauert bei uns fast eine Stunde, da Paulchen zwischendurch immer mal ein wenig mit dem Kamm spielen möchte und auch seine Streicheleinheiten braucht. Diese Zeit sollte man sich aber unbedingt nehmen, denn für die Katze soll das kämmen kein Zwang sein, sondern sie soll Gefallen daran finden. Wenn man viel Geduld aufbringt, kann man die Katzen an das tägliche kämmen gewöhnen und das weiche seidige Fell macht den Zeitaufwand wieder wett. Obwohl Paulchen sich jetzt kämmen lässt, wird sein Fell einmal im Jahr vom Tierarzt kurz geschoren, da er vor allem im Sommer oft unter dem langen Fell gelitten hat. Seit er einmal jährlich seinen Kurzhaarschnitt bekommt und täglich gekämmt wird, ist sein Fell viel weicher geworden, hat keine Schuppen mehr und neigt auch nicht zur Fettbildung.
Bei Paulchen hat es ewig lang gedauert bis ich ihn davon überzeugen konnte, dass er gekämmt viel hübscher aussieht und es ihm auch besser bekommt. Es kostete sehr viel Geduld und ich muss Paulchen immer noch kräftig loben und er bekommt nach wie vor seine Knuspertaschen wenn er sich hat kämmen lassen. Wenn man das kämmen beim spielen und schmusen einbindet, ist die Chance am größten das die Katze Gefallen daran findet und es ihr dann irgendwann sogar ein schnurren entlockt. Mit Gewalt wird man bei einer Langhaarkatze sicher nicht ans Ziel kommen und es wird ein täglicher Machtkampf werden.
Paulchen macht das kämmen jetzt richtig Spaß; schön gekämmt und Knotenfrei fühlt er sich wohl und das er der schönste Kater überhaupt ist, muss bei aller Bescheidenheit auch mal wieder erwähnt werden ;-)
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