Platz 20 in der Kategorie "Umwelt allgemein". Das Bewußtsein, daß wir nicht Herren, sondern Bestandteil der Natur sind, hat das Denken verändert. Die Ökologie lehrt uns, daß wir in einem System leben, das ...mehr
Um die „Ökologie“ im heutigen Sprachgebrauch zu finden, wird man sich nicht weit umtun müssen. So ziemlich jedes Waschmittel wirbt mit „ökologisch abbaubaren Bestandteilen“, Kunststoffe, Verpackungsmaterialien, Färbemittel und wer weiß noch was alles rühmen sich der „ökologischen Verträglichkeit“, man kann allerorten „Öko-Siegel“ entdecken, schimpft und ärgert sich über die „Ökosteuer“ und erahnt nur dumpf, worin denn nun wieder der Unterschied zwischen Ökologie und Ökonomie – Schreibfehler, oder was? – liegt. Geht es an das „Eingemachte“ der Ökologie – nach Duden: 1. Wissenschaft von den Beziehungen der Lebewesen zu ihrer Umwelt. 2. Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen u. ihrer Umwelt; ungestörter Haushalt der Natur – so kommen nicht selten enorme Erklärungsschwierigkeiten nach vorherigen vollmundigen Anpreisungen ökologischer Bau- oder Fahrweise – gerade bei Dieselfahrern – auf. Denn wie sehen die Wechselbeziehungen zwischen Flora und Fauna und Fauna untereinander aus? Gilt wirklich nur das Prinzip des „Obsiegens des Stärkeren und Besseren“, wie es sich scheinbar auch aus der Nahrungskette scheinbar abzuleiten scheint? Und was geschieht bei Störungen der Wechselwirkungen? Setzt ein Teufelskreis ein oder findet sich grundsätzlich stets relativ schnell ein neues Gleichgewicht wieder?
Fragen, zu denen das Buch „Der blaue Planet“ von Josef H. Reichholf einige Antworten liefern kann. Erschienen ist das dtv-Taschenbuch 1998 als Bestandteil der Reihe „Naturwissenschaftliche Einführungen“ unter der ISBN 3-423-33033-3 zu 14,90 DM, nunmehr 7,90 €. Auf 128 Seiten führt der Autor in die Wissenschaft um den Naturhaushalt und die Erforschung der wesentlich komplexeren und komplizierteren Beziehungen ein, die oftmals kaum wahrnehmbar oder vorstellbar erscheinen.
Josef Reichholf, in Aigen am Inn 1945 geboren, ist einer der Wissenschaftler an der Zoologischen Staatssammlung in München und lehrt Evolutionsbiologie, Tiergeographie und Ökologie. Unter anderem gehört er dem Präsidium des deutschen WWF (World Wide Fund for Nature) an. Veröffentlichungen sind unter anderem „Das Rätsel der Menschwerdung“, „Erfolgsprinzip Fortbewegung“ und „Der schöpferische Impuls“.
In seinem Buch, das mit dem Untertitel „Einführung in die Ökologie“ bereits vorab deutlich macht, dass alle, die auf der Suche nach dem umfassenden Standardwerk oder Lehrbuch sind, hier nicht gerade fündig werden, führt der Autor in gut verständlichen und leicht nachvollziehbaren Ausführungen in die Wissenschaft der Ökologie ein. Fachausdrücke, soweit sie nicht unmittelbar im Text selbst erläutert werden, können dabei im angehängten Glossar nachgeschlagen werden. Ebenso besteht die Möglichkeit, das Gelesene zu vertiefen und persönlich weiterzuführen, indem die empfohlene Vertiefungsliteratur zurate gezogen wird. Inhaltlich befasst sich der Autor zunächst mit einem historischen Rückblick ins 19. Jahrhundert. Ernst Haeckel, so erfährt der Lesende, prägte 1866 erstmals den Begriff der Ökologie und legte gleichermaßen auch den Grundstein für die Entstehung dieses Wissenschaftszweiges. Im Weiteren schreitet der Autor durch die Geschichte des Naturhaushaltes im Großen. Angefangen bei der toten Erde, die kurz vorher – in stellaren Maßstäben – noch ein glutflüssiger Ball gewesen ist über die Entstehung des Lebens und die ersten Anfänge der Photosynthese, mit der einer der ersten Wechselkreisläufe überhaupt erst entstehen konnte.Ebenso, dass viele Populationen „kritische Wachstumsgrenzen“ aufweisen, bei denen die Fortpflanzungsrate in Abhängigkeit zur maximal möglichen Population am größten ist. Schließlich im letzten Kapitel die „Erkenntnis“, dass Naturschutz nicht nur
Vermeidung unnötiger Müllkippen und Ölteppiche ist, sondern vielmehr die notwendige natürliche Vielfalt und das natürliche Gleichgewicht, indem auch der Mensch eine – wenngleich oftmals eher störende – Rolle spielt, aufrecht erhält.
Das Buch lässt sich, wie ich meine, ohne Probleme an einem ruhigen Nachmittag durchlesen, ohne dass man oberflächlich quer lesen oder Meister im Schnelllesen sein müsste. Der Autor verzichtet im Großen und Ganzen auch auf sperrige Formeltherme und Kurven, wendet diese lediglich zur besseren Illustration des eben Dargelegten an. Vorkenntnisse – ich etwa hatte kaum mehr, als im ersten Absatz dieses Beitrags sarkastisch dargelegt – sind nicht erforderlich, denn das Buch versteht sich mehr als Orientierung und Einstiegslektüre denn als tiefgehendes Sachwerk, das keine Fragen bis zum Vordiplom offen lässt. So habe ich – zugegebenermaßen vor mehr als einem Jahr – einerseits sehr viel über die Ökologie und die natürlichen Zusammenhänge erfahren – mehr, als mir noch vom Biologieunterricht vor mehreren Jahren präsent gewesen ist – zum anderen aber auch einmal mehr den persönlichen Horizont etwas erweitern können, ohne gleich verbittert und frustriert nach dem Motto „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ drei Kreuze gemacht zu haben, nachdem ich mich durch das Buch „gebissen“ habe. Es liest sich, obgleich ohne einkleidende Hintergrundstory oder Anekdoten sowie weitgehender Humorfreiheit flüssig und angenehm.
Empfehlen lässt es sich jedem naturwissenschaftlich Interessierten, der (noch) keine fundierten Kenntnisse im Bereich der Ökologie oder Biologie hat. Diese schaden dabei sicherlich nicht und ich gehe auch nicht davon aus, dass man mit diesen haufenweise Fehler entdeckt, die dem Laien schlichtweg verborgen bleiben. Der „Informationsgehalt“ ist dann nur eher eine oberflächliche Wiederholung, weniger eine echte Kenntnismehrung. Bücherwürmer, die auch mal ein Sachbuch in die Hand nehmen und offen für Neues sind, werden sicherlich keine intellektuelle Herausforderung vorfinden, sondern eher ein zügig lesbares und auch lesenswertes Werk vorfinden, das einiges mitzuteilen hat. Alle, die mit Naturwissenschaften auf Kriegsfuss stehen, sei hingegen von der Lektüre eher abgeraten. „Der blaue Planet“ ist weder eine Ökofibel mit Tipps zum energiesparenden Hausbau oder spritsparendem Fahrstil noch eine muntee Geschichte rund um das „kosmische Juwel“ Erde, sondern dann schon eher ein „nüchternes“ Sachbuch.
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Produktbeschreibung Der blaue Planet (Taschenbuch)
Technische Daten und ProdukteigenschaftenDas Bewußtsein, daß wir nicht Herren, sondern Bestandteil der Natur sind, hat das Denken verändert. Die Ökologie lehrt uns, daß wir in einem System leben, das in perfekter Weise alle Bestandteile der Natur verbindet und integriert. In diesem Buch werden die vielfältigen Verknüpfungen aufgezeigt, und es wird deutlich gemacht, wie sensibel dieses System auf störende Einflüsse reagiert.Weitere Titel zur Naturwissenschaft
Allgemeine Informationen Der blaue Planet
ISBN: 3423330333
EAN: 9783423330336
gelistet seit: 11.06.2004Bewertung durch unsere Mitglieder
Produktbewertung:
Details
Unverbindliche Preisempfehlung: 7.62
Seitenzahl: 143
Maße (L x B x H): 192 x 126 x 15
Hersteller / Verlag: DTV Deutscher Taschenbuch
Kurztitel: Reichholf, J: Blaue Planet
Schlagworte: Ökologie / Allgemeines, Einführung, Lexikon;
Ausgabeformate: Taschenbuch
Erscheinungsjahr: November 1998
Untertitel: Einführung in die Ökologie. (_Tb)