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| 3 x DAVID IGNATIUS DER MANN DER NIEMALS LEBTE REPORTER |
9,90 € |
11T 9Std. | 0 | ||
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![]() Ehrgeiz zwischen Geheimdienst und Journalismusein Testbericht von catmother2003-02-04 15:37:40 vom 04.02.2003 Empfehlung: ja** Die Geschichte ** Arthur Bowman, Legende, Kriegsberichterstatter und der beste Journalist des Mirror, ist tot. Offiziell ist der Chefkorrespondent bei einem Unfall in China umgekommen. Ganz Washington trauert um ihn. Nur ein Mann weiß um die wahren Umstände von Arthurs Tod: Eric Truell, ein aufstrebender und ehrgeiziger Journalist der gleichen Zeitung, Verräter am eigenen Kollegen, Widersacher, Freund von Bowman. 1994: Truell sitzt in Paris fest und langweilt sich. Nach aufregenden Einsätzen im Krisengebiet Israel und in Hongkong herrscht hier wenig Aufregung im Leben des jungen Journalisten. Vielleicht könnte das Interview mit Roger Navarre eine Story bringen? Der Wissenschaftler behauptet, einen Weg für die Heilung von Alzheimer gefunden zu haben. Unter strengster Bewachung berichtet er Truell von seiner Arbeit, wie er mit Hilfe von Neurotrophinen geschädigte Nervenzellen regenerieren konnte, indem er Prione als Botenträger benutzt. Bisher allerdings nur an Mäusen. Als seine Bewacher einen Augenblick unaufmerksam sind, gesteht er allerdings, daß es einen Haken bei der Sache gibt: unkontrollierbare, mutierte Formen dieser Träger, sogenannter Chaperone, führten bei den Probanden zu einer tödlichen Gehirnkrankheit, der spongiformen Enzephalopathie. Also doch keine Story. Statt dessen bahnt sich etwas besseres an: eine Geiselnahme in dem Pariser Nobelrestaurant Taillevent. Dort halten Terroristen einer Gruppe, die sich Vert/Vertu nennt, 15 Geiseln fest. Sie protestieren gegen die Atomtests der französischen Regierung in Westafrika und verlangen eine Entschädigung für die Umweltzerstörung. Truell gelangt durch einen cleveren Einfall in das Restaurant und kann den Führer der Geiselnehmer, einen Dr. Obado, und die Geiseln interviewen. Danach wird er von der französischen Polizei zusammengeschlagen und die ganze Nacht eingesperrt. Als er endlich auf freien Fuß kommt, ist die Geiselnahme schon vorbei, die Geiseln befreit, Obado erschossen und die Terroristen verschwunden. Trotzdem, als er mit seiner Geschichte in die Zeitung kommt, ist er der Held und wird von seinem Chefredakteur Ed Weiss hochgelobt. Irgendwas an der Geschichte kommt ihm dennoch seltsam vor. Die Franzosen behaupten, den Terroristen nichts gezahlt zu haben, doch wo sind die dann so sang- und klanglos hin verschwunden? Truell ist überzeugt, daß die Franzosen etwas verschweigen und kontaktiert einen alten Freund, der sich mit konspirativen und Korruptionsgeschichten auskennt. Der klärt ihn über die wahren Hintergründe der Geschichte auf: in Frankreich existiert eine Macht hinter der Macht, ein Bund von Politikern, Industriellen und Militärs, die ein Netzwerk gebildet und eine Maschinerie von Korruption und Bestechung in der ganzen Welt unter sich haben. Die Terroristen waren nur Leute aus diesem Netz, die ein größeres Stück vom Kuchen abhaben wollten. Und das haben sie bekommen. Truell kann diese Geschichte kaum glauben und würde sie natürlich gern veröffentlichen. Dazu benötigt er allerdings eine Bestätigung der Story. Also wendet er sich an Tom Rubino von der US-Botschaft, von dem er vermutet, daß er für den CIA arbeitet. Der bringt ihn in Kontakt mit Rupert Cohen. Cohen ist ein ziemlich undurchsichtiger Typ mit einem Faible für den mittelalterlichen Staat Venedig (der war genauso korrupt wie die Welt heute): er hält den CIA für überholt, marode und unfähig. Am liebsten würde er aussteigen; daher plaudert er auch ungeniert über Interna und liefert den entscheidenden Beweis für die Verwicklung eines hohen Regierungsmitglieds in die Geiselaffäre. Maurice Costa, der französische Verteidigungsminister und Kopf des Korruptionsnetzwerkes gab die Zahlungsanordnung an die Westafrikaner. Kurz nach Veröffentlichung der Story, die natürlich DER Knüller des Mirror ist und den Rücktritt von Costa bewirkt, wird Truell offen bedroht. 1996: Truell ist inzwischen im Washingtoner Büro des Mirror gelandet und recherchiert momentan über einen der Präsidentschaftskandidaten für die bevorstehende Wahl. Leider ist über Senator Abelard nichts Auffälliges zu finden. Da meldet sich Cohen bei ihm. Er fühlt sich zum Journalisten berufen und bittet Eric, beim Mirror mal seine Chancen abzuklopfen. Dafür will er sehen, was er über Abelard liefern kann. Und er findet etwas. Aber bezüglich einer Arbeit bei der Presse muß ihn Eric enttäuschen. Keine Zeitung würde einen CIA-Mann einstellen. Da läßt Cohen eine Bombe platzen: Der Mirror beschäftigt schon lange einen Agenten – Bowman, der Frontmann und Kollege Truells wird vom französischen Geheimdienst bezahlt. ** Buchkritik ** Ich muß gestehen, daß ich das Buch erst beim zweiten Anlauf geschafft habe, weiß allerdings nicht mehr, warum. Nach den ersten 100 Seiten ist es ein solch spannender, hochexplosiver und intelligent gemachter Roman und eine Abrechnung mit dem Berufsstand des Journalismus, daß ich es schließlich in einer rasanten Zeit durchlas. Schauen wir uns die Figuren an: Eric Truell ist natürlich der Prototyp des modernen Journalisten: jung, ehrgeizig, politisch naiv und abenteuerlustig, und er würde für eine gute Story alles tun. Darüber vergißt er schließlich den Faktor Menschlichkeit, bis er durch eigenes Erleben eines besseren belehrt wird und sich auf die eigentliche Aufgabe eines Reporters und des Journalismus besinnt. Ein Mensch im Lernprozeß also. Anfangs ist er mir mit seiner Eifrigkeit, seiner kompromißlosen Jagd nach DER Story eher unsympathisch. Erinnert er doch mit seiner Einstellung „ohne Rücksicht auf Verluste, denn der Leser hat ein Recht auf die schonungslose Wahrheit“ ein bißchen an einen Paparazzi. Sein übertriebener Ehrgeiz macht ihn schließlich unbemerkt zum Spielball der politischen Mächte, bis er gar nichts mehr unter Kontrolle hat. Arthur Bowman hat diese Phase schon hinter sich. Obwohl wir nicht viel über seine Arbeit erfahren, stellt er hier den integeren, wahrhaftigen Journalisten dar. Bis wir es von der anderen Seite betrachten, mit Hintergrundwissen, und feststellen, Presse ist korrumpierbar. Eigentlich nichts neues, sollte man meinen, aber man muß sich das immer mal wieder vor Augen halten. Sei es nicht einmal aus politischem Kalkül, sondern aus rein menschlich nachvollziehbaren Gründen (ich will ja nicht zuviel verraten). Eine überzeugende, wenn auch nicht im Vordergrund agierende Figur ist die des Herausgebers Philip Sellinger. Auch dieser Charakter widerspiegelt ganz aktuelle Fragestellungen: ein Mann baut eine Zeitung auf aus Idealismus, aus Liebe zum wahren Journalismus und muß zusehen, wie die Jahre die hehren Ziele und Ideale langsam aufweichen und alles dem Kommerz und den Erfolgszahlen weichen muß. Völlig undurchsichtig und dunkel, dabei aber wiederum witzig und dynamisch der CIA-Mann Rupert Cohen. Er hat begriffen, daß der CIA eine überholte Institution ist und nur noch von Bürohengsten regiert wird. Obwohl ihm das Konspirative eher liegt, entscheidet er sich pragmatisch für die Suche nach einer Perspektive. Bei ihm war ich mir nie ganz sicher, ob er nicht die ganze Zeit nur gelogen hat, um sein eigenes Süppchen zu kochen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, daß jemand mit soviel Genuß und ohne Konsequenzen aus der Schule plaudern kann. Die Geschichte ergibt jedoch ein rundes Ganzes. Fäden, die irgendwo im Laufe der Handlung auftauchten, werden geschickt verknüpft – deshalb sollte man die Details und die Personen jederzeit im Auge behalten. Damit hatte ich manchmal Schwierigkeiten. Gerade beim CIA tummelten sich eindeutig zu viele Leute herum. ** Meine Meinung ** Ich fand das Buch in jeder Hinsicht empfehlenswert. In einer außerordentlich kritischen Rahmenhandlung, der Auseinandersetzung mit Journalismus in der heutigen Zeit, werden streitbare und heikle Themen wie Korruption, Machtmißbrauch, Wissenschaft und Ethik sowie die Verwicklung von Wirtschaft und Politik in einer äußerst packenden Story angesprochen. Gut dosiert und durchaus nachvollziehbar. Ich hatte am Ende wirklich das Problem, daß ich dachte: du kannst niemandem mehr trauen. Alles, was du heute in der Zeitung liest, stimmt ja sowieso nicht. Und wenn nur ein Bruchteil von dem in diesem Roman Dargestellten wahr wäre, dann ist irgendwie garnichts mehr im Lot auf dieser Welt. Aber das solltet ihr selbst lesen. ** Daten ** Verlag Blessing gebunden 409 Seiten Preis: 21,40 €, Taschenbuch 7,45 € ISBN 389667028X ... |
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Allgemeine Informationen Reporter ohne Auftrag - David Ignatius
gelistet seit: 15.09.2003
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| Allgemeine Informationen Autoren von A-Z: I Kategorie: Belletristik Autor: David Ignatius |






















