Roter Fingerhut - Victor Gunn Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Läutende Todesglocken
ein Testbericht von orlan2005-07-17 19:13:33vom 17.07.2005Empfehlung: ja
Vorteile: spannend, munteres Mörderraten ...Nachteile/Kritik: aus heutiger Sicht vielleicht etwas veraltet
"Roter Fingerhut" ist ein Kriminalroman von Victor Gunn. Der Titel des englischsprachigen Originals lautet "Dead Men´s Bells". Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Ruth Kemper.
Inhalt
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In der englischen Kleinstadt Westonbury in der Grafschaft Kent treibt ein Erpresser sein Unwesen. Er hat es auf die scheinbar ehrbaren Bürger der Stadt abgesehen, die selbstverständlich finanziell nicht ganz auf dem Trockenen stehen.
Dabei scheint er Dinge über seine Opfer zu wissen, die außer diesen und ihnen nahe stehende Personen eigentlich niemand wissen kann. Und genau dies ist auch sein großer Vorteil. Niemand traut sich nämlich, die Erpressungen bei der Polizei anzuzeigen, aus Angst, ihre kleinen oder auch größeren Geheimnisse könnten bekannt werden. Dies würde nicht nur für einen von ihnen unweigerlich zum Ruin führen.
Doch nun scheint der Erpresser ausgespielt zu haben. Roderick Graham, der Polizeidirektor der Stadt, hat die Identität des Erpressers herausgefunden und möchte ihn vor den Honoratioren der Stadt feierlich entlarven.
Dazu kommt es allerdings nicht mehr, denn kurz bevor er den Namen aussprechen kann, bricht er zusammen und stirbt kurze Zeit später. Erst deutet alles auf einen natürlichen Tod hin, aber auf Betreiben der Tochter des Toten kommt schließlich doch heraus, dass jemand dem Polizeidirektor eine tödliche Dosis Digitalis - ein Gift, dass aus dem Roten Fingerhut gewonnen wird - ins Essen getan hat.
Wegen der tragweite des Verbrechens schaltet sich Scotland Yard in die Ermittlungen ein. Chefinspektor Cromwell und sein Assistent Sergeant Lister nehmen sich des Falles an, tappen aber erst einmal völlig im Dunkeln. Fast jeder der Honoratioren der Stadt scheint ein Interesse am Tod des Polizeidirektors gehabt zu haben.
Doch die Ermittler lassen sich nicht beirren. Nach und nach finden sie heraus, wer alles Opfer des anonymen Erpressers war, und auch die meisten dunklen Geheimnisse dieser Leute können sie herausfinden.
Auf die richtige Spur kommen sie allerdings erst, als sei endlich herausfinden, wie der Erpresser sich seine brisanten Informationen beschafft hat.
Meine Meinung
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Mit "Roter Fingerhut" ist Victor Gunn ein ordentlicher Kriminalroman gelungen, der zwar unterhaltsam und gut zu lesen, aber auch nicht unbedingt etwas Besonderes ist. Es ist eben ein ganz "normaler" Krimi, wie sie in der Reihe "Goldmanns Taschen-Krimi" zu Dutzenden erschienen sind.
Der Roman ist aber durchaus spannend geschrieben und enthält so viele verdächtige Personen, dass man als Leser wunderbar mitraten kann, wer denn nun der Erpresser und Mörder wirklich ist.
Außerdem gilt es ja neben dem "Endziel", den Mörder zu entlarven, auch noch die Geheimnisse und teils verbrecherischen Taten herauszufinden, mit denen die Opfer erpresst wurden. Da dies im Verlauf des Romans nach und nach geschieht, wird "Roter Fingerhut" auch nie wirklich langweilig.
Die Tatsache, dass nahezu jeder Charakter, der in diesem Roman eine Rolle spielt, irgendein dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit mit sich herumträgt, hat mich ein wenig an einige "modernere" Kriminalromane von Minette Walters erinnert. Allerdings schafft es Victor Gunn, sich trotz der Vielzahl von in "Roter Fingerhut" vorkommenden Personen relativ kurz zu fassen und zügig auf den Punkt zu kommen.
Sehr unterhaltsam fand ich es, die "revolutionäre" Entdeckung zu erfahren, mit der der Täter sich die Informationen über seine Opfer beschafft hat.
Was zu der Zeit, als der Roman geschrieben wurde (1960) noch völlig neu und nahezu unmöglich war, erscheint uns heute schon fast selbstverständlich.
Fazit
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"Roter Fingerhut" ist ein solider Kriminalroman, den ich ohne weiteres zum Lesen weiterempfehlen kann. Etwas Besonderes sollte man allerdings nicht erwarten. Der Roman bietet einfach nur eine nette Leselektüre für Zwischendurch.
Von mir gibt es für diesen Krimi gute drei Sterne, wobei er allerdings nur knapp an einem vierten Stern vorbeigeschrammt ist.
Daten
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Roter Fingerhut / Gunn, Victor
Wilhelm Goldmann Verlag, 1960
Taschenbuch, 185 Seiten
Preis: 2,- DM (das waren damals noch Zeiten)
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