Es ist Dienstag, zum Feierabend hat man sich geeinigt eine ausgedehnte Shoppingtour zu machen.
Stunden später und etliche Euro weniger geht es dann gegen 20 Uhr ab nach Hause.
Unterwegs fällt einem dann ein, dass man(frau) ja eigentlich den Thriller(die Arztserie) um 20:15 Uhr sehen wollte.
Abgehetzt kommt man(frau) in der Wohnung an, hat und hat Hunger, Durst und muss mit dem Hund raus. Jetzt bleiben
folgende Möglichkeiten:
1. Hund und Magen maulen lassen,
die Schuhe in die Ecke feuern,
auf die Couch werfen
und den Film (inklusive Werbung) sehen.
Anschliessend dann die Sauerei vom Hund entfernen und beim Gassi gehen einen Döner einpfeifen.
2. Videokassette in den Rekorder und aufnehmen,
was man (ich spare es mir jetzt) sehen wollte.
Bis man sich die Sendung von vorne ansehen kann hat man dann genügend Zeit um mit dem Hund runter zu gehen, Abendbrot zuzubereiten, einen Saft auszupressen und eventuell Nasenhaare zu zupfen (oder auch die Beine zu rasieren).
Dann am Ende der Sendung, das Band zurückspulen und spät ins Bett oder noch schlimmer, mittendrin einschlafen.
3. Den Primetimer anwerfen, ganz in Ruhe mit dem Hund runter gehen, Abendbrot und lecker Getränk basteln.
Dann gemütlich auf die Couch fletzen und den Film(Arztserie) von vorne ansehen, obwohl die Aufzeichnung noch läuft. Und hat man
Die erste Werbepause erreicht, dann überspringt man einfach ein paar Minuten und schon kann es weiter gehen.
Was ich oben recht langwierig beschrieb, kommt wohl bei nicht wenigen Leuten in der einen oder anderen Variante auch einmal vor.
Und genau dafür ist der Primetimer gedacht.
Sinn und Zweck
Der Primetimer ist ein digitaler Videorekorder, der sogenanntes Timeshifting ermöglicht.
Das heisst man kann sich zeitversetzt (time shifted) Dinge ansehen, die noch aufgezeichnet werden. Dazu werden natürlich keine Videokassetten verwendet (wie auch). Als Speichermedium kommt hier eine Festplatte (40GB) zum Einsatz, auf der die empfangene Sendung als MPEG II Video gespeichert wird.
Der Primetimer bietet vier Qualitätsstufen an, mit denen man folgende Aufzeichnungsdauern erreichen kann:
Hoch: ca. 10 Stunden
Normal: ca. 20 Stunden
Mittel: ca. 30 Stunden
Niedrig: ca. 50 Stunden
Standardmässig entscheidet der Primetimer nach der Art der Sendung, welche Qualitätsstufe er nutzt.
So werden zum Beispiel Serien und Nachrichten mit geringerer Qualität aufgezeichnet als Spielfilme.
Hardcore-Bastler tauschen einfach die eingebaute Festplatte durch ein 160GB Exemplar aus (verlieren dadurch die Garantie) und erreichen damit die vierfache Kapazität.
Anleitungen hierzu findet man im Forum von tvtv, das für den interessierten Primetimer- User oder Bald-User eine wahre Fundgrube von Informationen bereitstellt.
Der Lieferumfang
Hat man den Karton samt Inhalt für 500 - 750 € erstanden, findet man in seinem Inneren folgendes:
- den Primetimer, Gehäusefarbe silber, B*H*T 420*95*280 mm
- eine Fernbedienung mit zwei AAA(Micro)-Zellen
- ein Netzkabel
- ein Scart-Kabel
- ein Antennenkabel
- Bedienungsanleitung
- Gerätepass
Die Inbetriebnahme
Nachdem man das Gerät nebst Zubehör aus dem Karton befreit hat,
fällt einem zuerst einmal auf, dass auf der Gerätefront genau eine Taste angebracht wurde.
Alle anderen Funktionen (also alles) steuert man über die recht übersichtliche Fernbedienung.
Die Taste am
Gerät ist naturgemäß dem Einschalten des Primetimers vorbehalten.
Bevor man jedoch diesen glorreichen Moment erleben kann,
muß man den Primetimer erst einmal mit den anderen Errungenschaften der modernen Unterhaltungselektronik verbinden.
Dazu stellt der Primetimer folgende Anschlüsse bereit:
1* SCART-Ausgang (zum Fernseher)
1* SCART-Eingang (von D-Box oder DVD-Player)
1* Antenneneingang
1* Antennenausgang
1* S Video Ausgang (für Fernseher mit entsprechendem Eingang)
1*Cinch Video Out
1* Cinch Audio Out L/R
1* digitaler Audioausgang (Cinch)
1* IR Booster Anschluß (noch ungenutzt)
1* serielle Schnittstelle (für Updates über einen angeschlossenen Computer)
Bei der Minimalkonfiguration hat man nur das Antennenkabel durchzuschleifen und das SCART-Kabel mit dem Ferseher zu verbinden.
Generell ist der Primetimer für Antennen- und Kabelanschlüsse gedacht. Man kann natürlich einen Sat-Receiver anschliessen, kann dann aber nur den aktuell eingestellten Sender nutzen.
Gleiches gilt für eine eventuell vorhandene D-Box.
Nachdem alles fein verstöpselt wurde kann man das Gerät endlich einschalten.
Positiv fiel mir auf, dass die Festplatte nicht zu hören ist, auch Lüftergeräusche gibt es keine, da schlicht kein Lüfter verbaut wurde. Auf Grund dessen wird der Primetimer aber auch ein wenig warm, weswegen man für ausreichende Umlüftung sorgen sollte.
Nach dem ersten Einschalten erscheint die Abfrage ob man den Sendersuchlauf starten möchte. Mit der Häkchen-Taste bzw. Nach 30 Sekunden wird der Suchlauf gestartet.
Anschliessend kann man dann die Sender nach belieben sortieren.
Hat man das hinter sich gebracht beginnt der Primetimer auch schon das aktuelle Programm aufzuzeichnen.
Mit einem Druck auf die Pause Taste kann man das laufende Programm anhalten und später genau von dort an weitersehen.
Man kann allerdings auch vor und zurück springen, sowie direkt zur Livewiedergabe zurückkehren.
Standardmässig ist der Timeshift- Puffer auf 30 Minuten eingestellt, dieses kann aber auf einen Wert zwischen 5 und 180 Minuten einstellen.
Pausiert man das Programm länger als den eingestellten Timeshift- Puffer beginnt automatisch die Wiedergabe.
Möchte man eine Sendung, die gerade anfängt einfach aufzeichnen, dann genügt ein Druck auf die Taste Rec und das aktuelle Programm wird bis zum Ende der Sendung aufgezeichnet.
Später kann man sich die Aufzeichnung dann ansehen, indem man in das Archiv geht und die gewünschte Sendung auswählt.
Ist die Kapazität der Festplatte zur Neige gegangen, so wird die älteste schon gesehene Aufzeichnung gelöscht. Um diesem vorzubeugen ist es aber auch möglich einzelne Aufzeichnungen mit einem Löschschutz zu versehen.
Was der Primetimer sonst noch kann
Der Primetimer ist mit einem sogenannten EPG (Electronic Program Guide) ausgerüstet.
Im Primetimer wird dieses Tool iPG genannt.
Der iPG ist eine Art elektronische Fernsehzeitschrift, die das Fernsehprogramm einer Woche und bestimmte Zusatzinformationen bereithält.
Die Daten erhält der iPG über das Fernsehprogramm, eine Verbindung ins Internet ist also nicht notwendig.
Hat man im iPG eine interessante Sendung gefunden kann man sie zur Aufzeichnung markieren.
Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte Guido, mit ihm ist es möglich, Serien zur Aufzeichnung zu markieren.
Solange die Serie immer im gleichen Programm läuft und die Startzeit nicht mehr als 90 Minuten abweicht, kann man keine Folge mehr verpassen.
(Absolut beziehungsschonendes Feature. Nie wieder eine Folge von ER fürs Frauchen vergessen oder aus versehen löschen.)
Licht und Schatten
Wo viel Licht, da auch viel Schatten.
Diese Weisheit trifft auch auf den Primetimer zu.
Ein innovatives Produkt, das zudem in besonderem Maße von Software abhängig ist, hat natürlich noch die eine oder andere Kinderkrankheit.
Um diese auszumerzen hat der Primetimer die Möglichkeit, Programmaktualisierungen über das Fernsehsignal oder die integrierte, serielle Schnittstelle und den PC zu empfangen.
Ausserdem gibt es im Internet ein vorbildliches Forum, in dem sich User und auch Entwickler zu Wort melden.
Hier wird man auch über den aktuellen Stand der Entwicklung informiert.
Auch Anleitungen zur Erweiterung der Aufnahmekapazität (Austausch der Festplatte) und Workarounds zu aktuellen Problemen kann man hier finden.
Für besonders Experimentierfreudige gibt es auch Betaversionen des Primetimer Betriebssystems herunterzuladen.
Natürlich lässt einen gerade die kürzlich bekannt gegebene Insolvenz der Firma Schneider grübeln ob man sich den Primetimer zulegen sollte.
Da aber die Fast Server AG, die ja auch den tvtv-Service (den eingebauten iPG) anbietet, den weitern Support übernimmt muss man eigentlich keine Angst haben, dass man irgendwann eine nutzlose Kiste rumstehen hat.
Fazit
Der Primetimer ist ohne Frage ein Produkt,
das den Fernsehallabend revolutionieren kann.
Wer den Primetimer sein Eigen nennt kommt ohne nicht mehr klar, auch wenn die eine oder andere Macke einen in den Wahnsinn treiben kann.
Der Support von tvtv (die Entwickler der Software) arbeitet jedoch unermüdlich an Updates.
Besitzer einer D-Box II können die Vorfreude auf ein Update nachempfinden,
hat man doch anschliessend die Freude sämtliche Features ausgiebig zu testen.
So stellt sich der Primetimer noch nicht wirklich als massentaugliches Produkt dar.
Technikfreaks wie meiner einer erhalten ein tolles Spielzeug und sollten unbedingt zugreifen.
Otto-normal-Verbraucher hingegen werden eher eine Krise kriegen uns sollten schon sehr Fehlertolerant sein.
Für letztere lautet mein Tipp:
Abwarten.
Im Laufe das Jahres sollen weitere Geräte mit ähnlicher Funktionalität herauskommen.
P.S.: Meine Empfehlung gilt für so bekloppte Leute wie mich, die alles was neu ist, ausprobieren müssen.
Langzeittest
(05.02.2002)
Seit Montag, dem 04.02.2002 wird das neue Update der Firmware ausgestrahlt.
Diese bietet einige Verbesserungen hinsichtlich der Stabilität.
Zeitgleich wurde auch eine versionsgleiche Beta-Firmware zum Download bereitgestellt.
In der c´t 4/2002 wurde der PrimeTimer zusammen mit anderen Digitalrecordern verglichen.
Und kann wohl als Preistipp angesehen werden.
(Die anderen beiden getesteten Geräte lagen weit jenseits der 1000 € Grenze, basierten dafür aber auch auf einem DVD-Recorder)
(18.02.2002)
Nach über einer Woche Probelauf mit der neuen Firmware muss ich fast meine Aussagen über die schlechte Stabilität zurücknehmen.
Mit der derzeit aktuellen Version läuft der Prime Timer wesentlich zuverlässiger und schneller als vorher.
(22.02.2002)
Wie sich im Supportforum herausgestellt hat ist die aktuelle Betaversion 1.299 wesentlich weniger Fehleranfällig als die offizielle Firmware). Wer ein wenig experimentierfreudig ist .....
(28.02.2002)
Ich habe vor drei Tagen die Firmware 1.299 Beta installiert.
Kann ich jedem nur empfehlen, da ich seitdem keine Probleme mehr habe. Alles was man braucht.
Einen PC mit MS Betriebssystem, ein Serielles Kabel und die Firmware, die von http://forum.tvtv.de herunterzuladen ist.
(08.03.2002)
Leider hatte ich inzwischen auch mit der Beta-Version 1.299 Probleme, so dass ich wieder nur unterstreichen kann, dass dieses Gerät wirklich zur Zeit eher für Technik-Freaks gedacht ist.
Inzwischen hat Pro Markt hier in Berlin, den pT auch schon für € 620 angeboten.
(22.03.2002)
Die Probleme mit der aktuellen Beta-Version lassen sich durch zweiwöchentliches initialisieren der Festplatte beheben. Nicht wirklich toll, aber was macht man nicht alles.
(25.03.2002)
Premiere schützt inzwischen ja alle Filme im Cinedom mit Macrovision. Mein Videorekorder springt darauf auch fürchtelich an, aber nicht so der Prime Timer. Somit ist der pT zur Zeit das einzige Gerät, mit dem man Filme aus dem Cindedom aufzeichnen kann, ohne dass man total meschugge wird. (Ausnahme sind natürlich angepasste VCRs oder Kopierverstärker).
(03.04.2002)
Des Beta-Firmware-Users liebstes Hilfsmittel ist die Neuinitialisierung der eingebauten Festplatte.
Anscheinend vergurkt die Beta 1.299 alle paar Wochen das Filesystem. Durch folgenden Trick initialisiert man die Festplatte, was aber die Löschung sämtlicher Aufnahmen mit sich bringt.
Prime Timer ausschalten.
Stecker ziehen.
Nach 30 Sekunden Stecker wieder rein.
warten bis die LED grün wird.
Standby Taste drücken bis LED rot wird.
Und nun viel Freude beim Sendersuchlauf und GUIDO Programmierung.
(12.04.2002)
Wie man sieht tut sich was beim Prime Timer Support.
Nachdem es diverse Probleme mit der Version 1.299 gab haben die Leute eine Version 1.299a nachgelegt.
Diese ist das Beste in Sachen Stabilität, was ich bisher auf meiner Kiste hatte.
Daher muss ich meine Empfehlung mit dieser Version etwas nach oben schrauben.
Und spätestens im Juni soll ja dann die Version 2.x kommen bei der dann alles funktioniert.....
Bin gespannt. Doch trotz der ganzen Probleme stehe ich voll hinter meinem pT
Schlusswort
Wie gesagt richtig was für Technikjunkies, die es nicht lassen können ständig rumzuprobieren was denn alles so geht.
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