Sony Motorhead Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Schön aber nervig
ein Testbericht von Yasmeen2004-10-19 14:13:32vom 19.10.2004Empfehlung: nein
Vorteile: Flüssige, nett anzuschauende Grafik, gute Begleitmelodien, Kamera und Steuerung sind auch okay, hohes Spieltempo
...Nachteile/Kritik: Witzlose Hindernisse mitten auf der Rennstrecke, extrem unfaire Computerfahrer, die zudem nie Fehler machen, unrealistische Überholmanöver, viel Frustration
Nun erzähle ich Euch von einem der zahlreichen Rennspiele in unserer Rennspielsammlung, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass selbst vielen Playstationbesitzern der Name „Motorhead“ nur sehr wenig sagen wird, zumindest was den Bezug zu einem Videospiel angeht. Fast schon unbemerkt erschien Motorhead im Jahr 1999 für die Sony Playstation, was aber generell nicht heißen muss, dass es sich um einen minderwertigen Titel handeln muss. Ob es sich möglicherweise hierbei um einen echten Geheimtipp oder doch vielmehr um eine Rennspiel handelt, welches zurecht kurz nach seinem Erscheinen wieder in der Versenkung verschwand, erfahrt Ihr jetzt. Fans von Rennsimulationen sei allerdings gleich zu Beginn gesagt, dass es sich bei diesem Spiel um ein Rennspiel handelt, welches es mit der Realität nicht ganz so genau zu nehmen scheint, im Gegensatz zu „ernsthaften“ Rennsimulationen haben wir es hier nämlich mit einem sogenannten „Arcade-Racer“ zu tun, welche sich in der Regel dadurch auszeichnen, dass Bremsen eher verpönt ist, Gas geben bis zum Abwinken ist hier deutlich eher gefragt, denn der Actionanteil steht eindeutig im Vordergrund.
Allen Fans von Videospielen, die einfach nur mal den Fernseher einschalten und sofort Drauflosrasen möchten, wird dies allerdings zunächst einmal gefallen, denn ruckzuck befindet Ihr Euch in Motorhead auf einer der insgesamt acht verschiedenen Rennstrecken wieder. Bei den jeweiligen Strecken handelt es sich ausnahmslos um Autobahnen, demzufolge wird das ganze Spiel über auf Asphalt um die Wette gerast. Das Spieltempo ist jedenfalls extrem hoch, es wird auch kein besonderes Gewicht auf spezifische Eigenschaften der Rennautos was Straßenlage, Kurvenverhalten, Lenkung und Bremsen angeht, gelegt, hier soll sich einfach nur (wenn überhaupt) schnell angeschnallt und losgedüst werden. Ob bei Tag oder in der tiefen Nacht, es kommt in erster Linie darauf an, wie gut Euer Reaktionsvermögen ist, wie gut Ihr nämlich in der Lage seid, der in Windeseile heranrauschenden Streckenführung folgen zu können. Blitzschnell müsst Ihr erkennen, um was für eine Art von Kurve es sich in wenigen Augenblicken handeln wird, um dementsprechend noch gerade rechtzeitig einlenken zu können. Sollte es sich dann um eine besonders schwierige Schikane handeln, bleibt Euch ausnahmsweise einmal nichts anderes übrig, als „tatsächlich“ einmal vom Gas zu gehen.
Im gesamten Spiel stehen nicht nur die schon erwähnten acht Strecken sondern auch insgesamt zehn verschiedene Rennwagen zur Auswahl. Allerdings sind diese nicht von Anfang an anwählbar, denn nur durch Eure guten Leistungen könnt Ihr diese aktivieren und in diesen dann die Jagd auf neue Bestzeiten fortsetzen. Das Kernstück von „Motorhead“ ist der Liga-Modus, in welchem Ihr Euer Können erst einmal durch konstant gute Ergebnisse unter Beweis stellen müsst. Die Euch gestellten Aufgaben zu bewältigen, ist dann nicht ganz so leicht wie es sich vielleicht zunächst anhören mag, denn es stellen sich Euch zahlreiche Hindernisse in den Weg. Beispielsweise gibt es nicht nur die schon kurz erwähnten tückischen Schikanen, sondern auch gemeine Verkehrsinseln und sogar ganze Parkhäuser, die mitten auf der Strecke platziert sind. Spätestens jetzt dürfte auch dem letzten Spieler klar geworden sein, dass Motorhead es mit dem Realismus nicht ganz so genau zu nehmen scheint. Denn
dieses Rennspiel ist mehr eine Art Funspiel, einem Genre, welchem ich ja besonders viel abgewinnen kann und was auch eigentlich der Grund dafür wahr, wieso ich mich einige Zeit lang mit ihm beschäftigte. Doch sind diesem „Fun“ auch einige Grenzen gesetzt, denn nicht nur die Hindernisse, sondern zusätzlich sehr hartnäckige Computerfahrer machen Euch das Leben gehörig schwer. Solange dies aber noch halbwegs ohne unfaire Passagen vor sich geht, will ich ja gar nicht meckern, doch leider gibt es in diesem Spiel sehr wohl häufig Anlass, sich enorm zu ärgern, womit ich nun auch zu den Schwachpunkten des Spiels kommen möchte.
Ich habe zwar grundsätzlich nichts gegen einen höheren Schwierigkeitsgrad und sich intelligent verhaltende Gegner, ganz im Gegenteil, zu leichte Spiele langweilen mich doch schon nach kurzer Zeit sehr, doch hier in „Motorhead“ ist der Schwierigkeitsgrad einfach nicht ausgewogen, es passieren gerade durch die utopischen Hindernisse viel zu viele ärgerliche Dreher, wobei ich die Schuld oft gar nicht bei mir suchen musste, was das Ganze ja im Grunde noch viel schlimmer macht. Dass ich nur bei der kleinsten Berührung mit einem Hindernis mich drehte und wertvolle Sekunden verlor, ist ja noch die eigentlich genau richtige Strafe, doch wie sieht es mit den Computerfahrern aus? Streng genommen dominierte ich nach zwei, drei Stunden meistens das gesamte Feld völlig, fuhr die Konkurrenz sozusagen „in Grund und Boden“, doch ereignet sich auch nur ein einziger dieser unerfreulichen Dreher saust nicht nur ein Auto, sondern es sausen meistens gleich alle Autos an mir vorbei und ich war auf einmal Letzte. Fehler scheinen sämtliche Computerfahrer nämlich nie zu machen und genau das tötet auf lange Sicht hin jeden Spielspass. Was das Ganze aber noch viel schwieriger und unfairer macht ist die Tatsache, dass wir erst mehrere Rennen hintereinander erfolgreich bestritten und eine neue Liga erschlossen haben müssen, bevor wir überhaupt die Möglichkeit bekommen, abzuspeichern. Dies sorgte dafür, dass die ganze Mühe der vorherigen 30 Minuten oft wegen nur eines einzigen, maximal wegen zweier Fahrfehler umsonst war, denn „selbstverständlich“ saust das gesamte Feld wieder einmal an uns vorbei, na toll. Noch „toller“ ist dabei sogar, dass ich selbst mit einem superschnellen Auto, welches dem Fahrerfeld eigentlich überlegen ist, trotz Vollgas auf der Geraden überholt werden konnte, wie ist das möglich? Eigentlich gar nicht und daher in meinen Augen eine große Schlamperei der Entwickler. Dass wir kurz den Rückspiegel einblenden und gegebenenfalls blocken können und auch auf die Kartenübersicht schauen können, ist dann zwar nett gemeint, hilft mir aber aufgrund des konstant rasanten Tempos kaum weiter, denn so wahnsinnig viel Zeit, meine Blicke abseits der Strecke richten zu können, hatte ich eigentlich nie. Das Resultat ist dann gewaltiger Frust und das nicht zu wenig.
Ein ganz schwacher Trost ist da zumindest, dass die bunte Grafik so gut wie nie in die Knie geht, trotz des enormen Spieltempos. Auch wenn mehrere Autos gleichzeitig Euren Bildschirm bevölkern, könnt Ihr eigentlich nicht etwas Störendes wie ein Flimmern oder Ruckeln ausmachen. Die Grafik bleibt stets flüssig, die Autos sehen für damalige Verhältnisse gar nicht einmal so grob und kantig gezeichnet aus und auch die Hintergründe sind zwar nicht mit besonders vielen Details versehen, dafür sind sie aber auch generell sehr farbenfroh gestaltet und fast immer nett anzuschauen. Und selbst der Soundtrack stellte da keine Enttäuschung dar, denn die Rhythmen hören sich auch nach längerer Zeit gut an, doch möchte ich jetzt gar nicht mehr weiter im Detail auf die Präsentation eingehen, da diese das Gesamturteil nicht mehr besonders positiv beeinflussen kann.
So bleibt unter dem Strich ein grundsätzlich zwar nett anzuschauendes und wirklich sehr schön präsentiertes actionreiches Raserspiel, welches vergleichsweise wenig Schwächen aufweist, aber dort, wo es dann gravierende Fehler hat, den Spielspass ins Bodenlose befördert und für sehr viele frustrierende Momente sorgt. Weder über die Grafik und den Sound noch über Kamera und Steuerung und auch nicht über den eigentlichen Spielverlauf, was den Liga-Modus und die freizuspielenden Strecken und Autos angeht, kann ich mich beschweren. Aber die absolut blödsinnigen Hindernisse auf der Rennstrecke (welche wohl innovativ wirken sollten) und die total unfairen Computerfahrer, die niemals aber auch wirklich niemals Fehler zu machen scheinen, machen alles kaputt. Aber auch wirklich alles. Denn was nützt mir das schönste Rennspiel, wenn ich im Grunde mich gar nicht anzustrengen brauche, da früher oder später bei nur einem einzigen Fehler (wenn überhaupt) alle CPU-Fahrer „lustig“ an mir vorbeiziehen. Wenn ich dann noch selbst bei fehlerlosem Fahren mit Vollgas auf der Geraden mit der mit Abstand leistungsstärksten Maschine noch überholt werde, ist dies dann im Grunde das „Sahnestückchen“, im negativen Sinne, versteht sich. Eine Kaufempfehlung kann ich mir daher „noch so gerade eben“ verkneifen.
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Produktbeschreibung Sony Motorhead
Allgemeine Informationen Sony Motorhead
gelistet seit: 19.10.2004
Hersteller: Sony, www.sony.de weitere Sony PS1 SpieleBewertung durch unsere Mitglieder