Splatter Punk - Paul M. Sammon Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Horror der extremen Sorte
ein Testbericht von Wuschel_F2005-05-11 19:31:00vom 11.05.2005Empfehlung: ja
Vorteile: nette Geschichten, unterhaltsam...Nachteile/Kritik: für manche vielleicht zu krass
Eine Vorwarnung gleich zu Beginn: Minderjährige und zartbesaitete Personen sollten gleich vorneweg die Finger von diesem Buch und am besten auch von diesem Bericht lassen, denn es wird mir wohl nicht vollständig gelingen, alles, was in diesem Buch geschrieben steht, auf ein vollkommen jugendfreies Maß zu verharmlosen.
Es geht um die Kurzgeschichten Sammlung von Paul M. Sammon mit dem Titel „Splatterpunk“. Gekostet hat mich das Buch bei amazon ca. 4-5€, weiß ich nicht mehr so genau…
WAS IST SPLATTERPUNK?
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„Splatterpunk bricht alle Regeln.
Splatterpunk verletzt alle Tabus.
Splatterpunk ist Horror aus dem Untergrund.
Splatterpunk von „American Psycho“ bis zu „Das Schweigen der Lämmer“.
So lautet der Aufdruck auf der Rückseite des Buches. Was soll man sich jetzt genau darunter vorstellen? Ich möchte versuchen, diese paar Zeilen, die ja doch schon einiges aussagen über diese relativ neue Stilrichtung etwas näher erklären.
Der Begriff „Splatterpunk“ oder „S-Punk“ an sich kam das erste Mal 1986 auf, erfunden wurde es von David J. Schow auf einer Party im Anschluss an eine Podiumsdiskussion zum Thema „Stiller kontra expliziter Horror“. Wobei Splatterpunk aber weder eine Stilbewegung ist, noch eine Schublade, in die man bestimmte Autoren stecken sollte. Es gibt wohl keinen Autor, der ausschließlich S-Punk ist.
Als Erklärung des Begriffs an sich könnte man folgendermaßen vorgehen: zuerst müssen sämtliche Grenzen der modernen Literatur überschritten werden, sämtliche Regeln gebrochen werden und sämtliche Tabus verletzt werden, dann ist man an dem Punkt, an dem Splatterpunk beginnt. Dann nimmt man eine ordentliche Prise Schockeffekte, Gewalt, Sex und Rock´n´Roll, schreibt völlig subjektiv und unverblümt was andere nicht einmal zu denken wagen. Aber das alleine ist es nicht! Nicht so trivial… S-Punk beinhaltet auch immer eine Portion Gesellschaftskritik und eben diese Kritik, auf solch schonungslose Weise präsentiert ist es, was Splatterpunk ausmacht.
Die 3 wichtigsten Einflüsse auf den Splatterpunk stellen die Splatterfilme, der Punkrock und Pornofilme dar – eine extreme Mischung mit der sicherlich nicht jeder etwas anfangen kann.
Splatterpunk ist auch nicht eine Richtung, die sich allein auf die Literatur beschränkt sondern auch im Film gibt es Werke, die man in dieses Genre einordnen kann.
Als wichtigster Vertreter des S-Punks sei natürlich Clive Barker mit seinen „Büchern des Blutes“ genannt, aber auch Autoren wie John Skipp, Craig Spector, Rex Miller, Robert McCammon, Robert Bloch, Nancy A. Collins…
DAS BUCH
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Es handelt sich hier bei um den ersten Teil einer (bislang) 3-teiligen Reihe mit Kurzgeschichten, die man in den Bereich des Splatterpunks einordnen kann. Ich werde deshalb auf jede Geschichte einzeln eingehen um einen kleinen Einblick in das Buch zu vermitteln. Nach einem kurzen Vorwort des Autors (das einen schonungslos drauf einstimmt, was einen hier erwartet) geht es auch schon los mit der ersten Kurzgeschichte, d. h. vor jeder Geschichte erhält man eine kurze Beschreibung des jeweiligen Autors und warum er eben in diese Sammlung aufgenommen wurde mit seiner folgenden Geschichte…
• DIE NACHT IN DER SIE DEN HORRORFILM VERPASSTEN – Joe R. Lansdale
STORY:
Leonard und Stinky sind zwei Teenager, die nicht wissen, was sie anstellen sollen. Eigentlich wollten sie ins Autokino aber nachdem sie Rassistisch veranlagt sind und in „Night of the living dead“
ein Schwarzer die Hauptrolle spielt, wurde dieser Plan abgeblasen. Dann finden sie auf der Strasse einen toten Hund und beschließen ihn an die Stoßstange ihres Wagens zu binden und mit ihm durch die Gegend zu fahren. Nach ner Weile Fahrt sehen sie, wie eine Gruppe Spieler einer Gegnerischen Football-Mannschaft einen Schwarzen drangsalieren, den sie als Scott, einen Spieler ihrer Mannschaft identifizieren können. Eigentlich wäre es ihnen ja egal, wenn ihm was zustößt, aber er ist nun mal ein sehr guter Spieler, also retten sie ihn, hängen die Verfolger der anderen Mannschaft ab und stoßen letztendlich sogar mit ihm drauf an. Dabei werden sie von einer Gruppe fetter, perverser Typen entdeckt, die sie zur Rede stellen, was sie mit dem „Nigger“ machen. Scott wird von denen erschossen und Stinky und Leonard sollen mitfahren und die Leiche im Fluss beseitigen. Am Wasser entdecken die Perversen allerdings den Hund an der Stoßstange und sind entsetzt, wie man so was dem „besten Freund des Menschen“ antun kann, sie glauben auch nicht, dass der Hund schon tot war und deswegen müssen Stinky und Leonard auch bestraft werden…
MEINE MEINUNG:
Hui, fängt wirklich schon tierisch krass an das Buch! Ich muss sagen, dass ich das Ganze jetzt so harmlos wie möglich wiedergegeben habe, falls hier Minderjährige lesen. Im Buch sind die Formulierungen und Ausdrücke weitaus heftiger und daher sicher nichts für zartbesaitete.
Die Geschichte an sich ist trotz, oder gerade wegen ihrer Härte sehr aufrüttelnd und regt zum Nachdenken an. Auf was für kranke Ideen kommen manche Teenager? Gibt es Menschen, denen das Leben eines anderen Menschen wirklich so wenig wert ist? Sind Schwarze weniger wertvolle Menschen als Weiße oder anders gefragt, gibt es wirklich noch solche Idioten, die das ernsthaft und aus Überzeugung glauben? – Letzteres vermutlich leider ja und gerade deswegen soll die Geschichte wachrütteln und mit aller Härte da treffen, wo es weh tut. Meiner Meinung nach sehr gut gemacht die Geschichte!
ZUM AUTOR:
Joe R. Landsdale (* 28.10.1951, Gladewater, Texas) ist sehr vielseitig, von Kriminalliteratur über Fantasy, Horror, Abenteuerromane, bis Western ist alles drin. Er hat über 200 Kurzgeschichten geschrieben, 4 Drehbücher fürs Fernsehen und 3 Drehbücher fürs Kino.
Bücher von ihm sind z.B.:
- Akt der Liebe
- Nightrunners
- Drive-in
- Texas Blues
- Mambo mit zwei Bären
• FLEISCHLIEFERUNG UM MITTERNACHT – Clive Barker
STORY:
In dieser Geschichte geht es um Leon Kaufman, der nach New York kam, weil er dachte, dass es die beste Stadt der Welt sei. Schnell hatte er gemerkt, dass eher das Gegenteil der Fall war. In der Zeitung liest er immer wieder von einer neuen, äußerst brutalen Mordserie. Jedesmal sind die Opfer nackt, völlig rasiert am ganzen Körper, die Kleider ordentlich zusammengelegt und die Opfer aufgeschlitzt und zum ausbluten in einer U-Bahn aufgehängt. Bei der Heimfahrt in der U-Bahn sitzt allerdings dummerweise Mahogany, „der Metzger“ im nächsten Abteil und da Kaufman eingeschlafen war, merkt er das erst, als es fast zu spät ist. Er kann sich allerdings unter einer Sitzbank verstecken als Mahogany in sein Abteil kommt und zu seiner Verwirrung in die Kabine des Fahrers tritt und gemütlich mit diesem plaudert. Kaufmans einziger Ausweg führt durch die Schlachtkammer im anderen Abteil, wo mehrere Leichen aufgehängt sind. Allerdings wird er entdeckt, kann aber den Metzger überrumpeln und töten. Nun ist der Zug aber an seinem Ziel angekommen, ein verlassener Bahnhof, an dem sich plötzlich eklige Mutanten in den Zug begeben und die Leichen verschlingen. Sie stellen sich selbst als die Gründerväter New Yorks vor, die nur überleben können Dank der täglichen Fleischlieferungen und da Mahogany tot ist muss Kaufman dessen Part nun übernehmen…
MEINE MEINUNG:
Ebenfalls wieder ziemlich heftig, aber deswegen sind diese Geschichten ja unter dem Titel „Splatterpunk“ zusammengefasst. Der Gedanke, dass eklige Mutanten im New Yorker Untergrund hausen ist ja an sich nicht neu und nicht wirklich seltsam, aber dass das die Gründerväter sein sollen? Sehr utopisch und berührt mich deshalb nicht ganz so sehr, wie die erste Geschichte, aber sehr gut geschrieben und auch sehr bildhaft, also man kann sich das Ganze doch sehr gut und lebhaft vorstellen als Horrorfilmfreak ;-) Stellenweise auch sehr spannend!
ZUM AUTOR:
Clive Barker (* 1952, Liverpool) hat bereits als Kind mit dem Schreiben begonnen, er studierte Literatur und Philosophie. Richtig bekannt wurde er allerdings erst durch seine „Bücher des Blutes“. Neben seinen schriftstellerischen Tätigkeiten ist er auch als Illustrator, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent tätig. Inzwischen lebt er in Los Angeles.
Bücher von ihm sind z.B.:
- Bücher des Blutes (6 Bände)
- Galileo
- Imagica
- Spiel des Verderbens
- Jenseits des Bösen
• FILMTEAM UM ELF – John Skipp
STORY:
Dotti und Dale sind ein Drogensüchtiges, heruntergekommenes Pärchen. Dale verprügelt Dotti ständig aufs heftigste, aber sie traut sich nicht von ihm loszureißen, weil sie Angst hat, dass er ihrer kleinen Tochter, die bei ihnen wohnt, ebenfalls etwas antun könnte. Immer wieder schreibt sie Briefe an Oprah Winfrey und schildert ihr, ihre Sorgen, allerdings ist sie auch nicht mutig genug, auch nur einen Brief abzuschicken. Allerdings plant sie eines Tages einen „Ausbruch“. Ihre Tochter hat sie in Sicherheit gebracht, Dale schläft noch, weil er unter Drogen steht. Sie verteilt Benzin in der Wohnung und zündet es an. Dann ruft sie das Filmteam von Channel 8 und wartet an der Tür. Sie will unbedingt ins Fernsehen. Dale ist in der Zwischenzeit aufgewacht, entsetzt, was sie getan hat, aus Wut übergießt er sie mit Benzin und stößt sie in die Flammen, sie rennt als brennende Fackel rum…Das Fernsehteam trifft ein und filmt alles. Dale spricht noch in die Kamera, dass er ein Star ist und schießt in die Kamera…
MEINE MEINUNG:
Fand ich jetzt von der Geschichte her nicht so gut und auch etwas verwirrend, aber die Aussage der Geschichte und wie das Ganze aufgebaut ist, fand ich doch gut gemacht und interessant. Die Briefe an Oprah unterbrechen nämlich immer das Geschehen und darunter steht jeweils: Als Beweisstück A (B, C) zu werten, d. h. man ahnt bereits, dass irgendjemandem der Prozess gemacht wird und eben noch etwas geschehen wird, was einen Prozess hervorruft…
ZUM AUTOR:
John Skipp ist eigentlich immer in einem Atemzug mit Craig Spector zu nennen. Sie werden auch „the boys“ genannt. Ich hab zwar noch nie kapiert, wie man als Autorenduo Bücher schreiben kann, aber die beiden schaffen es ;-)
Bücher von ihnen sind z.B.:
- Light at the end (Das Licht im Abgrund)
- Book of the dead
- The Cleanup (Das große Saubermachen)
- The Sceam
• ROT – Richard Christian Matheson
STORY:
Ein Mann läuft eine Straße entlang und sammelt etwas ein, scheinbar etwas sehr grausiges denn es wird ihm schlecht dabei, er muss würgen etc. er wundert sich, wie er solange Fahren konnte ohne es zu bemerken. Man erfährt, dass die Polizei ihm extra Zeit gegeben hat um die Teile aufzusammeln. Andere Autofahrer hupen schon sauer… um was es sich genau handelt verrate ich nicht, denn die Story lebt von der Spannung und dem überraschenden Schockeffekt am Ende.
MEINE MEINUNG:
Achtung: wer die Story wirklich lesen will, meine Meinung nicht lesen denn es geht nicht ohne zu verraten worum es geht, sonst müsste ich meine Meinung zu der Geschichte gar nicht kundtun. Also Achtung, nun kommt die Auflösung der Geschichte:
Am Anfang fragt man sich: Was sammelt der Mann da? Gut, es ist schwül und die Arbeit scheint ihm schwer zu fallen. Das Ganze steigert sich immer mehr und scheinbar beiläufig erfährt man durch ein Gespräch von Passanten, dass sich seine kleine Tochter mit dem Dreirad in der Stoßstange verfangen hatte und er es nicht bemerkt hatte…Schock! Eine Geschichte, die schockt, gerade, weil sie so realistisch ist. Von derartigen Unfällen list man immer wieder in der Zeitung aber natürlich vorsichtig umschrieben und man liest eher drüber hinweg. Wenn man das Ganze aber quasi aus der Sicht des Vaters liest, der noch unter Schock steht und alle Überreste einsammeln will, dann wird einem die ganze Tragik eines solchen Unfalls plötzlich deutlicher als man es gerne hätte und man spürt am Ende einen dicken Kloß im Hals…
ZUM AUTOR:
Richard Christian Matheson (* 14.10.1953, Santa Monica, Kalifornien) hat mehr als 500 Folgen für Fernsehserien geschrieben, er ist einer der führenden Drehbuchautoren Hollywoods und er hat viele Kurzgeschichten geschrieben und trommelt in der Rockband „The Existers“. Er lebt zur Zeit in Malibu.
Zu seinen Roman gehört z. B.: „Created By“
• EIN LEBEN FÜRS KINO – Mick Garris
STORY:
Ein gescheiterter Filmregisseur entdeckt auf einem Markt eine Slumbewohnerin mit einem Baby in einem Körbchen. Etwas an dem Baby ist jedoch seltsam und der Regisseur muss es einfach näher betrachten. Schließlich darf er es sogar auf den Arm nehmen und ist überwältigt. Ein Monsterbaby, schleimig, schwarz und mit glitschig-ledriger Haut. Als er sich wieder umschaut ist die Mexikanerin aus den Slums verschwunden. Er behält das Baby und wittert seine große Chance mit ihm wieder groß ins Filmgeschäft einzusteigen. Alles läuft hervorragend. Jedoch beim ersten Drehtag, der Geburtszene, wird das Baby vom Kameralicht geblendet, zur selben Zeit kommen Beauftragte vom Jugendschutz und finden nur ein verkrüppeltes lebloses Ding, das sie für eine Puppe halten. Der Regisseur ist tot unglücklich, weil sein Monsterbaby tot ist. Er nimmt es jedoch mit, weil er nach dem Modell eine Puppe anfertigen lassen muss. Das Baby erwacht allerdings wieder zum leben und er muss feststellen, dass es sich von seinen Ausscheidungen (jeglicher Art) ernährt und egal wie oft er es tötet, es kommt immer wieder zu ihm zurück….
MEINE MEINUNG:
Interessant geschrieben, tolle Ekeleffekte! Erst hat man ja richtig Mitleid mit dem armen Mutantenbaby aber ab seiner ersten Wiederauferstehung ist man wirklich angewidert von diesem Wesen. Wirklich genial gemacht! Und, wie immer natürlich nicht Kritiklos. Harsche Kritik an skrupellosen Filmemachern, die vor nichts zurückschrecken. In der Geschichte rächt sich das Opfer allerdings ;-)
ZUM AUTOR:
Mick Garris (* 4.12.1951, Santa Monica, Kalifornien)
Er hatte eine Rolle als Zombie in Michael Jacksons “Thriller”-Video ;-)
Regie führte er z. B. bei „Critters 2“ oder „Psycho 4“, er hat das Drehbuch zu „The Fly 2“ geschrieben.
• NICHT GANZ EIN ZOMBIE – Douglas E. Winter
STORY:
Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher in Los Angeles. Skip, DJ, Deb, Jane und der ich-Erzähler namens Bret vergeuden ihre Zeit mit Drogen, Sex und schmutzigen Filmen. Nachdem sie in einem Szene-Club einen Snuff-Film angesehen haben fahren sie weiter. Plötzlich schubst Skip Jane zur Türe raus. Er sticht mit einem Messer auf sie ein, die anderen steigen auch aus und schauen nur zu, irgendwann machen sie mit, alle treten auf sie ein und misshandeln sie. Jane rührt sich kaum, alles scheint so unecht, selbst die Farbe des Blutes und dann sitzen alle am Straßenrand und Deb fragt wann Jane denn nun wieder aufsteht…
MEINE MEINUNG:
Eine wahnsinnig krasse Darstellung von Gewalt und Abgestumpftheit. Jugendliche, die durch Drogen den Verlust zur Realität verloren haben. Angestachelt durch Gewaltfilme wollen sie das gleiche auch probieren und wissen bald nicht mehr, was echt und was Film ist. Dieses Verwirrspiel wird auch sehr schön verdeutlicht durch die Aussagen der Jugendlichen. Umrandet ist die Geschichte sehr gut von einem Satz, den einer der Jugendlichen aufbringt: „Die Menschen fürchten sich vor dem Leben in den Strassen von Los Angeles“ – in Verbindung mit der Geschichte hat dieser Satz eine enorme Wirkung. Am Anfang fragt man sich: Was soll dieser Satz? Als man ihn am Ende noch mal liest weiß man, was er soll….
ZUM AUTOR:
Douglas E. Winter (* 30.10.1950, St. Louis, Missouri) ist Teilhaber der Anwaltskanzlei Bryan Cave LLP. Er hat viele kritische Schriften zu Literatur und Film verfasst, dazu noch eine Reihe Kurzgeschichten. Er lebt in Oakton, Virginia.
Zu seinen Werken gehören: „Stephen King: The Art of Darkness“, „Face of Fear“ oder „Prime Evil“
• SCHNELLVERKEHR – Wayne Allen Sallee
STORY:
David Cassady beobachtet aus einem Versteck den Mord an einer Frau. Das heißt alles läuft vor seinem Auge fast wie in Zeitlupe ab, er ist sogar fasziniert davon, dann reißt er sich doch los davon und es wird ihm klar, dass er die Frau noch retten kann, wenn er nur schnell handelt. Vorsichtig schleicht er rückwärts zu einem Telefon, wählt den Notruf, sieht aber im selben Moment, dass es schon zu spät ist. Er fährt nach Hause, ist geschockt, sieht Menschen, die an der Tat mit der U-Bahn vorbei gefahren sind und nichts bemerkt haben, sieht wie abgestumpft alle sind. Zuhause kann er nichts tun als aus dem Fenster starren. Er kann nicht mehr schlafen, sieht immer wieder die Frau…
MEINE MEINUNG:
Auch Cassady ist einer der abgestumpften Typen, sensationslustig und fasziniert vor der Gewalt, die er life erlebt. Irgendwann macht es jedoch bei ihm *klick*, er merkt, was sich da wirklich abspielt, aber zu spät um Hilfe zuholen. Sein eigenes Versagen lässt ihn Verzweifeln. Er ist angewidert von all den anderen, die genauso wie er zuvor mit verschlossenen Augen durch die Welt laufen. Lüstern nach den Sensationsmeldungen der Zeitungen, aber die Gewalt, die sich vor ihren Augen abspielt registrieren sie nicht. Seitdem plagen ihn Alpträume und er wagt es kaum mehr die Augen zu zu machen. Ich glaube es würde jedem in einer ähnlichen Situation genauso gehen.
ZUM AUTOR:
Wayne Allen Sallee hat über 700 Gedichte und 70 Kurzgeschichten verfasst. Er lebt in Chicago.
• ALS SIE BEIM EINKAUFEN WAR – Edward Bryant
STORY:
Della ist Mutter von Zwillingen. Mit deren Vater versteht sie sich leider nicht mehr besonders gut, will ihn aber wegen der Kinder nicht verlassen. Öfter hatte sie geträumt durchzubrennen, etwas ganz verrücktes zu tun, aber immer nahm sie Rücksicht auf die Kinder. Um wieder Mal ihrem Mann aus dem Weg zu gehen macht sie sich kurz vor Weihnachten am Abend auf um Geschenke zu kaufen. Am Parkplatz steht ein Wagen über 2 Plätze, weshalb sie erst ganz weit hinten einen Parkplatz bekommt. Sie ist sauer und hängt dem Fahrer einen „netten“ Brief an die Scheibenwischer um ihren Frust abzubauen. Ein schwerer Fehler wie sich herausstellt. Als sie wegfahren will, steht plötzlich eben dieser Wagen mit Fernlicht hinter ihr und versperrt den Weg, 4 Jugendliche bedrohen sie mit einer Waffe und beweisen, dass sie es ernst meinen, indem sie einen zu Hilfe kommenden Kaufhauspolizisten abschießen. Della gelingt es zu flüchten, aber die Jugendlichen verfolgen sie. Sie gelangt auf einen Feldweg zu einem Wald, flüchtet mit ihrem Wergzeugkoffer in den Wald und erledigt so nacheinander die Jugendlichen, dann fährt sie heim…
MEINE MEINUNG:
Da sieht, man was passieren kann, wenn man rücksichtslosen Falschparkern beleidigende Zettel an die Scheibenwischer klemmt ;-) Sehr gut geschrieben und überraschend, weil man wirklich nicht damit rechnet, dass Della so wehrhaft ist und ihre Verfolger ausschalten kann. Das krasseste ist ja, dass sie anschließend heim fährt als wäre nichts gewesen. Sie hat sich sogar zuvor gereinigt, aber alle Spuren konnte sie nicht beseitigen und auch der Wagen hat drunter gelitten. Das Ende ist offen, man hört allerdings Polizeisirenen, Della meint sie hätten sie bereits gefunden, aber die Sirenen fahren vorbei…gut gemacht finde ich die Geschichte!
ZUM AUTOR:
Edward Bryant ist eigentlich ein Sience-Fiction Autor. Bisher hat er 9 Romane und 100e von Kurzgeschichten verfasst.
NACHWORT: OUTLAWS UND KETZER
Das Nachwort ist in mehrere Abschnitte gegliedert. Paul M. Sammon schreibt über sich selbst, über Splatterpunk und seine Entstehung. Im Grunde das, was ich oben kurz zusammengefasst habe und eigentlich widerspricht sich der Autor einwenig, wenn er sagt, dass eine gewisse Stilrichtung dadurch getötet wird, dass man sie in eine Schublade quetscht und sie so lange breittritt und drüber philosophiert, bis es im Grunde keinen mehr interessiert. Aber genau das macht er fast selbst wenn seine Ausführungen fast länger werden als die eigentlichen Geschichten. Interessant sind die Erklärungen natürlich trotzdem, aber für meinen Geschmack einfach zu lang. In einem Geschichtenband erwarte ich eben auch Geschichten und wenn ich eine ausführliche Abhandlung über die Frage „Was ist Splatterpunk“ haben will, dann nicht mit in diesem Band (oder zumindest nur kurz) sondern als Extralektüre, die sich nur auf die Theorie beschränkt. Vielleicht sind andere da anderer Ansicht und ich weiß auch nicht, ob es in den anderen 2 Bänden der Reihe auch so lange Abhandlungen gibt, aber hier war es einfach eine Spur zuviel.
Natürlich können die anschließenden Erklärungen, der einzelnen Autoren, die man irgendwie in dieses Genre packen könnte sehr interessant sein aber ich hätte ehrlichgesagt lieber noch ein paar Geschichten mehr gelesen, als Seitenweise Abhandlungen über diverse Autoren.
PRODUKTINFOS
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OT: Splatterpunks
Verlag: Heyne
Jahr: Deutsche Ausgabe 1992
ISBN: 3-453-05626-4
Seitenzahl: 330 Seiten (wobei die Geschichten selbst nur ca. 200 Seiten umfassen, der Rest sind Beschreibungen der Autoren und Erklärungen des Autors zum Thema „Splatterpunk“ und was dahinter steckt)
GESAMTEINDRUCK
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Also die Kurzgeschichten an sich haben mich stark beeindruckt und waren genauso, wie ich es mir vorgestellt habe, als ich den Titel des Buchs zum erstenmal sah. Schonungsloser Horror, der wirklich an die Eingeweide geht. Hier wird wahrlich nicht zu viel versprochen. Leider wird das ganze drum herum von Paul M. Sammon doch ziemlich breitgekaut und man ist geneigt das Ganze einfach zu überblättern (hätte ich vermutlich auch getan, wenn ich nicht dazu auch ein paar Zeilen hier verlieren wollte). Im Großen und Ganzen aber eine Kurzgeschichtensammlung, die Lust auf mehr macht und ich werde mir daher sicher demnächst die anderen beiden Bände auch noch zulegen.