Stadtmuseum München Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Schon vor 150 Jahren gab es Voyeure..
ein Testbericht von Travelwriter2003-07-21 17:45:53vom 21.07.2003Empfehlung: ja
Vorteile: Beeindruckende Einblicke in vergangene Zeiten...Nachteile/Kritik: Nach über 70 Berichten fällt mir erstmals hier nix ein
Manche Dinge entwickeln sich nicht so, wie man sie geplant hat. Eigentlich wollte ich im Jahre 2003 das Stadtmuseum von München besuchen und landete im Wien des Jahres 1850. Konkret stieß ich im Museum auf eine sehr interessante Fotoausstellung mit Bildern des alten Wiens.
LAGE
Die Ausstellung befand sich im Stadtmuseum von München am St.-Jakobs-Platz 1. Vom Hauptbahnhof aus erreichte ich es, indem ich mit der U-Bahn bis Marienplatz fuhr und von dort über den Viktualienmarkt in Richtung St.-Jakobs-Platz spazierte.
PARKEN
Extra Parkplätze entdeckte ich als Fußgeher nicht. Im Gegenteil, durch eine große Baustelle vor dem Museum erschien mir die Parkplatzlage dort eher angespannt.
EINTRITT
Für mich betrug der Eintritt 2,50 Euro (Vollpreis). Als Eintrittskarte bekam ich eine kleine Blechmarke. Mit dieser an meiner Hemdtasche angesteckt, konnte ich mich leicht durch das Museum bewegen ohne das ich nach der Eintrittskarte gefragt wurde.
Neben der besprochenen Fotoausstellung hätte ich mit derselben Blechmarke auch das Modemuseum, Puppentheatermuseum, Musikinstrumentenmuseum und die Abteilungen über Schaustellerei , Wohnkultur und Stadtbild München ansehen können. Nicht zu vergessen den berühmten Morisken-Saal.
GARDEROBE/FOTOGRAFIEREN
Die bewachte Garderobe war zwar etwas leicht versteckt, aber ich entdeckte sie trotzdem. Dort konnte ich meinen Rucksack und meinen Fotoapparat kostenlos abgeben. Fotografieren war leider strengstens verboten
AUSSTELLUNG
Die Ausstellung befand sich genau genommen im Fotomuseum, das einen Teil des Stadtmuseums von München bildet.
Was mich als Österreicher freut, ist der Umstand, daß die in München gezeigte Sammlung aus den Schätzen der Wiener Albertina stammt. Laut Angaben der Veranstalter, soll diese Fotosammlung in Deutschland nur in München gezeigt werden, bevor sie wieder nach Wien zurück kehrt.
Die Ausstellung war ich acht Teilen organisiert, wobei jeder Teil sich einem Teilbereich der Fotografie annahm. Es wurden also nicht bloß "alte Fotos" gezeigt, sondern die Fotografie an sich wurde thematisiert, wie ist sie entstanden, was waren die frühen Versuche, wozu wurde sie im Laufe der Zeit verwendet.
Ich muß zugeben, das ich auf die Ausstellung keineswegs vorbereitet war und deshalb nur sehr langsam in das Thema hineinkam. Meine Lust am Schauen und Verstehen steigerte sich dann von Saal zu Saal.
Im ersten Saal wurde ich mit einer Sammlung von Fotos konfrontiert, die an der K.u.K (Kaiserliche und Königliche) Grafische Lehr- und Versuchsanstalt zu Wien angefertigt und gesammelt wurden.
Bei diesen Fotos fiel mir auf, das die damals verwendete Technologie noch gar unausprechliche Bezeichnungen trug (z.b. Daguerreotypie) und das alle Bilder mehr Inszenierungen als Schnappschüsse waren. Zweifellos hat der Fotograf das Objekt seiner Begierde lange hin und her gerückt, bis es voller Stolz auf einer diese Fotoplatten oder einem Salzpapiernegativ verewigt wurde.
Tatsächlich widmet sich ein Teil der Ausstellungen dieser Inszenierungen. Sicher ist uns allen schon aufgefallen, das die Hochzeitsfotos unserer Großeltern so gänzlich anders aussehen als die Fotos von uns selbst? Oder mit welchem Ernst man damals abgelichtet wurde? Heute sollte man auf Fotos lachen, damals war wohl die strenge Miene das einzig Wahre?
An Hand von vielen Fotos konnte ich mir über diese Unterschiede Gedanken machen. Aber schon damals wurde nicht nur inszeniert. In einem eigenen Raum entdeckte ich sogenannte Schnappschüsse, die den Voyeurfotos schon stark nahe kamen. Das meine ich jetzt
nicht so sehr im erotischen Sinne, sondern vielmehr hatten die Fotografen den Ehrgeiz mit versteckten Kameras (!) das Alltagsleben einzufangen.
Eine solche Knopflochkamera aus der Zeit unserer Urgroßväter war auch ausgestellt, wie überhaupt neben dem Foto auch die Kamera in dieser Ausstellung thematisiert wurde. Der Titel der Ausstellung hebt ja auch die Kombination von Auge und Kamera hervor. Allerdings kann ich jetzt nicht behaupten, das ich in der Ausstellung besonders viele Kameras gesehen hätte.
Weil ich gerade vorhin die Erotik erwähnte, natürlich gab es auch erotische Fotos. Allerdings wirkten die Frauen darauf eher wie Göttinnen, den als Vamp oder gar als Luder. Irgendwie sehr fern und auch sehr unwirklich.
Aber lassen wir das genussvolle und gehen wir zum wissenschaftlichen über. Die Fotografie wurde seit jeher auch für das Wissenschaftlich verwendet. Auch dem wurde ein eigenes Thema gewidmet und mit einer Sammlung von Bildern aus den Jahren 1855 bis 1918 untermauert.
Als Spezialgebiet kann man wohl die Fotografie für die kriminalistische Tatbestandsaufnahme bezeichnen. Hier wurde es schon sehr spannend, den ich sah ein Foto von einem Tatort, sowie die Skizzen die aufgrund dieses Fotos angefertigt wurden. Dabei wurden nach einem bestimmten System Linien auf dem Foto aufgetragen, die beim Anfertigen der Skizzen ein Raumverständnis liefern sollten. Das klingt jetzt kompliziert, am besten ihr sehr euch das selbst an.
So richtig begeistert war ich dann aber von den Städteaufnahmen längst vergangener Zeiten. Egal ob es eine Szene in einer amerikanischen Stadt der 50iger Jahre war, oder gar Fotos von der Stadt Wien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Obwohl letzere empfand ich schon als besonderes Zuckerl. Eigentlich "kenne" ich Wien und könnte auf Luftaufnahmen die wichtigsten Punkte der Stadt identifizieren. Auf diesen Fotos war das aber nicht so leicht. Den sie wurden in einer Zeit vor dem großen Ringstraßenbau geschossen. Damals war Wien noch von einer Stadtmauer umgeben, die erst später niedergerissen wurde und durch eine prächtige Ringstraße voller historisierender Gebäude ersetzt wurde.
So kniff ich ich die Augen zusammen und versuchte die Bilder in mein persönliches Stadtbild von Wien einzuordnen. Nun, für mich eine lustiges Appetithäppchen, für Nostalgiker wahrscheinlich ein großes Festessen.
Aber es gab auch Fotos weitab des städtischen Lebens. So entdeckte ich für mich ein wahres Kuriosum. Ein Foto, das versucht die Erdkrümmung darzustellen. Während ich oberhalb das Foto betrachten konnte, wurde unterhalb an Hand von Skizzen dargestellt, wohin genau ich auf dem Foto sehe und woran die Erdkrümmung erkennbar ist. Ehrlich gesagt, ohne Anleitung hätte ich sie nicht erkannt.
Allerdings wer sagt, das man solche Fotos nur vom Flugzeug aus Schießen kann? Ein paar Fotos und Vitrinen zeigten mir, das es früher sogar Fotoraketen gab. Dabei wurde eine Rakete mit einem Fotoapparat in die Luft geschossen, die dann an einem Fallschirm hängend wieder runtersegelte. Das das keine Erfindung unserer Zeit war, zeigten die grimmig blickenden Soldaten auf dem Foto, die diese Fotorakete dienstbeflissen bedienten. Sie trugen alle noch die preußische Pickelhaube!
Ich hoffe, ihr konntet euch nach soviel Fotobeschreibungen ein eigenes Bild von der Ausstellung machen. Zum Abschluß noch ein paar Kleinigkeiten zum Museum selbst.
GASTRONOMIE
Ein Museumscafé gab es im Hof des Museums, das ich aber aus zeitlichen Gründen nicht aufsuchte.
WC/ROLLSTÜHLE
Die Toiletten befanden sich im Erdgeschoß des Museums und waren wie die Garderobe ebenfalls leicht versteckt. Ihren Zustand würde ich als eher veraltet bezeichnen, für Rollstühle gab es keinen eigenen Bereich.
Die Räume befanden sich allesamt in einem Obergeschoß. Eine Lift entdeckte ich nicht, aber vermutlich habe ich diesen übersehen. Die Räume selbst waren rollstuhltauglich.
MUSEUMSSHOP
Der Museumsshop bildete mit der Kassa eine Einheit. Hier hätte ich sehr viele Bücher über die Fotografie kaufen können, die allerdings naturgemäß recht teuer waren. Der Katalog zur Ausstellung enthielt 284 Seiten und wurde um 26 Euro angeboten.
Für mich erwähnenswert waren ein paar sehr große Tische, wo ich mich in Ruhe niederlassen konnte, um in den Ansichtsexemplaren zu blättern.
AUDIOGUIDE
Ein Audioguide wurde nicht angeboten. Stattdessen entdeckte ich im Ausstellungsaal ein paar Blätter, die auf englisch den Inhalt der einzelnen Abschnitte recht gut beschrieben.
RESÜMEE
Ich denke die Ausstellung ist für einen an der Fotografie Interessierten eine tolle Informationsquelle. Wenn man vielleicht so wie ich, auch einen Bezug zu Wien hat, ist sie gerade zu ein Hit. Nirgends sonst habe ich so tolle Bilder vom Wien Mitte des 19. Jahrhunderts gesehen.
KONTAKT/ÖFFNUNGSZEITEN lt. Website
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Tel: 089-233 22370
Fax: 089-233 25033
Dienstag bis Sonntag
10:00 - 18:00 Uhr
Montag geschlossen
Hirmer Mode sprengt Mieder: Silhouttenwechsel. Katalogbuch zur Ausstellung in München, 22.01.2010 - 16.05.2010, Münchner Stadtmuseum
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Edition Minerva, München Die 20er Jahre: Mode - Graphik - Kunstgewerbe. Begleikatalog zur Ausstellung im Stadtmuseum - Modemuseum-München vom 22.04 - 05.03.2006
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Allgemeine Informationen Stadtmuseum München
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Kategorie: Kultur
Typ: Museum