Studium in Krakau
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Studium in Krakau Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

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Studienjahr in Krakau

ein Testbericht von 2002-11-23 17:40:42 vom 23.11.2002
Empfehlung: ja
Heute möchte ich von meinen ( bisherigen ) Erfahrungen mit einem Auslandsjahr während des Studiums erzählen.

Regulär studiere ich Jura und hatte eigentlich von Anfang an vor Auslandserfahrung zu sammeln.
Ich besuchte also diverse Infoveranstaltungen zu diesem Thema und sammelte sämtliche Materialien.
Besonders hilfreich sind dabei immer der Auslandsstudienbeauftragte der jeweiligen Fakultät und das Akademische Auslandsamt der Uni.

Die meisten Universitäten haben ja Partnerschaften in ganz Europa und manchmal bestehen auch Verbindungen einzelner Fakultäten.

Austauschprogramme gibt es ja ganz verschiedene, am bekanntesten dürfte wohl das Sokrates/Erasmus Programm sein, daneben gibt es aber auch noch diverse bilaterale Austauschvereinbarungen.

Ich selbst habe meinen Platz über letzteres bekommen und der Unterschied zu Sokrates/Erasmus ist, dass hier die Studiengebühren übernommen werden und ein Wohnheimplatz von der aufnehmenden Universität gezahlt wird. Bei Sokrates/Erasmus werden ebenfalls die Studiengebühren bezahlt und man bekommt einen bestimmten Betrag ausgezahlt.

Wenn man so etwas plant sollte man sich unbedingt frühzeitig kümmern, ich selbst fand das bei mir alles ein bißchen knapp.

Mein Plan war es also ab dem Wintersemester 02/03 an der Jagiellonen-Universität in Krakau zu studieren.
Da ich die Möglichkeit der bilateralen Austauschvereinbarungen günstiger fand, habe ich mich im Akademischen Auslandsamt der Uni auch direkt dafür beworben.
Hierfür musste man eine Kopie des Abiturzeugnisses, eine Auflistung aller Scheine, ein Gutachten eines Professors, Lebenslauf und eine persönliche Begründung für das Vorhaben abgeben.
Der Stichtag an unserer Uni war der 30. März 02.
Also am Ende des Wintersemesters 01/02, für mich 5. Semester.
Normalerweise wird man dann nach einer bestimmten Zeit zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, wenn es zu viele Bewerber sind.
In meinem Fall entfiel das zum Glück, da nicht mehr Leute nach Krakau wollten als Plätze vorhanden waren.

Die Zusage bekam ich ungefähr Mitte April. Also am Anfang meines 6. Semesters.
Nun musste ich den Platz nur noch annehmen.
Eigentlich hatte ich ja keine Zweifel, meine Scheine hatte ich soweit in der Tasche und ich hatte nur noch die Hürde des großen Öffentlichen Rechts - Scheines vor mir.
Hier war ich mir dann aber da erste Mal gar nicht mehr so sicher, denn da sind ja ganz schön viele Dinge die man mehr oder weniger zurücklässt. Besondere Sorgen habe ich mir um meine 3jährige Beziehung gemacht, dann die Tatsache vor dem Examen einfach für ein Jahr auszusteigen und natürlich die große Frage ob ich den letzten Schein schaffe.

Ich wurde aber von allen in meinem Vorhaben unterstützt und ich habe den Platz schließlich angenommen, denn im Grunde wollte ich es ja auch unbedingt.

Negativ fand ich allerdings die relativ kurze Zeit. Denn im Allgemeinen wird gesagt, man soll ca. 15 Monate vorher anfangen so etwas zu planen.
Meine heiße Planungsphase ging aber erst mit der Zusage los. Probleme könnte es nur mit dem BAföG-Amt geben. Da kommt ein Haufen Papierkram auf einen zu und man sollte seinen Antrag auf AuslandsBAföG ungefähr 6 Monate vorher stellen. Das war bei mir sowieso schon eng bei mir, da ich die Zusage ja erst so spät erhalten habe. Aber es ist alles zu schaffen.
Ganz wichtig ist, dass man sich genau erkundigt welches Amt für welches Land zuständig ist.
Ich kann nur jedem raten, sich die Antragsformulare für`s AuslandsBAföG so früh wie möglich zu holen, denn eh man die komplett hat dauert es eine Weile.

Wichtig ist auch die Frage der Krankenversicherung, dass ist ebenfalls abhängig davon in welches Land man geht und für wie lange etc.
Da kann man sich bei seiner Krankenkasse erkundigen oder auch in der Uni.
Wenn man sich privat versichern muss, sollte man unbedingt mehrere Versicherungen vergleichen auch wenn`s nervt.

Ich hatte dann also mehr oder weniger alles beisammen und mittlerweile auch die Direktzusage der ausländischen Universität bekommen.
Meistens muss man an diese auch nochmal einige Unterlagen hinschicken, Kopien von Scheinen, Lebenslauf und Motivation. Das ist dann aber alles machbar.

Es stand dann also fest: Ich mach das !
Ab da begann dann die Zeit förmlich zu rasen.
Meinen Schein hatte ich zum Glück bestanden und konnte meine Reise mit dem guten Gefühl von Scheinfreiheit antreten.

Jetzt sitze ich schon fast drei Monate in Krakau, habe es noch nicht bereut, freue mich aber schon tierisch auf Weihnachten und auf zu Hause.

Krakau als Stadt ist super-schön, auf Details verzichte ich - soll ja kein Stadtbericht sein.
Als Studentenstadt gleich noch viel schöner !

Die Universität wurde 1364 von Kazimierz dem Großen gegründet und ist mit der Karlsuniversität von Prag eine der Ältesten Europas.
Wenn man das Collegium Novum ( Unihauptgebäude ) betritt ist man von erstmal geplättet. Alles ist richtig altehrwürdig wie man es sich das so vorstellt. Man wurde von dem Internationalen Büro auch sehr nett empfangen und wenn man Hilfe braucht kann man sich jederzeit an die Leute wenden.
Ausserdem bekommt man ja noch je nach Schwerpunktfach einen Tutor zugewiesen.

Die Uni bietet auch einige übergreifende Seminare auf Englisch an, man kann also auch ohne hervorragende Sprachkenntnisse überleben.
Der Tagesablauf hängt dann ganz davon ab, ob man Studienleistungen erbringen muss oder nicht. Hierauf werde ich aber nicht näher eingehen, da das ja von Fach zu Fach und von Bundesland zu Bundesland verschieden ist.
Meine Anforderungen halten sich in Grenzen und es bleibt noch genug Zeit für das wirklich wichtige Studenten leben.

Man findet im Zentrum der Altstadt um den Markt verteilt verschiedene Clubs, Caffees und Kneipen.
Das Schöne an den Clubs ist, dass man als Student meist keinen Eintritt bezahlt und Preise wie Bier etc. halten sich in Grenzen.
Es wird allerdings fast immer Ausweiskontrolle gemacht und das Mindestalter liegt bei 21.
Negativ ist allerdings das man fast schon um 18.00 irgendwo sein muss um noch ein Plätzchen zu erhaschen, dafür steppt aber auch schon 21.00 der Bär in den Clubs und das 7 Tage die Woche.
Man muss sich also die Zeit gut einteilen, wenn man wenigstens ein bißchen vom Studium mitkriegen will.

Vielleicht noch einige Worte zum Wohnheim.
Die gibt es hier natürlich in Massen. Das in dem ich wohne soll wohl eines der Besten ssin. Es liegt direkt im Studentenstadtteil und die Zimmer haben Telefon und Internet.
Auf meiner Etage sind alle Zimmer in 4er "Appartments" eingeteilt. Also 2 Zweierzimmer, die sich zusammen ein bad teilen. Das ist erträglich und mit meinen Mitbewohnerinnen hatte ich wirklich Glück. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das auch schief gehen kann. Hätte ich eine Zimmernachbarin mit der ich gar nicht kann, müsste ich mir wohl auch etwas einfallen lassen. Für diesen Fall findet man eigentlich immer eine kleine Einzimmerwohnung in der Stadt. Ich bin aber froh so zu wohnen, denn so bin ich gezwungen die Sprache zu sprechen und das ist ja Sinn und Zweck.
Das Studentenviertel liegt auch nicht übermäßig weit weg vom Zentrum. Zumal es gute Straßenbahn- und Busverbindungen gibt.
Etwas Positives vielleicht noch, es gibt hier auch einen Nachtbus der einmal die Stunde bis um 3.00 fährt und nimmt man den nicht fährt man um 5.00 mit der ersten Straßenbahn. Ansonsten ist es auch zu erlaufen.

Also, das waren meine Eindrücke bis jetzt. Ich bin eigentlich froh mich so entschieden zu haben und das Heimweh ist erträglich. Ausserdem werde ich ganz doll von meinem Freund unterstützt und es sieht fast so aus als schaffen wir diese Hürde.

Ich kann also nur jedem raten, der überlegt Auslandserfahrung zu sammeln, es zu tun. Es bringt einen wirklich weiter, sowohl im Studium als auch persönlich.
Die Vorteile überwiegen ganz klar und ich würde es jederzeit wieder tun.

( Mal sehen was noch kommt, bin ja noch eine Weile da ! )
...
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