Ubisoft EVIL Twin - Cyprien's Chronicles Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Cyprien im Traumland
ein Testbericht von Yasmeen2006-03-05 09:02:21vom 05.03.2006Empfehlung: ja
Vorteile: Ungewöhnliche Comic-Optik, stimmungsvolle Hintergrundmelodien, düstere Spielatmosphäre, actionreich und anspruchsvoll...Nachteile/Kritik: Einige nicht nur schwere, sondern richtig unfaire Passagen sorgen für viel Frustration, nicht selten missglückte Kameraführung sorgt für mangelhafte Übersicht, Grafik ruckelt nicht gerade selten, eindeutig nur für fortgeschrit
Wer sehr gerne Hüpfspiele, also die sogenannten „Jump and Runs“ spielt, der kam ja schon seit längerer Zeit auf quasi allen gängigen Spielkonsolen von Sega, Sony und Nintendo auf seine Kosten. „Evil Twin“ ist ein Titel, der gleich für mehrere Systeme, zumindest für die von Sega und Sony, erschien, konzentrieren möchte ich mich jetzt allerdings auf die Version für den Sega Dreamcast. So ganz schlüssig war ich mir eigentlich nie, wie ich dieses Jump and Run, welches von Ubisoft im Jahr 2002 auf den Markt gebracht wurde, denn nun abschließend beurteilen sollte, denn einigen positive Dingen stehen auch unübersehbare Negativpunkte gegenüber, letztlich ist es wahrscheinlich Geschmackssache und vor allem abhängig davon, ob Ihr mehrere Konsolen zu Hause habt, denn ein Pflichtkauf ist diese DC-Fassung jedenfalls nicht, aber trotzdem irgendwie ganz nett. Ganz klar ist, dass Neulinge sich nicht an diesem Hüpfabenteuer versuchen sollten, denn Ihr werdet aller Voraussicht nach einige ärgerliche Spielmomente durch frustrierende Passagen erleben müssen, unfaire Stellen sind auf jeden Fall mit von der Partie, leider. Ihr werdet zwar praktisch im Gegenzug durch ungewöhnliche Charaktere und eine im Großen und Ganzen nette Präsentation zumindest etwas entschädigt, doch ein relativ dickes Fell beziehungsweise manchmal wirklich eine Engelsgeduld braucht Ihr schon.
Die Geschichte an sich ist eher nebensächlich, so empfand ich diese jedenfalls. Dies ist bei einem Hüpafbenteuer zwar nicht ungewöhnlich, schade finde ich es aber trotzdem, denn so fiel mir die Identifikation nicht ganz so leicht wie ich sie mir ursprünglich erhofft hatte. Im Blickpunkt steht der zehnjährige Waisenjunge Cyprien, welcher offensichtlich kein gewöhnlicher Junge zu sein scheint. Er ist nämlich in der Lage gewesen, sich eine eigene Traumwelt zu schaffen und so kommt es schließlich nicht ganz unerwartet, dass Cyprien sich urplötzlich in eben jener eigens kreierten Welt wiederfindet. Die Begeisterung darüber hält sich doch sehr in Grenzen, denn die eigentlich friedliche Traumwelt namens „Undabed“ durchlebt äußerst schwierige Zeiten. Von Frieden und Harmonie ist auf jeden Fall nicht besonders viel zu spüren, vielmehr herrscht dort Angst und Schrecken vor, düstere Kreaturen bevölkern auf einmal den einst so fröhlichen Ort, dieser schreckliche Zustand schreit förmlich danach, dass etwas unbedingt geändert werden muss. Schnell schlüpfen wir in die Rolle von Cyprien, sind natürlich sehr erschrocken über die momentane Gegenwart, wollen der Ursache blitzschnell auf den Grund gehen und machen uns daher sofort auf den Weg, um die Wurzel dieses Übels schnellstmöglich beseitigen zu können.
Dass wir dabei in erster Linie durch die Gegend sprinten, klettern und Hüpfen versteht sich bei einem Jump and Run natürlich quasi von selbst und selbstverständlich müssen auch zahlreiche fiese Kreaturen für immer aus dem Weg geräumt werden. Letzteres bewerkstelligen wir mit einer Zwille, wobei es regelmäßig sehr ratsam ist, die Feinde schon aus sicherer Entfernung ins Visier zu nehmen, denn diese erweisen sich als sehr angriffslustig und auffallend hartnäckig. Auf Dauer würden wir wahrscheinlich keine Chance gegen die zahlreichen und oftmals auch robusten Gegner haben, daher kommt es uns wie gerufen, dass wir zusätzlich in der Lage sind, uns in „SuperCyp“ zu verwandeln. Wie der
Name eigentlich schon vermuten lässt, verfügt Cyprien dann über gesteigerte Kräfte, allerdings bildet diese „Super-Variante“ eine sehr düstere Form des ansonsten doch so netten kleinen Jungen. Wie dem auch sei, Cyprien kann in dieser etwas anderen Form noch viel schneller rennen, weitaus höher springen und fungiert darüber hinaus sogar als Sprengmeister, denn manch eine Tür will sich ansonsten einfach nicht öffnen lassen, so dass in solchen Situationen einfach nur rohe Gewalt hilft. Größtenteils habt Ihr, zumindest meiner Meinung nach, aber deutlich mehr mit den teils sehr schwer zu meisternden Hüpfpassagen zu kämpfen, unter anderem machen Euch einstürzende Brücken, tiefe Abgründe, sehr schmale Wege (in denen ein falscher Schritt fatale Folgen hat) und frei schwebende und zudem bewegliche Plattformen ordentlich zu schaffen.
Was der dickste Negativpunkt ist, bezieht sich aber keineswegs auf den sehr hohen Schwierigkeitsgrad (ganz im Gegenteil, dies wäre den Jump-and-Run-Veteranen unter Euch wahrscheinlich ganz recht), sondern die unfairen Passagen, die für sehr viel Frustration sorgen werden, da in ich mir absolut sicher. Die schwierigen Hüpfpassagen sind nämlich viel zu lang geraten, oft scheitert Ihr kurz vor dem Ziel und das, obwohl Ihr bis dahin alles so gut gemeistert hattet. Damit könnte ich ja grundsätzlich noch leben und dies an meinem eigenen Unvermögen festmachen, das Problem ist allerdings vielmehr, dass Ihr oft eine eigenes Verschulden scheitert und das macht jeden von Euch nach einigen Wiederholungsfällen sicher zornig. Schuld daran ist die oft völlig deplazierte Kamera, die sich an manchen Stellen (und dann oft auch noch an den sehr schwierigen) einfach nicht mehr bewegen lässt und uns die Sicht völlig unnötigerweise total versperrt wird. Dies sorgte unweigerlich dafür, dass ich irgendwann einmal einfach die Nase voll hatte (und dies mehrmals) und ich ohne „externe“ Hilfe dieses Spiel niemals neu aufgenommen geschweige denn zu Ende gespielt hätte.
Im Hinblick auf die Grafik gibt es Licht und Schatten und auch die Akustik weist sowohl Negatives als auch Positives auf, hier dominieren aber zum Glück die positiven Gesichtspunkte. Angenehm fallen im Hinblick auf die Optik (lassen wir die teils miserable Kameraführung an dieser Stelle einmal weg) das düstere Ambiente im Comic-Stil und die ab und zu sehr schönen Lichtspiele auf. Negativ sind die doch oft sehr verwaschenen Texturen und vor allem das böse Ruckeln, welches zwar nicht extrem stark auftritt, aber nie so richtig verschwinden will und somit den Gesamteindruck trübt. Die Hintergrundmelodien hingegen sind wirklich außerordentlich gut gelungen und unterstützen die größtenteils sehr düstere Spielatmosphäre sehr stimmungsvoll. Wenig berauschend sieht es dann aber wiederum hinsichtlich der deutschen Synchronisation aus, hier hätte man lieber beim Original bleiben soll. So aber produziert diese einige (sicherlich ungewollte) Lacher, was schon ein bisschen abstößt und für Distanz zum jeweiligen Spielgeschehen sorgt. Insgesamt denke ich jedenfalls, dass dieses düstere Hüpfspiel erfrischend anders ist und ganz und gar nicht kindgerecht daherkommt, was in meinen Augen sehr positiv ist. Aufgrund der erwähnten teils dicken Fehler saust der Spielspaß insgesamt dann aber doch deutlich nach unten (einen Mehrspielermodus gibt es übrigens nicht), was ich jedenfalls aufgrund der sehr guten Ansätze und überhaupt dem interessanten Drumherum sehr schade fand. Eine hauchdünne Empfehlung ist schließlich alles, was unter dem Strich noch übrig bleibt.
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