Meine Freundin erwarb für uns über ein Angebot von O2 und mydays 2 Gutscheine für den Besuch von Dinner in the Dark in Berlin. Ich hatte mich sehr gefreut. Je näher unser Termin rückte desto nervöser wurde ich. Hier meine/unsere Erfahrungen:
Konzept:
Es handelt sich um ein Dunkel-Restaurant. Das wesentlich ist für die Augen unsichtbar. Im beleuchteten Foyer entscheidet man sich für ein Menü. Dann wird man von Blinden oder Sehbehinderten Kellnern zum Platz geführt. Der Speiseraum ist stockdunkel, Zigaretten, Handy-Displays und Leuchtzifferuhren o.ä. sind verboten. Man hat aber jederzeit die Möglichkeit mit dem Kellner den Raum zu verlassen, um zu Rauchen, Telefonieren oder das WC aufzusuchen. Das o.g. Wesentliche ist allerdings die Nahrungsmittelaufnahme in dem dunklen Raum.
Im Vornherein:
Telefonische oder Emailanmeldung wird dringend empfohlen. Die Nachfrage für dieses besondre Event ist sehr groß.
Ablauf:
Wie oben erwähnt sucht man sich zu Beginn ein Menü aus. So weit dieses möglich ist… denn die Gerichte sind eher Poetisch und lassen nur Vermutungen zu. Damit man sich nicht für die Katze im Sack (vielleicht ja doch, ist ja dunkel…) entscheidet sind die Menüs gegliedert, man hat die Wahl zwischen Vegetarisch, Geflügel, Rind, Fisch, Lamm und eine Überraschung (Mixmenü).
Von der blinden Kellnerin wurden wir zum Platz geleitet. Kurze Zeit später kamen die Getränke, mit dem Hinweis: „Der Inhalt der Flasche passt ins Glas!“. O.K. hier wird man das zweite Mal mutig. Der geneigte Leser fragt nun nach dem ersten Mal, dieses würde ich als das Erscheinen im Restaurant bezeichnen, ist ja doch etwa ungewöhnlich.
Kurze Zeit später kam die Vorspeise, ein Salat. Man fängt dann zwangsläufig mit der Gabel an zu stochern. Alles was auf oder an der Gabel bleibt, lässt sich problemlos in den Mund führen. Dass, was auch nach dem 20 ten Mal auf dem Teller liegen bleibt, läst sich recht einfach mit dem Brot an der Gable befestigen…
Zwischendurch wird man gefragt, ob alles zur Zufriedenheit ist, Getränke lassen sich nachbestellen. Um ein herum wird es voller, man hört die Gäste mit ähnlichen Problemen und Unmutsbekundungen, die aber durchweg als lustig zu bezeichnen sind: welche Farbe haben die Servietten?
Die Hauptspeise wird auch recht einfach zerlegt. Ich hatte mich, wie meine Tischnachbarn für das Geflügel entschieden. Die Frau fragte, warum er mit Messer und Gabel speist. Antwort: um vor und hinter der Gabel zu schneiden. Darauf hin erwähnte ich, dass ich festgestellt habe, auch rechts und links der Gabel einen kleinen Schnitt anzusetzen. Darauf hin haben wir alle gelacht, denn er hatte dies soeben auch feststellen dürfen. Prinzipiell ist aber alles auf dem Teller in kleine handliche Portionen vorgefertigt.
Zur Nachspeise wurde ich gefragt, ob mein kleiner Löffel noch vorhanden sei. Ich bejahte, fragte mich aber recht schnelle warum, denn nach 3maligem Versuch hatte ich noch immer nichts auf dem Löffel. Was tun. Mutig wie ich war, versuchte ich ein leichtes Abtasten mit den Fingern. Gut, die Erdbeeren gingen noch, aber bei der Eiskugel wurde es lustig. Dann befand sich noch ein sehr leckerer Eierkuchen (für die Berliner: Pfannkuchen) auf dem Teller. Da fragte ich mich
dann, was soll ich mit dem Löffel? Der Nachtisch wurde also komplett mit den Fingern gegessen. Sehr lecker. Sieht ja keiner. Als ich dieses erwähnte, sagte meine Freundin, dass sie seit dem Salat die Finger zu Hilfe nimmt.
Als dann alles vertilgt war, wurden wir zum Ausgang begleitet, wo eine Auflösung der Speisekarte vorlag. Das Erraten wurde dann mit einigen Abweichungen wiedergefunden.
Fazit:
Kulinarisch ein Hochgenuss! Die Speisen sind sehr, sehr lecker. Überaus begeistert bin ich auch von der völlig neuen Art der Wahrnehmung. Der Raum war wirklich schwarz, man sieht seine Hand nicht vor den Augen. Es kommt aber niemals zu einem beklemmenden Gefühl, sehr interessant.
Die Nahrungsmittelaufnahme klappt auch sehr gut, ich hatte mir vorsorglich schon ein etwas älteres Polo-Shirt angezogen…
Die Preise, sind für das was man geboten bekommt moderat. Ein Menü kostet zwischen 30 und 50 €, abhängig von 3-Gang oder 4-Gang und der Auswahl.
Wir hatten ein Gutschein über Mydays für 89 € für 2 3-Gang Menüs inkl. 2 Softdrings, 2 Weine und 2 heisse Getränke pro Person. Das klingt viel, ist aber voll gerechtfertigt, denn die Speisen sind reichhaltig und hochwertig, Das Ambiente ist eh unbezahlbar. Außerdem macht man dieses ja auch nicht jeden Tag. Überzeugt euch am Besten selbst.
Erstaunt war ich auch von der Besuchszeit. Es hieß, man solle 2 Stunden einplanen, daraus wurden bei uns 2,5 h. Die Zeit vergeht wie im Flug, geschätzte Zeit wäre etwas über 1 h gewesen.
Ich werde demnächst so einige Gutscheine hierfür verschenken. Ideal auch bei einem Berlinbesuch kombinierbar!
Alles in allem ein voller Erfolg und nur zu Empfehlen.
Kontakt:
www.unsicht-bar-berlin.d e
unsicht-bar-Dunkel-Restaurant Berlin
Gormannstr. 14
10119 Berlin
Tel: 030-24 34 25 00
ein Testbericht von Feline2006-01-13 00:32:04vom 13.01.2006Empfehlung: ja
Vorteile: sehr gutes Essen, besondere Atmosphäre, super Service...Nachteile/Kritik: nicht ganz billig, aber das Geld wert !
Zum Geburtstag meines Freundes sollte es dieses Jahr etwas Besonderes sein, und so reservierte ich für uns einen Tisch in der Unsicht-Bar Berlin, einem der ersten Dunkelrestaurants in Deutschland.
Die Idee dahinter ist recht einfach; "das Auge isst mit" heißt es immer, doch was, wenn man beim Essen gar nichts sieht?!
Die Wahrnehmung verändert sich, soviel sei verraten, aber dazu später mehr.
_/_/_/_/_/_/ Der Ablauf & die Speisen _/_/_/_/_/_/
Zunächst betritt man einen Vorraum des Restaurant, wo sich die Garderobe, die Rezeption und eine gemütliche Lounge mit gedämpften Licht befindet.
Hier kann man in Ruhe schonmal etwas trinken, und bekommt seinen persönlichen Kellner vorgestellt, der einen die nächsten Stunden betreuen wird. Alle Kellner sind blind oder stark sehbehindert und kennen sich bestens im Restaurant aus.
Man erfährt grundlegenes, wie z.B. dass man sich nicht allein im Speiseraum bewegen soll, und dass dort Rauchen nicht gestattet ist.
Auch wählt man hier sein Menü aus, jedoch ist die Speisekarte in Rätseln verfasst, sodass man zwar grob weiß, was einen erwartet, die Details jedoch später "erschmecken" wird.
Es besteht die Auswahl zwischen 6 verschiedenen Menüs, jeweils mit wahlweise 3 oder 4 Gängen. Die Bereiche sind
Vegetarisch, Rind, Lamm, Geflügel, aus Fluss & Meer, sowie ein Überraschungsmenü.
Grundsätzlich gibt es eine Vorspeise, das Hauptgericht und ein Dessert, beim 4-Gänge Menü bekommt man zwischen Vorspeise und Hauptgericht noch eine Suppe serviert.
Die rätselhafte Umschreibung des Geflügelmenüs lautet beispielsweise:
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Vorspeise:
Rohkost so reif, frisch und geschmackvoll, dass der Salat dazu gewöhnlich erscheint
Suppe:
Poularde ohne Huhn
als Cremesüppchen
Hauptgang:
Beschwipste Brust von wohlgenährtem Flügeltier auf herbstlichem Ragout
Dessert:
Ausgestochen und reingelegt kugelt es sich an sorbetierten Früchtchen
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Anschließend wird man in das eigentliche Restaurant geführt (eine Polonaise mit dem Kellner an der Spitze), wo es tatsächlich stockfinster ist. Aus diesem Grund sind Handys, Armbanduhren mit Leuchtzifferblatt natürlich unerwünscht, geraucht wird ebenfalls nicht.
Man wird nacheinander am Tisch platziert und bekommt erklärt, wo sich Besteck, Serviette etc. befinden. Nun werden nochmal Getränkebestellungen aufgenommen, und man hat einige Minuten Zeit, sich erstmal im Dunkel zurecht zu finden.
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Mein Eindruck bis hierher: Faszinierend! Man hört Stimmen, Besteck klappern, und kann erahnen, wie groß der Raum sein könnte, jedoch gibt es wirklich nichts, was die Vermutungen bestätigen könnte. Ein völlig neues Gefühl. Man merkt, wie sehr man normalerweise an das Sehen gebunden ist, und braucht eine Weile, bis der Tastsinn und die Intuition richtig "funktionieren".
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Nun werden die Getränke serviert, und die erste Herausforderung lautet: Getränk selbst eingießen! Hört sich aber schwieriger an als es ist, es ist uns allen gelungen, ohne etwas zu verschütten. Nun wird auch schon der Salat (die Vorspeise) serviert, mit einem Korb mit frischem Brot dazu.
Der Lautstärkepegel ist angenehm, es läuft leise Musik und man hört die Menschen an den Nachbartischen, und kann sich sehr gut unterhalten.
Der Kellner kündigt sich immer mit einigen Worten an, damit man nicht erschrickt, und fragt gelegentlich ob alles in Ordnung ist. Falls man auf die Toilette möchte, ein Getränk nachbestellen, oder etwas verschüttet hat, genügt es den Kellner mit Namen zu rufen, und schon ist er zur Stelle.
Wir haben uns wirklich sehr gut aufgehoben gefühlt.
Anschließend bekommt man
die Suppe, dann das Hauptgericht und zum Schluss das Dessert serviert, der Ablauf dabei ist immer der gleiche. Zwischen den Gängen und auch beim Verspeisen des jeweiligen Gerichts ist genug Zeit. Auch nach dem Essen wird man nicht direkt hinaus komplementiert, sondern kann das Dunkel noch auf sich wirken lassen, sofern man möchte.
Auf Wunsch wird man dann vom Kellner wieder ans Licht (in die Lounge) geführt, wo man eine "entschlüsselte" Speisekarte bekommt, und sieht, was man eigentlich gegessen hat.
Sehr interessant, wenn man seine Vermutungen dann mit dem tatsächlichen Essen vergleicht. Einige Dinge haben bei uns überein gestimmt, andere hätten wir wahrscheinlich nie erraten.
Entgegen unserer Befürchtungen ist man auch nicht völlig bekleckert, das Essen funktioniert erstaunlich gut, und man hat ausreichend Servietten, falls doch mal etwas von der Gabel fällt.
Das Essen ist sehr gut und natürlich frisch zubereitet. Sonderwünsche werden gern berücksichtigt, so habe ich bereits bei der Bestellung angegeben, dass ich keinen Alkohol und keine Pilze bekommen möchte, und so wurde beim Hauptgericht eine andere Soße für mich serviert. Ein absoluter Pluspunkt, für den Fall dass man etwas nicht mag oder nicht verträgt.
_/_/_/_/_/_/ sonstiger Eindruck _/_/_/_/_/_/
Die Unsicht-Bar ist schick, aber nicht schicki-micki. der Bar- und Lounge Bereich ist stilvoll und gemütlich eingerichtet und mit Kerzen beleuchtet, sodass man sich gleich wohlfühlt.
Alle Angestellten waren sehr nett und zuvorkommend, seinen persönlichen Kellner duzt man den gesamten Abend - er steht jederzeit zur Verfügung.
Die Toiletten befinden sich im Vorraum und sind auch mit gedämpften Licht beleuchtet - wenn man aus dem Speiseraum auf die Toilette muss würde alles andere stark blenden.
Alles ist sehr sauber gehalten und machte einen sehr guten Eindruck.
_/_/_/_/_/_/ Informationen & Preise _/_/_/_/_/_/
Die Menüs wechseln alle 3-4 Monate, die Preise liegen zwischen 31,- €und 44,- € für ein 3-Gänge Menü, und zwischen
34,50 €und 47,50 € für ein 4-Gänge Menü.
Die Getränkepreise sind im normalen Rahmen, zwischen 2,00 € und 2,50 € für Getränke wie Cola, GingerAle und Säfte, ein Martini beispielsweise kostet knapp über 3 €.
Die Unsichtbar hat Mittwochs bis Sonntags von 18:00 Uhr bis 1:00 Uhr geöffnet.
Für einen Besuch sollte man mindestens (!) 2 Stunden einplanen, das Essen dauert seine Zeit wenn man nichts sieht, und man sollte so einen Abend stressfrei genießen können.
Wir haben knapp 3 Stunden in der Unsicht-Bar verbracht und uns keine Sekunde gelangweilt.
Eine Reservierung ist notwendig,
Telefon: 030 / 24342500, oder über die Homepage www.unsicht-bar.de
Adresse:
Unsicht-Bar Berlin
Gormannstr. 14
10119 Berlin
Anfahrt mit der S-Bahn:
drei Minuten zu Fuß von der S-Bahn-Haltestelle Hackescher Markt, zwei Minuten von der U-Bahn-Haltestelle Weinmeisterstraße
Es gibt auch in Köln ein Unsicht-Bar Dunkelrestaurant, Informationen darüber findet man ebenfalls über die Homepage.
_/_/_/_/_/_/ Fazit _/_/_/_/_/_/
Ein Essen in der Unsicht-Bar ist ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis. Speisen & Service sind absolut spitze, und das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Wir haben pro Person knapp 50 € für den gesamten Abend bezahlt.
ich werde ganz sicher irgendwann nochmal dort essen gehen und kann
...
ein Testbericht von ela_3092005-07-14 20:38:13vom 14.07.2005Empfehlung: ja
Vorteile: alle Sinne werden beanstrucht, sehen sollte nicht selbstverständlich sein...Nachteile/Kritik: der Preis zur Selbstfindung
Vor kurzem hatten wir Hochzeitstag und da wollte mich mein Mann mit einem Essen überraschen in einer ganz besonderen Umgebung ohne mir eigentlich verraten zu wollen wo. Doch wie Frauen so sind *g* bekommen sie entweder mit List oder einfach mit Nerverei heraus was sie wissen wollen.
Und diesmal war es auch gut so das mir mein Holder das vorher verraten hatte, so konnte ich mich seelisch und moralisch darauf einstellen was mir bevorstehen sollte.
Ins Restaurant Unsicht-Bar nach Kölle wollte er mich verschleppen ... da wo es zappenduster sein soll, wo
man die Hand vor Augen nicht mehr sehen soll und das wo ich doch zum einen panische Angst bei Dingen habe, die dort unweigerlich alle aufeinander treffen sollen ....
Aber nach einiger Zeit und mit Absprache meiner Psychotante *g* habe ich mich doch dazu entschlossen Konfrontationstherapie auf die harte Tour durchzuziehen und sogar den Tisch selbst telefonisch bestellt.
Am 12.07.05, also gestern, war es dann soweit und wie es mir bei meiner Selbstfindung ergangen ist erfahrt ihr wenn ihr weiterlest .... aber büdde nich lachen, ne?!
( WAS ist die unsicht-Bar
Jeder sehende von uns nimmt es als ganz alltäglich und selbstverständlich hin sehen zu können. Menschen die von Anfang an blind sind kennen es nicht anders, aber was ist wenn man durch irgendeine Begebenheit sein Augenlicht verliert. Niemand möchte das hoffen, weil wir es uns nur schwer vorstellen können nicht mehr sehen zu können. Das war neben meiner Konfrontation meiner Ängste auch ein Grund mit warum ich mich entschlossen habe, dieses Lokal aufzusuchen. Zu "sehen" wie es sich anfühlt blind zu sein. Zu fühlen wie es ist hilflos zu sein, aber auch die Erfahrung zu machen wie es ist blind zu sein und sich auf die anderen Sinne verlassen zu müssen....
( MEINE GESCHICHTE
Vorab hab ich im Internet gestöbert und mich so gut wie möglich informiert. Wie schon anfangs erwähnt, habe ich seit ein paar Jahren mit einigen Ängsten zu kämpfen. Um mich von diesen Ängsten nicht unterbuttern zu lassen, habe ich mich auch zu diesem besonderen Abend entschlossen.
Werde ich meine Ängste überwinden? Werde ich durchhalten oder wird die Angst wieder zur Panik und mir die Kehle zuschnüren und mich an nichts anderes denken lassen? Es ist jemand hinter mir, ich spüre es... hilfe wo seid ihr ... gib mir die Hand ... rede mit mir ... lass mich nicht allein ... ich will raus hier ....................
Diese Gedanken jagten durch meinen Kopf wenn ich mir nur vorstellte im Dunkel zu sitzen.
ABER es kam doch anders als ich es mir vorgestellt habe.
Im Lokal angekommen, haben wir eine Karte bekommen, wo wir uns Getränke und unser Menü aussuchen konnten. Tja das mit dem Menü war so eine Sache, denn es war in Rätseln gesprochen bzw. geschrieben.
Geschmackfeld-Menü "Käse"
Eine Alpenwiese: Der Duft nach Kräutern, Bienengesumm und Schmetterlingen auf den Blüten, ein klarer Bergsee und das melodische Geläut von Kuhglocken.
***
.... zum Löffeln
Cremig verflüssigte Sonnenanbetung mit Muhs stummen Freunden
***
... zum Appetit holen
Ungewohnte Ausblicke auf alpine Käserei
***
... zum satt werden
Dionysos on the Green. Griechischer Bauer trifft indische Köchin in heißer Gegend.
***
... zum süßen Schluss
Fruchtige Urlaubsgedanken bringen cremig-kühle Entspannung
So, nun kann man sich darauf freuen was einem da später gebracht werden sollte, wenn man nicht allzu verkrampft ist *g*.
Wir wurden nun auch darauf hingewiesen, das wir die Uhr ab machen und das Handy ausmachen sollten, da es Lichtquellen sind, die in der Dunkelheit die Empfindungen stören würden.
Wir bekamen gesagt, das Arthur unser sehbehinderte Kellner des Abends sein würde und er uns in wenigen Minuten an der "Schleuse" abholen würde.
Irgendwie war ich doch recht ruhig gewesen ... NOCH ....
Die Schleusentür ging auf und Arthur empfing und in seiner freundlichen und einer selbstsicheren Art, die ich bei einem sehbehinderten noch nie bemerkt hatte.
Die Schleuse ist ein sehr kleiner Raum im einem schummerigen Licht. Dort wurden wir nochmals gebeten Uhren und Handys abzulegen bzw. auszuschalten und wir wurden gefragt ob jemand Angst vor Dunkelheit hat und unter Platzangst leidet .... Tja als ich beides mal mit Ja geantwortet habe, sah ich einen kurzen Augenblick in Arthurs Gesicht Zweifel aufsteigen .....
Im Polonäseschritt ging es dann ab in die DUNKELHEIT und wenn ich sage Dunkelheit dann meine ich Dunkelheit. Ich habe noch nie etwas so schwarz erlebt....
Dann ging es allerdings auch schon bei mir los. Ich fing an zu zittern, bekam keine Luft mehr, mir wurde schwindelig und alles was dazu gehört.
Ich nahm von den anderen Gästen die lauten Geräusche war und es wurde immer lauter und ich dachte mir sprengt es die Ohren.
Beide Hände schlossen sich krampfhaft um die meines Mannes, auch Arthur lag mit seinem Arm an meinem dran, was mir ein beruhigendes Gefühl und Sicherheit gab. Er erklärte uns nebenbei wo das Besteck lag, was er anhand der Uhrzeiten darstellte wie z.B. Löffel auf 12 Uhr. Dann fragte er uns wo wir herkommen und später sollen wir auch mitbekommen warum und das es nicht nur Neugier war.
Diese Panikattacke dauerte ca. 5 Minuten, bis ich mich soweit gefangen hatte, das ich etwas lockerer wurde.
Die Stimmen um mich herum waren weiterhin sehr laut was für mich doch sehr belastend war, da ich so kaum richtig mit meinem Mann reden konnte ohne ein paar mal nachfragen zu müssen was er sagte.
Nachdem ich mich nun gefangen hatte, wurde erst mal abgetastet und erkundet wo unser Gabel, Messer und die Löffel lagen.
Messer und Gabel wurden darauf hin von mir getauscht und als uns wenig später Arthur die Getränke brachte, die wir selbst von Flasche ins Glas füllen mussten, überraschte er mich, in dem er fragte warum denn meine Gabel auf dieser Seite lag.
Des weiteren wurde die Dimension des Tisches, der Abstand zum Gegenüber, sowie der Abstand zum Nachbarstuhl ertastet. Der Nachbartisch machte es offensichtlich genauso, denn ich bekam eine Hand an meinem Stuhl Richtung Rücken tastend zu spüren.
Ein weiteres empfinden war das meiner Augen. Es war so dunkel wie noch nie in meinem Leben und doch waren überall Lichter vor meinem inneren Auge. Außerdem hatte ich bei meinem rechten Auge ständig das Gefühl als ob irgendetwas draufdrückt. Dieses Gefühl beim rechten Auge hielt sich bis zum Schluß.
Wir warteten ungewöhnlich lange auf unsere Vorspeise, man hatte uns vergessen *g* .... obwohl, das muss ich auch hier sagen, das Zeitgefühl sehr zu wünschen übrig läst.
Nach dem wir nun unsere Vorspeise vor uns stand, hieß es wieder tasten und nun habe ich noch etwas festgestellt. Das Essen mit Messer und Gaben finde ich noch schwieriger als sich irgendwo im Dunkeln orientieren zu müssen.
Die ersten Versuche die ich startete waren nur mit mäßigem Erfolg, so das ich diese zu Seite legte und sprichwörtlich mit den Fingern aß.
So fand ich verschiedene kleine Käsestückchen, Salatblätter und anderes Gemüse, sowie kleine Salzstangen.
Jedes Stückchen was wir uns in den Mund geschoben haben, wurde kommentiert. Ich kann von mir aus sagen, das ich sowohl die Gemüsesorten als auch die Käsesorten super zuordnen konnte und die Vorspeise als absolut lecker bezeichnen kann.
Nachdem ich fertig war, spürte ich an meinen Schultern, wie verkrampft ich die ganze Zeit gesessen hatten, denn ich habe fast einen Krampf bekommen.
Später dann wurden wieder abgedeckt und auch hier kann ich nur staunen wie Arthur sich zurechtgefunden hat, er war auf soooo leisen Sohlen an unseren Tisch getreten das wir ihn erst dann bemerkten, als er zu uns sprach. Im Grunde genommen hörten wir ihn nie, nur ein leichter Windhauch war zu spüren, als er an uns vorbeiging.
Später kam dann unser Hauptgericht, und ich machte mir schon Sorgen, wie ich das wohl essen werde, wenn es heiß sein sollte. Denn mit Messer und Gabel zu hantieren war ein für mich aussichtsloser Kampf nicht mit Hunger nach Hause zu gehen *g*. Also habe ich wie vorhin auch mit einer Hand mein Essen "ertastet" und mit der andern die Gabel geführt.
Zum Schluß kam noch ein leckeres Dessert , was mit dem Löffel zu schlabbern war und wenig Probleme bereitet hatte.
Die Zeit zwischendurch verging recht schnell, wir hörten und lauschten und zwischen den lauten klingen von Besteck und erzählen an den Nachbartischen hörte ich das ganz leise irgendwo Musik herkam.
Wenn wir etwas zu trinken bestellen wollten, brauchten wir nur nach Arthur zu rufen und er wusste sofort das "Wuppertal" gerufen hat, obwohl er am ganz anderen Ende war, denn er hatte mehrere Tische gleichzeitig zu bedienen.
Wir machten uns Gedanken über die Anzahl der Tische, wie das Lokal denn aussehen könnte, nach den Geräuschen zu urteilen und hatten uns so einige Theorien zusammengereimt.
Ab und an kam Arthur an unseren Tisch und erzählte mit uns, wir konnten ihm Fragen stellen und so stellte sich heraus, das wir auf einer Empore saßen und er insgesamt 6 Tische bedienen musste, wovon nur noch 3 besetzt waren. So lag ich mit meiner Schätzung von 5 Tischen gar nicht mal so falsch und die lauten Geräusche kamen aus der unteren Etage zu uns hinauf.
Nachdem wir unser Dessert verspeist hatten entschlossen wir uns nun die dunklen Hallen zu verlassen, da ich mir doch langsam wünschte wieder sehen zu können und ich schätzte das es nun mittlerweile so zw. halb oder viertel vor 10 sein muss.
Vorher aber hatte Arthur noch einen kleinen Scherz mit mir vor und nahm meine beiden Hände und führte mich zur Trennwand von unserer Empore von wo aus man eigentlich in den unteren Gastraum hätte sehen können wenn es Licht geben würde. Dort ließ er mich einfach stehen und ging zurück und setzte sich auf meinen Stuhl und wartete.
Wäre ich nicht so schüchtern gewesen, dann hätte ich mich auf den Weg zur Tür gemacht, aber ich wollte die anderen Leute am Tisch hinter mir nicht mit meinen dann vielleicht anzüglichen Tastversuchen belästigen *fg*.
Naja er holte mich dann wieder ab und wir machten uns dann im Polonäseschritt wieder zurück zur Tür. Arthur hatte dann nochmals einen Scherz auf Lager und einen tiefen Treppenabsatz imitiert ....
Zurück zur Schleuse, es war immer noch dunkel, sah ich die luminierenden Umrisse einer Tür.... meine Freude war groß... das erste Licht. Wir wurden nun auch angehalten unsere Augen mit den Händen zu verdecken und schon ging das Licht an. Das Licht, welches vorher recht schummerig war, war nun sehr grell, aber unsere Augen gewöhnten sich relativ schnell wieder an "unsere" Welt und ich bin froh das es so ist........
( WO und WIE
Nachdem mir die Unsicht-Bar empfohlen wurde, bin ich im Internet fündig geworden und auf der HP www.unsicht-bar.de habe ich mich ausführlich vorab informieren können. Unter anderem auch, das die Kellner, insgesamt 3 wie uns Arthur erzählte, allesamt blind oder stark seebehindert sind und somit in Ihrem "Element" sind.
Die Öffnungszeiten sind täglich von 18 - 24 Uhr.
Unsicht-Bar Köln
Im Stavenhof 5 - 7
50668 Köln (befindet sich im Eigelsteinviertel, Nähe Ebertplatz)
Wir haben kurz vor dem Ebertplatz am Theodor-Heuss Ring geparkt. Von dort aus sind es vielleicht 5 Minuten zu Fuß.
Wenn Ihr vorhabt euch ebenfalls diese Sinnenberührungen anzutun, würde ich euch empfehlen, unter der Nr. 0221 - 2005910 einen Tisch zu Reservieren. Ihr bekommt dann eine Reservierungsnummer, werdet allerdings von der sehr netten Dame am Empfang und Kasse zugleich, nur nach dem Namen gefragt.
Der Ebertplatz ist auch gleichzeitig die U-Bahn Haltestelle die Ihr ansteuern könnt, solltet ihr mit den Öffentlichen fahren, aber auch der Kölner Hbf. ist auch nicht allzu weit entfernt.
( FAZIT
Ich habe mir vorgenommen durchzuhalten und ich bin stolz das ich es geschafft habe, denn die Blinden können auch nicht eben mal "das Licht" anmachen wenn sie Angst bekommen ...
Ich finde diese Art von Restaurant einfach genial und unbedingt empfehlenswert, auch wenn die Menüpreise im ersten Moment doch sehr abschreckend wirken, denn sie bewegen sich zwischen ca. 30 EUR vegetarischen 3-Gang und 46,50 EUR für ein 4Gang Überraschungs- oder Lammmenü.
Ich habe das Zeitempfinden angesprochen, was einem irgendwie in der Dunkelheit verloren geht, sobald ich meine Uhr aus meiner Tasche herausgekramt hatte, war ich sehr erstaunt, als ich feststellte, das ich mich um gut eine Stunde vertan hatte, denn es war mitlerweile 22:30 Uhr und wir waren geschlagene 2 ½ h drin. Die sehr nette Dame an dem Empfang lachte mich nur an.
Auch was meine Platzangst anbetraf, war es nicht halb so schlimm wie ich es mir vorgestellt hatte, zumal von den Geräuschen um einen herum einem das Gefühl gibt in einem großen Raum zu sein und zum anderen war im Grunde genommen die Tür nicht weit hinter mir.
Sollte man auch mal zwischendurch das Gefühl haben raus zu müssen, sei es Toilette oder eine schmoken, dann kann das jederzeit ohne Probleme erfolgen, allerdings sollte man dazu den Kellner rufen der einen dann raus führt und es nicht auf eigene Faust versuchen.
Die Gefühle des riechen, schmecken, fühlen, hören und spüren werden auf gewisse Weise schon recht gut angeregt, und unter 2 h lohnt sich dieses Event auf alle Fälle nicht.
Die Lichtpunkte in meinen Augen wurden nach etwa der hälfte der Zeit auch dunkler, so das es auch für mich Rabenschwarz wurde, leider blieb der "Druck" auf meinem rechten Auge bis zum Schluß.
Das Essen hat auf alle Fälle ausgezeichnet geschmeckt auch wenn der Spruch "Das Auge ißt mit" hier nicht der Regel entspricht. Intensiver habe ich es eigentlich nicht empfunden nur mit mehr Beachtung auf den Geschmack würde ich sagen.
Wie das mit Kindern ist, muß man im Vorfeld klären. Ich habe gehört, das es erst ab 8 Jahren geht, was ich allerdings auch noch recht früh halte bei Zappelphilips.
Nehmt die Sehkraft nicht als selbstverständlich hin und genießt jeden Augenblick. Erst im Dunklen ist mir so richtig bewusst geworden, wie wichtig für mich das sehen ist....
Damit möchte ich für heute schließen und mich in meinen Urlaub verabschieden und bedanke mich bei allen Lesern fürs Interesse und für die Bewertungen und eventuellen Kommentare .... aber BITTE ... nicht nur "schöner Bericht" oder "super" .....
PS: ganz speziell noch mal für die unsicht-Bar
Ich möchte mich ganz herzlich für die tolle Erfahrung bedanken und für die super Betreuung durch Arthur. Mit ihm habt ihr einen ganz Tollen Mitarbeiter.
DAS AUGE DES SEHENDEN, SIND DIE OHREN UND HÄNDE DER NICHT SEHENEDEN......
Dieser Nachtrag ist dafür, weil wir vor lauter Sinnesüberfluß vergessen haben uns in euer Gästebuch einzutragen.
froes, 13.11.2006
Ich kann mir das jetzt noch gar nicht vorstellen. Das würde mich schon einmal interssieren, ,ist leider etwas zu weit weg. Hauptsache der Koch ist nicht auch blind oder stark sehbehindert. Shine On, Frank
Rumyana7, 14.07.2005
sehr schoumlner Bericht. Lieben Gruszlig aus Sofia P.S. Gibt es die Schwebebahn noch?
inspire, 14.07.2005
...finde deinen Bericht sehr schoumln und man bekommt einen guten Einblick. Lg inspire
ein Testbericht von mattha2004-04-18 19:39:47vom 18.04.2004Empfehlung: ja
Vorteile: Ein absolut aussergewöhnliches Essvergnügen / Ambiente, neue "Ansichten" des Essengehens, Hohe Qualität der Gerichte...Nachteile/Kritik: Preis (ist zwar gerechtfertig, aber trotzdem recht hoch)
Hallo zusammen,
vor etwa 4 Wochen hatte ich ein wirklich aussergewöhnliches Erlebnis in Sachen Essen gehen. Aussergewöhnlich nicht etwa, weil das Essen selbst so gut oder schlecht war, sondern aussergewöhnlich, weil das Ambiente völlig einzigartig war - Essen in absoluter Dunkelheit.
Die Unsicht-Bar in Köln
Die Idee, die hinter diesem Lokal, welches es in Köln und in Berlin gibt, ist denkbar einfach wie aussergewöhnlich: Man geht sehr gut Essen, allerdings in völliger Dunkelheit.
Die Anreise / Wegbeschreibung
Wir sind per Bahn zur Unsicht-Bar nach Köln angereist. Vom Hauptbahnhof aus kann man das Lokal ohne Probleme
in etwa 5 Minuten zu Fuss erreichen - es liegt unmittelbar in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs. Das Lokal hat keinen eigenen Parkplatz, aber man kann am Strassenrand ganz gut einen Parkplatz bekommen. Alles weitere zur Anreise findet man unter www.unsicht-bar.com.
Das Restaurant
Das Restaurant besteht aus mehreren Bereichen: Im Eingangsbereich wird man in Empfang genommen, gibt man seine Bestellung auf (dazu später mehr), darf man rauchen und findet man im ersten Stock die sanitären Räume. Das eigentliche Restaurant sieht man nicht. Die Unsicht-Bar in Köln hat zwei Restauranträume - jeweils einen im Erdgeschoss und im ersten Stock.
Die Bestellung und die Speisenkarte
Das Essen bestellt man, bevor man ins Restaurant geführt wird. Die Speisenkarte zeigt sich dabei sehr "nebulös" - man weiss nicht wirklich genau, was man bekommt, hat nur so eine Ahnung. Wem das zu Erläuterung nicht ausreicht - hier ein kleiner Auszug aus der Speisekarte, das Fischmenü, was ich bestellt hatte:
"Meeresrauschen: Salz auf der Haut, ein Fischer kehrt mit seinem Fang zurück, Marktgeschrei am Hafen, Seetang zwischen den Netzen.
... zum Löffeln
Endlich im richtigen Element - aber bei falscher Temperatur.
... zum Appetit holen
Tourist vom anderen Ende der Welt spaziert in seinem neuen Mantel verkehrt herum durch europäische Gartenlandschaft.
... zum satt werden
Dem Feuer gerade erst entronnen fallen zwei Seelenverwandte mit wohlriechenden Erdbewohnern ins grüne Aromamoos.
... zum süßen Schluss
Fruchtige Urlaubsgedanken lassen scharfe Kälte auf der Zunge zergehen. (Entnommen: www.unsicht-bar.com)"
Die Speisekarte bietet folgende "Richtungen": Vegetarisch, Käse, Lamm, Fisch, Geflügel, Überraschung. Jedes dieser Menüs wird in etwa so umschrieben, wie das Beispiel des Fischmenüs.
Getränke werden am Tisch bestellt.
Das Restaurant oder wie finde ich meinen Tisch
Wie Eingangs erwähnt wird in totaler Dunkelheit gegessen - keine Chance, alleine seinen Tisch zu finden, daher muss sich jeder an die folgenden Regeln halten:
1. Alles, was Licht macht, ist verboten - kein Handy, kein Rauchen, keine Uhren mit Leuchtziffern
2. Wenn man sich im Lokal bewegen möchte, ruft man seinen Kellner, welcher denjenigen dann sicher durch die Dunkelheit führt.
Nach der Bestellung bekommt man seinen Kellner "zugewiesen" - dieser ist den ganzen Abend für den Tisch und die dazugehörigen Gäste zuständig. Die Kellner sind allesamt blind - in diesem Restaurant kein Nachteil. Der Kellner nimmt die Gäste im hellen Bereich in Empfang und führt sie in einen kleinen Vorraum zum Restaurant, Lichtschleuse genannt. Drinnen brennt eine 10 Watt-Funzel - der Raum bietet Platz für etwa 5-6 Personen. Nach einer kurzen Erläuterung - ("Jetzt wirds gleich dunkel - wir machen dann eine Polonäse zum Tisch") geht das Licht aus, es öffnet sich die Tür zum Restaurant und der Kellner führt uns durch die totale Dunkelheit zu unserem Tisch. Dort angekommen wird jedem Gast der Stuhl gesagt ("Du nimmst den dritten Stuhl" etc.) und dann sitzt man in der Dunkelheit am Tisch.
Der Kellner gibt dann noch eine kurze Erklärung ab: "das Besteck liegt wie gewohnt am Teller, das Glas steht auf 12 Uhr - was wollt ihr trinken". Im Hintergrund hört man Stimmengewirr - es ist dabei aber total dunkel. Man tastet über den Tisch und findet sein Besteck und sein Glas - der eine oder andere findet das Besteck des Nachbarn - man muss sich arrangieren. Nach einigen Minuten kommt der Kellner mit den ersten Getränken - diese müssen durchgereicht werden. Kleine Erschwernis am Rande: Die Getränke wie Cola oder Wasser werden in Flaschen gereicht - in der Flasche ist mehr Inhalt als ins Glas passt ;-)
Die Dunkelheit regt die verbale Kommunikation an - man sieht ja nichts.
Das Essen
Nach einiger Zeit kommt dann der erste Gang. Wie bei den Getränken muss das Essen von den Gästen durchgereicht werden. Zu Beginn gibt es eine Suppe, in meinem Fall Fischsuppe. Es zeigt sich schnell, dass es einfach ist, Suppe mit einem Löffel aus einer kleinen Terrine herauszulöffeln - kein Problem trotz Dunkelheit.
Der zweite Gang ist dann technisch anspruchsvoller - es gibt Salat - nicht ganz einfach, alles auf dem Teller zu finden. Die Hälfte der Dinge, die ich esse, kann ich geschmacklich nicht zuordnen - geschmeckt hats aber trotzdem. Dann der Hauptgang - in meinem Fall gebratener Fisch mit kleinen Kartoffeln und Gemüse. Ich kann nicht genau sagen, welche Gemüsesorten dabei waren - erkannt habe ich nur die Erbsen. Auch hier: das Essen schmeckt prima, auch wenn ich nicht alles identifizieren kann. Es ist allerdings sehr schwierig, irgendwas auf dem Teller zu finden und mit der Gabel aufzuspiessen. Neben mit höre ich jemanden mit der Gabel auf dem Teller rumstochern - ich selber nehme die Finger zu Hilfe. Zum Nachtisch gibts Eis mit Sahne - kein Problem - da liegt ja ein Löffel bei.
Mein Eindruck
Ich habe ja schon einen Teil meines Eindrucks oben geschildert. Die Dunkelheit ist anfangs etwas beklemmend, was sich aber recht schnell gibt. Es ist erstaunlich, wie viel Mühe es macht, bekannte Nahrungsmittel zu erkennen, wenn man sie nicht sehen kann - mir ist es nicht gelungen, alles, was ich gegessen habe, zu erkennen. Das Benutzen des Bestecks ist eine weitere Herausforderung: Da man nichts sieht, stochert man wortwörtlich im Dunklen herum. Man kann aber mogeln und die Finger nehmen - sieht ja keiner ;-))
Das Essen selbst war ausgesprochen gut - es schmeckte wirklich gut, auch wenn man nicht alles erkennen konnte.
Die Eindrücke der anderen
Wir waren mit 18 Leuten in der Unsicht-Bar in Köln und es hat allen gefallen - sowohl das Essen wie auch das Ambiente. Jeder hatte zu Beginn ein etwas merkwürdiges Gefühl, welches sich aber nach kurzer Zeit legte.
Die Preise
Die Preise sind recht hoch: die Menüs kosten zwischen 28,50,- für das veretarische Menü und 45,- Euro für das Überraschungsmenü ohne Getränke. Man kann ein drei Gänge Menü (Suppe oder Nachtisch, Salat und Hauptgericht) oder ein Vier Gänge Menü (Suppe und Nachtisch, Salat und Hauptgericht) wählen. Variationen sind wohl nur schwer möglich, da man, wie oben beschrieben, nicht genau weiss, was man bekommt. Die Getränkepreise sind auf Kölner Niveau, so dass man pro Person mit etwa 50 Euro rechnen muss.
Reservierung
Es ist dringend notwendig, sich einen Tisch sehr frühzeitig reservieren zu lassen - die Unsicht-Bar in Köln ist meist über Wochen ausgebucht. Wir haben für unsere 18 Personen Session fast 6 Wochen Vorlauf benötigt - einen Tisch für 2 oder 4 Personen kann man innerhalb von etwa 14 Tagen bekommen. Reservieren kann man per Telefon oder Mail - bei Gruppen mit mehr als 5 Personen nur noch telefonisch unter: 0221 2005910. Für eine Mailreservierung gibt es unter www.unsicht-bar.com ein Formular.
Öffnungszeiten
Die Unsicht-Bar ist täglich von 18.00 bis 24.00 Uhr geöffnet. Es wird angeraten, dass man bereits um 18.00 Uhr vor Ort ist. Diesen Rat sollte man beherzigen, da die Dunkelheit dazu führt, dass alles länger dauert - wir sind um kurz nach 18.00 Uhr reingegangen und waren gegen 23.00 Uhr wieder draussen - auch ein Grund, warum die Preise so vergleichsweise hoch liegen.
Sonstiges
Möchte man rauchen oder die sauberen, beleuchteten sanitären Anlagen aufsuchen, ruft man seinen Kellner, der den Gast dann zur Lichtschleuse begleitet, die nach draussen führt. Die "schwache" Funzel sorgt dafür, dass man sich erst ans Licht gewöhnen kann und nicht geblendet wird. Wenn man wieder an seinen Tisch möchte, wird ebenfalls der Kellner gerufen, der den Gast dann wieder sicher zum Tisch bringt.
Fazit
Das Fazit bei diesem Ereignis fällt nicht ganz leicht, da dieser Restaurantbesuch tatsächlich äusserst ungewöhnlich war: Das Essen in totaler Dunkelheit ist schwierig, interessant und etwas beklemmend. Die Qualität des Essens war sehr gut, spielt aber nur eine Rolle am Rande. Man wird nachdenklich, weil man erstmalig erkennen kann, wie sehr man auf seine Augen angewiesen ist - wie wenig man ohne diesen Sinn wahrnimmt. Die Unsicht-Bar ist sicherlich kein Restaurant, in das man regelmässig zum Essen geht. Es ist aber ein tolles Erlebnis, welches ich nicht missen möchte, und welches ich vielleicht in einen Jahr wiederholen werde.
Wer aussergewöhnliche Dinge mag und den Restaurantbesuch nicht nur als Essensaufnahme sieht, dem sei dieses Restaurant wärmstens empfohlen - es wartet tatsächlich ein nicht vergleichbares Erlebnis.
Mattha
PS: Hier noch zwei Zitate aus dem Gästebuch der Unsicht-Bar - dem internet entnommen:
"Blumenkohl wird nie wieder das sein, was es einmal war."
"Essen im Dunkeln ist wie Sex im Hellen"
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