Wirtschaftswörterbuch I (Englisch - Deutsch) - Wilhelm Schäfer Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Unverzichtbar für Wirtschaftler im Sprachgebrauch
ein Testbericht von catmother2003-07-23 15:03:40vom 23.07.2003Empfehlung: ja
Vorteile: umfassend, wird laufend aktualisiert, sehr fachspezifisch...Nachteile/Kritik: fachspezifisch, teuer
Wer in seinem Beruf viel mit der englischen Sprache zu tun hat und oft fachspezifische Termini aus dem Bereich Betriebs- oder Volkswirtschaft benötigt, der ist mit den normalen Wörterbüchern eigentlich selten restlos zufrieden. Zu viele Termini fehlen dort – oder hat schon mal jemand das Wort ”Umschichtungsfinanzierung” im Pons oder Langenscheidt gefunden? Deshalb haben wir uns im Büro ein Spezialwörterbuch angeschafft.
Bei der mir vorliegenden Auflage (Sprachrichtung Englisch – Deutsch) handelt es sich um die aktuelle 6. Auflage, die gleiche wie auf dem Bild.
** Was bietet das Buch? **
Durch Neuzugänge und Aktualisierungen, die immerhin einige Tausend betragen, hat der Wortbestand des vorliegenden Buches inzwischen über 58.000 Einträge, das sind allein 3000 mehr als die vorherige Auflage. Notwendig wurde diese Neuauflage allein durch den Einführung des Euro (für die Wirtschaft) und die damit verbundenen Wortschöpfungen. Damit ist es (fast) auf dem neuesten Stand.
Übrigens: Seltsamerweise wird bei bol und amazon die Wortzahl der 6. Auflage mit nur 40.000 angegeben. Gezählt habe ich es natürlich nicht, aber ich gehe davon aus, daß der Herausgeber das schon im Blick hat.
** Aufbau **
Zunächst klärt uns ein Vorwort über die Veränderungen gegenüber der vorherigen Auflage auf. Der Herausgeber Michael Schäfer, der Sohn des eigentlichen, zwischenzeitlich verstorbenen Autors, dankt darin allen Nutzern, die durch Kritik und Anregungen zur Verbesserung des Buches geführt haben.
Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema der Lexikographie dieses Buches und deren Einordnung und Verwendung im vorliegenden Exemplar. Dies ist höchstens für die Sprachwissenschaftler unter uns interessant. Hier werden wir über die verschiedenen Prinzipien von Fachwörterbüchern, nämlich Äquivalenzwörterbuch, Definitionswörterbuch und Kollokationswörterbuch, informiert und darüber, dass einige dieser Formen hier verwendet wurden. Aber als Benutzer käme man wahrscheinlich sowieso nicht auf die Idee, ein gefundenes Wort und seine fremdsprachliche Bedeutung nach der Lexikographie zu hinterfragen. Das Kapitel war nur am Rande für mich von Interesse, da ich mal im Zuge meines Studiums englische Sprachwissenschaft hatte.
Die Benutzerhinweise beschränken sich auf fünf Punkte, nämlich dass der Wortschatz alphabetisch geordnet ist, besondere Abkürzungen hinsichtlich semantischer Informationen, dass die Zugehörigkeit zur britischen oder amerikanischen Fachsprache stärker gekennzeichnet wurde und die Schreibweise durchgehend amerikanisch ist (außer eindeutige britische Termini).
Eine Seite zeichnet noch die Sachgebiete mit ihren Abkürzungen auf, denen die Termini zugeordnet wurden.
Der Hauptteil umfasst stolze 983 Seiten (mit dem Anhang sogar 1003), beginnt mit solchen Begriffen wie 16-Bit-Farbtiefe oder 183-Tage-Klausel und endet mit Zylinder-Option.
Die Seiten sind im Grunde genommen sehr übersichtlich gestaltet. Der deutsche Begriff wurde fett gedruckt, die Übersetzung normal und eine eventuelle Erklärung des Begriffes kursiv.
Ein Beispiel:
Abbuchungsverfahren n - das n steht für Neutrum = sächlich
(Fin) direct debiting service – Fin steht für Begriff aus Business Finance/Banking
- preauthorized payment method – die Übersetzung in der Allgemeinsprache
(ie, Zahlungsverpflichteter gibt Auftrag an sein Kreditinstitut; cf, Einzugsermächtigungsverfahren)
ie bedeutet hier ”das heißt” und es folgt eine Definition des deutschen Begriffs. cf ”vergleiche, vgl.” verweist auf einen Synonymbegriff.
Die Schrift ist für meine Begriffe etwas klein, aber das liegt auch daran, dass ich eine Brille brauche und meine Augen so was nicht mehr richtig geeignet
sind.
Was ich hier für Begriffe finde, ist schon erstaunlich; die verstehe ich nicht mal in Deutsch: Forfaitierung (ähnlich dem Factoring, aber nicht identisch, deshalb gibt es auf der nächsten Seite noch eine Tabelle, die die Unterschiede erklärt), Put-Optionen, Retorsionszoll – also insgesamt alle möglichen und unmöglichen Fachbegriffe.
Der Anhang beinhaltet schließlich noch Termini für Gesellschaftsrecht, also Funktionen und Titel in den diversen Wirtschaftsgesellschaften (Mitglied des Vorstandes, Aufsichtsrat u.ä.) jeweils in der amerikanischen und englischen Variante. Abbildungen und die dazugehörige englische Version verschiedener betriebswirtschaftlicher Kennzahlen und deren Bildung (Rentabilitäten, GuV Bilanzgliederung u.ä.) runden schließlich das Ganze ab.
** Meine Meinung **
Es vergeht kaum eine Woche, in der ich das Buch nicht benötige. Sowohl für Übersetzung im Rahmen von Korrespondenz oder von Lehrveranstaltungen, als auch für die Übertragung der Inhalte unserer Homepage ins Englische. Bisher hatte ich kaum einen Fachbegriff, den ich nicht gefunden habe. Für Kleinigkeiten habe ich ja dann auch noch meinen Pons.
Dieses Wirtschaftswörterbuch ist hervorragend recherchiert, sehr umfassend und damit ein Muß für alle, die beruflich mit Wirtschaftsenglisch auf höherem Niveau zu tun haben. Insofern ist es eher nicht für den Privatgebrauch gedacht. Dafür ist es auch mit 61 € für pro Band zu teuer.
In seiner Kategorie (für Businessenglisch) bekommt er auf jeden Fall ein sehr gut.