Für Häuslebauer ist diese Nachricht sicherlich keine Überraschung : Ziegel waren einst die Bausteine der Industrialisierung , und ihre Herstellung prägten wie kaum ein anderer Inustrie-Zweig unsere Umwelt . Die „Ziegler“ aber mussten mit einem entbehrungsreichen Leben die Zeche für den Fortschritt zahlen : Im ehemaligen Fürstentum Lippe beispielsweise zogen zwischen 1890 und 1920 in den Monaten März bis November jährlich bis zu 14 000 Männer und damit ein Drittel der arbeitsfähigen männlichen Bevölkerung in die Fremde . Im Ruhrgebiet , in Norddeutschland , in Holland und auch in Russland versuchten sie , mit dem „Lehm-Abbau“ und der „Ziegel-Herstellung“ ihren kargen Unterhalt zu verdienen .
In einem in Deutschland bislang einzigartigen „Ziegelei-Museum“ informiert der Landschafts-Verband Westfalen-Lippe über sämtliche historischen , sozialen , kulturellen , ökonomischen Aspekte des „Ziegelei- und Ziegel-Wesens“ . Mitte Mai des Jahres 2001 wurde die „Ziegelei Lage“ , eine voll funktionstüchtige Fabrik-Anlage aus dem frühen 20. Jahrhundert , als sechster Standort des Westfälischen „Industrie-Museums“ eröffnet . Das „Idustrie-Denkmal“ entspricht dem technischen Stand der 50er und 60er Jahre . Die rund 14 Millionen Mark , die in die Restaurierung der 1909 gegründeten und 70 Jahre später stillgelegten „Ziegelwerke Beermann“ sowie in den Bau eines großen „Ausstellungs-Gebäudes“ investiert wurden , haben sich sehr gelohnt . Denn die „Museums-Besucher“ können im nördlichen Stadtrand von Lage den Weg vom matschigen Lehm zum fertig gebrannten „Ziegel“ im Wortsinn hautnah miterleben und erfahren zugleich , wie der Lehm vor 250 000 Jahren mit den Gletschern in der Region Lippe kam , wie bei den Sumerern die erste „Ziegel-Produktion“ begann und unter welch harten Bedingungen lippische „Wander-Ziegler“ dereinst ihr Brot verdienen mussten . Zwei beschilderte Rundwege führen durch die „Maschinen-Ziegelei“ und veranschaulichen die unterschiedlichen „Fertigungs-Methoden“ .
In der Gründer-Jahren stellte man die „Ziegel“ noch in Handarbeit her . Fünf bis sechs Arbeiter schippten jeden Tag bis zu zehn Tonnen Ton aus einer nahe gelegenen Grube in die Loren , die von zwei Pferden zur „Ziegelei“ gezogen wurden . 1922 erfolgte schrittweise die Umstellung auf „Maschinen-Produktion“ , und erst im Jahr 1946 machte ein „Eimer-Ketten-Bagger“ die Handarbeit in der Ton-Grube überflüssig .
Für die eigentliche Attraktionen sorgen in der „Ziegelei Lage“ die vielfältigen Führungen und das fantasievoll gestaltete „museumspädagogische Programm“ : Kinder werden von der spaßigen Comic-Figur „Ziegelmeister Lehmann“ und seinem lustigen Stein „Toni“ begleitet . Spiel und Spannung versprechen die gebuchten Programme : Zum Beispiel Schüler lernen in einer nachgebauten vorindustriellen „Hand-Ziegelei“ , wie früher gearbeitet wurde , und stellen ihre eigenen „Ziegel-Steine“ her , die vor Ort gebrannt werden . Dabei müssen sie in der so genannten „Mauke-Grube“ mit bloßen Füßen den Lehm aufbereiten . Eine „Zeit-Reise ins Ziegel-Erleben“ führt die Pänz in einem szenischen Spiel bis in das Jahr 1920 zurück und konfrontiert sie mit dem „Ziegler-Alltag“ . Aber auch die Erwachsenen können spielerisch entdecken - und zwar so ernsthaft wie humorvoll - , was „Backe , backe Steinchen“ damals für die Menschen bedeutete und wie die „Ziegler“ in der Fremde zurechtkamen , nämlich eher
schlecht als recht : „Die mit dem Weißen nach hinten“ , hörte man es um die Jahrhundertwende immer wieder über den Bahnhof von Lage rufen , wenn die lippischen „Wander-Ziegler“ im Frühjahr ihre Reise in fremde Regionen antreten mussten . Weiß war damals ein Leinsack auf dem Rücken , worin die Männer ihr Bettzeug verstaut hatten . Derart schwer bepackt , mussten die „Ziegler“ mit den Vierte-Klasse-Waggons der preußischen Reichsbahn vorlieb nehmen , die sich am Ende des Zuges befanden . In einem historischen „Eisenbahn-Waggon“ aus dem Jahre 1898 und der ehemaligen „Ziegler-Unterkunft“ wird von diesen Reisen der „Wander-Ziegler“ erzählt . Solche geführten Rundwege enden für den Besucher stilvoll mit dem „Ziegler-Diplom“ oder dem „Wander-Ziegler-Dipolom“ .
Ein Besuch des „Ziegelei-Museums“ ist für die ganze Familie ein großes Erlebnis . Wie schon beschrieben kommt jeder auf seine Kosten , auch die Kleinen können mal so richtig im Lehm matschen , möchte das Kind sehen dem das keinen Spaß macht . Die Eintritts-Preise halten sich auch im Rahmen , kann den Ausflug nur empfehlen , es ist ein wunderschöner Tag den man lange nicht vergisst !
„Das Ziegelei-Museum“
Spikernheide 77 ,
32791 Lage .
Die Öffnungszeiten sind :
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr ,
außer Freitags da ist Ruhetag .
Die Eintritt-Spreise sind :
Erwachsene vier Mark / 2,05 Euro ,
Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren ,
Schüler und Studenten zwei Mark / 1,02 Euro ,
die Familien-Karte kostet acht Mark / 4,09 Euro ,
Sonntags um 11 Uhr sind kostenlose Führungen ,
Sonntags um 11 bis 15 Uhr ist die Dampfmaschine in Betrieb ,
es gibt auch Gruppen-Führungen außerhalb der Öffnungszeiten nach Anmeldung .
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