epinions.com Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
epinions - Die Mutter aller Meinungsplattformen
ein Testbericht von RudiRe2005-09-13 23:54:16vom 13.09.2005Empfehlung: ja
Vorteile: Enorm hoher Qualitätsstandard. Effektive Eindämmung von Missbrauch....Nachteile/Kritik: Auszahlung nur an "Residents" der USA. Englischsprachig.
Bei meinem ersten epinions Besuch vor etwa drei Monaten überkam mich ein fast klinisches deja-vue Erlebnis - ich dachte, ich sei bei dooyoo, ciao oder yopi gelandet, nur eben auf Englisch.
Seit Juni 1999 existiert das amerikanische epinions, die archetypische und weltweit erste Verbraucher-Meinungs-Plattform überhaupt, die allen anderen Meinungsplattformen als Vorbild diente. Aus gutem Grunde, wie ich meine, hat epinions nach wie vor den Anspruch darauf, der NESTOR aller Meinungsplattformen genannt zu werden.
Epinions und die deutschsprachigen Meinungsplattformen gleichen sich an der Benutzeroberfläche wie ein Ei dem anderen. Was ich an dieser Stelle darlegen will sind nicht die GEMEINSAMKEITEN, sondern die weitaus interessanteren UNTERSCHIEDE. Vielleicht können wir von epinions noch etwas dazulernen?
Die UNTERSCHIEDE betreffen hauptsächlich zwei Bereiche: BEZAHLUNG und QUALITÄTSSICHERUNG DURCH MISSBRAUCHSREGELUNGEN.
1.) DAS BEZAHLUNGSSYSTEM:
Nix schnöde webmiles, kein wertloses Esperanto-Spielgeld, nein - Kohle, cash, harte Dollars, vastehn'Se? Epinions zahlt cash. Bis vor kurzem $ 1 pro geschriebener Meinung (jetzt leider abgeschafft) und 1 - 3 Cent pro Lesung durch ein epinions-Mitglied, je nach Rubrik. Für jeweils hundert Lesungen erhält der Autor also $ 1 bis $ 3, je nach Rubrik. Bei epinions gibt es KEINE Prämierungen. Sobald sich mindestens $10 auf dem Userkonto angesammelt haben, kann man sich das Geld als Überweisung oder Verrechnungsscheck ausbezahlen lassen. Der Bezahlungsmodus ändern sich von Zeit zu Zeit, so dass der hier vorgestellte "Tarifplan" zum Zeitpunkt seiner Lesung schon wieder veraltet sein kann. Ich werde aber bemüht sein, die jeweils zeitgemäße Version upzudaten.
Test halber veröffentlichte ich eine englischsprachige Meinung in epinions unter dem Account meiner amerikanischen Ehegattin. Sie wurde enorm häufig gelesen.
Es soll in den USA laut NEW YORK TIMES und USA TODAY User geben, die ihre Autorenschaft bei epinions zum vollberuflichen Haupterwerb gemacht haben und mit über $20.000 pro Monat nach Hause kommen (sofern sie dieses am Computer hockend überhaupt jemals verlassen haben). Ob es sich bei dieser "Nachricht" um einen schnöden Werbetrick handelt oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich kann es schlichtweg nicht beurteilen. Ich habe mich zwar auf die Suche nach diesen angeblichen epinions-Bestsellern gemacht, aber finden konnte ich sie nicht. Es sollen auch nur eine Handvoll sein. Mein Selbstversuch hat mir jedoch gezeigt, dass dies durchaus möglich ist. Aber nur extrem hervorragend bewertete Meinungen ("sehr hilfreich" = "highly recommended") kommen in den Genuss von durchaus 5000 Lesungen oder sogar mehr. Immerhin: Die meisten gut bewerteten Meinungen werfen bei epinions monatlich so um die $20 ab. Das Meiste, was ich bislang bei epinions an "highly recommended" Meinungen gelesen habe, ist enorm fundiert, ausführlich begründet und lässt uns Dooyaner, Ciaoisti und Yopisten in Fragen der Meinungs-Qualität ziemlich alt aussehen.
Es wird enorm viel gelesen bei epinions. Dies mag zum einen daran liegen, dass Englisch eine weitaus mehr verbreitete Sprache ist als unser weltverlorenes Deutsch. Zum anderen dürfte die Userakzeptanz von epinions um einiges höher liegen als die von deutschsprachigen Verbrauchermeinungsplattformen, fördert man in den USA Qualität nachhaltiger und ahndet Missbrauch effizienter als hierzulande. Zu schön um wahr zu sein.
Wo ist der Haken bei der Sache?
Man muss nicht Staatsbürger der USA sein, um bei epinions Meinungen
schreiben zu können, in Englisch wohlgemerkt. Doch darf epinions die sogenannten "Eroyalties" (Internettantiemen) nur an "residents" der Vereinigten Staaten ausbezahlen - soll heißen, man braucht einen Wohnsitz innerhalb der USA. Da die "Eroyalties" sowohl der amerikanischen Mehrwert- als auch Einkommensteuerpflicht unterliegen, und diese von US-Staat zu US-Staat variieren, bleibt die Auszahlung auf jene User beschränkt, die dieses Wohnsitz-Kriterium erfüllen. Noch nie war ich so glücklich, mit einer Amerikanerin mit Standbein in den USA verheiratet zu sein.
Es erscheint mir an dieser Stelle erwähnenswert, dass auch webmiles oder die sonst übliche monetäre Vergütung anderer Plattformen hierzulande nach deutschem Steuerrecht prinzipiell Einkommensteuerpflichtig sind, da es sich sowohl um EINKÜNFTE AUS SELBSTÄNDIGER ARBEIT als auch um ein EINKOMMEN AN GELDES STATT handelt. Es besteht derzeit noch eine geringfügige Rechtsunsicherheit, die sich aber in Bälde GEGEN den User klären wird. Doch bislang ist wohl bei keinem Dooyaner, Caoisti oder Yopisten so viel zu holen, als dass es die Kontrolle oder den Steuerfahndungsaufwand lohnte. In Zukunft jedoch werden sich die deutschen Finanzämter wohl kaum mit webmiles als Steuerbegleichungswährung begnügen - sie werden auf kurz oder lang 6 Pfennig pro webmile als Berechnungsgrundlage heranziehen und die Besteuerung auf DM beziehungsweise Eurobasis durchziehen. Die Zeit ist absehbar, wann deutsche Plattformen zu Kontrollmitteilungen an Finanzbehörden verdonnert werden. Solche und ähnliche Absichten liegen bereits auf den Schreibtischen diverser Finanzausschüsse zur Absegnung bereit, wie auch so manch andere abschröpfende Besteuerung der Internetnutzung (auch GEZ). Auch die Europäische Kommission meint hier "sinnstiftend" eingreifen und mitwirken zu müssen. Aber dies nur am Rande.
2.) QUALITÄTSSICHERUNG DURCH MISSBRAUCHSREGELUNG:
QUALIÄT:
Die Qualität der Meinungen bei epinions ist enorm hochkarätig. Bei extrem hoher Leseleistung verschwinden nachlässig verfasste, unfundierte, sprachlich wie inhaltlich unausgegorene Beiträge binnen kürzester Zeit in der Versenkung UND WERDEN GANZ AUS DEM SYSTEM ENTFERNT. Das epinions Meinungs-Eingabefenster verfügt über eine Word-ähnliche Rechtschreibprüfung. Würde man den qualitätsorientierten epinions-Maßstab auf deutsche Verhältnisse übertragen, so würde ich mal schätzen, dass ca. 70% aller hiesigen Meinungen nicht überleben könnten. Die epinions Devise scheint zu sein:
GET RID OF BULLSHIT.
KEINE CHANCE DEM DÜNNPFIFF.
MISSBRAUCH:
Der radikaldemokratische Umgang von epinions mit USER MORAL, FAKERN, PLAGIATOREN, SPAMMERN und sonstigen Formen des unlauteren Userverhaltens ist unmissverständlich und hervorragend gelöst.
Epinions verteilt KNÖLLCHEN. Ja, ganz richtig gelesen. So wie eine Politesse Falschparkern einen Strafzettel hinter den Scheibenwischer klemmt, platziert epinions kleine Strafzettel (Tickets) auf der Profilseite und auf den beanstandeten Meinungsseiten. Der beschuldigte User kann sich binnen einer festgesetzten Frist zu den gegen ihn vorliegenden Vorwürfen äußern, sich entweder rechtfertigen, entstandene Missverständnisse aus dem Weg räumen oder seine Schuld eingestehen. Reagiert er binnen dieser Fristsetzung nicht, so wird er deaktiviert. Die öffentlichen und für jedermann einsehbaren KNÖLLCHEN schrecken offensichtlich malvolente User nachhaltigst von jedweder Form von Missbrauch ab. Ganz offensichtlich gibt es auch in der virtuellen Anonymität eine beherzigte Ganovenehre, die da lauten mag:
BLOSS NICHT UNANGENEHM AUFFALLEN.
Jeder User kann Auffälligkeiten (Faker, Plagiatoren, Killerbewerter) an epinions melden. Epinions überprüft die jeweilige "Anzeige", und sollte sich der Verdacht bestätigen, dann wird eben ein Knöllchen ausgestellt und verhängt. Dabei sind die Vergehen wie in einem Bußgeldkatalog klipp und klar geregelt. Es gibt acht No-No's, acht Regelverstöße gegen das System, derer sich der User schuldig machen kann.
1.) COPYRIGHT INFRINGEMENT:
Verstöße gegen das Urheberrecht durch Meinungsklauer, Spiegler, Blender, Kopierer und Plagiatoren.
2.) DUPLICATE REVIEWS:
Mehrfachplatzierungen von ein und derselben Meinung unter verschiedenen Rubriken, sowie auch das Verfassen mehrerer Meinungen zu einem Produkt.
3.) MULTIPLE ACCOUNTS:
Betrifft Faker mit mehreren Anmeldungen, sei es, um Killerbewertungen abzufeuern oder um die eigenen Meinungen zu pushen.
4.) REFERRAL MARKETING:
Das Ausbringen kommerzieller Links auf Profilseite und/oder Meinungsseiten.
5.) REVIEW PADDING:
Bedeutungsarme, redundante, nichtssagende Labermeinungen, die danach riechen, nur um der Mindestwortanzahl (bei epinions 100) willen geschrieben worden zu sein.
6.) SCRIPT:
Software-Missbrauch wie die Benutzung automatischer Robot-Leseprogramme, die unlautere persönliche Bereicherung zum Ziel haben. Der Fall "bluhm", so wie er sich bei hitwin kürzlich zutrug, würde hierunter fallen.
7.) SPAM:
User, die andere User zuspammen, mit Werbebotschaften einmüllen oder eMails mit "liest Du mich, dann les ich Dich" Aufforderungen versenden.
8.) VIOLATION OF USER AGREEMENT:
Alle übrigen Verstöße gegen die AGB's, sofern sie nicht durch die Punkte 1-7 abgedeckt sind.
CATEGORY CAPTAINS (welch schönes Neudeutsch) heißen bei epinions EXPERTS. Der FREUNDESKREIS, das ist das WEB OF TRUST, und dann gibt es da noch einen ganz speziellen Button, den DISTRUST-Knopf, den Knopf des MISSTRAUENS, der das grüne Band der Sympathie wohl ein für alle Mal durchtrennt. Wird der des öfteren angeklickt, überprüft epinions automatisch, ob das Misstrauen gerechtfertigt und womöglich durch die Verletzung einer der 8 Regelverstöße begründet ist. Wenn ja, dann gibt's wieder ein KNÖLLCHEN.
Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern kommen vor allem auf den Kommentarseiten zum Ausdruck. Die Umgangsformen in den USA sind auch im Real Life menschenwürdig, warmherzig, offen, eben ganz anders, als bei uns. Wen wundert's, dass es auf den Kommentarseiten bei epinions ähnlich gepflegt zugeht wie im amerikanischen Alltag. Der Deutsche Beobachter mag diese amerikanische Tugend aus seiner subjektiven Perspektive als Gefühlsdusselei oder emotionale Oberflächlichkeit abwerten, doch dann sollte er sich einmal bei epinions anschauen, was die Amerikaner von Deutschland halten. Der hässliche Deutsche findet sich dort zuhauf beschrieben, genau so, wie er sich auch in diversen dooyoo oder ciao Kommentarseiten gebärdet, die eher Trinksporthallen und Bahnhofspissoirs voller krakelender Saufkumpane gleichen, als einer Meinungsplattform. Bei den Mini-Kommentarfenstern bei yopi besteht diese Gefahr zumindest nicht, herrscht auf dieser Plattform doch so gut wie keine Kommunikation unter den Usern. Die typisch DEUTSCHE HÄME sucht man bei epinions gottlob ebenso vergeblich. Ballermann 6 grüßt alle Anonymen Alkoholiker.
Wer wissen will, wie deutsche Plattformen eines Tages aussehen sollten, könnten oder müssten, der schaue sich getrost, neugierig und staunend bei
http://www.epinions.com
um. Wirklich witzig, sind die Reisebeschreibungen der Amerikaner über Deutschland. Dort kann man eine Menge darüber erfahren, wie uns die Amis sehen, verraten sie doch aber auch so manch verquere Erwartungshaltung gegenüber unserem Land. Als Ausgangspunkt für einen unterhaltsamen Surfausflug ins amerikanische epinions empfehle ich deshalb
Dort beschreibt epinions User cinimod alias Dominic Lim unter dem Meinungstitel ONLY IN GERMANY seine für uns extrem amerikanischen Erfahrungen auf der AUTOBAHN, dem Wirtshaus mit dem MINERALWASSER, das teurer als das Bier ist, und mit der für ihn schockierenden Einsicht, dass man in Deutschland NACKT in die Sauna geht. Really Funny. Derzeit gibt es bei epinions über 90 Meinungsseiten über Good Old Germany, eine lesenswerter wie die andere. Doch Vorsicht, Rückflugticket nicht vergessen.
PERSÖNLICHES FAZIT:
Epinions wartet mit vorbildlichen und daher nachahmenswerten Features in Sachen QUALITÄTSSICHERUNG und VORBEUGUNG VOR MISSBRAUCH auf. Epinions zeigt, wie man's richtig macht.
GERECHT.
QUALITÄTSBEWUSST.
RADIKALDEMOKR ATISCH.
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