Barley Nigel: Traumatische Tropen
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Barley Nigel: Traumatische Tropen
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Barley Nigel: Traumatische Tropen

Testberichte Barley Nigel: Traumatische Tropen

 (Taschenbuch)
5.0 von 5
Platz 1 in der Kategorie "Bücher Völkerkunde Populäre Darstellungen".
Bewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5.0 von 5
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Barley Nigel: Traumatische Tropen Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5.0 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (2/2).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
  • witzig, unterhaltsam, "in Maßen" lehrreich, interessant
  • hervorragende Beschreibung eines Ethnologen, wie die Welt "im Busch" tatsächlich aussieht
Nachteile/Kritik
  • nichts
  • leider keine Bilder
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templerthomas

der humorvolle Weg zur Erkenntnis

ein Testbericht von 2008-01-03 23:41:12 vom 03.01.2008
Empfehlung: ja
Vorteile: witzig, unterhaltsam, "in Maßen" lehrreich, interessant...
Nachteile/Kritik: nichts
Nigel Barleys Buch Traumatische Tropen ist sicherlich das witzigste Buch über einen Kulturclash.
Das Buch beginnt damit das der Ethnologe Barley sich ein Volk sucht welches er erforschen möchte.
Er "entdeckt" hierfür die Dowayos in Kamerun, diese Entscheidung fällt er mmhh sagen wir mal sehr subjektiv. Ein Stipendium um nach Kamerun zu kommen ist überraschenderweise schnell zu erhalten. Anders ein Visa.
Er steht vor der grossen Herausforderung zu begründen:
"warum die britische Regierung es für sinnvoll hält, jungen Leuten relativ große Geldbeträge zu zahlen, damit diese in gottverlassene Gegenden ziehen, um angeblich Volksgruppen zu erforschen, von denen dort jedermann weiß, wie ungebildet und zurückgeblieben sie sind." (Zitat)
Für die Behörden ist er ein Spion oder ein Schwachsinniger.
So verbringt Barley dann die Zeit damit letzteres zu begründen um zu seinen Dawayos zu kommen.
Sehr humorvoll bechreibt Barley die afrikanische Bürokratie in der Bescheinigungen ohne Sinn und Zweck gefordert werden.

Barley beschreibt in diesen ersten 50,60 Seiten, bis Barley schlussendlich bei seinen Dowayos ankommt,die afrikanische Realität sehr treffend. Besonders schlecht kommen bei ihm die westlichen Diplomaten weg. Diese lungern nur in ihren Luxusherbergen herum und bekommen von Afrika genau gar nichts mit (eine Meinung die ich nun in über 50 Büchern schon gelesen habe).
Als Barley es schafft zu den Dowayos vorgelassen zu werden fängt dann der eigentliche Teil des Buches an.
Die Beschreibung der Dowayos aber damit auch eine Selbstreflexion, eine Beschreibung des Irrsinns der Ethnologie wie auch der Sinnhaftigkeit der Ethnologie. Die Ethnologie erweist sich zwar vielfach als hilflos außerhalb des akademischen Elfenbeinturms ist dann aber auch wieder die beste erklärende Wissenschaft.

Barley kämpft weiterhin mit der Bürokratie in Form eines selbstherrlichen Präfekten, mit Fledermäusen, der Sprache der Dowayos die so ganz andersartig bleibt, dem Klima Kameruns, mit Krankheiten und mit seinem Gärtner der ihm alle Salatsetzlinge an einem Tag pflanzt (dies führt dann zu einem Überangebot von tausenden Salatköpfen welches wieder vom Präfekten als Zeichen des Fortschritts gedeutet wird)
Barleys Hauptziel die Teilnahme an einer (männlichen) Beschneidungszeremonie erreicht er allerdings.

Barley verliert nicht nur an Körpergewicht, er hat zudem Probleme mit seinem Unterkiefer. Aufgrund dessen muss er in die nahegelegene "Stadt", was zu einer meiner Lieblingsszenen im Buch führt. Während er sich noch über einen anderen Westler wundert der die Zahnarztpraxis verlässt als ihm klar wird das der Arzt ein Schwarzer ist, erhält er bald eine Lektion in afrikanischem Pragmatismus. Barley lässt sich vertrauensselig behandeln und bis er bemerkt das er nicht dem Zahnarzt sondern dessem Techniker gegenübersitzt verliert er schon 2 Vorderzähne. Vom richtigen Zahnarzt bekommt er dafür eine nicht funktionierende Plastik-Protese.
Allerdings heben seine bei jeder Unterhaltung bewegende Zähne sein Ansehen bei den Dawayos da diese ihre Vorderzähne abfeilen und Barleys Situation nachvollziehen können.
Barleys Beschreibung der Dowayos liest sich flüssig, interessant und vor allem witzig. Es wird aber auch klar das die Kultur der Dowayos extrem unterschiedlich von der Mainstream westlichen Kultur ist.

Nicht nur ihr Bier das nicht betrunken macht :-)
Besonders interessant für mich - die vollkommene Entkoppelung von Sex und Liebe. Als ein Einheimischer rätselt mit wem ihn seine Frau betrügen könnte gibt Nigel Barley ihm den Rat es könnte sein Bruder sein, er würde ihn oft lachend mit seiner Frau sehen. Worauf der Einheimische mein: Kann nicht sein die Zwei mögen sich (!!)
Solche Beispiele gibt es massig, mein Liebling bleibt der Regenmacher - aber ich möchte nicht mehr verraten!

Als Barleys 2 Jahre um sind hat Kamerun noch eine Überraschung für ihn parat.
Die gleiche Bürokratie wie am Anfang mit 9 abgestempelten Bescheinigungen an deren Ende sich Barley fühlt wie Moses als dieser "von Gott seine Gesetzestafeln bekam".
Eine Zwischenepisode in Italien bei der er bei den Carabinieris landet führt dann nach England und zu einem kritischen Rückblick und zu Barleys Resumee - ich komme wieder!
Eigene Meinung:
Mir gefällt Barleys Stil.
Barleys Stil ist britischer, schwarzer, sarkastischer, ironischer Humor vermischt mit kritischer Selbstbetrachtung. Der Autor scheut nicht vor Kritik an sich selber zurück. Eine Seltenheit bei Schriftstellern und noch mehr bei Wissenschaftlern. Sehr schätzenswert.
Tragisch bleibt für mich der Eindruck das den Dowayos der Kontakt mit dem Westen in der Figur von Barley genausowenig bringt, wie dem Autor. Er schafft es nicht die Rituale, Glaubensansichten und Vorstellungen der Dowayos aufzudecken. Das Buch bleibt daher sehr witzig, tlw erklärt es auch einiges der afrikanischen Wirklichkeit für einen tieferen Einblick ist dies allerdings zu wenig.
Ein sehr witziges Buch aber keines welches einem die Hintergründe Westafrikas wirklich näher bringt. Daher 4 von 5 Sternen?

Nein es bleibt ein geniales Buch für alle die sich für Afrika interessieren, Reiseberichte gerne lesen, an Fremdem interessiert sind, eine komplett andere Kultur kennenlernen möchten, für Ethnologen mit Humor und generell Freunden des britischen Humors.
Empfehlenswert!

Taschenbuch: 249 Seiten
Verlag: Dtv
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423123990
ISBN-13: 978-3423123990
Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12,1 x 1,7 cm
Weitere Bücher des Autors:
Nigel Barley: Die Raupenplage. Klett-Cotta, Stuttgart 1989. ISBN 3608931244
In diesem Buch geht es auch um die Dowayos
Nigel Barley: Traurige Insulaner. Klett-Cotta, Stuttgart 1993, 1999. ISBN 3-423-12664-7
Nigel Barley: Hallo Mister Puttymann. Klett-Cotta, Stuttgart 1994, 1999. ISBN 3-423-12580-2
Nigel Barley: Der Löwe von Singapur. Klett-Cotta, Stuttgart 1996. ISBN 3608931864
Nigel Barley: Tanz ums Grab. Klett-Cotta, Stuttgart 1998, München 2000. ISBN 3-608-91811-6
Nigel Barley: White Rajah. Little, Brown, London 2002, Abacus, London 2003. ISBN 0316859206
...
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Kommentare
MasterT86
MasterT86, 04.01.2008
Knappes sh, denn deine eigene Meinung zum Buch ist auf 5 Zeilen beschränkt, der Rest ist Inhaltsangabe. Liebe Grüße Tobias
mrwong
mrwong, 23.01.2008
sh.........................ich freu mich auch über jede GEGENLESUNG von euch viele und liebe grüße Felix :-
DOMMEL
DOMMEL, 23.01.2008
dann will ich dem 100 Leser mal eine bewertung da lassen ein sh
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Haramis

Auf, auf zur fröhlichen Beschneidung!

ein Testbericht von 2004-05-03 18:58:07 vom 03.05.2004
Empfehlung: ja
Vorteile: hervorragende Beschreibung eines Ethnologen, wie die Welt "im Busch" tatsächlich aussieht...
Nachteile/Kritik: leider keine Bilder
Es gibt Menschen auf dieser Welt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, andere Menschen zu erforschen. Damit meine ich nicht etwa Psychologen, sondern vielmehr Ethnologen. Die Ethnologie, Völkerkunde – oder wie es neuerdings in Regensburg heißt – "Vergleichende Kulturwissenschaften" – erforscht die Völker dieser Erde, und Nigel Barley ist einer ihrer berühmtesten Vertreter.
Barley studierte in Oxford und Cambridge und ist derzeit am British Museum in London tätig. Bekannt geworden ist er wohl erst so richtig durch seine Bücher, in denen er frei von der Leber weg schreibt, was er bei seinen Feldforschungen alles erlebt hat. Daß dabei der Humor nicht auf der Strecke bleibt, kann ich hier schon mal verraten.


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Zum Buch
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"Traumatische Tropen – Notizen aus meiner Lehmhütte" beschäftigt sich mit Barleys erster Feldforschung, bei der er sich bei den sog. Dowayos in Kamerun aufgehalten hatte. Mit viel Witz erzählt er, was ihm dort alles widerfahren ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Ethnologen schrieb er seine Bücher nicht in diversen Missionsstationen, wohlbehütet von der "wilden Welt" dort draußen, sondern wohnte selbst im Dorf der Dowayos, was seinen Bericht um vieles lebendiger werden läßt.

Ich beziehe mich hier auf die Taschenbuch-Ausgabe des dtv-Verlags, ISBN 3-423-12399-0, die es derzeit für 9 Euro zu kaufen gibt. Meine Auflage stammt von 1997 und hat (leider nur) 249 Seiten, die sich in Windeseile lesen lassen. Das einzige, was ich sehr vermisse, sind Fotos. Wer wenigstens ein paar Fotos von den Dowayos sehen will, dem empfehle ich ein anderes Buch von Barley mit dem Titel "Tanz ums Grab". Die Bilder dort sind zwar auch nur schwarzweiß und nicht von bester Qualität, aber es vermittelt zumindest einen vagen Eindruck der Situation.
"Traumatische Tropen" dürfte das bekannteste Buch von Barley sein neben "Traurige Insulaner" und "Hallo, Mister Puttymann".


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Inh alt + Meinung ... oder ... "Lacht dir der Himmel?"
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Es ist praktisch unmöglich, eine kompakte Inhaltsangabe des Buches zu erstellen. Entweder schreibe ich nur "Barley war auf Feldforschung in Kamerun", oder ich werde derart ausführlich, daß ich wohl die nächsten zehn Absätze dafür brauche. Da es sich um Tatsachenberichte handelt, nicht um einen Roman, sind die Geschehnisse in der Reihenfolge, in der sie passiert sind, aufgeführt. Barley erzählt so lebendig, daß man das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein, von seiner Abfahrt bis zu seiner Rückkehr nach England. Ich werde deshalb meine Meinung an einzelnen Beispielen darlegen. Eine Leseprobe werde ich im Anschluß an meinen Bericht anhängen, um euch einen kleine Einblick in den Schreibstil Barleys zu verschaffen.

Bisher hatte ich immer gedacht, Deutschland wäre das Land mit der schlimmsten Bürokratie, doch wenn man liest, was Barley alles durchmachen mußte, bis er überhaupt mit seinen Forschungen anfangen durfte, dann kann man nur noch den Kopf schütteln. Die Vorbereitungen für die Reise schienen dagegen denkbar einfach gewesen zu sein, S. 21:
"Mir riet man, mein Testament zu machen (was ich tat), Nagellack für die dortigen Dandies mitzunehmen (was ich unterließ) und ein gutes Taschenmesser mitzunehmen (welch selbiges kaputtging)."
Der Papierkrieg, der ihn in Kamerun erwartete, war nicht ganz so leicht zu lösen und konnte im Endeffekt nur entweder durch Bestechung oder durch List umgangen werden. Für mich als Leser hatte es den Eindruck, als ob der tägliche Überlebenskampf der Menschen dort nicht darum ging, ihr täglich Brot zu verdienen, sondern eher darum, überhaupt erst einmal eine Genehmigung zu erhalten, um etwas arbeiten zu dürfen.

Es dauert denn fast 50 Seiten, bis Barley es an sein Ziel schafft. Die Dowayos sind ein kleiner Stamm, der eher einen schlechten Ruf hat, so daß man sich schon gespannt fragt, wie der Forscher bei ihnen aufgenommen werden wird. Nach einigen Verständigungsproblemen und dem Anheuern eines Dolmetschers verlief dies aber fast reibungslos. Wenn es Mißverständnisse gab, war ohnehin Barley immer derjenige, der die Folgen ausbaden mußte.
In diesem Zusammenhang muß ich immer an die Stelle denken, an der er in die Stadt fuhr und dabei praktisch verpflichtet war, so viele Dowayos mitzunehmen, wie ins Auto paßten. In der Stadt gab es eine Brauerei, bei der man beobachten konnte, wie die Flaschen "ohne menschliches Zutun" abgefüllt wurden. Die Dowayos standen Stunden davor, um dies zu beobachten, weil es für sie völlig fremd war.
Übrigens braut man dort ein seltsames Bier mit 33 % Stammwürze, das "die besondere Eigenschaft" hat, "einen direkt vom Zustand der Nüchternheit in Katerstimmung zu versetzen, ohne daß man zwischendurch betrunken ist" (S. 54). Ob sich da wohl ein Import lohnen würde?

Es war für mich immer wieder erstaunlich, wie verschieden Gestik und Mimik doch sein können. Barley schildert sehr detailliert, was man durch eine bloße Handbewegung schon alles falsch machen kann. Die gängige Begrüßungsformel, die ich sehr hübsch finde und der unser "Hi" einfach nicht das Wasser reichen kann, ist "Lacht dir der Himmel?"
Auch ist es natürlich sehr wichtig, daß man die Sprache des Volkes lernt, mit dem man sich beschäftigt. Schließlich kann man von einem fast vergessenen afrikanischen Volk nicht erwarten, daß es Englisch spricht. Da mich die Sprachwissenschaft schon immer fasziniert hat, habe ich jede Bemerkung darüber verschlungen und fand es sehr interessant, daß die Dowayos eine durch und durch lautmalerische Sprache haben. Tatsächlich entscheidet oft die Tonhöhe darüber, was man sagen will und ich kann mir vorstellen, daß es für Barley gar nicht lustig war, als er bei einem wichtigen Treffen seinem Gegenüber klarmachen wollte, daß er gerade einen Braten im Ofen habe, stattdessen aber die Absicht kundgetan hat, er wolle "mal schnell mit dem Schmied kopulieren".

Und da wären wir eigentlich auch schon beim wichtigsten Thema, das es bei den Dowayos gibt: Sex. Es ist erstaunlich, wie weit das Leben dieses kleinen Völkchens allein von vier Dingen bestimmt wird: Sex, Beschneidung, Tod und Bier, wobei auf eine komplizierte Art und Weise alles miteinander verknüpft ist.
Bei den meisten Dingen geht man davon aus, daß die Männer mehr wissen als die Frauen, was natürlich ganz und gar nicht der Fall ist, doch würde das nie jemand zugeben. So behaupten die Männer z. B. den Frauen gegenüber, daß bei der Beschneidung der After zugenäht wird. Interessante Vorstellung...

Manche Dinge kommen einem als "aufgeklärter" Leser so absurd vor, daß ich mich streckenweise gefragt habe, ob nicht die Hälfte des Buches erfunden ist – so bescheuert kann doch keiner sein, das zu glauben. Wenn man aber näher darüber nachdenkt, kommt man ein wenig ins Schwanken und fragt sich womöglich, ob man nicht selber derjenige ist, der einem Irrglauben unterliegt. Der größte Unterschied zwischen den Dowayos und uns ist meiner Meinung nach der, daß wir nur das glauben, was wissenschaftlich erwiesen ist, während bei den Dowayos alles gottgegeben bzw. von den Ahnen bestimmt ist. Sie machen sich wenig Gedanken darüber, ob etwas richtig oder falsch ist – es ist eben so, Punkt.
Diese Ansicht ist für uns sehr gewöhnungsbedürftig und ich denke, man muß wirklich dort gelebt haben, um derartige Einstellungen nicht nur erfahren sondern auch akzeptieren zu können. Falls Barley vor seiner Reise den Film "Die Götter müssen verrückt sein" gesehen hat, wird ihm jedenfalls so einiges wieder bekannt vorgekommen sein, nur daß er es inzwischen garantiert aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachtet.

In der Schule haben wir mal gelernt, daß man den armen, armen Menschen in Afrika etwas Gutes tun muß, indem man ihnen z. B. neue Methoden der Landwirtschaft beibringt, also u. a. verschiedene Pflanzen anzubauen usw. Von den Dowayos lernen wir nun, daß all diese Bemühungen nicht den geringsten Erfolg zeigen. Man will gar keine neuen Methoden, sondern ist im Gegenteil mit den alten sehr zufrieden. Die Dowayos ernähren sich fast ausschließlich von Hirse und Bier und ich habe schon nicht schlecht gestaunt, als ich gelesen habe, daß sie ihren Kindern als Pausenbrot tatsächlich Bier mit in die Schule geben, so daß die Kleinen praktisch jeden Tag betrunken nach Hause kommen.

Während die Dowayos also recht gut mit ihrem Leben zurecht kommen, wurde der arme Feldforscher heftig gebeutelt, meist von irgendwelchen Krankheiten, nicht zuletzt der Malaria. Ich muß ganz ehrlich sagen, ich hätte nicht mit ihm tauschen wollen. Mir tut immer noch alles weh, wenn ich an die Szene mit dem "Zahnarzt" denke, der ihm mal schnell die Vorderzähne gerissen hat und sich dann als Techniker entpuppt hat, als der richtige Zahnarzt die Praxis betrat. Man stelle sich eine derartige Szene in Deutschland vor...
In Kamerun gehört so etwas anscheinend zum Alltag und die einzigen Folgen, die eine derartige Behandlung hat, sind Zahnprothesen (die nicht passen) und Gelächter. Bei uns würde es Prozesse und Forderungen nach Schadenersatz hageln.

Einen Prozeß gab es bei den Dowayos nur einmal – nämlich, als Barley einen Gärtner beauftragt hatte, diverse Gemüsesorten für ihn anzupflanzen, von jedem ein wenig. Dummerweise war der Kopfsalat das einzige, das wachsen wollte und der Gärtner meinte es ein wenig zu gut – am Ende war Barley der Besitzer von dreitausend (!) Salatköpfen. Soviel zum Thema Verständigungsschwierigkeiten...

Über Barley und seine Dowayos könnte ich noch eine ganze Menge schreiben, weil mich das Buch wirklich tief beeindruckt hat. Aber ich denke, diese wenigen Beispiele haben genug Einblick gegeben und auch gezeigt, wie strapaziös und gleichzeitig ergiebig eine derartige Feldforschung sein kann.



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FAZIT
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Das Buch wurde uns vor längerer Zeit von einem Dozenten empfohlen, wofür ich sehr dankbar bin, denn dadurch habe ich meinen neuen Lieblingsautor gefunden. Barley erzählt Situationen, die so lebensnah wirken, daß man das Gefühl hat, alles vor sich zu sehen.
Die Dowayos sind ein lustiges kleines Völkchen, das die Dinge sehr gelassen nimmt und von unseren täglichen Problemen keine Ahnung hat. Alles ist gut, solange nur die Beschneidung gut verlaufen ist...

Sehr deutlich wird im Buch, daß es eben nicht immer so verläuft, daß der Ethnologe zum Volk seiner Wahl kommt, dort mit ausgebreiteten Armen empfangen und womöglich gleich als Gott verehrt wird. Viel eher muß er erst einmal kämpfen, um überhaupt ernst genommen zu werden – denn warum sollte jemand aus dem großen Europa (in dem es ja angeblich Kannibalen gibt) zu ihnen kommen, um ein so unwichtiges Volk zu beobachten?


Und jetzt wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen,

Eure Haramis






0=0=0=0=0=0=0=0= ANHANG =0=0=0=0=0=0=0=0

Leseprobe, S. 224:

"Es war der Schweißer, ein riesiger Bursche, der den selbstgewählten Namen Schwarzer Rammler trug, in dessen Glanz er sich sonnte. >>He, weißer Mann<<, rief er, >>Ihr Auto hat mich eben umzubringen versucht.<< [...]
>>Sind Sie unverletzt?<< fragte ich.
>>Unverletzt? Sehen Sie sich das an.<< Er zog aus seiner Hose einen enormen Pi****, mit dem er anklagend vor mir herumwedelte. Ich kapierte nicht gleich, was diese Enthüllung bedeuten sollte, bis ich bei näherem Hinschauen einen kleine Schnitt entdeckte, den er dringend 'ärztlich versorgt' sehen wollte. Ich war, offen gestanden, ziemlich ratlos und wußte nicht, wo ich das Zeug für eine passende Behandlung hernehmen sollte. Eine rasche Durchsicht förderte nur ein konzentriertes Bleichmittel zutage. Das schien für den vorliegenden Fall nicht unbedingt das Geeignete. Ich forderte ihn deshalb auf, sich an Herbert Brown gleich unten am Hang zu wenden [...]
Erst als ich wieder mit der mühsamen Arbeit beschäftigt war, meine Aufzeichnungen zu ordnen, fiel mir ein, daß Herbert Brown außer Haus war, um einen Lastwagen zu reparieren, und daß nur seine Frau, eine etwas schreckhafte Dame, anwesend war. Ich stellte mir den Schwarzen Rammler vor, wie er sich an der Haustür aufbaute und sich entblößte..."
...
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