NICHT IMMER OHNE FEHL UND TADEL - HALBGÖTTER IN SCHWARZ
ein Testbericht von modschegibbchen2005-09-27 20:24:36vom 27.09.2005Empfehlung: ja
Vorteile: sehr sachlich, sehr informativ, sehr engagiert und dennoch spannend geschrieben...Nachteile/Kritik: das was Bossi beschreibt, ist leider Tatsache
heute wage ich mich mal an eine völlig andere Kategorie heran und hoffe inständig, dass es nicht ganz daneben geht. Aber ich bin doppelt froh. Zum einen, weil ich das Buch, von dem ich im Vorfeld schon so viel gelesen hatte, nun auch ergattert hatte und zum anderen, weil es diese Kategorie hier schon gibt udn ich sie nicht erst freischalten lassen muss.
Ich möchte euch heute den Bestseller von
ROLF BOSSI
HALBGÖTTER IN SCHWARZ
Deutschlands Justiz am Pranger
vorstellen.
Erschienen ist das Buch im März 2005 im Frankfurter Eichborn-Verlag und Bossi prangert darin auf 279 Seiten die für Laien und selbst „Insider“ kaum nachvollziehbaren oder gar zu verstehenden Missstände in unserem Rechtssystem – speziell im deutschen Strafrecht – an.
ISBN: 3-8218-5609-2
Preis: 22,90 €
Das Buch ist in allen einschlägigen Buchhandlungen oder Bücher-Online-Shops erhältlich, aber selten unter dem regulären Preis.
1. DER AUTOR
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Er wurde am 10. September 1923 in Karlsruhe geboren. Er lebt heute in München und hin und wieder zieht ihn auch heute noch die Arbeit in seine Kanzlei. Ansonsten ist über sein Privatleben wenig bekannt, was nicht weiter störend ist, aber eben auch immer wieder eine Art Mythos heraufbeschwort.
Bossi: Ein Name, ein begriff. Die meisten kennen ihn, ihm geht ein sensationeller Ruf als bekanntester Strafverteidiger Deutschlands voraus, der inzwischen auf eine über 50-jährige Praxis als Rechtsanwalt und Strafverteidiger zurückblicken kann. Immer wieder tauchte sein Name im Zusammenhang mit so genannten Promi-Prozessen auf, aber Bossi er verteidigt nicht nur die Reichen und Schönen, sondern auch die, die keiner kennt. Der Fall muss nur – so mein Eindruck nach dem Lesen des Buches - reizvoll oder kompliziert, aber keineswegs 0815 sein.
Genauso gut wie beispielsweise Ingrid van Bergen, die einst ihren Lebensgefährten im Affekt erschossen hatte, Vico Torriani oder Romy Schneider, hatte er auch die Verteidigung des Gladbecker Geiselnehmers Dieter Degowski, des Kindermörders Jürgen Bartsch oder ehemalige DDR-Grenzsoldaten im berüchtigten Mauerschützenprozess oder der Hochstabler Gerd Postel (der Postbote im Chefarztkittel) verteidigt. Aber um all diese Aufsehen erregenden Prozesse geht es in diesem Buch gar nicht. Aus seiner langjährigen Praxis hat er sich Fälle von eigentlich unbedeutenden Klienten herausgepickt, die aber alles eines gemeinsam hatten: Sie zeigen auf, wie bzw. wie fehlerhaft die deutsche Justiz funktioniert.
Sein Gebiet ist das deutsche Strafrecht, speziell die so genannten Kapitalverbrechen, wo er sich wie kein zweiter auskennt.
„Halbgötter in Schwarz“ ist nicht sein erstes Buch. Bereits Mitte der 70er Jahre erschien von ihm das Buch „Ich fordere Recht: 24 Jahre Strafverteidiger in Deutschland“.
2. WAS WILL BOSSI UNS MIT SEINEM BUCH SAGEN?
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„Nach über 50 Jahren als Strafverteidiger rechnet Rolf Bossi ab: Etwas ist faul im Rechtsstaat Deutschland.“ So aus der Ankündigung des Buches.
Aber das allein ist eine zu oberflächliche Wiedergabe der Motive, wie ich finde. Während seiner Tätigkeit als Strafverteidiger hat er Einblicke erhalten und Zeit und Gelegenheit genug gehabt um die Schwachstellen im System nicht nur zu erkennen, sondern auch zu analysieren. Er spricht offen von gravierenden Mängel der Strafprozessordnung und die von unserem Justizsystem begünstigte Selbstherrlichkeit und Willkür deutscher Richter. Er kämpft seit Jahren als Verteidiger dagegen
an und der Kampf erscheint angesichts der allgemeinen Macht deutscher Richter wie der gegen die sprichwörtlichen Windmühlen. Er beschränkt sich in seinem Buch nicht aufs Anprangern, sondern er zeigt auch Nicht-Juristen anschaulich, schlüssig und nachvollziehbar auf, weswegen das so ist und vor allem was es für Folgen hat, wenn Richter Zeugenaussagen falsch interpretieren, Indizien oder gar Gutachten von Sachverständigen ignorieren oder gar nicht zum Prozess zulassen.
Bossi kämpft seit Jahren gegen die Willkürlichkeit und Selbstgerechtigkeit in deutschen Gerichtssälen, die im schlimmsten Fall im Ergebnis einer oft abenteuerlichen Urteilsfindung für die Betroffenen zu dramatischen Fehlurteilen führen. Die, so stellt der Leser aufgrund der Erklärungen durch Bossi fest, aufgrund bestehenden Rechts gerade im Strafprozessverfahren kaum wieder rückgängig gemacht werden können.
Rolf Bossi ist aber nicht nur ein scharfer Kritiker, sondern zeigt aufgrund seiner umfangreichen und erstklassischen Erfahrung auch, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, um diese unerträgliche Situation zu ändern und macht auch ganz konkrete Vorschläge, welche Sicherungen im Prozessrecht eingebaut werden müssen, um die Zahl der Justizirrtümer/ Fehlurteile zu reduzieren und unsere Justiz tatsächlich unabhängig zu machen.
Dies unterstreicht er mit weniger spektakulären, aber dennoch nicht weniger brisanten Fällen aus seiner Arbeit als Verteidiger. In manchen wurde er erst später hinzugezogen, wenn für den Angeklagten fast nichts mehr zu retten war.
Bossi verlangt in seinem Buch, dass das alleinige Recht deutscher Richter, den Daumen nach Cäsars Manier nach oben oder nach unten zu richten, im Interesse einer der Betroffenen mit Sicherheitsmechanismen zu beschneiden.
3. WESHALB VERTEIDIGT BOSSI IMMER WIEDER „DIESE VERBRECHER“?
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Das ist er oft, eigentlich ständig gefragt worden. Ja, weshalb also verteidigt er immer wieder Menschen, die in den Augen vieler Mörder, Verbrecher oder einfach nur „Schweine“ sind?
Ganz einfach, weil jeder Mensch ein Recht auf Verteidigung hat, auch diese und weil es in unserem Rechtssystem die Unschuldsvermutung zwar ein hoher Wert eingeräumt wird, d.h. nicht der Angeklagte muss seine Unschuld beweisen, sondern der Ankläger muss im seine Schuld zweifelsfrei beweisen, die Praxis aber leider oft anders aussieht.
Auch Mörder und Bankräuber – so Bossi selbst – haben ein unbedingtes Recht auf bestmögliche Verteidigung. Die besteht nicht in erster Linie darin, den Gauner rauszupauken, sondern die Hintergründe und Umstände der Tat auf der einen und die Motive und die Schwere der Schuld auf der anderen Seite abzuwägen und nach Recht und Gesetz zu beurteilen. Ein Verteidiger muss wie der Staatsanwalt auch nach Aspekten suchen, die den Angeklagten entlasten.
Auch Verbrecher haben Rechte und wenn sie sich schuldig gemacht haben, so Bossi in seinen Ausführungen, dann muss jemand darauf achten, dass diese gewahrt werden – z.B. ob lebenslange Haft oder aufgrund seiner psychischen Erkrankung für Freispruch – und (so Bossi wörtlich) danach für die bestmögliche ärztliche Behandlung in der geschlossenen Psychiatrie.
4. WIE IST DAS BUCH AUFGEBAUT?
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Das Buch umfasst insgesamt 12 Kapitel, die alle noch einmal in sich untergliedert sind. Ich werde hier absichtlich keine Abschrift des Inhaltsverzeichnisses abliefern. Wozu auch? Wem nützt das?
Aber ich möchte an dieser Stelle auf die Kapitel hinweisen, die ich als Kernstücke des Buches bezeichnen würde. So interessant jedes einzelne Kapitel auch gewesen sein mag, besonders wichtig zum Verstehen der Thematik war für mich das 1., das einführende Kapitel:
„JUSTITIA UND DER MENSCHLICHE MAKEL“
Auch nicht ganz unwichtig war für mich das 10. Kapitel (FURCHTBARE JURISTEN VOR UND NACH 1945), das damit befasst, weswegen die deutsche Justiz unfähig ist, Fehlurteile zu korrigieren.
Mit dem 12. Kapitel, in dem Bossi unter der Hauptüberschrift „WAHRHEIT UND GERECHTIGKEIT – Wie sich Justizunrecht künftig besser verhindern ließe“ zeigt der erfahrene Strafverteidiger Mittel und Wege auf, die uns sicherlich nicht zu einer Perfektion in der Rechtssprechung bringen, aber doch Rechtsbeugung, Selbstgerechtigkeit und Willkür deutscher Richter minimiert.
Die übrigen Kapitel zeigen konkrete Rechtsfälle vom ersten Verdachtsmoment bis zur abschließenden Verurteilung oder dem endgültigen Freispruch auf und Bossi erklärt anhand der konkreten Beispiele die Rechtslage, was falsch oder weniger glücklich gelaufen ist, und worin die Arbeit der Verteidigung, aber auch der der Anklagevertreter besteht.
5. KEINE LESEPROBE? KEINE AUSFÜHRUNGEN ZUM INHALT?
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Nein, absichtlich nicht, denn wo sollte ich da – leseprobetechnisch – anfangen bzw. aufhören, denn das Buch ist für mich fesselnd von der ersten bis zur letzten Silbe. Zudem füllen Betrachtungen zum und Auszüge aus dem Buch seit Wochen und Monaten die Presse, das Internet. Wozu also noch ein Pröbchen?
Auch hier extra noch einmal zum Inhalt etwas zu schreiben wäre doppelt gemoppelt, wie ich finde, denn bereits wer bis hier hin gelesen hat, der weiß um was es in dem Buch geht.
Ich werde mich lieber auf eines der drei Kapitel beschränken, die ich für die Kernstücke des Buches halte: Kapitel 1 - JUSTITIA UND DER MENSCHLICHE MAKEL.
Im ersten Unterkapitel – Warum Wahrheit und Gerechtigkeit vor deutschen Strafgerichten so wenig gelten – begibt Bossi zunächst auf eine Wanderung durch die die deutsche Verbrechensstatistik. Er legt mit Zahlen belegt dar, dass der Anteil an den wirklich schweren Kapitalverbrechen wesentlich geringer ist als uns die Boulevardpresse täglich glauben lassen will.
Im nächsten Unterkapitel – Die Hüter des Gesetzes – befasst sich Rolf Bossi mit den Richtern schlechthin und beschreibt anschaulich die Macht und Entscheidungsmöglichkeiten des Richters. Sicherlich kennen auch einige das, wenn man sich in einem Prozess ganz sicher ist, dass jemand schuldig ist - und der Richter fällt ein ganz anderes, ein vielleicht zu humanes Urteil, das kaum einer nachvollziehen geschweige denn verstehen kann. Wie oft schreit man dann nach Recht und Gesetz?
„Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen.“ § 97 des Grundgesetzes legt das eindeutig fest. Richter sind einzig und allein der Wahrheit und der Gerechtigkeit verpflichtet, sie sind in ihren Entscheidungen frei und fällen Urteile im eigenen Ermessen. Regierungen und Parlamente können zwar Gesetze erlassen, aber sie können keinem deutschen Richter Weisungen erteilen. Das mag bis zu einem gewissen Punkt richtig erscheinen, doch gibt diese Unabhängigkeit deutschen Richtern eine ungeahnte Macht in die Hand, und die sind sich dieser Machtfülle durchaus bewusst.
Bossi weiß ebenso wie wir alle, dass auch Richter Menschen sind und Menschen machen Fehler. Im Vergleich zu jedem von uns, müssen die meisten für ihre Fehler gerade stehen. Was aber, fragt Bossi, passiert, wenn sich Richter irren? Die Frage lässt er zunächst einmal unbeantwortet im Raum stehen und wendet sich im nächsten Kapitel – Checks und Balance – der Tatsache zu, dass die Unabhängigkeit der Richter nicht gleichzusetzen sein darf mit der Unkontrollierbarkeit dieses Berufsstandes. Er fordert, dass dieser Berufsstand über interne Sicherungs- und Kontrollmechanismen verfügen muss, um Missbrauch zu vermeiden und weist darauf hin, dass diese sogar schon vorhanden sind, aber zum einen nicht ausreichen und zum anderen auch nicht wirklich zur Anwendung kommen.
Er setzt sich damit auseinander, dass der Grat zwischen Rechtsirrtum und Rechtsbeugung ein sehr schmaler ist, letzteres sogar einen Straftatbestand darstellt, den jeder anzeigen kann, um dann auch gleich wieder alle Illusionen rauben, dass dies auch kategorisch gemacht würde. Irrtümer und Fehler bei der Urteilsfindung können aufgrund eines lückenhaften Rechtssystems nicht annähernd so korrigiert werden, wie es eigentlich nötig wäre. Ist dies erst einmal geschehen, so Bossi, konnte er seinen Mandanten schon deswegen nicht helfen, weil es unser Rechtssystem nicht zuließ.
Auch ein weiteres wichtiges Unterkapitel ist das, in dem Bossi erklärt „Wie ein Urteil entsteht“. Jeder kennt das Sprichwort Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Paar Schuh. Selbst Bossi hat es immer wieder in Interviews bemüht. Die Grundaussage des Kapitels ist die, dass man – bevor man die Quellen für Irrtum und Willkür erkennt – wissen muss, wie Gerichtsurteile überhaupt entstehen.
Nicht jede Klage, die der Staatsanwalt einreicht, findet auch den Weg vor Gericht. Der Richter prüft, ob die Verdachtsmomente ausreichen, um die Klage zuzulassen. Und nicht nur das, ist die Klage zugelassen, entscheidet nur der Richter allein und unabhängig, nach eigenem Ermessen, ob oder wie er die einzelnen Indizien, Zeugenaussagen oder auch Gutachten für oder gegen die Schuld des Angeklagten würdigt. In ihrer freien Beweiswürdigung haben die Richter so viel Ermessens- und Gestaltungsspielraum, dass die Rechtmäßigkeit ihrer Entscheidungen später kaum nachprüfbar ist. Auch bei der rechtlichen Bewertung, so zeigt Bossi auf, kann der Richter frei erwägen und entscheiden. Bossi erklärt ausführlich, welche Überlegungen bei der Urteilsfindung angestellt werden und welche Gesichtspunkte nicht unberücksichtigt gelassen werden dürfen.
„Die Lücken im System“ bekommen ein eigenes Unterkapitel. Hier erfahren wir zwar, was das zentrale Kontrollinstrument gegen Justizirrtum und –willkür ist (die prinzipielle Anfechtbarkeit von Urteilen), aber man erfährt auch gleich mit, wie schwierig es ist, dieses Kontrollinstrument in der Praxis einzusetzen. Besonders erschütternd war für mich die Erkenntnis, dass Protokolle bei der Anfechtung von urteilen theoretisch weiterhelfen könnten, es aber praktisch meist nicht können, weil es im Ermessen des Richters liegt, wie und ob Protokoll geführt wird. Ich dachte immer es gibt von jeder Verhandlung Wortprotokolle… Wer mehr wissen will, muss das Buch lesen.
In zwei weiteren Unterkapiteln „Eine fragwürdige Tradition“ und „Im Zweifel für den Angeklagten“ setzt sich Bossi zum einen damit auseinander, was die Lücken im heute geltenden Rechtssystem so weit wie Scheunentore aufgemacht hat und zum anderen wie die viel beschworene deutsche Gründlichkeit genau da, wo sie notwendig und wünschenswert wäre versagt und sich als zahnloser Kettenhund erweist.
In weiteren Kapiteln geht es u.a. um
- „MOBBING UNTER JURISTEN“ oder wie Kollegen und Gutachter einen Staatsanwalt aufgrund falscher Zeugenaussagen und Beschuldigungen beinahe zum Vergewaltiger verurteilt hätten oder
- „IM ZWEFEL FÜR DEN AMTSKOLLEGEN“ bzw. wie Strafrichter auf Kosten eines Angeklagten zusammenhalten und damit eine Ohrfeige in Karlsruhe provozieren oder
- wie genervte Richter zur Abschreckung im Kapitel „FAMILIENBANDE“ im Streit zwischen verfeindeten Sinti-Familien zur Abschreckung ein Exempel statuieren
Aber auch Kurioses beschreibt Rolf Bossi in seinem Buch. Im Kapitel „DIE LIEBE DES SCHROTTHÄNDLERS“ geht ein Schrotthändler wegen der irrtümlichen Verhaftung seiner geliebten Ehefrau fast in den Bau, weil er zum „Gespräch“ eine verrostete Gasflasche mitgeführt hatte und man ihm das als mehrfachen Mordversuch auslegte. Am Ende ließ ein weiser Richter doch noch Gnade vor Recht ergehen.
Na, neugierig gemacht?
6. MEINE MEINUNG
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Das Buch ist mit viel Sachkunde – wen wundert es? – auf spannende Art und doch unterhaltsam geschrieben.
Rolf Bossi ist sicherlich in seiner beruflichen Laufbahn oft als wegen seiner „Kunden“ und wegen den sicherlich mitunter sensationellen Urteilen als gewissenlos verschrienen worden. Er selbst meint dazu:
„Natürlich vertrete auch ich am liebsten Mandanten, von deren völligen Unschuld ich zutiefst überzeugt bin. Doch als Strafverteidiger hat man es leider selten mit Heiligen zu tun.“
Seine „Kunden“ haben leider meistens doch Menschen getötet, Banken ausgeraubt oder Geiseln genommen. Dafür kann er aber als Strafverteidiger nichts. Es ist seine Aufgabe, diese „Kunden“ nach bestem Wissen und Gewissen zu verteidigen. Bossi kommt dieser Aufgabe sicherlich mit großem Sachverstand, aber nicht gewissen- oder gar gedankenlos nach. Er tut dies mit Respekt gegenüber den Opfern, den Tätern, den Prozessbeteiligten.
Das Buch ist keine arrogante und anmaßende Abrechnung mit dem deutschen Rechtssystem. Es ist ein wertvoller und engagierter Beitrag, Missstände im System aufzudecken, beim Namen zu nennen und Veränderungen nachdrücklich einzufordern.
Ich kann das Buch wirklich allen Interessierten nur wärmstens weiterempfehlen und vergebe natürlich alle 5 denkbaren Sterne.
So, das war meine erste Buchbeschreibung. Ganz leicht war es nicht. Freue mich auf eine hoffentlich sehr lebhafte Diskussion (Kommentare ausdrücklich erwünscht). Danke für´s Lesen und Durchhalten.
campino, 06.09.2005
..ruumlbergebracht hast Du die Inhalte des Buches. Auch wenn Du nicht auf jedes einzelen Kapitel eingehen konntest das haumltte auch den Rahmen gesprengt.
Dr.Claudia, 13.11.2005
Bossi habe ich sogar einmal persönlich kennengelernt in meiner Tätigkeit als Schöffin am Schwurgericht. LG Claudia
feldhase, 07.09.2005
Ein ganz toller Buchbericht und ebenso wie das Buch - ein wertvoller Beitrag! Danke! Sehr gut! LG vom Feldhasen
Hallo zusammen !
Vor ein paar Tagen war ich mal wieder in der Stadt. Da ich so ein Mensch bin, der an einem Sonderangebotsstand vor einem Bücherladen gerne mal stehen bleibt und auch dann kräftig zugreift, spare ich mir so den ein oder anderen Euro. Da ich politisch sehr interessiert bin und gerne weiß was in diesem Land vor sich geht, möchte ich euch heute von einem Buch berichten, dessen Titel mich sofort angesprungen hat. Es geht um Rolf Bossis Buch Halbgötter in Schwarz.
Wo und wie viel und überhaupt
Erworben habe ich das kleine Büchlein auf einer Sonderverkaufsfläche vor Thalia. Der reguläre Preis liegt bei 8,95 Euro. Ich habe dann dafür ganze 2,99 Euro bezahlt. Das Buch hat 279 Seiten. Die ISBN Nummer ist: 3-442-15389-1. Erschienen ist es im Jahre 2006 hat aber leider bis jetzt nichts an Aktualität verloren. Gedruckt wurde das Werk vom Goldmann Verlag, der auch unter www.goldmann-verlag.de zu finden ist.
Der Autor
Rolf Bossi, geboren 1923 in Karlsruhe, ist der bekannteste Strafverteidiger Deutschlands. In seiner über 50-jährigen Praxis als Rechtsanwalt hat er unzählige, teilweise prominenter Fälle vertreten wie zum Beispiel Romy Schneider, Ingrid van Bergen, den Kindermörder Jürgen Bartsch, den Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski oder DDR-Grenzsoldaten im Mauerschützenprozess. Rolf Bossi lebt in München.
Buchdeckel
Nach über 50 Jahren als Strafverteidiger rechnet Rolf Bossi ab. Etwas ist faul im Rechtsstaat Deutschland. Vor allem bei Kapitalverbrechen werden die gravierenden Mängel der Strafprozessordnung deutlich. Falsche Darstellungen von Zeugenaussagen, Indizien oder gutachterlichen Ausführungen durch die Richter sind eben so verbreitet wie abenteuerliche Wege der Urteilsfindung. Die Folge sind skandalöse Fehlurteile und Justizopfer, die den Mühlen der Justiz wehrlos ausgesetzt sind. Rolf Bossi kämpft seit vielen Jahren als Anwalt gegen die vom Justizsystembegünstigte Selbstherrlichkeit und Willkür deutscher Richter. Anhand verschiedener Fehlurteile, die durch Rechtsbeugung und Kumpanei zustande kamen, zeigt er, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit die Macht deutscher Richter und die Ohnmacht ihrer Opfer gebrochen werden können. Rolf Bossi legt dar, welche zusätzlichen Sicherungen im Prozessrecht eingebaut werden müssen, um die Justiz wirklich unabhängig zu machen und die Zahl der Justizopfer endlich zu reduzieren.
Der Inhalt
1. Justizia und der menschliche Makel
2. Mobbing unter Juristen
3. Tödliche Versöhnung
4. Fehlurteile auf dem Prüfstand
5. Verleumdung und Vorurteil
6. Im Zweifel für den Amtskollegen
7. Familienbanden
8. Der Nazi und der Zuhälter
9. Eine Frage der Ehre
10. Furchtbare Juristen vor und nach 1945
11. Die Liebe des Schrotthändlers
12. Wahrheit und Gerechtigkeit
Lesepröbchen gratis gefällig?
Glauben Sie mir, die Hüter des Gesetzes sind sich dieser Machtfülle sehr wohl bewusst. Dabei sind Richter doch auch nur Menschen, machen wie alle Menschen Fehler und erliegen Irrtümern. Darin unterscheiden sie sich nicht von Verkäufern, Installateuren oder Ärzten. Aber wenn ein Verkäufer Ihnen einen schlecht sitzenden Anzug aufschwatzt, können Sie ihn umtauschen. Wenn der Installateur pfuscht und ihre Wohnung unter Wasser steht, können Sie ihn haftbar machen. Etwas anders sieht es bei den Medizinern aus. Unterläuft einem Arzt ein Kunstfehler, kann die Konsequenz langes, sogar lebenslanges Leid sein. Vielleicht können Fachkollegen den Fehler korrigieren. Und obwohl kein Schmerzensgeld die schwer wiegenden Folgen ärztlichen Versagens zu lindern vermag, kann man den Arzt verklagen. Was
aber geschieht, wenn Richter dich irren oder aus ganz anderen Gründen ein krasses Fehlurteil sprechen?
Meine Sicht des Buches
Rolf Bossi zeigt eigentlich nur das auf, was alle Menschen die klar denken können auch schon vorher gewusst haben. Vor Gericht und auf hoher See ist man allein. Es gilt auch hier das Prinzip, Sympathie und Antipathie für oder gegen die Zeugen und Angeklagten. Wenn er über die einzelnen Fälle berichtet kommt man tatsächlich ins Staunen. Falsche Gutachten, auf die sich das Gericht blind verlässt, Zeugen die so vernommen werden, dass sie genau das aussagen was der Richter oder die Anklage hören möchten und Vetternwirtschaft, denn bekanntlich hackt ja eine Krähe der anderen kein Auge aus. Rolf Bossi drückt sich in seinem Buch manchmal verwirrend aus und wenn man kein Jurist ist (so wie ich) hat man schon Probleme den ganzen Ausführungen und Paragraphen zu folgen. Er bringt Paradebeispiele dafür, welche Macht unsere Justiz hat und spart nicht mit Schelten am System. Da werden Eierdiebe eingesperrt und *richtige* Verbrecher entweder auf Bewährung rausgelassen oder sie zahlen ein Strafe, die nicht mal ein Loch in ihrer Protokasse hinterlässt. Also wie im wahren Leben. Wer vor einem deutschen Gericht steht lernt, Recht haben und Recht bekommen ist zweierlei. Er beschreibt das, worüber wohl schon einige von uns gestaunt haben, krasse Fehlurteile. Da werden die meisten Nazi Verbrecher nicht verurteilt und verbringen den Rest ihres Lebens in angesehenen Posten, anstatt das sie diesen endlich mal die Grenzen zeigen oder es werden Menschen wegen Mordes verurteil, bei denen eindeutig *nur* Notwehr vorgelegen hat. Rolf Bossi schildert in seinem Buch von seinen Fällen einige sehr anschaulich. Es ist schwer nachzuvollziehen, warum Gerichte sich nicht auf Fakten berufen, sondern sich manchmal ihre Fälle und Urteile selber zusammenbasteln. Gut, man mag über Rolf Bossi denken, wie man will. Ich verstehe auch nicht, wie man einen Kinderschänder vor Gericht verteidigen kann, aber mit seinem Buch hat er einfach Recht. Es liegt ganz viel im Argen in diesem, unserem Lande. In einem Land in dem jemand seine *Spender* nicht verrät und dafür noch für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wird, kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Rolf Bossi ist endlich mal jemand der sich traut gegen unsere übermächtige Justiz aufzumucken und (ja gut er kann es ja auch) Klage gegen den einen oder anderen Richter einzureichen. Schön, wenn mal jemand soviel Courage besitzt. Es wird trotz eines Rolf Bossis oder diesem Buches wohl nur bei dem Versuch bleiben etwas zu ändern. Denn wenn jahrelang etwas eingefahren ist, wird man irgendwann betriebsblind und welcher dieser Robenträger lässt sich schon gerne sagen, dass er Fehler gemacht hat, auch von einem Anwalt nicht.
Fazit
Irren ist menschlich! Ich hatte mal einen Bericht darüber geschrieben, wer begutachtet eigentlich Gutachter? Genauso gut könnte man schreiben, wer berichtigt eigentlich Richter? Ob es nun damals um den Fall Weimer ging, ein Indizienprozess für den Monika Weimer erst lebenslänglich, dann einen Freispruch und dann wieder lebenslänglich bekommen hat, nur um ein Exempel zu statuieren oder ob es in Amerika um den Fall O.J. Simpson geht, der trotz hundertfacher Beweise freigesprochen wurde. Sollte es mich jetzt beruhigen, dass nicht nur Deutschland eine Bananenrepublik ist, was die Rechtssprechung angeht? Nein, so ist es nicht. Ich selber habe auch schon ein paar Mal vor Gericht gestanden. Vor allem wenn es um Sorgerechtsfragen ging. Seitdem habe ich meinen Glauben an die Gerechtigkeit und die Blindheit von Justizia verloren.
Dieses Buch sollten alle lesen, die meinen, das wir in einer Demokratie leben und jeder zu seinem Recht kommt. In Deutschland zählt, hast du was, bist du was. Ich empfehle dieses Buch Menschen, die schon einmal Probleme mit der Justiz hatten oder sich einfach einmal über deutsche Gerichtssäle informieren möchten. Auch wenn es manchmal abschweifend und in Fachchinesisch geschrieben ist, lohnt sich der Kauf auf alle Fälle. So zeigt es einem auch Möglichkeiten auf in Revision zu gehen oder andere Gelegenheiten gegen ein Fehlurteil anzukämpfen. Ein sehr realistisches Buch, nah am Leben, da es jeden von uns irgendwann einmal treffen könnte. 5 von 5 Sternen!
Ich wünsche euch einen schönen (straf)freien Tag!
PaterBrown, 24.04.2008
...ich habe Rolf Bossi u.a. bei einem Strafverfahren am LG Hof persönlich erlebt, finde aber, er geht manchmal zu weit. Gewalttäter sind nun mal nicht immer Unschuldslämmchen, und manche gehören einfach hinter Gitter...
Marie_Johanna3972, 24.04.2008
Es liegt nicht nur in der Courage - die hätte ich auch! Was mir fehlt ist der Sachverstand, solch ein Ding durchzuziehen :- Feiner Bericht!
frankensteins, 24.04.2008
super beschrieben, leider ist das in unserer Bananenrepublik schon lange bekannt. lg
ein Testbericht von sindbad19682008-04-17 11:01:03vom 17.04.2008Empfehlung: ja
Vorteile: sachlisch fachlisch informative und mutig...Nachteile/Kritik: nichts nur weiter so
was Herr Bossi "gekonnt" aber leider diplomatisch in sein Buch schrieb habe ich genussvoll aber auch mit tiefe Verachtung fur einige ""halbgötter in schwarz"" Richter gelesen
der Verfasser ist "verstandlisch" keine otor im klassischen sinne den sein Buch ist nicht fantastisch oder zum träumen geeignet sondern viel mehr zum wach werden und dass ist auch gut so
der otor erzählt sehr sachlisch geschichten ich werde es ehe Traumatische Erlebnisse nennen
die seine Mandanten erleben "erleiden" mussten
und das im Namen des deutschen Volkes darum meine obigen Titel
diplomatisch wirkt der Buch auf
mich weil es hatte leider etwas mutige die Dinge beim Namen nennen können
wer Unrecht es tut muss bestraft werden und wenn es nicht möglich ist den zumindest davon abgehalten werden weiteres noch schlimmeres zu verüben
das ganze passiert schon wieder im Namen des deutschen Volkes
deutsche Geschichte und Vergangenheit hatten ausreichen müssen dass diesen in der tat sehr freundlichen Volk wieder zur verbrecherischen Zwecke genutzt und missbraucht wird
ich kommentiere diese Buch nicht nur weil ich es lesen dufte sondern auch weil ich das gleiche erleben musste was der otor schrieb
mit der noch viel schlimmeren unterschied dass seine Mandanten finanziell in der Lage waren seine Verteidigung zu bezahlen im gegenteil zu mir
danke Herr bossi fur dieses Buch DER LEIDER WIE DAS TROPFEN AUF DEN HEISSEN STEIN WIRCKTE UND SCHON BALD IN VERGESSENHEIT GERIET
ich kann aus eigenen Erfahrung seine aussagen in vollen Umfang bestätigen den ich leide noch heute unter der folgen diese Verbrechers im Namen des Volkes
es wurde mir den Prozess gemacht mit eine Anklageschrift die verfassungswidrig und unzulässig war den ich wurde mit angeblichen taten konfrontiert die ich als Ausländer in Ausland gegen anderen Ausländer verübt haben soll
nun war mein Unschuld zwar nachgewiesen muss aber gesagt haben dass selbst wenn mein schuld bestätigt werden können mir unter keinen Umständen in Deutschland den Prozess zu machen den es lag ja keineswegs unter die Zuständigkeit deutscher Rechtsystem
als staatsanwältin Frau gebing in trier oder als Richter im Landgericht trier ""beide Juristen" müssen gewusst haben das es sowohl verboten als auch verfassungswidrig war
nun war es fur beiden kein Grund um diesen verübten Unrecht zu beenden viel mehr wurden Daten und Prozess unterlagen nachweisbar verflucht "" was ich noch im Besitz habe und zweifelnfrei nachweisen kann" es wurden beweismaterial die meine absolutes Unschuld manipuliert und zum belastungsmaterial um funktioniert
auch dies ist zweifelsohne nachweisbar den die originale Dokumente sind vorhanden und die seitens der deutsche Justiz ""verfälschte"" Kopien ebenfalls vorhanden
urteile des landgericht können wie der otor sagt beim revisionsgericht angefochten werden dies muss jedoch begründet werden um überhaupt die möglichkeit eine neuer prozesse zu bekommen
da ich jedoch gegen deutsche Richter und deutsche staatsanwalte erheben musste so konnten sich Bundesrichter einen solchen Justizskandal nicht leisten und meine Hoffnung auf Gerechtigkeit ging verloren
nun habe ich diese unterlagen die ich leider lesen muss um mich an voller schmerzhafte 6 Jahren und 2 Monaten zu Unrecht in deutsche Knast verbringen und erleiden musste erinnern zu müssen
hier mit verkünde ich großen respekt fur den otor und bedanke mich fur sein Mut
NUN HOFFE ICH DASS AUCH DIE REDAKTION DIESE WEBSEITE GENUG MUT HAT UND RESPECKT VOR DER MENSCHLISCHE WURDE BESITZT UM MEINE KOMMENTAR ZU VEROFFENTLISCH
VIELEN DANK HIER FUR IM VORRAUS
fals sie beweise oder belege fur meine auserungun sehen wollen stehe ich ihnen gerne zu verfuhgung
frage ist nur sind sie mutig genung um der wahrheit zu sehen
strand.perle@yahoo.fr
...
Gemeinwesen, 17.04.2008
Ich verweise einfach mal auf den Claim von Yopi, der den Zweck dieses Forums gut umreißt: Gut informiert einkaufen. Beste Grüße vom Gemeinwesen. PS: polat, das ist deutlich zu merken. Überdeutlich.
Miraculix1967, 18.04.2008
Öhm....was hat das mit dem Buch zu tun - nix! Leider off topic!
polat, 17.04.2008
ich lese ungern, aber sehr hilfreich, lg emre