Albert Camus: La peste
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Testberichte Albert Camus: La peste

 (Taschenbuch)
3.2 von 5
Platz 5 in der Kategorie "Bücher Importe, Fremdsprachige Literatur - J, K, L".
Bewertung: Kundenbewertung 3,30 / 5,00 3.2 von 5
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Albert Camus: La peste Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 3,30 / 5,00 3.2 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (2/2).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
  • Thematik, die Charaktere, Camus' Schreibstil
  • Schreibstil, gute Strukturierung, interessante Geschichte
Nachteile/Kritik
  • keine Vokabelhilfen im Buch selbst, sehr schwer zu lesen - viele unbekannte Vokabeln
  • stellenweise schwieriges Französisch
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StarlightII

-° C'est très difficile :o( °-

ein Testbericht von 2005-08-20 19:37:06 vom 20.08.2005
Empfehlung: ja
Vorteile: Thematik, die Charaktere, Camus' Schreibstil...
Nachteile/Kritik: keine Vokabelhilfen im Buch selbst, sehr schwer zu lesen - viele unbekannte Vokabeln
Hi ihr Lieben.

Auch wenn mein letzter Bericht noch nicht so viele Lesungen hat, gibt’s heute schon’nen neuen – mir ist nämlich grad total langweilig.
Tjaja, irgendwie ist’s schade, dass die Schule nun vorbei ist – deswegen möchte ich heute über ein Buch berichten, welches wir im Französisch-LK bis zum Erbrechen durchgenommen haben (ein ganzes Semester) und welches im Abi hätte drankommen können – zum Glück aber nicht dran kam. Die Rede ist von

++ La Peste von Albert Camus ++

-° Das Cover °-


Da es sich bei meiner Ausgabe um ein Taschenbuch handelt, ist das Cover entsprechend aus beschichteter Pappe. Die Vorderseite ist geprägt durch ein annähernd expressionistische Bild in verschiedenen Blautönen sowie einigen gelben Farbflächen. Ein unruhiger Duktus lässt eine Aktivität von diesem Bild ausgehen. Der obere Bereich ist dagegen ganz in weiß gehalten, in schwarzer Schrift kann man den Namen des Autors sowie „La Peste“ lesen.
Die Buchrückseite ist komplett in weiß mit schwarzer Schrift gehalten und gibt einige Infos zum Buch.


-° Der Autor °-


Der französische Schriftsteller Albert Camus ( geb. 1913, gest. 1960) wird dem französischen Existentialismus zugerechnet. In seinen Werken stellt er den Menschen, der sich selbst überlassen ist, einer als absurd und sinnlos empfundenen Welt, in der es keinen Gott mehr gibt, gegenüber. Die Erfahrung des Absurden wird zur Grundlage und Ausgangsbasis für die Auflehnung ( > Revolte <) dagegen und für die Suche nach einem neuen Sinn. Dieser liegt nach Camus im Kampf gegen jede Form der Unterdrückung; er selbst gehörte im 2. Weltkrieg der Résistance (Widerstandsbewegung) an und war Mitbegründer ihrer Zeitung „Combat“.
Zu seinen Hauptwerken gehören philosophische Essays (Der Mythos von Sisyphos, 1942), die Romane „Der Fremde“ (!942), „Die Pest“ (1947) und die Dramen „Caligula“ (1942) und „Der Belagerungszustand“ (1948). 1957 erhielt Camus den Nobelpreis für Literatur.

[aus: Der Jugendbrockhaus ]


-° Der Buchinhalt °-


Die merkwürdigen Ereignisse, die den Inhalt der Geschichte um „die Pest“ bilden, ereigneten sich in den 1940er Jahren im südafrikanischen Oran. Alles beginnt damit, dass der Protagonist dieser Geschichte, Doktor Bernard Rieux, im April eines gewissen Jahres mehrere Rattenkadaver bemerkt. Der Concierge des Viertels ist darüber wenig beunruhigt und wertete es als schlechten Scherz einiger Kinder ab. Als Rieux am Nachmittag seine schwerkranke Frau zum Bahnhof begleitet, da sie eine Kur antritt, fallen ihm bereits weitere tote Ratten auf. Wenige Tage später berichtet die Tageszeitung über mehrer Tausend tote Ratten – und die Bewohner geraten zunehmend in Panik. Doch alles scheint sich zu verbessern, da vermeldet wird, es seien nur noch wenige tote Ratten gefunden worden. Der plötzliche Tod des Concierge Michel an einer mysteriösen Krankheit lässt Rieux allerdings aufhorchen. Schnell erkennt er, dass es sich bei dem mysteriösen Sterben mehrere Menschen und vieler Ratten um die seit Jahren ausgestorbene Pest handelt. Doch wie überzeugt man seine Kollegen? Für ihn ist das wichtigstes, die Stadt zu schließen. Auf Anweisungen der Regierung wird die Stadt schließlich hermetisch abgeriegelt. Weder der Ein – noch Ausreisen sind erlaubt, selbst der Kontakt per Brief wird unterbunden. Einziges Kommunikationsmittel – Telegramme. Die Pest breitet sich schnell aus, vor allem bei zusammenlebenden Menschen wie bei den Soldaten, den Gefangenen oder aber den Mönchen. Für die Bevölkerung wird das Ausmaß der Pest vor allem in Form der Bestattungen sichtbar. Wurden die Toten zu Beginn der Pest noch einzeln auf dem Friedhof bestattet, so nutzte am Ende der Pest Verbrennungsanlagen, um die vielen Toten einzuäschern. Eine solche schreckliche Isolierung, wie sie die Oraner erleben mussten, lies sie letztendlich andere Menschen werden, denn sie nahmen die Gefahr wahr und fürchteten sich. Auch panische Fluchtversuche halfen ihnen nicht, sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Doch während dieser furchtbaren Zeit arbeitete Doktor Rieux unermüdlich mit seinen Kollegen und Freunden, die Pest einzudämmen und den Menschen womöglich mit dem richtigen Serum helfen zu können.

-° Die Charaktere °-


Da wäre also zuerst der Protagonist BERNARD RIEUX

Er ist der Arzt, der verbissen versucht, die Pest einzudämmen, wobei erst stets sehr realistisch ist. Er ist derjenige, der am meisten mit den existentiellen Problemen konfrontiert wird, denn er kämpft gegen die Pest, also gegen den Tod. Rieux fühlt sich verantwortlich für das Glück der Bewohner Orans, auch wenn er anfangs nicht so recht weiß, wie er auf die Pest reagieren soll. Aber er resigniert nicht, sondert revoltiert und entscheidet sich, gegen das unnützliche Leid anzukämpfen. Dabei stellt er seine eigenen Gefühle hinten an – und trotzdem kümmert sich rührend um die Gefühle der anderen Menschen. Sein Leben gilt dem Allgemeinwohl – sich selbst stellt er dabei gerne in den Schatten. Da Rieux ein sehr rational denkender Mann ist, verliert er sich nicht in übermächtigen Dingen wie Gott – denn dieser existiert für ihn nicht. Deswegen ist es auch verständlich, dass er gegen die gepredigte kollektive Bestrafung als Erklärung für die Existenz der Pest ist. Rieux möchte kein Held sein, auch wenn Rambert ihm dies vorwirft. Der Doktor verurteilt nicht die Situation, die er vorfindet und fragt nicht, warum das Leid gerade ihn erreicht – auch wenn die Liebe mit der Abreise seiner Frau scheinbar auch verschwunden ist.

Kommen wird nun zu JEAN TARROU

Jean Tarrou ist einer der eher merkwürdigen Charaktere des Buches. Er lebt in einem Hotel auf Kosten seines verstorbenen Vaters und dies eigentlich so von Tag zu Tag. Einen Job führt er dabei nicht wirklich aus – sein Interesse gilt einzig den Bewohnern Orans. Schon früh trennte er sich von seinen Eltern, denn er konnte mit der Beruf seines Vaters, er war Richter, nicht umgehen. Da dieser vielfach die Todesstrafe anordnete, musste es bei Tarrou zu einem Bruch kommen. Er konnte weder verstehen noch tolerieren, dass sein Vater Menschen in den Tod schickte. So kam er zur Résistance, die sich gegen die Todesstrafe formierte. Sein Problem allerdings liegt in seiner Auffassung, dass das eigene Glück nicht zu vereinbaren mit dem Glück anderer ist. Man muss sich für eines entscheiden.
Alles in allem ist er ein sehr trauriger und nachdenklicher Charakter.

JOSEPH GRAND

Hierbei handelt es sich um den eigentlichen „Held“ der Geschichte. Nicht in dem Sinne, dass er ehrwürdiger als Rieus ist, doch sein Leben und seine Bescheidenheit zeichnen ihn als einen prägenden Charakter aus. Der Angestellte des Bürgermeisters ist der Inbegriff von Schüchternheit. Seine Frau verließ in vor vielen Jahren, um dem Alltagstrott zu entfliehen. Seine einzige Liebe gilt seither dem Schreiben eines Buches. Doch dabei wäre der Begriff „Buch“ viel zu hochgestochen. Vielmehr handelt es sich um einen Vers, der jedoch für den Angestellten, der „Die Worte nicht richtig findet“ schwere Arbeit bedeutet. Sein „Buch“ ist für ihn allerdings wie eine Art Flucht vor der Pest , vor der Realität. Es ist wie eine Art Entspannung für ihn. Schließlich ist er jedoch unersetzlich für Rieux, als es um die Hilfe der vielen Pestinfizierten geht. Denn auch für ihn gilt es, die Pest zu bezwingen.

Der Vierte im Bundes ist RAYMOND RAMBERT,

ein Schriftsteller, der sich zufällig in Oran aufhält und aufgrund der Schutzmaßnahmen nicht in seine Heimat zurückkehren kann. Anfangs versucht Rambert alles, um Oran so schnell wie möglich wieder zu verlassen, denn er so schließlich von seiner Liebe getrennt. Er wirft Rieux vor, er habe nicht an die Liebenden gedacht, als er die Schutzmaßnahmen ausstellte – bis Rambert erfährt, dass auch Rieux von seiner Frau getrennt ist. An diesem Punkt wechselt die Einstellung des Journalisten. Auch er beginnt, sich aufopfernd um die Pestkranken zu kümmern – und stellt dabei sein eigenes Glück in den Hintergrund. Er riskiert sein Glück für das Glücklichsein der anderen. Denn das einzige, was er nicht sein möchte, ist ein Egoist.

Eine wichtige Rolle spielt auch Pater PANELOUX,
der sich während der Pest auch stark verändert. Ist er in seiner ersten Rede noch vollkommen davon überzeugt, die Pest sei eine Strafe Gottes, die verdient ist, so ändert sich seine Einstellung vor allem in Bezug auf Gott in seiner zweiten Rede. Allerdings werde ich hier nicht weiter erzählen :o)


-° Der Zweideutigkeit der Pest °-


Beginnend mit der philosophischen Bedeutung lässt sich sagen, dass die Pest mit einem Exil, einer Trennung, dem Tod und der Absurdität des menschlichen Lebens gleichzusetzen ist.
Der Mensch befindet sich vor seiner Existenz und erhält von niemandem eine Antwort – auch nicht von Gott – warum er existiert und sterben muss. Er muss sich mit der menschlichen Existenz abfinden und solidarisch sein. So gesehen geht es im Leben vor allen Dingen darum, sein Glück und seine Genugtuung in gemeinsamen Aktionen zu finden, denn Einzelkämpfer haben es besonders schwer. Es gibt keine perfekte Erklärung für die menschliche Existenz – weder die Kirche noch eine Ideologie.
Der Mensch muss also akzeptieren das er lebt und sterben wird, auch wenn er mit einer Welt konfrontiert wird, die er nicht verstehen kann. Es geht um das absurde Gefühl, aber es ist nicht die Welt, die absurd ist, sondern die Beziehung die zwischen Mensch und Universum besteht.
Camus wollte genau dies darstellen – in Form der Separation einiger Charaktere, durch die unerklärlichen Leiden und die Tragik des Absurden. Der Mensch befindet sich ohne Gott vor dem Tod.


Andererseits kann man die Pest auch symbolisch für die deutsche Besetzung in den 1940er Jahren in Frankreich sehen, während welcher die Menschen auch wie in einem Exil, in einer Isolation leben mussten und die Einsamkeit mehr und mehr zu spüren bekamen. Frankreich wurde in mehrere Zonen unterteilt, aus denen man letztendlich weder ein – noch ausreisen konnte. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass Camus während der deutschen Besetzung im Exil in Paris gelebt hat und somit eigentlich subjektiv nur über diese Stadt schreiben kann. Dennoch gibt es viele Parallelen zwischen der Pest als Krankheit und der Pest als deutsche Besetzung: Viele Opfer, immer vieler aufflammendes Leid und Elend, das Gefühl, in einem Exil zu leben, die Rationierung von Nahrung , Grenzkontrollen, Isolationscamps und Verbrennungskrematorien.


-° Infos °-


Titel: La Peste
Autor: Albert Camus
Verlag: Gallimard, Collection Folio Nr. 42
Erscheinungsjahr der Ausgabe: 2002
ISBN: 2 – 07 – 036042 – 3
Preis: ca. 8 €
Seitenzahl: 279


-° Fazit °-


Alles in allem handelt es sich bei „La Pest“ um ein sehr faszinierendes Buch mit einem sehr ernsten Hintergrund. Faszinierend ist die Doppeldeutigkeit der Pest, die der Leser einmal philosophisch und einmal geschichtlich auslegen kann. Das Thema der menschlichen Existenz und der Absurdität zu beleuchten ist nicht immer leicht zu verstehen – vor allem nicht, wenn man das Buch auf französisch liest. Denn hier ist es leider zum Teil 5mal so schwer. Viele Vokabeln musste ich nachschlagen, auch wenn wir nebenher noch ein Heft mit dem Namen „Vocabulaire et Documents“ hatten. Zwar waren hier viele Vokabeln aufgelistet, aber natürlich auf Französisch erklärt – sodass häufig Verständnisprobleme auftauchten, auch wenn hier zu einigen ausgewählten Kapiteln Zusammenfassungen geliefert wurden. Obwohl wir bereits in 12.2 das gesamte Halbjahr mit diesem Buch verbracht haben, traten bei der Abivorbereitung wieder vermehrt fragen auf. Problematisch war es nämlich, dass einige Begriffe wie „Abstraction“ oder „La condition humaine“ einfach nicht verstänlich für uns wurden – auch wenn sie eine Basis des Buches bildeten.
Doch nachdem wir es nun wirklich zum Erbrechen durchgenommen hatten, ich mir sehr viele Infos aus dem Internet geholt hatte und die deutsche Version noch einmal gelesen hatte, wurde mit klar, worum es in diesem Buch ging.
Auch wenn das Buch auf den ersten Blick trocken und nüchtern wirkt, so sind es die einzelnen Charaktere, die das Buch so lesenswert machen. Ob sie nun allein oder in der Gruppe agieren – es sind so viele verschiedene Persönlichkeiten wieder zu erkennen, die das tägliche Leben unter solch einer Bedrohung wiedergeben.
Anfangs gefiel mir das Buch überhaupt nicht, denn so wirklich etwas verstanden hatte ich nicht. Selbst als guter Frank-LKler musste man das Wörterbuch oder die deutsche Version zur Hilfe nehmen. Das mindert dann letztendlich den Spaß an der Lektüre gewaltig.

Freiwillig würde ich das gute Buch auf französisch nicht noch einmal lesen, was aber nicht an der Thematik oder dem Schreibstil liegt. Ich habe zwar bisher noch nicht viel von Camus gelesen, doch das Anspruchniveau ist meiner Meinung nach nicht gerade niedrig. Es bedarf häufig einer Zeit des Nachdenkens, bis man sich in die Thematik eingefuchst hat. Trotzdem macht es Spaß, sich mit der Denkensweise Camus’ über die menschliche Existenz ohne göttliche Hilfe auseinanderzusetzen. Denn es ist nicht immer der einfachste und sicherste Weg, sich auf Gott zu berufen... was zählt, ist die Eigeninitiative und das Gemeinwohl.

Insgesamt gibt es von mir 3 Sterne für diese Buch – was einzig und allein mit dem schweren Französisch zu tun hat. Das Buch an einem oder zwei Tagen durchzulesen ist schier unmöglich – denn das ewige Nachschlagen raubt sehr viel Zeit :o( Von der Thematik und der Ausführung, sowie der Charakterwahl würde es von mir 5 Sterne geben.


Danke fürs Lesen, Bewerten und evtl. Kommentieren.
Wünsche euch allen noch ein schönes Wochenende.

StarlightII am 2o.o8.2oo5 für Ciao und Yopi
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 3,00 / 5,00 3
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
feldhase
feldhase, 21.08.2005
Ich haumltte das wohl nicht mal auf Deutsch gelesen... Alt wurde der Arme ja nicht... Naja - kein Buch fuumlr mich - aber schoumlner Bericht. LG vom Feldhasen
tuimama
tuimama, 22.08.2005
c039est vraiment trs difficile! j039ai du lire et analyser l039tranger de camus dans notre quotleistungskurs francaisquot... -
Fluetie
Fluetie, 20.08.2005
ist richtig schwere Lektuumlre :- Und dann noch in franzoumlsisch! Stolze Leistung :- lg Dirk
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Sterchen

Wir sind alle Pestinfizierte

ein Testbericht von 2009-09-20 17:36:26 vom 20.09.2009
Empfehlung: ja
Vorteile: Schreibstil, gute Strukturierung, interessante Geschichte...
Nachteile/Kritik: stellenweise schwieriges Französisch
Beim Aufräumen in meinen Buchregalen, die sich so langsam unter den Büchern durchbiegen, ist mir heute « la peste » von Albert Camus in die Hände gefallen, welches ich zum Abi vorzubereiten hatte. Da es mir eigentlich gefallen hat, ist es mir dann einen Bericht wert ;)

***** zum Autor *****
Albert Camus wir 1913 in Algerien in ärmliche Verhältnisse hineingeboren. Der frühe Tod seines Vaters, welcher im 1.Weltkrieg eingezogen und verwundet wurde, und seine Lebensverhältnisse haben ihn geprägt. Schnell sahen seine Lehrer seine Begabung und ließen ihn an den Aufnahmeprüfungen fürs Gymnasium teilnehmen. Dort versuchte er seine Herkunft zu verstecken, für seine hör-und sprechbehinderte Mutter schämte er sich. Er begann später dann ein Studium der Philosophie an der Universität von Algier.

Er wird allgemein zum französischen Existentialismus gezählt. In seinen Werken geht es vorrangig um die Absurdität des menschlichen Daseins. Er schriebt dabei nicht nur Romane sondern auch Dramen und Essays. 1957 erhält er dann auch einen Nobelpreis, bevor er1960 in einem Autounfall stirbt.
Weitere Werke:
- l’Etranger
- le Malentendu
- les Justes
- l’Homme Révolté
- ...

***** Zum Buch *****
Albert Camus - La Peste
278 Seiten
ISBN-13: 978-2070360420
Erschienen bei Gallimard 1972
Preis: Ich hab es bei Amazon France für 6,95 bestellt damals


***** zum Inhalt *****
Die Geschichte spielt 194... in einer überschaubaren, afrikanischen Stadt namens Oran. Diese Stadt unterscheidet sich in keinster Weise von anderen Städten, an ihr ist nichts besonderes, genau so wenig wie an den Bewohnern, die in ihrem Alltag gefangen sind. Nun werden aber plötzlich tote Ratten gefunden – eigentlich auch etwas alltägliches – doch die Anzahl der toten Ratten steigt von Tag zu Tag an. Es ist der Arzt Bernard Rieux, dem dieses Phänomen zuerst suspekt vorkommt. Er ist sich sicher : daran ist etwas faul. Relativ schnell erkranken auch Menschen, als dann Rieux’ Hauswart stirbt, ist der Arzt sich sicher über die mysteriöse Krankheit. Doch der Ernst der Lage wird von den Behörden unterschätzt, welche zu lange zögern etwas zu unternehmen.

Auch als sie endlich Massnahmen ergreifen zur Bekämpfung der Epidemie, bleiben die meisten Bewohner in ihrem alltäglichen Tun gefangen. Erst als die Stadt endgültig von der Außenwelt abgeschirmt wird, wird vielen klar wie ernst ihre Lage ist. Die Zahl der Toten steigt täglich an, die Individualität der Bewohner nimmt stetig ab, das Leid betrifft jeden, die Krankheit nimmt keine Rücksicht auf gesellschaftlichen Stand, Religiosität oder sonstiges, der Einzelne geht in der Masse unter. Dabei nimmt der Leser am Schicksal einiger ausgewählter Protagonisten besonders teil. Jeder hat dann auch seine eigene Art mit der Ausnahmesituation umzugehen. Doch ich will auch nicht zuviel verraten ;)

***** zu den Charakteren *****
Bei diesem Roman auffallend ist die Abwesenheit von aktiven, weiblichen Charakteren. Das aktive Handeln ist ausschließlich den männlichen Protagonisten vorbehalten. Frauen, mit Ausnahme von Rieux’ Mutter und Dr.Castels Frau, existieren vor allem nur in der Gefühlswelt der Männer und tauchen auch nur in Bezug zu dieser auf. So sind z.B die Frau von Rieux sowie die Geliebte von Rambert nicht in der Stadt.

***** Dr. Bernard Rieux *****
Dr. Rieux ist eigentlich DER Hauptcharakter des Romans. Als Arzt der Stadt, stellt er sich am Ende des Romans als innerer Erzähler heraus. Er bezeichnet sich dabei als „Chronist“, um höchstmögliche Neutralität zu beweisen. Er sieht seine Rolle darin, den Menschen zu helfen, ihr Leiden zu lindern. Dabei greift er öfters die philosophischen Ideen Camus’ wie die Absurdität der Existenz auf. Sein eigenes Leiden steckt er zurück, die Hilfe steht im VOrdergrund Er ist Atheist und weicht der Frage nach seinem Glauben aus. Seine Frau ist während der ganzen Zeitspanne in einem Sanatorium außerhalb der Stadt, ihren Tod gegen Ende nimmt er mit Fassung.


***** Rambert *****
Rambert, aus Paris, kommt als Journalist in die Stadt und ist nur durch Zufall also dort gefangen. Er fühlt sich als Fremder. Daher versucht er alles, um irgendwie aus der Stadt zu entkommen und zurück zu seiner Geliebten zu kommen. Als nun all die legalen Wege erschöpft sind, schreckt er nicht davor zurück sich mit zwielichtigen Gestalten abzugeben, um doch noch eine Fluchtmöglichkeit zu finden. Während er auf diese Gelegenheit der Flucht wartet, schließt er sich den Hilfstrupps provisorisch an. Dies führt jedoch zu seiner persönlichen Entwicklung, er fängt an sich zugehörig zu fühlen und sieht sich dann außerstande die Stadt zu verlassen als ihm die Möglichkeit geboten wird.


***** Cottard *****
Dieser versucht sich anfangs zu erhängen aufgrund seiner Probleme mit der Polizei. Die Pest bietet ihm nun die Gelegenheit aufzuatmen, da die Aufmerksamkeit von ihm abgelenkt wird. Er beginnt wieder verstärkt zu agieren, kriminelle Geschäfte durchzuführen und beteiligt sich am Warenschmuggel. Er versucht auch Rambert bei der Flucht zu helfen. Er ist einer der wenigen Profiteure der Krankheit, der einzige der oft lächelt und gutgelaunt durch die Stadt geht. Doch der glückliche Ausgang der Epidemie bringt ihn zur Verzweiflung, er sieht, dass es für ihn keine Flucht gibt aus seinem selbstgezimmerten Schicksal und läuft daher Amok.


Weitere wichtige Charaktere sind noch Grand und Tarrou, aber ich will auch nicht alles vorweg nehmen hier ;)

***** Leseeindruck *****

Nun, die Sprachgestaltung des Romans ist wirklich nicht sehr einfach. Das Französisch ist relativ schwer, der Roman ist also eher für Fortgeschrittene Französischkenner oder Muttersprachler geeignet. Das ganze wird dann noch von der erschlagenden Thematik und ihrer Mehrdeutigkeit erschwert. Hat man sich aber in die Geschichte eingefunden und kann sich im Vokabular zurechtfinden ist es aber eine schöne Lektüre, die zum Nachdenken anregt. Als Urlaubslektüre würde ich den Roman jedoch nicht empfehlen, man muss sich wirklich mit dem Thema und den Protagonisten auseinandersetzen, um dem Fluss der Geschichte folgen zu können. Öfters muss man zurückblättern um einen Zusammenhang auszuarbeiten.
Die Charaktere jedoch sind sehr gut gestaltet, flache Charaktere trifft man hier nicht. Jeder einzelne wurde mit viel Mühe ausgestaltet, seine Gefühlswelt, sein Handeln, alles scheint logisch und in dem Charakter verankert. Auch die Nebenstränge und die Thematik zwischen den Zeilen ist hervorragend ausgearbeitet. Dass Camus Philosoph war, scheint dabei all zu oft durch. So wird vor allem auf die Absurdität des Daseins mehrfach eingegangen, eines der Hauptthemen der Philosophie des Autors. So scheint Rieux öfters den Standpunkt Camus’ zu vertreten. Dieses „Absurditätsthema“ wird unter anderem aufgegriffen als Tarrou nach dem Abebben der Pest einer der letzten ist der daran noch erkrankt und stirbt.

Ein weiterer Interpretationsansatz wäre der Parallelismus Pest-Krieg, der öfters im Werk deutlich benannt wird. Rieux vergleicht die Krankheit mit Krieg, der auch unschuldige das Leben kostet und bei dem auch jeder leiden muss. Damit verbunden ist dann auch der 2.Weltkrieg und die Nazibesetzung durch das Situieren der Geschichte um 1940. Man kann aber noch mehr Hinweise finden, wie z.B. die Verbrennungsöfen, die später benutzt werden um die Unmassen an Leichen loszuwerden oder die Nüchternheit mit der man nachher die Anzahl der Toten betrachtet.
Die Geschichte an sich ist bedrückend und traurig, auch das gewählte Vokabular ist daraufhin ausgerichtet. Ich kann das Buch eigentlich nur weiterempfehlen. Leute, die sich auch gerne mal mit schwer verdaulicher Kost beschäftigen, und sich gerne zum Nachdenken anregen lassen, sollten einen Blick in diesen Roman werfen. Ich bin sicher es gibt auch gute deutsche Übersetzungen.


In sofern danke fürs Lesen und Bewerten . LG Vanessa
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
RoundaboutFlorence
RoundaboutFlorence, 20.09.2009
Super beschrieben, ich werd es irgendwann endlich lesen!
tk7722
tk7722, 21.09.2009
Ein sehr interessanter Bericht, liebe Grüße
morla
morla, 20.09.2009
einen schönen sonntagabend noch lg. petra
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