Lara Cardella: Ich wollte Hosen
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Testberichte Lara Cardella: Ich wollte Hosen

 (Taschenbuch)
3.2 von 5
Platz 117 in der Kategorie "Belletristik Romane & Erzählungen - I".
Bewertung: Kundenbewertung 3,20 / 5,00 3.2 von 5
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Lara Cardella: Ich wollte Hosen Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 3,20 / 5,00 3.2 von 5
von 50% aller Autoren empfohlen (1/2).
Bewertungsverteilung:
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LilithIbi

„Meinetwegen können sie sie für immer behalten.“

ein Testbericht von 2010-01-12 15:18:05 vom 12.01.2010
Empfehlung: nein
Eigentlich wollte ich am gestrigen Tage ein völlig anderes Buch begonnen haben, welches erst über ein paar Umwege zu mir fand, welches mich jedoch aufgrund seines Umfanges und der recht kleinen Schrift ein wenig abschreckt. Da Olsen77 es jedoch verdaddelte, meiner Bitte, sie möge mir eine Warnung vor ihrem nächsten Buchbericht geben, damit ich mir die Augen entsprechend zuhalten könnte, nachzugehen, wurde zum einen meine Leseliste mal wieder länger, und zum anderen beschloss ich, nu erstmal alles zu lesen, was irgendwie „dünn“ aussieht, um nicht eines Tages eines mehr oder minder rätselhaftem „vom Bücherstapel erschlagen“ Todes zu sterben.

==Ich wollte Hosen==

von Lara Cardella erhielt ich als quasi Gratis-Dreingabe zu einem über tauschticket absolvierten Vorgang; nur bedingt hätten sonst die 127 Seiten mein Interesse wecken können. Zwar klang das, was man über das Buch so ergoogeln konnte, nicht sonderlich uninteressant, jedoch auch nicht nach dem, was ich gemeint hätte, unbedingt lesen zu müssen.

Ohnehin sind die Umstände rund um die Entstehung sowie die Nachwirkungen dieses Buches bemerkenswerter als das, was die junge Autorin hier im Rahmen eines Literaturwettbewerbes veröffentlichte. Nachdem Lara Cardella zu diversen Interviews geladen wurde, blieben nicht nur die Kunden ihres Vaters aus und wurde ihre Mutter beurlaubt, vielmehr trat sogar der Bürgermeister ihrer einstigen Heimatstadt Licata zurück.

Die Frage, inwiefern der Kurzroman autobiographisch ist, bleibt; und ob man diese weiteren Entwicklungen nun nachvollziehen kann oder nicht, Fakt ist, dass Lara Cardella ihrem eigentlich jung-rebellischen Büchlein mehr oder minder überraschend eine besondere Note verlieh.

==Die Story==

dreht sich nur scheinbar darum, dass die 10jährige Anetta alles mögliche versucht, um Hosen tragen zu dürfen.
Warum auch immer sie meint, dass Nonnen unter ihrer Kutte Hosen anhätten, beschließt sie früh, selbst eine Dienerin Gottes zu werden, reißt nach einer weiteren Tracht Prügel von zu hause aus und flüchtet ins Kloster ~ wo sie jedoch über die Tradition, eben keine Hosen tragen zu dürfen, aufgeklärt wird. Ihre weitere Idee, einfach ein Junge zu werden, scheitert genauso kläglich; so dass sie schlussendlich sich so verhalten will, wie die geächteten Mädchen im Dorf, eine, die als „Nutte“ bezeichnet wird. Nachdem eine neue Mitschülerin sich Annetta annahm, sitzt diese eines Tages geschminkt und aufgehübscht mit einem Jungen auf einer Bank ~ und wird von einem Verwandten dabei „erwischt“, nach hause eskortiert und anschließend von ihren Eltern zu einem fernen Onkel abgeschoben....

==Die Umsetzung==

bedarf einiges an Erklärung, welche jedoch im Buch selbst aufs wunderbarste mit dargelegt wurde. Die Autorin verstand es, dem Leser hier und dort in gewisse Gepflogenheiten des dörflichen Lebens zu involvieren, den fast schon eigensinnigen Begriff „Nutte“, wie er in Sizilien gebraucht wird, zu erläutern sowie hier und dort mehr als bildhaft darzulegen, in welch einer – äußerlichen wie innerlichen - Armut Anetta aufwachsen musste.

Die Story an sich ist für hierzulandige sicherlich nicht ganz so leicht nachempfindbar, es gilt bei uns weder als tabu, dass Mädchen Hosen tragen, noch kann man sich so recht vorstellen, dass Anetta von dem gewissen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen nichts gewusst haben konnte; selbst wenn sogar meine eigene Mutter mir bzgl. ihrer Kindheit von ähnlicher Heimlichtuerei erzählte.

„Ich wollte Hosen“ überrumpelt den Leser regelrecht mit seinen Schilderungen; es ist, als ob die Verfasserin selbst überhaupt nichts „daran fand“, dass ihre Eltern sie für Kleinigkeiten verprügelten, ihr Vater mehrfach die Türen einschlug um sie mit einem Gürtel bestrafen zu können. Dass dies für Anetta „normal“ sowie die meisten Mitschüler wohl „normal“ war, hinterlässt einen arg bitteren Beigeschmack während der Lektüre.

Darüber hinaus finden sich etliche Sätze, die von einer einfühlsamen, zugleich objektiven Beobachtungsgabe nebst einem tieferen Verständnis zeugen, als die meisten, die in eben solchen Dörfern wohnen, wohl selbst aufweisen dürften:

„Niemanden war irgend etwas gleichgültig: Ein jeder interessierte sich für alles. Und in gewisser Weise ist das die menschliche Seite meiner Leute: Freilich hast du keine Handlungsfreiheit mehr, aber du hast auch nicht die Freiheit und das Recht, einsam zu krepieren. In meinem Dorf krepiert nicht einmal ein Hund für sich allein.“
_(ZITAT; S. 10)

~ Was darüber hinaus sich ebenso hinter den Kulissen abspielt, berührt den Leser jedoch nicht so sehr, wie es könnte bzw. sollte. Hinderlich für das richtige _Gefühl, welches die Schilderungen hinterlassen sollten, ist der vereinzelt doch arg hinkende Schreibstil der Autorin.
Zum einen „nervt“ es mich persönlich fast schon, dass Lara Cardella sehr oft italienische Wörter oder gar Satzfragmente einbaute, nur um sie im direkten Anschluss zu übersetzen. Dies mag für Menschen, die die Sprache lernen wollen, durchaus interessant sein, wirkt sich meiner Ansicht nach jedoch sonstig, aufgrund der angewendeten Häufigkeit, eher störend aus:

„Cehi facistuvo? Ti vasa? Ti tucca? Unni? Unni? Was habt ihr gemacht? Hat er dich geküsst? Hat er dich angefasst? Wo? Wo?“
_ZITAT; S. 48)

Darüber hinaus wurde hier versucht, eine generationsübergreifende Geschichte innerhalb der Hauptgeschichte zu erzählen ~ Anneta erhält von ihrer Tante deren Tagebuch, welches der Leser somit ebenfalls preisgegeben bekommt. Die mannigfaltige Wiederholung bzw. der fast schon übertriebene Gebrauch des Bindewortes „und“ mag sicherlich nur Klugscheißer wie mich stören; und doch habe ich aufgrund dessen ein wenig mehr zu moppern gehabt.

Diverse Zeitsprünge gehören heutzutage zu den handelsüblichen Romanen vermutlich dazu, doch hier geht es meiner Ansicht nach doch etwas zu wirr zu, vor allem, weil sich die Autorin nichtmal wirklich für einen ihrer gewählten Schreibstile entscheiden konnte. Zu hart und brutal sind die einzelnen Stilwechsel, es wirkt, als hätte zwischen den einzelnen Zeile eine Pause stattgefunden, nach der die Verfasserin nicht mehr in ihren alten Gedankengang zurückfand.
Während man anfangs noch aufgrund der lockeren Erzählweise über die arg naive Art der Hauptprotagonistin schmunzeln konnte, hopst die Schilderung urplötzlich in eine Ernsthaftigkeit, die manchesmal eher befremdlich als tiefgreifend wirkt. Sicherlich mag ich Bücher, die gleichzeitig dafür sorgen, dass einem das eben noch geäußerte Lachen regelrecht im Halse stecken bleibt, doch in „Ich wollte Hosen“ merkt man ganz einfach, dass es sich um das Erstlingswerk der Autorin handelt.

==Summa summarum==
bietet „Ich wollte Hosen“ eine regelrechte Aufklärungsarbeit über die Gepflogenheiten in anderen Ländern, schockiert, fesselt und fasziniert zugleich.
Zweifelsohne war es für mich interessant, dieses Werk zu lesen; gleichso handelt es sich jedoch um nichts, was ich unbedingt empfehlen würde. Abraten will ich ebensowenig; und doch wäre mein Gesamturteil, dass ein Kauf des Buches fast schon eine Enttäuschung mit sich bringt. Geschenkt, ausgeborgt oder gar im Unterricht behandelt ist das ganze eine Empfehlung wert; doch lediglich als „nur mal eben für sich selbst erworbene“ Unterhaltungslektüre würde ich das Büchlein wohl eher nicht betrachten wollen.
Sehr gut möglich, dass viele Leser dies nun anders sehen werden; erst recht in dem Zusammenhang, dass die Veröffentlichung wie gesagt im Jahre 1989 für ein Riesen-Bohei sorgte....doch mir persönlich ist bereits ähnliche Lektüre untergekommen, die mich einfach mehr bewog.
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 3,00 / 5,00 3
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
Bunny84
Bunny84, 12.01.2010
Klasse Bericht. Liebe Grüße sendet dir BUNNY84
PS: Freue mich über Gegenlesungen
dkali
dkali, 12.01.2010
Sehr hilfreich, liebe Grüße.
liebes35
liebes35, 12.01.2010
Gut beschrieben. LG Steffi
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CyberQueeny

Sitten wie im Mittelalter

ein Testbericht von 2009-09-01 16:27:33 vom 01.09.2009
Empfehlung: ja
==Sitten wie im Mittelalter==

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

==ALLGEMEINES==

**Kaufgrund**
Da ich im Moment sehr viel Lese, in der Bücherei oft nichts Gescheites vorhanden ist und die meisten Bücher teuer sind, habe ich mir bei Ebay ein Überraschungsbuchpaket bestellt und darin war dieses Buch enthalten.


**Buchdaten**
Titel: Ich wollte Hosen
Autor: Laura Cardella
Verlag: Fischer
Preis: Damals 9,80DM, heute 6,95€
ISBN: 3596101859
Seitenzahl: 127
Alter: 14
Jahr:1990
Rubrik: Frauenschicksal
Art: Taschenbuch

**Autor**
Die Autorin wurde 1969 in Licata geboren. Sie machte ihr Abitur und studierte. Ihr erster Roman „Ich wollte Hosen“ landete gleich auf Platz ein der Bestseller in Italien.

==NACH DEM LESEN==

**Inhaltsangabe**
Anetta lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder zusammen. Ihr größter Wunsch ist es, Hosen zu tragen. Doch Mädchen ziehen Röcke an. Um ihren Wunsch durchzusetzen versucht sie alles menschenmögliche zu machen. Sie will ins Kloster gehen, weil sie denkt Nonnen tragen Hosen, dann will sie ein Junge werden und verhält sich so, bis sie merkt, dass ihr etwas fehlt, danach will sie eine „Nutte“ werden, ein Mädchen, dass sich schminkt, ausgeht und einen Freund hat, denn solche Mädchen tragen auch Hosen. Sie kommt ihrem Ziel näher, bis sie eines Tages von ihrem Onkel knutschend mit einem Jungen erwischt wird. Ihre Eltern rasten aus und verprügeln sie mit dem Gürtel. Für die Mutter bricht eine Welt zusammen und weil sie so darunter leidet, muss Anetta weg. Sie kommt zu ihrem Onkel, der sie vor Jahren sexuell belästigt hat. Ihre Tante hingegen, ist sehr nett und als sie merkt, dass diese auch ein Geheimnis, einen Geliebten hat, von dem die eine Tochter sogar stammt, vertraut sie sich ihr an. Für die Tante ist das Maß voll und sie will ihren Mann nun doch verlassen. Doch statt sie mitzunehmen, brennt sie mit ihrem Geliebten durch. Als sie nicht zurückkommt, will sich der Onkel an Anetta vergreifen, wenn seine Frau ihm schon nicht zu Willen ist. Sie kann fliehen, aber ihr Onkel ist hinter ihr her.

**Leseprobe**
Seite 68: Dann, ich weißt nicht mehr, wie es sich zu trug , näherte er sich mir, nahm einen Stuhl und setzte sich neben mich. Er hob meinen Rock hoch und führte einen Finger in meine Scheide ein. Ich weiß wirklich nicht mehr, was ich in diesen Minuten dachte; vielleicht hat Freud recht, wenn er von Verdrängung spricht, denn die Bilder dieses Vorfalls kommen mir verschwommen vor Augen, und die Worte, an die ich mich zu erinnern glaubte, dröhnen, als gäbe es in diese Zimmer ein Echo und die Laute würden ins Riesenhafte gesteigert, so dass ich ihren Sinn nicht begreifen kann.


**Meine Meinung**
Als ich das Buch aus dem Karton genommen habe, kannte ich weder den Titel noch die Autorin. Vom Titel dachte ich eher, dass es darum geht, das eine Frau im falschen Körper steckt. Schnell merkte ich, dass es eher darum geht,wie Frauen behandelt werden und das sie wirklich nur Hosen anziehen wollte.
Der Einstieg in die Geschichte war eigentlich zwar gut gewählt, aber doch etwas Schwierig. Ich zum Beispiel, kannte gar nicht die Lebenssituation auf Sizilien zu damaligen Zeiten und für mich war es recht schwer dies nachzuvollziehen. Erst denkt man, sie sei einfach nur anders von der Einstellung her, dann merkt man, dass sie die gewünschte Einstellung hat, was Schminke und Jungs angeht. Nach einigen Seiten hat man das Gefühl, dass man im Mittelalter ist oder in einer türkischen Dorfregion. Zumindest hat man in moslemischen Gebieten öfters von einem solchen Rückstand gehört. Ich war schockiert, dass dies in anderen europäischen Ländern auch so ist.

Das Thema ist sehr interessant und man fragt sich ständig, ob es sich hierbei um die Geschichte der Autorin handelt. Dies wird aber nie aufgeklärt, ob dies der Fall ist. Leider fand ich den Schreibstil von der Autorin etwas komisch. Es ist teilweise sehr sprunghaft und ich fand es schwer den Sprüngen zu folgen. Dazu kam, dass sie gerade etwas sehr interessante im Erzählstil schreibt und plötzlich hat man das Gefühl ein Sachbuch zu lesen. Ich denke hierfür hab ich einen guten Teil als Leseprobe ausgewählt. Auch hier wird beschrieben, wie sie belästigt wird und plötzlich geht es einfach nur um die Verdrängung und Freuds Theorien.

Die Gewalt und die sexuellen Übergriffe zu damaligen Zeiten waren alles andere als schön. Man merkt aber, dass es dort früher zur Tagesordnung gehörte und einfach normal war. In Deutschland wäre dies nicht normal gewesen, aber kommt auch sehr häufig vor. In diesem Buch wird gezeigt, dass man sich dies nicht gefallen lassen sollte, auch wenn man dadurch seine Familie verliert, kann es nur besser werden. Trotzdem hätte sie dieses wichtige Thema mehr ausbauen können und sich nicht an dem Hosenthema so hochziehen müssen. Zwar war das ein guter Einstieg, aber es ging einfach zu sehr um dieses Thema.


Trotzdem war das Buch sehr interessant und ich habe es innerhalb von einem Tag durchgelesen. Einmal reicht aber völlig.

Das Buch ist denke ich für Leser ab 14 Jahren geeignet, da es eine gute Aufklärung ist, wie es anderen Ländern früher war. Daher eignet sich das Buch auch ideal für den Unterricht. Es beinhaltet viele Schreibstile, ein interessantes Thema und ist nicht zu dick.

Für unterwegs hat sich das Buch etwas schwer getan, da man keine Kapitel hat und es schwer ist, einen geeigneten Punkt zum Unterbrechen zu finden. Zwar gibt es viele Absätze, aber das ist oft nicht sehr gut und passend.


**Bewertung**
Von mir erhält das Buch vier Sterne. Abzug gibt es, weil ich mich gefreut hätte, wenn es Kapitel gehabt hätte und komplett in einem chronologischen Erzählstil geschrieben worden wäre.

Pro: Thema
Contra: Schreibstil

Danke fürs Lesen und Bewerten.


Eure Sarah
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
Gozo-Bernie
Gozo-Bernie, 07.09.2009
bw und Gruss aus Sizilien, der Heimat von telestrada.it! Seit Monaten wollte ich dieses Buch besprechen und bin nie dazu gekommen. Aber deine Rezension ist so gut - complimenti!! - da kann ich es mir jetzt sparen!
Oliver-
Oliver-, 01.09.2009
Echt ein toller Bericht! Ich wünsche dir noch einen schönen Abend! Lg Oliver-
sigrid9979
sigrid9979, 01.09.2009
Schöne Grüße von der Nordsee..Freue mich auch über Gegenlesungen...Lg sigi
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