ein Testbericht von bjlghs2005-01-11 10:53:49vom 11.01.2005Empfehlung: ja
Vorteile: Geschmack, Duft, Renomee, Nachgeschmack, ...Nachteile/Kritik: ein Brummschädel durch den Cardinal muß teuer erkauft werden
Alkoholische Getränke zu beschreiben, ist sicher immer sehr private Geschmacksausrichtung und situationsgebundene Empfindung. So ist das mit Weinen (hier immer wieder gut nachzuvollziehen, wenn man den im Urlaub so genossenen Wein zu Hause probiert und ohne die Urlaubsatmosphäre feststellt, dass er doch nicht so toll ist).
Den Cardinal Mendoza lernte ich in Spanien kennen (da war ich tatsächlich auch mal und nicht nur in Skandinavien). Ich hatte in einem schon öfter besuchten Lokal wieder einmal den Carlos Primero bestellt. Der Barkeeper fragte mich an diesem Abend, ob ich nicht mal etwas Besseres probieren wolle. Neuem gegenüber war ich Zeit meines Lebens aufgeschlossen und so kam ich erstmals mit dem "Cardinal" zusammen.
Und tatsächlich war der erste Eindruck, den der weiche, sanfte, vollmundige und so wenig beißende Weinbrand machte, ein sehr prägender. Meine Mutter sagte dereinst, als sie mich mit irgendeinem Fusel erwischt hatte: Junge, wenn du was trinkst, trink was Anständiges. Daran hab ich mich immer gehalten und der "Cardinal" passte da sehr gut in meine Getränkelandschaft.
Der Cardinal Mendoza soll in seiner ersten Herstellung auf das Jahr 1887 zu datieren sein. Der Name Cardinal Mendoza soll von einem Mann namens Don Pedro Gonzales de Mendoza stammen, der zwischen 1428 und 1495 gelebt hat. Er soll es zu Ehren und Einfluß im damaligen Spanien gebracht haben und als "El Gran Cardinal de Espana" in die Geschichte eingegangen sein.
Drei Komponenten beeinflussen den Geschmack des heutigen mittlerweile weltweit bekannten Cardinal Mendoza Weinbrandes :
- die Auswahl als hochwertig eingestufter Weine / Brennweine
- das Verfahren der Lagerung
- die Holzfässer, in denen der Weinbrand gelagert wird
Dieser Weinbrand wird heute ausschließlich in Holzfässern aus amerikanischer Eiche gelagert, was bedeutend zum markanten Geschmack beiträgt. Die verwendeten Fässer mussten zuvor ein paar Jahre als Sherryfässer dienen, ehe sie für die Lagerung des Cardinals verwendet werden dürfen.
Das traditionelle Umschichtungsverfahren (Criaderas) soll ebenfalls deutlichen Einfluß auf die Geschmacksausbildung des Weinbrandes haben. Dabei werden aus den unteren Fassreihen bestimmte Mengen abgezapft, die dann aus den oberen Fässern wieder aufgefüllt werden. So vermischen sich die einzelnen Lagerungen. Die durchschnittliche Lagerzeit soll rund 15 Jahre betragen, was sicher auch seinen heute nicht mehr ganz so hohen Wert ausmacht.
In einer Geschmacksbeschreibung des Herstellers steht etwas von dichtem Mahagonibraun und einer fülligen, geschmeidigen Süße. Ich möchte es mal so sagen: dieser exzellente spanische Edelbrandy hat ein sehr vielschichtes Geschmacksvolumen. Um ihn richtig genießen zu könnén, sollte man ihn zimmerwarm und in kleinen Dosen genießen. Dabei sollte jeder Schluck einmal komplett durch alle Hohlräume des Mundes gespült werden, ehe man ihn langsam die Kehle runtertropfen läßt, Wer dann noch der Meinung ist, er spüre nichts, sollte doch wieder Mineralwasser trinken.
Fazit:
Unter den guten Brandys dieser Welt ist der Cardinal Mendoza Brandy de Jerez ein besonders Guter. Preislich liegt er derzeit bei etwa 22 - 25 Euro in günstigeren Läden. Man kann in guten Alkoholika-Shops aber auch über 30 Euro berappen. Aber so oder so. Er ist sein Geld allemal Wert. Übrigens hab ich gerade einen solchen vor mir stehen. Skol!
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Lob des Klerus
ein Testbericht von Gemeinwesen2008-11-06 14:05:02vom 06.11.2008Empfehlung: ja
Vorteile: - siehe Text....Nachteile/Kritik: - nichts.
Was macht der Mensch in Spanien? Urlaub. Was macht er im Urlaub? Nichts. Und welches Andenken an wonnige, sonnige Stunden des süßen Nichtstuns bringt er sich mit? Aus Spanien wahrscheinlich auch Brandy.
Wenn ich von einer der kürzesten aller denk- und durchführbaren Stippvisiten einmal absehe, konnte ich bis vor nicht allzu langer Zeit von mir behaupten, Spanien aus Erzählungen, nicht aber eigener Anschauung zu kennen. Seit einem kürzlichen zweiwöchigen Urlaub ist das etwas anders: Spanienkenner bin ich sicher auch heute nicht, aber zumindest einen kleinen Teil des Landes habe ich gesehen.
Abgereist war ich mit dem festen Vorsatz, vor Ort die eine oder andere Flasche spanischen Brandys zu erstehen – und zwar vorzugsweise nicht eine der auch hierzulande in jedem auch nur leidlich gut sortierten Supermarkt erhältlichen Marke mit dem Stier auf dem Etikett. Im Einkaufskorb gelandet sind dann hinterher der mir wohlbekannte Lepanto sowie je eine Flasche der Marken Carlos und Cardenal Mendoza, deren Kauf man mir bereits vor der Abreise ans Herz gelegt hatte; außerdem mit nach Hause reisen durfte eine Flasche 1866.
Den Lepanto kannte und schätzte ich schon vorher, den Cardenal Mendoza Gran Reserva habe ich inzwischen kennen gelernt. Auch ihn schätze ich durchaus, wenn vielleicht auch nicht in dem gleichen hohen Maße wie den Lepanto. Keine Frage: Der Cardenal Mendoza ist ein wirklich feiner, vollmundiger Weinbrand mit viel rosiniger Süße. Für meinen Geschmack – und wir sprechen an dieser Stelle wirklich von persönlicher Vorliebe und nicht von objektiven Gütekriterien – reicht er jedoch nicht ganz an den Lepanto heran.
An diesem meinem bisherigen Favoriten unter den Brandys schätze ich die buttrige, karamellige Note, die den Lepanto für meinen Begriff deutlich von anderen Brandys abhebt, die ich bisher probiert habe. Der Vergleich ist in meinen Augen übrigens insofern nicht ganz willkürlich gewählt, als die beiden Vertreter der Gattung Brandy de Jerez Solera Gran&nb sp;Reserva auch preislich in etwa in der gleichen Liga spielen. Für beide habe ich im örtlichen Supermarkt jeweils knapp über 20 Euro bezahlt, in Deutschland sind beide für durchschnittlich 30 Euro zu haben (übrigens waren nicht alle meine Käufe vor Ort ähnlich vorteilhaft, der 1866 war im spanischen Supermarkt nicht günstiger als bei deutschen Online-Händlern).
Mein Fazit fällt denn auch etwas wankelmütig aus: Stünde nicht schon ein anderer Brandy ganz oben auf meiner Favoritenliste – der Cardenal Mendoza hätte sicherlich Chancen gehabt. Und zumindest soviel steht auch für mich fest: Aus dem Vergleich mit der Standardabfüllung aus dem Hause Osborne geht auch der Herr Kardinal erhobenen Hauptes und als strahlender Sieger hervor. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass mir der Cardenal Mendoza auf Anhieb sogar sympathischer war als der Conde de Osborne (und dieser Graf von Osborne ist wirklich nicht von schlechten Eltern). Übrigens habe ich den 42%-igen Cardenal Mendoza als ebenso weich empfunden wie den 36%-igen Lepanto - auch das ist in meinen Augen eine gute Empfehlung für den Cardenal Mendoza.
Kann ich den Cardenal Mendoza also empfehlen? Ein ganz klares „Ja“.
Würde ich ihn für mich selbst noch einmal kaufen? Unter Umständen schon. Solange ich die Wahl zwischen Lepanto und Cardenal Mendoza habe, ziehe ich den Lepanto allerdings vor.
R e s ü m e e
Wer hochwertigen Brandy schätzt, trifft mit dem Cardenal Mendoza eine ausgezeichnete Wahl. Im Wettstreit um meine Gunst hat er sich mit dem Lepanto ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert und nur knapp verloren.
Fazit: ein wirklich empfehlenswerter Brandy de Jerez Solera Gran Reserva.
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