Joseph Conrad: Heart of Darkness
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Testberichte Joseph Conrad: Heart of Darkness

 (Taschenbuch)
4.9 von 5
Platz 20 in der Kategorie "Bücher Importe, Fremdsprachige Literatur - G, H, I".
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Joseph Conrad: Heart of Darkness Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 4,90 / 5,00 4.9 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (2/2).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
  • Weltliteratur, eine frühe Abrechnung mit dem Kolonialismus
  • Klassiker, psychoanalytisch wertvoll, beleuchtet Kolonialzeit des 19. Jhd.
Nachteile/Kritik
  • sehr ausschmückend, schwer zu lesen, bei entsprechender Perspektive sehr rassistisch
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theConsultant

Drei mal Kongo – Teil 1

ein Testbericht von 2004-06-29 17:03:10 vom 29.06.2004
Empfehlung: ja
Vorteile: Weltliteratur, eine frühe Abrechnung mit dem Kolonialismus...
Nachteile/Kritik: -
Kongo! Wie kaum ein anderes Land Afrikas, symbolisiert dieses Land Urwald, Geheimnis und Ursprünglichkeit, aber auch rücksichtslose Resourcenausbeutung, Willkürherrschaft und Niedergang.

Letztes Jahr las ich drei sehr verschiedene Romane, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, und bei allen dreien ist es vor allem Kisangani, das früheren Stanleyville, wo die Handlung ihren Höhepunkt findet. Diese große Stadt, am Kongofluß gelegen, wird zwar namentlich nie genannt, ist aber aufgrund der Beschreibungen mehr oder weniger eindeutig zu identifizieren.

Jeder der Romane ist einen eigenen Bericht wert, ich will aber versuchen, sie trotzdem mit einander in Beziehung zu setzen.

Beginnen wir mit „Heart of Darkness“ von Joseph Conrad. Dieses Werk ist von der Länge her eher als Novelle zu bezeichnen. Um die Jahrhundertwende geschrieben gilt es seit langen als Klassiker, und man kann davon ausgehen, dass die anderen beiden Autoren, nämlich V.S. Naipaul und Urs Widmer, dieses Buch kannten, als sie ihre moderne Fassung über den Kongo schrieben.

Der „Firmendirektor“ C. Marlow hat Gäste auf seine Yacht geladen und shippert mit ihnen gemächlich in der Mündung der Themse herum. Dabei erzählt er von einem früheren Erlebnis, wie er als Kaptän eine Tour auf dem Kongo unternahm.

Er hatte diesen Auftrag nicht aus Spass oder Abenteuerlust unternommen, sondern weil er dringend eine Job suchte. Auftraggeber war ein Belgisches Unternehmen. Sein Vorgänger war unter mysteriösen Umständen umgekommen. Nun sollte das Dampfschiff der belgischen Firma wieder flott gemacht und dann damit der erkrankter Handelsagent „Kurtz“ aus dem Landesinneren geholt werden.

Joseph Conrad war Pole, in der heutigen Ukraine geboren. Seine Eltern hatten an einem Aufstand gegen zaristische Unterdrückung teilgenommen, wurden in die nordrussische Verbannung geschickt, und starben früh an Tuberkulose. Ein Onkel fördert den Jungen, ermöglicht ihm eine gute Schulbildung (u.a. in der Schweiz), und ermöglicht es dem Jungen später zur See zu fahren, anfangs auf französischen, später auf britischen Schiffen.

Conrad war auch selber einmal vier Monate auf dem Kongo unterwegs gewesen. Trotzdem – „Herz der Finsternis“ (so der deutsche Titel) ist alles andere als ein typischer Abenteuerroman. Es ist eine düstere Erzählung über die Ausbeutung der Schwachen durch die Starken, über psychische und physische Krisen – und es ist ein politisches Buch.

In einer Zeit, als Kolonialismus nicht nur als legitime Ausbeutung sonst ungenutzter Resourcen verstanden wurde, sondern auch als Fortschritt und Segen, zeigt Conrad die finstere Seite dieser Entwicklung. Hierfür gab die Kongo Kolonie ein besonders gutes Beispiel ab. Sie unterstand nicht dem belgischen Staat sondern war praktisch Privateigentum des belgischen Königs Leopold II, und es war der Entdecker Henry Morton Stanley, der, im direkten Auftrag von Leopold, wesentlich zur Eroberung dieses riesigen Gebietes beitrug.

Zumindest in England war damals schon Stanley nicht unumstritten. Er galt als selbstherrrlich, unnötig brutal und stand im Verdacht, mit Sklavenhändlern zusammenzuarbeiten. Durch seine Veröffentlichung in der damals in gebildeten Kreisen sehr weit verbreiteten Literaturzeitschrift „Blackwood’s Magazine“ wollte Conrad ihm in der Person des Kurtz vielleicht ein negatives Denkmal setzen. Aber man könnte ebensogut auch Marlow als Stanley sehen, unternahm Stanley doch eine ähnliche Expedition, um den im Süd-Sudan von Aufständischen bedrängten deutschen Forscher „Emin Pascha“ herauszuholen. Soweit der zeitgeschichtliche Hintergrund, den ich überwiegend aus aus der Einführung von Robert Hampson entnommen hatte. Aber wie liest sich das Buch als solches? Ich habe das Buch im englischen Original gelesen, einmal aus Prinzip und zweitens, weil die deutsche Übersetzung als nicht sehr gelungen gilt. Trotzdem: obwohl ich sehr viel in Englisch lese (und keineswegs nur Easy Readers), und selber auch mehr in Englisch als in Deutsch schreibe (wenn auch nicht mit literarischem Anspruch): Bei diesem Buch hatte ich meine Probleme.

Die Sprache wirkt umständlich, wie herausgepresst in einem sich mir nicht offenbarenden Rhythmus. Das Unheimliche, das Erahnen wird dem Leser wie in einem Albtraum mitgeteilt, mehr durch Andeutungen denn durch direkte Offenlegung. Aber ein Lesevergnügen konnte mir dieses Buch nicht bereiten – sollte es vielleicht auch nicht?

Ich habe das Buch in der Ausgabe „Penguin Twentieth Century Classics“ gelesen, mit den Kommentaren von R. Hampson sowie Conrads Aufzeichnungen „The Congo Diary“, die er während seiner eigenen Fahrt durch den Kongo gemacht hatte. Den Titel ziert eine eher idyllisch wirkende gemalte Urwaldszene – nicht ganz passend, wie ich finde. Das Taschenbuch kostete im Jahr 2001 1.99 Brit. Pfund oder 18,41 DM bei Amazon. Die Erzählung ohne Kommentare gab es, ebenfalls von Penguin, für 1.00 Pfund oder 3.34 DM bei Amazon.de (da waren wohl auch die Wechselkurse düster und geheimnisvoll).
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mmoritz

Der Abgrund ist näher, als man denkt ...

ein Testbericht von 2009-02-27 19:00:49 vom 27.02.2009
Empfehlung: ja
Vorteile: Klassiker, psychoanalytisch wertvoll, beleuchtet Kolonialzeit des 19. Jhd. ...
Nachteile/Kritik: sehr ausschmückend, schwer zu lesen, bei entsprechender Perspektive sehr rassistisch
Viele kennen den Film "Apocalypse Now" bzw. die überarbeitete Version "Apocalypse Now - Redux". Doch kennt auch jemand die Vorlage, die diesem, zumindest teilweise, zu Grunde liegt?


..:: Das Buch ::..

Das besagte Buch trägt den Titel "Heart of Darkness" (zu deutsch: "Herz der Finsternis"), geschrieben Ende des 19. Jhd von dem polnischen, im Gebiet der heutigen Ukraine geborenen, Schriftsteller Joseph Conrad. Nachdem seine Eltern an Tuberkulose gestorben waren, wurde er von einem Onkel großgezogen und bekam die Chance, zur See zu fahren. Im Jahre 1890 hatte Conrad eine 4-monatige Reise in den afrikanischen Dschungel unternommen, genauer gesagt ins Gebiet des Kongo. Zuerst diente er dort nur als 1. Offizier, bekam dann aber für kurze Zeit das Kommando über das Dampfschiff "Roi des Belges" übertragen. Auf seiner Reise wurde er sehr von der Natur, den Menschen und – vielleicht sogar am meisten – den sozialen Umständen geprägt, die er dort vorfand.

"Heart of Darkness" dient also in gewisser der literarischen Verarbeitung dieser Erlebnisse. Da ich mich aus Studiengründen selbst mit diesem Werk auseinandersetzen mußte, maße ich mir nunmehr an, dieses Buch einem großen Kreis von begeisterten Lesern näherbringen zu wollen. Meine Ausführungen habe ich mit Hilfe der englischen Ausgabe der "Penguin Classics" erarbeitet, was aber auf die Verständlichkeit dieses Beitrags keinerlei Einfluß haben dürfte, da entsprechend Stellen von mir ins Deutsche übertragen wurden. Es war für mich nur leichter, mit dem englisch- sprachigen Werk zu arbeiten, da die Seminararbeit eh in dieser Sprache verfaßt wurde. Außerdem gilt die deutsche Transkription als nicht sehr gelungen. Und trotzdem: Dieses Buch läßt sich aufgrund seiner sehr bildlichen Sprache ungleich schwerer lesen, als alles, was mir bis zum heutigen Tage an englischer Literatur untergekommen ist.


..:: Inhalt ::..

"Heart of Darkness" beginnt damit, daß wir von einem übergeordneten Erzähler, der selbst nicht direkt Gegenstand der Geschichte ist, auf einem vor Anker liegenden Schiff namens "Nellie" "begrüßt" werden. Wir erfahren, daß es sich um eine Gruppe von fünf Personen handelt, alle mehr oder weniger zusammensitzend, die zusammen auf den Anbruch des neuen Tages warten. Irgendwann eröffnet einer der Protagonisten das Gespräch, das mehr einem Monolog, vielleicht sogar Selbstgespräch gleicht, als einem wirklichen Dialog mit seinen Kumpanen. Sein Name: Charles Marlow, von Beruf englischer Bürger und Seemann.

Er holt weit aus, beginnt in seiner Kindheit, als die weißen Flecken auf der Landkarte ihn zu faszinieren begannen. Er erzählt den Anwesenden von seinem letzten Ausflug in den undurchdringlichen, unbezwingbaren Dschungel, in die Region des Kongo, als er sich im Auftrage einer belgischen Firma, die mit Elfenbein handelte, in die Tiefen des Dschungels aufmachte, um dort nach einem ihrer dort vermißten Angestellten zu suchen, einem Elfenbeinhändler namens Kurtz. Hier ist zu betonen, daß die von Conrad beschriebene und von Marlow anvisierte Kolonie damals nicht etwa dem belgischen Staat unterstand, sondern gewissermaßen als Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II anzusehen war.

In seine Erzählung läßt Charles Marlow neben den objektiven Erlebnissen vor allem seine persönlichen Eindrücke und Emotionen einfließen: wie ihn die Menschen fasziniert haben, er von der Natur mit ihrer allgegenwärtigen Präsenz gleichzeitig verunsichert wurde; wie er Kurtz gefunden und sich von seiner Eloquenz beeindrucken lassen hat, gleichzeitig aber auch einer morbiden Zuneigung verfallen ist; und wie er von der Natur als weiserer und geläuterter Mensch wieder in die sogenannten Zivilisation entlassen wurde.

Diese Erlebnisse hat Marlow bis zum heutigen Tage noch nicht verarbeitet, noch immer verfolgen ihn die Erinnerungen. Unter widrigsten Umständen wurde er damals auf seine Mission geschickt, als Kommandant eines verrosteten alten Dampfers, der jeden Moment drohte, im Fluß zu versinken. Seine Reise führt Marlow zu den "frühesten Anfängen der Welt" wie er es beschreibt, er fühlt sich, als müsse er sich durch eine prähistorische Landschaft kämpfen. Obwohl er als Seefahrer schon einiges gesehen hat, haben die Eingeborenen ein ihm nicht vertrautes, wenn auch faszinierendes Aussehen, legen ein befremdliches Verhalten an den Tag und bedienen sich einer Sprache, die seines Erachtens für keinen Zivilisierten zu verstehen sei. Die Afrikaner werden also als wilde, teilweise menschenfressende Gestalten hingestellt.

Diese von Conrad geschilderten Szenen wurden von verschiedenen Kritikern dahingehend kritisiert, daß Conrad ein purer Rassist sei, der den Einheimischen jede Art von eigener Zivilisation und verständlicher Kommunikation abspreche und sie somit auf die Stufe der Tiere stelle, eine Interpretation, die sehr drastisch ist, aber je nach Perspektive des Lesens durchaus aus "Heart of Darkness" entnommen (oder auch widerlegt) werden kann. Dabei wird allerdings völlig außen vor gelassen, daß Conrad natürlich auch von den Weltanschauungen seiner Zeit beeinflußt und geprägt war. Und Conrad gibt durch die Stimme seines Protagonisten Marlow gleichzeitig folgendes zu verstehen: "Das Wesentliche dieser Geschichte lag tief verborgen unter der Oberfläche, meinem Verständnis entzogen und auch meiner Einflußnahme."

Auf seinem Weg den Kongo hinauf läßt er uns in einer Art Rückblick an den Eindrücken teilhaben. Das Leben ist geprägt von Verfall, Korruption, Dekadenz und Ausbeutung. Die Eingeborenen erscheinen Marlow sehr fremd und eigenartig, in seinen Augen ähneln ihre Gesichter grotesken Masken, ihre Körper nackt und glänzend vor Schweiß und Öl, so gar nicht der feinen englischen Gesellschaft und Lebensart entsprechend. Doch er schafft es, aufgrund seiner (wachsenden) offenen Einstellung, sich sowohl von seinen eigenen Leuten als auch von den Einheimischen abzugrenzen, in gewisser Weise also die Position eines unbeteiligten Beobachters einzunehmen, was ihn die Dinge folglich auch aus einer anderen Perspektive sehen läßt, als dies auf seine "Rasse" zutrifft.

Je weiter Marlow in den unwirtlichen Dschungel vordringt, um so mehr muß er mit sich kämpfen, denn seine gefestigten Wertvorstellungen und Ansichten beginnen zu zerbröckeln und zu verschwimmen; er heuert sogar eine Gruppe von Kannibalen als Schiffsbesatzung an, undenkbar für die westliche Weltanschauung. Doch ihm erscheint dies plötzlich gar nicht mehr so absurd, denn obwohl er sich Gedanken darüber macht, ob er nicht bald selbst als Festmahl dienen wird, bewundert er doch die Kannibalen für ihre Selbstbeherrschung und Disziplin, sich statt dessen nur von altem, ranzigem Nilpferdfleisch zu ernähren, anstatt über die Weißen herzufallen

Währenddessen kommen ihm auch die diversen Gerüchte zu Ohren, die über die Person Kurtz kursieren. Dieser soll aufgrund seiner Redegewandtheit und Tatentschlossenheit einen ganzen afrikanischen Stamm unter seine Fuchtel gebracht haben, um mit dessen Hilfe Unmengen an Elfenbein anzuhäufen und so dem Markt empfindlichen Schaden zuzufügen. Doch dies ist nicht alles, denn Kurtz hatte auch eine Vision, wie ein solches Land in das moderne Zeitalter zu führen sei.

Alles, was Marlow jedoch vorfindet, ist ein wahnsinniger und unheilbar kranker, alter Mann, der sich und seine missionarischen Absichten von der Wildnis hat besiegen lassen, auch wenn er von den Einheimischen dieser Region gottgleich verehrt wird, abscheuliche Rituale durchführt und die Köpfe seiner Widersacher auf Pfähle spießen läßt. Marlow und Kurtz führen einige Gespräche, die Marlow’s Faszination für diesen Mann von Moment zu Moment steigern. Nachdem er Kurtz mit in die Zivilisation genommen und selbst von schwerer Krankheit genesen ist (Kurtz stirbt bei dieser Fahrt), macht sich Marlow auf zu dessen Verlobter, um ihr das schriftliche Vermächtnis ihres Geliebten zu überreichen und sie gleichzeitig in dem (erlogenen) Bewußtsein zu lassen, daß Kurtz‘ letzte Gedanken und Worte nur ihr galten.


..:: Atmosphäre ::..

Hiermit endet "Heart of Darkness", den Zuschauer verwirrt und geschockt, aber auch auf gewisse Weise fasziniert zurücklassend. Denn was diese Geschichte vor allem auszeichnet, ist die so düstere Atmosphäre, in der Joseph Conrad das Geschehen ablaufen läßt.

Von Anfang ist alles düster, verschwommen, alles ist dem materiellen und psychischen Verfall ausgeliefert. Zu Beginn ist da der Abend, der zu einer solch undurchdringlichen Nacht wird, daß sich die Kumpane nicht einmal mehr sehen, sondern nur noch hören können. Marlow’s Schilderungen sind stark von negativen Adjektiven geprägt, alles erscheint ihm unmöglich, undurchdringlich, intolerant, unglaublich, unwirklich; die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen.

Diese Gefühle kommen auch in seinen Beschreibungen zum Ausdruck. Zu Beginn seiner Reise, als er auf dem "schwarzen Kontinent" landet, prangert er das sinn-, rücksichts- und erfolglose Benehmen seiner Rasse an, das sinnlose Sprengen eines Berges, das Beschießen des Urwalds mit Kanonenkugeln, um den "Feind" zu töten, der allgemein rücksichtslose Umgang mit Mensch und Natur. Die Farbigen werden versklavt und unter unmenschlichen Bedingungen zum Überleben gezwungen, während die weißen, besseren, Kolonisten (an)teilnahmslos ihren sooo wichtigen Geschäften nachgehen.

Auf seiner Reise durch den Dschungel geht es Marlow aber nicht so sehr darum, dem Leser die Geschehnisse und Gefahren zu vermitteln, die in körperlicher Hinsicht bestanden, sondern in welcher Weise Gefahren für Geist und Verstand auf ihn warteten. Marlow wirft dem Leser einige wenige, aber sehr aussagekräftige Bilder hin, über die er dann über Seiten hinweg reflektiert. So überläßt es der Schriftsteller Conrad dem Leser, sich selbst eine apokalyptische Welt zu erschaffen, anstatt sie vorgefertigt anzubieten. Die Fahrt in das Herz des Dschungels, in das "Herz der Finsternis", wird letztendlich zu einer Metapher, den Vorstoß in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele symbolisierend, also in das "Heart of Darkness" der Menschlichkeit, stellvertretend für die Heimat der Angst, dem "Grauen", welches Kurtz kurz vor seinem Dahinscheiden endlich erkennt: "The horror! The horror!"


..:: Vorlage zum Film ::..

Es ist unschwer zu erkennen, daß sich Francis Ford Coppola dieses Buch als Vorlage für sein Vietnamporträt "Apocalypse Now" und dessen Überarbeitung "Apocalypse Now – Redux" gewählt hat. Marlow wurde durch Captain Willard ersetzt, aus dem Elfenbeinhändler Kurtz wurde der Soldat Colonel Kurtz. Auch in anderer Hinsicht bestehen Parallelen. Das Gebiet des Kongo kann mit dem Flußdelta des Mekong gleichgesetzt werden, die in den Busch feuernden Kriegsschiffe werden von Helikoptern abgelöst.


..:: Fazit ::..

"Heart of Darkness" ist nur auf den ersten Blick ein Porträt über die Zustände, die während der belgischen Kolonialzeit im ausgehenden 19. Jahrhundert in Afrika herrschten. Bei genauerem Hinschauen und –lesen entpuppt sich diese "gothic novel" als Reise ins Ich, zu den Abgründen der eigenen Seele. Von einigen Kritikern wird beanstandet, daß ein großer Schwachpunkt der Erzählung die mangelnde Fähigkeit der Kommunikation sei, die es Marlow nicht ermögliche, den Lesern, bzw. den Zuhörern auf dem Schiff, sein Anliegen nahe zu bringen. Hier dürfte Conrad eigene Erfahrungen verarbeitet haben, denn auch ihm gelang es nie, sich mit seinen Gesprächspartnern auf einen gemeinsamen Kontext zu verständigen.

Unklar bleibt auch, für wen die beiden Hauptpersonen Kurtz und Marlow stehen. Ist Kurtz sinnbildlich als damaliger afrikanischer Kolonialkaufmann Arthur Rimbaud zu sehen oder vielleicht als selbstherrlicher Entdecker Henry Morton Stanley, der im Auftrag Leopolds II den Kongo erforschte? Obwohl Stanley weithin als Entdecker des Kongo "gefeiert" wird, war es eigentlich der portugiesische Kapitän Diogo Cao, der 1482 als erster Europäer die Mündung des Kongo entdeckte, als er auf der Suche nach Gold die Westküste Afrikas umschiffte. Oder stand Stanley vielleicht Pate für den Charakter Marlow? Denn auch Stanley unternahm eine Expedition, um den in Bedrängnis geratenen deutschen Forscher "Emin Pascha" zu befreien. Man weiß es nicht und wird es wohl auch nie erfahren, denn Joseph Conrad steht als Interviewpartner nicht mehr zur Verfügung. Auf jeden Fall ist "Heart of Darkness" ein sehr gut geschriebenes und intellektuell anregendes Buch, das sich nicht nur mit der Kolonialzeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts auseinandersetzt, sondern vor allem die Reise in die Abgründe der menschlichen Seele ans "Herz der Finsternis" legt und letztendlich eigentlich in keinem guten Bücherregal fehlen sollte ...
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Produktbewertung:Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
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Kommentare
timecode001
timecode001, 28.02.2009
Klasse geschrieben!

Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende.
timecode001
maus1980
maus1980, 27.02.2009
Toller Bericht! Freue mich über Gegenlesungen! Gruss
carmaxx
carmaxx, 27.02.2009
Sehr schöner Bericht! Freue mich über Gegenlesung!
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