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Testberichte Der Himmel über Berlin

 (DVD) Drama
4.0 von 5
Platz 41 in der Kategorie "Dramen".
Bewertung: Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4.0 von 5
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Der Himmel über Berlin Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4.0 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (4/4).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
  • bildgewaltiger Film, sehr poetisch, Curt Bois
  • Kunstfilm voller Poesie mit zauberhaften Bildern, Handkes Worte?, Wenders filmische Umsetzung?
  • Handkes Worte, Darsteller, Inszenierung, Anspruch, Poetik
Nachteile/Kritik
  • Handtkes Monologe, wenig Story
  • manchmal etwas zu ruhig, Handkes Worte?, Wenders filmische Umsetzung?
  • Stellenweise langatmig, zu ruhig (?)
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Wenn Poesie und Film aufeinander treffen

ein Testbericht von 2007-05-26 18:48:16 vom 26.05.2007
Empfehlung: ja
Vorteile: Handkes Worte, Darsteller, Inszenierung, Anspruch, Poetik...
Nachteile/Kritik: Stellenweise langatmig, zu ruhig (?)
Es wird viel vom Revival des deutschen Films gesprochen: Seit den letzten Jahren kommen aus Deutschland immer mehr viel beachtete und ausgezeichnete Filme, deutsche Schauspieler schaffen es immer öfter in Hollywood-Produktionen mitzuwirken. Der deutsche Film ist wieder wer! Zu den Altmeistern des deutschen Films, die bereits vor einigen Jahrzehnten in der Welt für Furore sorgten, gehört ganz sicher auch Regisseur Wim Wenders - nicht erst seit "Der Himmel über Berlin", von 1987.

Trotzdem ist gerade dieser Film etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil er Wenders die Goldene Palme von Cannes als bester Regisseur einbrachte, erst recht nicht, weil der Film die Vorlage für die schnulzige Liebesgeschichte "Stadt der Engel" mit Nicolas Cage und Meg Ryan ist, sondern weil der Film mit wenigen Worten und umso schöneren Bildern das Leben in Berlin um 1987 darstellt und eine einzige, große Liebeserklärung an unsere Hauptstadt ist.

Eine wirkliche Handlung ist schwer auszumachen. Wim Wenders inszenierte "Der Himmel über Berlin" ähnlich einem Mosaik: Mit vielen kleinen Steinchen, die allein schon schön anzuschauen sind, insgesamt aber ein großartiges Ganzes ergeben. Im Zentrum des Filmes stehen aber ganz deutlich die beiden Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander), die in Berlin umher streifen ohne von den Menschen gesehen zu werden, diesen aber helfen, sie unterstützen und zur Seite stehen. Eines Tages trifft Damiel die französische Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin), verliebt sich in sie und beschließt seinem Dasein als Engel ein Ende zu setzen und fortan als Mensch zu leben, um mit Marion glücklich zu werden.

Um diese Liebesgeschichte, die nur einen kleinen Teil des Filmes ausmacht, strickt Wenders verschiedene andere Szenen und Geschichten, die das Leben in Berlin und die Stadt selbst charakterisieren sollen. Da wäre ein US-Filmstar (Peter Falk), der in Berlin einen Nazi-Film dreht, die Zirkustruppe um Marion, der damalige Berliner Underground-Sänger Nick Cave, der einen Auftritt hat und der alte Poet Homer (Curt Bois), der über die Poesie, über Krieg und Frieden und über Berlin nach dem Mauerbau philosophiert.

Es wird wenig im Film gesprochen, dafür hören die Engel aber die Gedanken der Menschen: Kinder, Schwangere, Selbstmörder... Wim Wenders schreckte auch nicht davor zurück, die Gedanken der Französin Marion und des Amerikaners Peter Falk minutenlang auf Französisch bzw. Englisch im Film darzustellen. Dafür wird man dann immer wieder mit den wunderbaren Worten Peter Handkes entschädigt.

Der Lyriker und Schriftsteller steuerte einige Texte zu dem Film bei, die Wim Wenders immer wieder einbaut, sich an ihnen entlang hangelt und die insbesondere der Sprache der Engel und Homers eine unglaubliche Würde und einen ganz besonderen Tiefgang verleihen. Könnte man so Curt Bois als Homer stundenlang beim Philosophieren zuhören, so wirken die Handlungsteile mit Peter Falk und Marion doch fast banal und sind stellenweise sogar langatmig. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den man "Stadt der Engel" machen kann. Ansonsten ist der Film sicher nicht der unterhaltsamste - dafür ist er eben stellenweise zu langatmig und zu ruhig - aber so doch gewiss einer der anspruchsvollsten, poetischsten und künstlerischsten, die es in Deutschland je gab.

Wim Wenders selbst sagt, dass sein Film wie ein Gedicht oder wie Musik mit Bildern ist. Damit hat er recht. Handkes Worte geben dem Film die Poesie, die Bilder sind wunderschön und künstlerisch, die vielen Stimmen und Sprachen wirken wie Musik.

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:
Titel: Der Himmel über Berlin
Jahr: 1987
Land: Deutschland, Frankreich
Regie: Wim Wenders
Darsteller: Bruno Granz, Otto Sander, Solveig Dommartin, Peter Falk, Curt Bois u.v.a.
Lange: 127 Minuten
FSK: ab 6 Jahren


FAZIT:
Einige Handlungsstränge sind zu langatmig und fallen qualitativ gegenüber denen mit Handkes Texten deutlich ab. Das ist das Einzige, was Wim Wenders sich vorwerfen lassen muss. Ansonsten ist "Der Himmel über Berlin" große Filmkunst: Tolle Bilder, Handkes anspruchsvolle und kluge Worte, sehr gute Schauspieler...
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
Qantas
Qantas, 27.05.2007
Leider etwas oberflächlich. Was is mit Extras? Was macht den Film aus?
TheLick
TheLick, 26.05.2007
Ein wunderbarer Film mit grandiosen Schauspielern!! LG TheLick
Zzaldo
Zzaldo, 27.05.2007
ein sh von mir für dich.LG Stephan
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Hommage an Berlin in der Zeit der Teilung

ein Testbericht von 2006-11-27 13:39:18 vom 27.11.2006
Empfehlung: ja
Vorteile: bildgewaltiger Film, sehr poetisch, Curt Bois...
Nachteile/Kritik: Handtkes Monologe, wenig Story
Üblicherweise beginne ich meine Filmrezensionen mit einem Abschnitt, der mit "Die Story" übertitelt ist. Nun ist das bei einem Film wie diesem sehr schwer, denn nach Aussage des Regisseurs Wim Wenders besitzt der Film gar keine Story.
Beginne ich also mit den Abschnitten des Films, die am ehesten noch in Form einer Story beschrieben werden können:
Die Schutzengel Cassiel und Damiel begleiten ihre Schützlinge durch das geteilte Berlin Mitte der 80er Jahre. Dabei berühren sie die Lebensgeschichten von ganz unterschiedlichen Menschen, deren Gedanken die Engel mithören können. Cassiel und Damiel (insbesondere aber Cassiel) sehnen sich danach, fühlen zu können wie die Menschen und in echten Kontakt mit ihnen zu treten.
Eines Tages beobachtet Damiel die Trapezkünstlerin Marion, die gerade ihren Job verliert, da der Zirkus schießen muss. Er fühlt sich von der jungen Frau angezogen.
Als er einen amerikanischen Filmstar beobachtet, macht er die überraschende Erfahrung, dass der ihn zwar nicht sehen, aber fühlen kann. Damiel erfährt, dass er ein Mensch werden kann, wenn er das nur will. Damiel entschließt sich schließlich wirklich dazu. Als Mensch macht er sich auf die Suche nach Marion und findet sie schließlich. Cassiel dagegen bleibt Schutzengel und beobachtet weiter, statt selbst zu fühlen.

Jeder, der diesen Film aufgrund dieses Handlungsabrisses kauft, wird aber zwangsläufig in ihren Erwartungen enttäuscht, denn diese Story macht vielleicht ein Drittel des Films aus. Wesentlich mehr Gewicht hat die Charakterisierung Berlins durch ihre Orte und ihre Menschen, die keine Story ist (und auch nicht sein soll), sondern vielmehr einem bewegten Gemälde ähnelt.
Neben dem Handlungsstrang Damiel/Marion gibt es drei weitere Stränge, die immer wieder auftauchen: Einmal den bereits angerissene Strang Damiel/Filmstar, der zumindest mit dem Damiel/Marion-Strang zusammenhängt und ihm einen wesentlichen Anstoß gibt, und dann einen davon völlig losgelösten Strang Cassiel/Homer.
Homer ist ein alter, offenbar demenzkranker Mann, ein Geschichtenerzähler, der im geteilten Berlin nach seinen Erinnerungen sucht, unter anderem nach dem Potsdamer Platz, an den er sich erinnert und der natürlich im Berlin der 80er Jahre nicht zu finden ist.
Und der letzte Strang, der immer wieder aufgegriffen wird, betrifft die Beziehung zwischen Cassiel und Damiel und ihre Diskussionen über ihre Sehnsüchte nach dem Fühlen. Auch dieser Strang hat natürlich Berührungspunkte mit dem Damiel/Marion-Strang, ist aber kaum als Plot oder Story zu bezeichnen, da hier wenig zielgerichtet geschieht, sondern er mehr der Charakterisierung Berlins (weniger der Cassiels und Damiels) dient.
Neben diesen vier Strängen, die mehrfach verfolgt werden, gibt es zahlreiche weitere Stränge, Figuren, denen Damiel und Cassiel nur einmal begegnen und deren Gedanken sie in Form einer Momentaufnahme mithören.


Natürlich haben viele von euch schon beim Storyabriss gesagt: "Aha, ,Stadt der Engel'!"
Richtig! "Der Himmel über Berlin" war die Vorlage für "Stadt der Engel". Ein Vergleich zwischen den beiden Filmen macht aber aufgrund der geschilderten Besonderheiten von "Der Himmel über Berlin" wenig Sinn. "Stadt der Engel" verfolgt den Plot, die Handlung, die auch dem "Himmel über Berlin" zugrunde liegt, konsequent im Sinne der Filmdramaturgie und zaubert daraus einen traurigen, aber gleichzeitig wunderschönen Liebesfilm. "Der Himmel über Berlin" verfolgt den Plot nur am Rande, er zeichnet ein breites Bild, in dem die Liebesgeschichte nur wenig Raum einnimmt und nicht filmdramaturgisch bearbeitet wird, sondern künstlerisch.
Wollte man die beiden Filme vergleichen, dann ist das deshalb in etwa so, als wolle man ein Gedicht und einen Roman über dasselbe Thema miteinander vergleichen. Die Entscheidung für eins der beiden wird viel mehr von den eigenen Vorlieben über die jeweilige Kunstform abhängen als von der Qualität des Werks in seiner jeweiligen Form.
Eins finde ich dennoch am Vergleich bemerkenswert: Happyend gilt ja als typisches Merkmal von Hollywoodfilmen und auch als typisches Merkmal leichter, mainstreamiger Filme, während "Kunstwerke" eher traurige Ende bemühen. Hier ist es einmal genau umgekehrt: "Stadt der Engel" hat ein bittersüßes Ende, in Bezug auf die Lovestory sogar ein trauriges, während das Ende von "Der Himmel über Berlin" in Bezug auf die Lovestory positiv ist und auch insgesamt liebevoll-positiv ausfällt ... Beachtlich, nicht?


Der Regisseur:
Der Film stammt von Wim Wenders, der den Film im Wesentlichen ohne Drehbuch drehte. Monologe stammen von Peter Handke.
Wim Wenders hat für den Film eine beachtliche Bildsprache geschaffen. Auffällig ist vor allem, dass die Sicht der Engel immer in schwarzweiß dargestellt wird, während die Sicht der Menschen in Farbe erscheint. Das ist im Film sehr sehenswert umgesetzt.
Mit den Monologen von Peter Handke habe ich so meine Probleme. Ich schätze Handke als Autor sowieso nicht sehr, und bei seinen Monologen kommt auch noch das zum Tragen, was ich im Film hasse: Wenn den Figuren hörbar Worte eines Autors in den Mund gelegt werden.
Wenn das nicht beabsichtigt gewesen wäre, würde ich es als trashig empfinden, aber da Wim Wenders genau den Effekt erzielen wollte, kann ich nur sagen, dass es nicht meinen Geschmack trifft und dass die Monologe tatsächlich die Stellen sind, an denen ich mich aus dem Film ausklinke und die ansonsten geradezu hypnotische Wirkung auf mich unterbrochen wird.

Die Schauspieler:
Bruno Ganz spielt Damiel. Er ist Schweizer und dem deutschen Publikum spätestens durch seine Hitlerdarstellung in "Der Untergang" bekannt. Er hat in sehr vielen Kinofilmen mitgespielt, nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in italienischen, französischen und anderen europäischen Produktionen.
Otto Sander spielt Cassiel. Er ist vor allem aus unzähligen deutschen Fernsehproduktionen bekannt. Insbesondere aus Episodenrollen in vielen Serien dürfte sein Gesicht den allermeisten vertraut sein.
Beide verkörpern die Engel überzeugend. Sie spielen gut zusammen und geben ihren Figuren eine ganz eigene Ausstrahlung und eine spürbare Sehnsucht mit.
Solveig Dommartin spielt Marion. Ich schätze sie als Schauspielerin gar nicht. Diese Rolle dürfte sie als Freundin von Wim Wenders bekommen haben, aber bei anderer Besetzung hätte ihre Rolle noch überzeugender rüberkommen können.
Unbedingt zu nennen ist natürlich Peter Falk als er selbst, sprich: als Filmstar. Er gefällt mir hier ausgezeichnet.
Mein absoluter Favorit unter den Schauspielern ist aber Curt Bois als Homer, dem alten Geschichtenerzähler. Er war zur Zeit des Drehs schon weit über 80 Jahre alt, und er bringt neben hervorragenden schauspielerischen Fähigkeiten auch sein Alter ganz bewusst in seine Darstellung mit ein. Umwerfend!
Seine schauspielerische Karriere begann schon 1907, also in der Stummfilmzeit, die er zu einem relativ großen Teil miterlebt und mitgestaltet hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Schauspielern konnte er sich auch über die Entwicklung des Tonfilms hinweg retten und spielte in der Folgezeit in unzähligen deutschen und amerikanischen Filmen mit, fast durchweg in kleinen Rollen, die er aber häufig als kleine Perlen in den jeweiligen Filmen gestalten konnte. "Der Himmel über Berlin" war sein letzter Film, 1991 ist er gestorben.


"Der Himmel über Berlin" gewann unter anderem den Preis für die Beste Regie in Cannes 1987, den Bayerischen Filmpreis 1988 ebenfalls für die Regie, den Europäischen Filmpreis 1988 für die Beste Regie und für Curt Bois als besten Nebendarsteller, den Deutschen Filmpreis 1988 in Gold und unzählige andere, was dem Film auch große internationale Beachtung sicherte. Völlig zu Recht, wie mir scheint, insbesondere da Berlin, die heimliche Hauptdarstellerin des Films, in der Endzeit ihrer Teilung weder in Dokumentarfilmen noch in Spielfilmen irgendwo auch nur annähernd so sehenswert charakterisiert wurde wie in diesem Film.


"Der Himmel über Berlin" ist in Deutschland ab 6 Jahren freigegeben. Was Sex- oder Gewaltdarstellung angeht, ist diese Einstufung völlig okay, aber die ungewöhnliche Erzählweise des Films spricht natürlich eine vorwiegend erwachsene Zielgruppe an. Deshalb wäre eine Einstufung ab 16 Jahren inhaltlich ebenso angemessen.



Die DVD-Ausstattung:
Auf DVD 1 liegt der Film ausschließlich in deutscher Audiofassung vor, wobei auch die deutsche Audiofassung einige Gedanken, Monologe und Dialoge in anderen Sprachen (englisch, französisch, russisch sind die, die ich identifizieren kann) gesprochen werden. Für diese Texte gibt es eine deutsche Untertitelung im Sprachenmenü zur Auswahl.
Daneben steht im Sprachenmenü ein deutscher Audiokommentar von Wim Wenders allein und ein englischer von Wim Wenders gemeinsam mit Peter Falk zur Auswahl. Inhaltlich sind die beiden Audiokommentare nicht identisch, aber insgesamt betrachtet doch ähnlich in den Informationen, die sie liefern. Der englische Audiokommentar bietet aber vertiefende Einblicke in das Berlin zu Zeiten der deutsch-deutschen Teilung, was eventuell auch jüngeren Zuschauern, die diese Zeit nicht mehr miterlebt haben, zusätzliche Einblicke gibt. Übrigens wird zwar Peter Falk als Co-Sprecher des Audiokommentars genannt, insgesamt prägt aber doch Wim Wenders dieses Feature, Peter Falk spricht nur in vergleichsweise wenigen Teilen und bringt auch nicht so viel eigenes mit ein, finde ich. Seine Fans dürften das deshalb zwar interessant finden, aber doch über seinen recht kleinen Anteil daran enttäuscht sein.
Auch für den Audiokommentar von Wim Wenders und Peter Falk kann man deutsche Untertitel einblenden lassen.


Auf DVD 2 befindet sich das Bonusmaterial:
"Geschnittene Szenen" (ca. 31 min.):
Achtung: Das Feature ist auf Englisch kommentiert, man kann wahlweise deutsche Untertitel dazuschalten.
Da ich die Dramaturgie des Films nicht wirklich durchschaue (was bei einer solchen Art von künsterischem Film wohl nur der Regisseur und vielleicht noch seine engsten Mitarbeiter können), kann ich in den allermeisten Fällen auch nicht unbedingt beurteilen, ob die Schnitte notwendig waren. In jedem Fall bewegen sich diese Szenen genau im optischen und darstellerischen Rahmen wie der übrige Film, bringen seine Kerngeschichte aber nicht unbedingt weiter - was allerdings auch nicht für alle der Szenen gilt, die im Film geblieben sind. Einzige Ausnahme (bei der ich auch sehr froh bin, dass die Szene rausgeflogen ist) ist das alberne alternative Ende, das sich auch hier am Ende der geschnittenen Szenen befindet und das den Film in seiner Wirkung zumindest für mich völlig ruiniert hätte.
Der Kommentar dazu geht nur am Rande darauf ein, warum die Szenen rausgeschnitten wurden, sondern kommentiert eher im Stil des Audiokommentars weiter, teilweise (und zu keinem geringen Teil) überschneidet er sich sogar mit Aussagen des Audiokommentars.
Das Ende dieses Features, eben diese unsägliche alternative Schlussszene in mehreren Kameraeinstellungen, zieht sich zudem ziemlich, so dass der interessante Teil des Features nur aus den ersten rund 20 Minuten besteht.

"Wim Wenders - befragt von Roger Willemsen" (ca. 28 min.):
Das ist ein Interview, das sich aber leider teilweise wiederum mit den Aussagen des Audiokommentars überschneidet. Merkwürdigerweise sind wohl aus diesem Grund in diesem Interview die Aussagen des Interviewers häufig interessanter als die des Interviewten.
Nur wer sich den Audiokommentar nicht anhören will, für den ist dieses Interview vielleicht interessant. Wer aber alles wissen will, was dieses Special Edition bietet, der muss sich leider auch mit sehr vielen Wiederholungen abfinden.

"Trailer":
Das ist der Trailer zum Film, der sich ganz auf die Sichtweise der Engel konzentriert und gleichzeitig einen Querschnitt durch die Bilderwelt des Films darstellt. Er ist schön und dürfte genau die Zielgruppe ansprechen, der auch der Film gefallen könnte.

"Trailer mit Curt Bois":
Dieser Trailer wirbt nicht für "Der Himmel über Berlin", sondern für diee "Wim Wenders Werkschau". Er kommt inhaltlich eher komödiantisch daher und besteht aus einem witzigen Gespräch zwischen Wim Wenders und Curt Bois.

"Biografie Wim Wenders":
Mehrseitige schriftliche Biografie und Filmografie von Wim Wenders.

"Weitere Trailer":
Trailer zu "Paris, Texas", "Der amerikanische Freund" und "Coffee and Cigarettes".

Insgesamt liegt in dieser Special Edition also relativ umfangreiches Bonusmaterial vor, allerdings hatte ich von einer Edition auf 2 DVDs eigentlich noch etwas mehr erwartet, denn das, was als Filmdokumentation durchgehen könnte, beschränkt sich (abgesehen von den Audiokommentaren) auf gerade mal eine Stunde Material!
Ich empfehle daher jedem, sich die Anschaffung der Special Edition (derzeit ca. 20 Euro) gut zu überlegen. Wenn man auf die Bonusdisc verzichten kann, gibt es nämlich noch eine Einzel-DVD-Ausgabe (derzeit ca. 14 Euro).



Fazit:
Ein anspruchsvoller Film, einmal wunderbar gelungen, so dass er selbst denen gefallen dürfte, die ansonsten nur Mainstreamkino sehen!
Leider ist die Special Edition relativ teuer und bietet nicht soviel, wie man auf 2 DVDs erwarten könnte.
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4
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Kommentare
PaterBrown
PaterBrown, 18.07.2006
...fundierter Bericht... Wim Wenders ist für mich selber immer son Problemfall die Ideen seiner Stories mag ich oft ganz gern, aber die filmische Umsetzung nervt mich leider manchmal... da bin ich einfach nicht auf seiner Wellenlänge und gähne dauernd vo
Fantomiss
Fantomiss, 19.07.2006
ein spitzen bericht über einen meiner lieblingsfilme! ich hatte ja auch schon überlegt, über ihn zu schreiben, das aber aufgrund der schwierigkeiten bei der beschreibung der story vorerst wieder verworfen. dir ist das aber super gelungen! Die filmmusik fin
ChiChi
ChiChi, 18.07.2006
Weisst du was mich freut nebst deinen fundierten Filmberichten, dass sich ein quotjungesquot Deutschland findet von noch kleinen Regisseuren. Ihr Filmgenre ist witzig, wahrhaftig und bemerkenswert...zukunftsorientiert.
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Stepnwolf

From Her to Eternity

ein Testbericht von 2005-08-17 14:25:05 vom 17.08.2005
Empfehlung: ja
Vorteile: Kunstfilm voller Poesie mit zauberhaften Bildern, Handkes Worte?, Wenders filmische Umsetzung?...
Nachteile/Kritik: manchmal etwas zu ruhig, Handkes Worte?, Wenders filmische Umsetzung?
HINWEIS: Dies ist ein reiner Filmbericht und bezieht sich nicht auf die DVD! Da es keine eigene Filmkategorie für diesen Film gibt, findet ihr ihn hier.




"Als das Kind Kind war,
ging es mit hängenden Armen,
wollte der Bach sei ein Fluß,
der Fluß sei ein Strom,
und diese Pfütze das Meer.

Als das Kind Kind war,
wußte es nicht, daß es Kind war,
alles war ihm beseelt,
und alle Seelen waren eins." (***)


Wim Wenders Film DER HIMMEL ÜBER BERLIN ist in seinen gesamten zwei Stunden Poesie in den verschiedensten Formen. Wer schon immer die Vorlage zu CITY OF ANGELS - STADT DER ENGEL gesucht hat ... hier ist sie!

A SHORT CUT

Damiel und Cassiel sind Engel in Berlin. Ihr Schicksal ist die Unsterblichkeit, ihre Aufgabe über die Menschen zu wachen. Ihr Fluch: Sie sind dazu verdammt auf ewig nichts berühren zu können, nichts zu schmecken, nichts zu riechen und die Welt in Schwarzweiß zu erleben. Doch Damiel lernt zu Lieben - eine Trapezkünstlerin namens Marion. Für sie geht er den Weg zum Leben, auch wenn ab da an das Sterben dazu gehört. Er erkennt, das es mehr gibt als nur Gedanken und Unsterblichkeit - es gibt die Menschlichkeit in all seinen Facetten ... und es gibt noch andere wie ihn, wie der Filmstar weiß.


"Als das Kind Kind war,
hatte es von nichts eine Meinung,
hatte keine Gewohnheit,
saß oft im Schneidersitz,
lief aus dem Stand,
hatte einen Wirbel im Haar
und machte kein Gesicht beim fotografieren." (***)


DER HIMMEL ÜBER BERLIN ist eine Hommage an uns - die Menschen und das was uns ausmacht. Aber gleichzeitig auch eine Ode an die Stadt Berlin als Ganzes (Ost- wie Westberlin).
Der Engel Damiel (gespielt von Bruno Ganz) durchstreift seit ungezählten Jahren und Jahrhunderten zusammen mit seinem Begleiter Cassiel (gespielt von Otto Sander) die Straßen von Berlin. Wender zeigt uns dieses Berlin der 80iger Jahre in langen Kamerafahrten über die Stadt, durch Stadtteile, Straßen und einzelne Häuser aus der subjektiven Sicht der beiden Engel. Und diese Sicht ist schwarzweiß. Dementsprechend fehlt auch dem Film jedweder Farbtupfer. Trostlos sieht es aus, schwermütig und verloren. So wie die Gefühlslage des Protagonisten Damiel. Diese Bilder sind bestimmt von ruhigen, endlos erscheinenden Minuten, in denen nichts zu passieren scheint. Doch wir hören ein ständiges Stimmengewirr, ein Chaos aus Gedanken der Menschen dieser Stadt. Und mit jeder Ranfahrt an einzelne Gesichter filtert sich dieses Denken heraus, wird vernehmbar als oft verwirrende Wortfetzen und manchmal auch poetische Sätze, als unzusammenhängende Phrasen und doch daraus erkennbare Sorgen, Nöte, Freuden ... kurz: Gefühle der jeweiligen Personen. Das ist es, was Damiel hört. Das ist es, was er selbst auch erleben will!
Neben dem ungewohnten Schwarzweiß der Bilder ist das zu 90% aus dem Off gesprochene Wort (dessen poetische Auslegung dem Co-Autor Peter Handke zusteht) äußerst gewöhnungsbedürftig, macht aber die Situation des Protagonisten für den Zuschauer nachvollziehbarer, verständlicher. Die wenigen Dialoge des Films sind vorwiegend den Szenen mit dem Filmstar (gespielt von Peter Falk) vorbehalten. An diesen Stellen hat DER HIMMEL ÜBER BERLIN nicht nur graue Wolken zu bieten, sondern auch klare, wolkenfreie Sicht. Oder anders ausgedrückt: Es ist amüsant dem Filmstar zu zuschauen. Exemplarisch und zum Schmunzeln die Szene der Wahl des passenden Hutes für den zu drehenden Film oder der an einer typischen Berliner Imbissbude stattfindende Monolog des Filmstars mit dem unsichtbaren Engel Damiel. Das lockert den Film auf bevor er gänzlich in Schwermut versinkt ...

DER HIMMEL ÜBER BERLIN ist nicht zuletzt auch eine Hommage an die Liebe - die Liebe zwischen Mann und Frau sowieso - aber auch die Liebe an die Stadt und die Liebe an vergangene Erinnerungen.
Die beiden letzten Aspekte zeigen sich einmal auf der filmischen Ebene: Wenders baut dokumentarische Szenen aus den Kriegsjahren in Berlin ein, die fließend in das Jetzt übergehen. Sowie auf der darstellerischen Ebene: Homer (gespielt von Curt Bois), ein alter greiser (weiser, nomen est omen!) Mann, auf der Suche nach dem Potsdamer Platz, auf dem er eigentlich zu dem Zeitpunkt steht. Im Niemandsland, kurz vor der damals noch mehr als realen Berliner Mauer. An dieser Stelle ist auch ganz kurz die Gesellschaftskritik des Films spürbar, erkennbar, greifbar.
"Ich werde solange suchen bis ich den Potsdamer Platz finde." sagt Homer ... bis er ihn so wiederfindet, wie er in seiner Erinnerung besteht ... damals als Berlin noch eins war ...
Die Suche nach der Liebe ist mit dem Erscheinen von Marion (gespielt von Solveig Dommartin, Wenders damaliger Freundin) für Damiel beendet. Für ihn ist diese Frau, die in einem Gedanken- und Gefühlschaos lebt, der Grund seine Unsterblichkeit aufzugeben. Nicht der einzige ... aber wohl letztlich der finale Antrieb!


"Als das Kind Kind war,
war es die Zeit der folgenden Fragen:
Warum bin ich ich und warum nicht du?
Warum bin ich hier und warum nicht dort?
Wann begann die Zeit und wo endet der Raum?
Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum?
Ist was ich sehe und höre und rieche
nicht bloß der Schein einer Welt vor der Welt?
Gibt es tatsächlich das Böse und Leute,
die wirklich die Bösen sind?
Wie kann es sein, daß ich, der ich bin,
bevor ich wurde, nicht war,
und daß einmal ich, der ich bin,
nicht mehr der ich bin, sein werde?" (***)


Damiel wagt den Schritt (der optisch an seinen nun sichtbaren Fußabdrücken im Sand erkennbar ist) in das sterbliche Ich. Wenders wechselt zum Farbfilm und bleibt dabei (mit kurzen Unterbrechungen, wenn aus Cassiels Sicht gefilmt wird) bis zum Ende. Einem Ende, das im Gegensatz zur Kopie CITY OF ANGELS - STADT DER ENGEL hollywoodreif daherkommt. Damiel findet im Gewirr der Großstadt Berlin Marion, weil es für sie trotz allem Chaos einen Bezugspunkt im Leben gibt. Sie liebt die Musik von Nick Cave und auf dem Konzert finden sie so zueinander. "From Her to Eternity" erklingt im Hintergrund und die Liebenden stehen sich zum ersten Mal leibhaftig gegenüber ... Happy End! Das Einzige, was DER HIMMEL ÜBER BERLIN mit Hollywood verbindet.

Es gibt natürlich noch inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen beiden Filmen. Neben dem Treffpunkt der Engel (wie bei DER HIMMEL ÜBER BERLIN ist dies auch bei CITY OF ANGELS - STADT DER ENGEL die Bibliothek) ist dies vor allem auch die allgemeine Umsetzung: lange (aus der Vogelperspektive) gefilmte Kamerafahrten über die Stadt, die Dialoge zwischen den beiden Engeln, das Gedanken lesen (was Wenders allerdings mehr in den Vordergrund stellt) und der Umstand, das die Engel für ihre Umwelt unsichtbar erscheinen (außer den Kindern). Daher scheint es gar nicht abwegig die einzelnen Darsteller mit ihren Pendants gleich zusetzen und das geht verblüffend einfach ...

THE ACTORS - ORIGINAL vs. KOPIE

BRUNO GANZ (Damiel) vs. NICOLAS CAGE (Seth)
Es ist verblüffend, wie man schon allein mit Mimik und Gestik eine Figur zum Leben erwecken kann. Bruno Ganz ist in seiner Darstellung distanziert, zurückgenommen und läßt doch zu jeder Zeit das Mitgefühl über den seelischen Zustand erahnen. Seine wenigen Worte sind nicht tragend für den Film, dafür sorgen dann doch eher die gesprochenen Gedanken der Menschen, aber allein sein wortloses Schauspiel erreicht eine sprachlos machende Brillianz in einem Film der großen Worte.

SOLVEIG DOMMARTIN (Marion) vs. MEG RYAN (Maggie)
Süss, der französische Akzent, wenn sie redet. Solveig Dommartin strahlt im Film erhabene Eleganz aus. Und das nicht nur in den Szenen, wo sie ihre Trapezkunst vollführt, sondern vor allem auch in der Darstellung der Zerrissenheit und des Gefühlschaos ihres Charakters - mimisch, gestisch, sowie in den Worten. Und in der Szene, wo sie allein, verträumt vor ihrem Zirkuswagen sitzt und das künstliche Licht sie anscheint, gleicht sie mehr einem Engel als Damiel und Cassiel zusammen. So leuchtend (wohl auch gewollt stilistisch durch Wenders in Szene gesetzt).

OTTO SANDER (Cassiel) vs. ANDRE BRAUGHER (Cassiel !!!)
Er tut das, was er als Charaktermime schon immer gut konnte. Mit wenig Worte, allein durch seine Präsenz, Wirkung zu erzielen. Otto Sander ist zwar nur in der Nebenrolle, hat aber am Ende eine der erhabensten Szenen des ganzen Films: Nick Cave spielt "From her to eternity", Damiel findet Marion und Cassiels Gesicht verwandelt sich kurz von Freude zu Trauer. Er wendet sich ab und schlägt mit der Faust gegen die Wand. Dieser kleine Augenblick im Film gehört ihm und der Frage nach dem Warum ich nicht auch? Wenn er es geschafft hat, kann ich den Weg ebenso gehen ... von der Ewigkeit zur Sterblichkeit.

PETER FALK (Der Filmstar) vs. DENNIS FRANZ (Nathaniel Messinger)
Eindeutiger auflockernder, amüsanter Part im Film ist die Rolle von Peter Falk als er selbst, der nach Berlin gekommen ist, um einen Film zu drehen. Und Peter Falk sieht nicht nur so aus wie in seiner Paraderolle als Columbo. Nein, er spielt hier auch genauso. Immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und doch den einen oder anderen Moment nachdenklich und grüblerisch. Nicht zuletzt spielt sein Charakter eine nicht unwesentliche Rolle, ist er doch ebenso ein "gefallener" Engel, eingetaucht im großen Spiel, das man Leben nennt.


"Als das Kind Kind war,
erwachte es einmal in einem fremden Bett
und jetzt immer wieder,
erschienen ihm viele Menschen schön
und jetzt nur noch im Glücksfall,
stellte es sich klar ein Paradies vor
und kann es jetzt höchstens ahnen,
konnte es sich Nichts nicht denken
und schaudert heute davor.

Als das Kind Kind war,
spielte es mit Begeisterung
und jetzt, so ganz bei der Sache wie damals, nur noch,
wenn diese Sache seine Arbeit ist." (***)


Wim Wenders' DER HIMMEL ÜBER BERLIN ist die Poesie im Film. Seine Darstellung eines geteilten Berlins mit all seinen Ecken und dreckigen Fassaden - mit all seinen schönen Plätzen und Gebäuden, mit all seinen Menschen, die ideologisch und real getrennt voneinander leben und doch in ihren Gedanken und Gefühlen eins sind - wird ständig getragen von verträumten, visionären Bildern. Die Schwarz-Weiß-Welt der Engel erzeugt in seiner Gesamtheit ein dumpfes, verstörendes Bild dieser Stadt - aber ein ungeteiltes. Denn für die beiden Engel ist der Himmel über Berlin frei und ohne Grenzen. Die getragene, ruhige Stimmung, die Kameramann Henri Alekan in seinen Bildern erzeugt, wird gesteigert durch die poetischen, von Pathos begleiteten Gedanken der Menschen (in den Mund gelegt durch Co-Autor Peter Handke) und unaufdringlich durch überwiegend klassische Musik im Hintergrund untermalt. Nur selten bricht Wenders aus dieser Stille des Films aus, wird lauter (vor allem in den Konzertszenen) oder lustiger (wenn der Filmstar seinen Auftritt hat). Doch diese schnellere Erzählung wird genau so schnell wieder abgelöst von dem taumelnden Traum der Großstadt Berlin und seinen Bewohnern.

Wäre DER HIMMEL ÜBER BERLIN kein Film, wäre es ein Gedicht - ein Gedicht an das Leben und den Sinn des Lebens. Wäre DER HIMMEL ÜBER BERLIN aber nur ein Gedicht, wäre das nur halb so schön ...


TO SEE OR NOT TO SEE?

Wer sich an den lyrischen Ergüssen eines Peter Handke nicht aufregt, wer dem Schwarzweißfilm nicht gleich entsagt und wer sich vor allem auf eine etwas andere dargestellte Reise durch die Großstadt Berlin einlassen kann und dabei emotionale und ausdrucksstarke Bilder verträgt, dem sei das Original DER HIMMEL ÜBER BERLIN zutiefst an das poetische Herz gelegt.
Wer dem normalen, weichgespülten, herzzereissenden und hollywoodverpacktem (aber trotz allem nicht schlechten) Liebesfilm einen Platz in seinem Herzen stets freihält, sollte die Kopie CITY OF ANGELS - STADT DER ENGEL schauen ...

... und in einer Stunde poetischer und verträumter Stille dann zum Original greifen. Es lohnt sich auch für euch!


"Als das Kind Kind war,
warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum,
und sie zittert da heute noch." (***)


FACTS AND FIGURES

Der Himmel über Berlin (Wings of Desire)
Deutschland / Frankreich 1987
123 Minuten
Regie: Wim Wenders
Drehbuch: Wim Wenders, Peter Handke, Richard Reitinger
Kamera: Henri Alekan
Musik: Jürgen Knieper, Laurie Anderson, Laurent Petitgand
Schnitt: Peter Przygodda
Produktion: Argos Films
Produzent: Anatole Dauman, Wim Wenders
Mit: Bruno Ganz (Damiel), Solveig Dommartin (Marion), Otto Sander (Cassiel), Curt Bois (Homer, der alte Poet), Peter Falk (Filmstar), Hans Martin Stier (Sterbender), Elmar Wilms (trauriger Mann), Sigurd Rachman (Selbstmörder), Beatrice Manowski (Strichmädchen), Lajos Kovács (Marions Trainer), Bruno Rosaz (Clown), Laurent Petitgand (Kappelmeister), Chick Ortega (Schlagzeuger im Zirkus)
Preise: 1987 beim Filmfestival in Cannes, 1988 Europäischen Filmpreis für Wim Wenders Regiearbeit und Henri Alekan für seine Kameraarbeit


(***) Peter Handke - "Lied vom Kindsein" (zum Nachlesen: http://www.wim-wenders.com/movies/
movies_spec/wi ngsofdesire/wod-song-of-childhood-german.htm)
...
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Kommentare
Stubs
Stubs, 19.08.2005
... und ich wundere mich, warum im Paralleluniversum nix los ist ... und dabei quuuuuuuiiiiilllllllt dort die Kommentarspalte uumlber .... Gruszlig Stubs
Lotosblüte
Lotosblüte, 08.12.2005
Traumhafter Bericht über ein traumhaftes Thema... lg
Naffy
Naffy, 15.03.2006
Gruß Naffy
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Aprikose

Filmkunst für Genießer

ein Testbericht von 2002-11-04 20:00:37 vom 04.11.2002
Empfehlung: ja
Keine Frage: Dieser Film von 1987 gehört zu meinen absoluten Favoriten und ist meines Erachtens zudem das Beste, was Regisseur Wim Wenders je fabriziert hat. Denn hier verstrickt sich er sich weder in Selbstherrlichkeit noch Experimenten, sondern hat ein wunderbares Stück Kunst geschaffen.

Zugegeben: Wer nach turbulenter Handlung oder Wirklichkeitsnahem sucht, wer Schwarzweißfilmen nichts mehr abgewinnen kann und kein Interesse an Lyrik und Poesie hat - für den ist dieser Film nicht von Interesse. Denn "Der Himmel über Berlin" ist ein Stimmungsbild, in das man sich hinein fallen lassen kann, ja muss. Künstlerisch lässt der Film keine Wünsche offen. Die Bilder sind perfekt aufeinander abgestimmt, die Kameraführung macht jede Szene zum Erlebnis und auch die Akustik ist atemberaubend (Wer sich den Film zu Hause ansieht: Unbedingt den Stereo-Kopfhörer aufsetzen - es lohnt sich!)


Worum geht es? – Die Handlung

Dargestellt wird Berlin Mitte der 80er Jahre aus Sicht der Engel. Über die ganze Stadt verstreut halten sich Engel auf, unsichtbar für die Menschen (nur Kinder nehmen sie hin und wieder wahr). Sie lauschen den Gedanken der Menschen, sorgen sich um sie, beschützen sie (was nicht immer gelingt – so springt z.B. ein Selbstmöder vor den entsetzten Augen eines Engels in den Tod...).
Doch die Engel leben in einer sterilen Meta-Welt. Sie kennen keine Gefühle aus eigener Erfahrung, keine Farben, ja sie kennen das Leben nicht – außer aus der Beobachtung. Ihre Sprache ist lyrisch, gleicht nicht der des Alltagsmenschen. (Text: Peter Handke.) Eine edle Welt, aber für viele Engel längst nicht mehr erfüllend.
Im Mittelpunkt der Story stehen die beiden Engel Cassiel und Damiel, brillant gespielt von Otto Sander und Bruno Ganz, zwei Meistern der leisen Töne und feinen Mimik. (Erwähnenswert ist übrigens noch Curt Bois als greiser Philosoph.)
Damiel verliebt sich in eine französische Zirkusartistin (einfühlsam gespielt von Solveig Dommartin), die mit ihrer Truppe in Berlin gastiert, doch kann er sie nicht erreichen aus seiner Welt der Engel.
Sein Schlüsselerlebnis ist die Begegnung mit dem amerikanischen Schauspieler Peter Falk (gespielt von ihm selbst) an einer Imbiss-Bude, der Damiels Gegenwart wahrnimmt und ihm anvertraut, früher selbst ein Engel gewesen zu sein – und dass er nicht der einzige unter den Menschen ist.
Darauf beschließt Damiel, selbst ein Mensch zu werden, um die Zirkusartistin treffen und das Leben kennen lernen zu können. Durch einen Sturz katapultiert er sich sozusagen in die reale Welt, die er wie ein Kind entdeckt. Er kauft menschliche Kleidung, spricht die menschliche Umgangssprache und ist wie berauscht von den Eindrücken.
Die Zirkusartistin trifft er nach längerer Suche bei einem Nick-Cave-Konzert, sie kommen ins Gespräch, kommen sich näher.
Auch das Ende ist ganz Wim Wenders: Keine romantische oder liebestaumelnde Begegnung der beiden. Vielmehr hilft er ihr am Trapez, philosophisch-wortreich umschreiben sie die Erfüllung ihrer Liebe. Einen Hauch steril, doch ohne Pathos – und das macht diese Filmende für mich so wertvoll. (Es bleibt ein Kunstfilm bis zum Schluss.)


Das Besondere am Film - Die Darstellung

„Der Himmel über Berlin“ zeichnet sich durch penibel durchdachte, sowie künstlerisch und technisch perfekte Gestaltung aus.
Während die Handlung als solche plump und kitschig erscheinen mag, wird sie durch ihre Umsetzung zu einem poetischen Meisterwerk. (Nicht zuletzt stellt dieser Film ein wunderschönes Porträt der Stadt Berlin dar.)

Der Film ist zum größten Teil in Schwarz-weiß gedreht: Denn Schwarz-weiß ist die Welt der Engel. Alles, was aus Engelsperspektive geschildert wird, hat keine Farben. Erst mit Damiels Menschwerdung überwiegen die farbigen Bilder. Doch die schwarz-weiße Gestaltung ist vor allem künstlerisches Mittel: Sie ermöglicht es, eine große Ruhe und Ausgewogenheit zu erzeugen. Die Grautöne nutzt Wenders als poetisches Ausdrucksmittel. Umso krasser wirkt der Wechsel zum Farbigen im Verlauf des Filmes, umso wirrer scheint die reale Welt.

Die Texte stammen von Peter Handke, der dem Film damit seine unverkennbare Handschrift verpasst hat. Zugegeben, wer Handke nicht mag, wird den Film nicht recht genießen können. Auch wirken die Texte mitunter etwas aufgesetzt, drohen die Bilder gar zu erdrücken.
Dennoch empfinde ich Handkes Texte als künstlerische Bereicherung. Wenn man sich ihnen ebenso hingeben kann wie den Bildern, verschmelzen sie zu einem vielschichtigen Erlebnis. (Zudem klingt Handkes Sprache hier weniger abgehoben und selbstverliebt als manche seiner Bücher.)
Dabei gestalten sich die Filmtexte sehr vielschichtig: Wir haben zu tun mit der sterilen Sprache der Engel, der Alltagssprache der Menschen, der ungedachten (und sehr vielfältigen) Sprache ihrer Gedanken und zudem mit purer Lyrik. Denn dem Film ist immer wieder ein Gedicht aus dem Off unterlegt, sehr stimmungsvoll vorgetragen. (Der Film beginnt mit einer Schreibfeder, die den Anfang des Gedichtes zu Papier bringt: „Als das Kind Kind war, wusste es nicht, dass es Kind war...“)

Besonders ausdruckstark wird der Film überall dort, wo er beobachtet, wo die Kamera aus Engelssicht durch die Menschenwelt zu schweben scheint, wo sich grandiose Perspektiven, nachdenklich stimmende Details und die Gedanken der Menschen verbinden.
Der Film lebt auch von seinen Kleinst-Episoden. Unzählige Menschen werden kommentarlos vorgestellt.

Reizvoll ist auch das Nebeneinander der Sprachen. Abgesehen davon, dass in der Staatsbibliothek (in einer der der großartigsten Szenen) Gedanken ausländischer Leser hörbar werden, spricht Peter Falk Amerikanisch und die Zirkusartistin Französisch (mit Untertiteln).
(Ich habe jedoch auch schon eine Version des Filmes gesehen, in der die Artistin Deutsch mit französischem Akzent spricht. Ein kleines Zugeständnis an den deutschen Geschmack, der wenig von Untertiteln hält?)


- Fazit –

Wer sich diesem Film ganz in Ruhe hingibt und die geballte Ladung aus erstklassigen Bildern und anregenden Texten auf sich wirken lässt, wer Langsamkeit auch im Genießen noch nicht verlernt hat, für den wird der Film ein unvergessliches Erlebnis sein.


- Anmerkung –

Vor einigen Jahren erschien der amerikanische Film „Stadt der Engel“. Dabei handelt es sich um ein Remake von „Der Himmel über Berlin“, sehr eng an diesen angelehnt und im Grunde nicht schlecht gelungen, doch auf amerikanischen Geschmack getrimmt.
Wer diesen Film kennt, dem kann ich versichern: Das Original von Wenders ist Klassen besser.
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Kommentare
Lotosblüte
Lotosblüte, 08.12.2005
Das muss ich mir doch echt mal anschauen. lg Gabriele
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