Pro:
die eigenwillige Produktionstechnik; die Begeisterung aller Beteiligten
Kontra:
...wirkt heutzutage rückständig und käme von der Produktion her viel zu teuer
Empfehlung:
Ja
Vorwort
Vor langer, langer Zeit - Menschengedenken ist es her - gab es einmal eine skurrile Sippschaft namens "Muppets", die an einem Ding - auf Englisch genannt "Far Looking Picture Umbrella" (auf Deutsch: "Fern-Seh-Bild-Schirm" *g*) ihr Unwesen trieb... weder lebendig noch tot (meist geschaffen aus irgendwelchem Textilmaterial, in das entweder Menschenwesen ihre Hände zum Betriebe der Figur stecken konnten oder sogar ganz hineinschlüpften), aber nichtsdestoweniger höchst munter und derart populär, dass sich mancherlei große Stars darum rissen, einmal bei jenen seltsamen Wesen zu Gast sein zu dürfen... Daran wird sich wohl jeder wohlgeneigte Leser hier erinnern...
Gekauft wann und wie teuer...
Ich habe die DVD bei Weltbild vor ein paar Jahren für 7,99 Euro ergattert ;-)
Übergang zum Thema des Berichts
...weniger bekannt ist es aber, dass sich die Schöpfer jener unnachahmlich "Blöd-aber-Sehenswerten" Puppendynastie anscheinend auch recht düsteren Seiten ihrer Persönlichkeit widmeten. Ein Ausfluss dieses "Doppellebens" ist jener seltsame Film, der heute kaum noch irgendwo Erwähnung findet, weil ihn natürlich - im Rahmen des "technischen Fortschritts" - längst sämtliche "virtuell animierte" Filme der computerisierten "Neuzeit" in allen Belangen in den Schatten gestellt haben... im Jahre des Herrn 1982 aber, als jener Streifen die Kinoleinwände eroberte (nach etwa 5jähriger Vorarbeit) hatte man die Namen "Jim Henson" und "Frank Oz" von den Muppets her noch frisch im Gedächtnis und strömte begeistert in die Kinos...
Die Väter des Films
Hm, nun habe ich mir überlegt, ob ich über Frank Oz (geb. 25. 5. 1944) und den - leider zu früh verstorbenen - Jim Henson (geb. 24.9.1936; gest. 16.. 1990) erst mühselig eine Biographie "zusammenklauben" soll... die Muppets-Fans haben die ja sowieso "intus"... und man kann alles im Internet nachlesen...
Sonstige Mitwirkende
Produktion: Jim Henson und Gary Kurtz
Drehbuch: David Odell
Musik: Trevor Jones
Design: Brian Froud
Der Film...
...richtet sich an alle, die früher die "Muppets" geliebt haben... und Puppen den reinen "Animationen" aus Zeichentrick und purer Computer-Kreation bevorzugen. Insofern ist er heutzutage natürlich als reichlich "altmodisch" und "überholt" anzusehen... Trotzdem hat er mich mit seinen ca. 89 Minuten Laufzeit NIE gelangweilt... immer wieder reizen die eigenartigen Typen hier zum Lachen oder zum Nachdenken; allein vom Grundgedanken her: das "Böse" kann nur Bestand haben, solange es vom "Guten" geduldet wird... spätestens wenn der entschiedene "Aufstand" kommt, wird es zu "Nichts"...
Der Inhalt...
... des Films hat mancherlei Parallelen mit dem "Herrn der Ringe". Da gibt es ein paar kleine, niedliche Geschöpfe namens "Gelflinge" (sowas wie die Hobbits); und wie sie auf der "guten" Seite stehen die sogenannten "Urru" - seltsam kriechend sich fortbewegende "Weise", die ein isoliertes Dasein mit der alleinigen Perspektive der früheren oder späteren Auslöschung ihres Geschlechts führen, in absoluter Ereignislosigkeit.... wenn da nicht der kleine Gelfling Jen und die kleine weibliche "Ergänzung" Kira plötzlich zusammentreffen würden und sie ihm eine Gelegenheit gäbe, das Schicksal der Zeiten zu wandeln...
Denn jene Zeit leidet unter der Herrschaft der bösen Skekse (die irgendwie eine Art bezahnter Aasgeier nicht unähnlich sind) und die eigentlich längst zu Staub zerfallen wären, hätten sie nicht den "Dunklen Kristall" in Verwahrung und damit die Möglichkeit, einfachen Lebewesen wie den Gelflingen oder den noch naiveren "Podlings" die Lebensenergie zu entziehen und auf sich selbst zu übertragen...
Aber dem Kristall fehlt ein Stück; und der Gelfling Jen kommt in seinen Besitz und hat damit die Möglichkeit, den zerbrochenen Kristall zu "heilen" - das Stück wieder einzusetzen und damit die Verschmelzung von Gut und Böse einzuleiten. Dabei findet Jen nicht nur die Unterstützung der seltsamen Zauberin "Augra", die unter anderem damit glänzt, ihr einziges Auge herauszunehmen und auch außerhalb des Körpers sehen zu lassen :-) auch innerhalb der Skekse gibt es Aufruhr, weil der "Kammerherr" beim Tod des gegenwärtigen Imperators nicht hinnehmen will, dass er selbst nicht Nachfolger wird.
Nun muss Jen das Kristallstück in die Große Halle der Skekse bringen und dort in den Kristall einfügen... was logischerweise tödlich gefährlich ist, weil den Skeksen u.a. so seltsame Geschöpfe wie die großen, gepanzerten, spinnen- oder krabbenartigen Garthim zur Seite stehen. Aber glücklicherweise gibt es ja da auch noch den kleinen "Fitzgigg", so etwas wie einen Hund der "Handefeger"-Kategorie, der immer wieder überraschende Unterstützung liefert ;-)
Soviel, so gut... den Rest sollte man sich lieber im Film `reinziehen... ;-)
Die Ausführung...
... kann man unter dem Menüpunkt "Zusätzliche Filminfos >" einsehen; wenn auch nur in englischer Sprache. Aber für mich war es gleichwohl hochinteressant wie unterhaltsam, wie und von wem im einzelnen die seltsamen Kreaturen und Landschaften erschaffen und zu einer funktionierenden Film-Einheit verschmolzen wurden...
Bedauerlicherweise erscheint das ganze "Drumherum" anno 2007 als geradezu vorsintflutlich... wenn man sich vergegenwärtigt, dass in nahezu JEDER der seltsamen agierenden Gestalten ein echter MENSCH "eingepackt" war, um die Kreatur zum Leben zu erwecken und filmgemäß zu bewegen... dennoch: um manche hochkomplexe Filmfiguren "virtuell" zu animieren, benötigt man auch im Zeitalter der Hochleistungsrechner oft viele Jahre, bis der Film endlich soweit "steht" und kinogerecht veröffentlicht werden kann. Das sollte hier doch auch einmal bedacht werden...
Der Handlungsablauf...
...ist zielbewusst und immer mit viel Action unterlegt... wobei mir selbst immer gut gefallen hat, dass man sich anhand authentischer Landschafts-Szenerien mit identifizierbaren Pflanzen wie heute noch existenten Farnen immer in eine irgendwo doch "reale" Welt einbezogen fühlt... und die Story ist folgerichtig und "gerafft", so dass man andauernd mitfiebert und nie den Faden verliert. Das ist konsequente und "ökonomische" Filmgestaltung wie sie sich der Zuschauer wünscht ;-)
Die Extras...
... sind für eine DVD reichlich und gut. Zwar bekommt man teils nur ein paar zusätzliche Fotos, aber die Infos über das "Making" allein sind so umfassend (und angesichts der Tatsache, dass Jim Henson inzwischen gestorben ist) so dokumentarisch wertvoll, dass die DVD inzwischen Sammlerstatus genießt; im einzelnen gibt es:
- Die Welt des Dunklen Kristalls
- Entfallene Szenen
- Trailer
- Charakterprofile
- Künstlerprofile
- Zusätzliche Filminfos
Meine Meinung...
...kann daher nur positiv sein; auch wenn der Film angesichts heutiger Techniken wie ein Relikt aus filmgeschichtlicher "Steinzeit" wirken mag. Wie man in den "Extras" der DVD ( Dokumentation und Interviews) sehen kann, waren alle Beteiligten geradezu besessen von der Verwirklichung des Films, und allein dieser furiose Wille zum Umsetzen der Ideen schuf ein Werk, das bis heute einen Status als "Kultfilm" - wenn auch vielleicht nur in "Insiderkreisen" - genießen darf. Vor allem hat es auch an die Darsteller ganz seltsame und bis heute nur selten anderweitig erreichte Anforderungen gestellt... Menschen mussten buchstäblich "das Innerste" einer seltsamen und unwirklichen Kreatur (in Form einer Puppe) sich zu eigen machen und als solche agieren... nur leider sind die Namen der meisten in den Puppen steckenden Akteure heute nicht mehr so aktuell...
Natürlich lebt ein solcher Film auch von der Sympathie des Zuschauers für die "Schöpfer" Jim Henson und Frank Oz, die mir selbst von ihrer eher unauffälligen persönlichen Erscheinung, ihrem trockenen Humor und ihrem sprühenden Ideenreichtum her - nicht zu vergessen verbunden mit einer ganz eigenen Art, ihre "Mitstreiter" zu überzeugen und an das Projekt zu fesseln - wohl für immer unvergessene "Ikonen" der Filmgeschichte bleiben werden... ich habe es immer bedauert, dass nie ein ähnlich spektakuläres Werk nachgereicht werden konnte.
In einem solchen Film lebt natürlich das Ideal des "Karnevals" weiter: endlich `mal ein ganz anderes Wesen sein, sich verkleiden und Spass haben... und so etwas findet man heutzutage ja auch nur in entsprecheden Filmen wie etwa dem "Herrn der Ringe " wieder... womit sich die Parallele für mich bestätigt...
Schlusswort
Leider ist die DVD im "Wide-Screen-Format" der alten Kinofilme aufgenommen; auf kleinen Bildschirmen -noch dazu der Röhren-Generation - kommt der Film also nicht gut und strengt die Augen unermesslich an. Bei meinem neuen iMac mit 17" Widescreen-TFT-Schirm aber kann man ihn gut sehen, und das sogar aus der "zweiten Reihe"... aus rein technischen Gründen vergebe ich also nur vier Sterne. Einerseits ist der Film heute etwas "rückständig" von der technischen Herstellung her; andererseits erfordert er eigentlich modernste Bildschirmtechnik zum echten Genuss... ich mag ihn trotzdem immer wieder gerne mal anschauen...
PaterBrown für YOPI, 25.1.2007 weiterlesen schließen
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