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Annäherung

Kleines Tribunal

Die fetten Jahre sind vorbei
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Die fetten Jahre sind vorbei
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Testberichte Die fetten Jahre sind vorbei

 (DVD) Drama
3.2 von 5
Platz 97 in der Kategorie "Dramen".
Bewertung: Kundenbewertung 3,20 / 5,00 3.2 von 5
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Die fetten Jahre sind vorbei Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 3,20 / 5,00 3.2 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (8/8).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
  • Interessante Handlung, tolle Schauspieler, durch die spezielle Technik wirkt der Film authentisch, man wird zum nachdenken angeregt
  • gute schauspielerische Leistung; gute Präsentation (Kamera, Regieführung, Story, Sound)
  • Schauspieler, Handlung, Umsetzung, regt zum Nachdenken an
  • Schauspieler Inhalt
  • Ein Film zum Nachdenken, gute Schauspieler, Witz
Nachteile/Kritik
  • Im Grunde nichts...
  • Hintergrund der Jungs bleibt leider im Dunkeln
  • teilweise zieht er sich (gerade wenn man sehr müde ist beim Fernsehen)
  • ein bisschen verwirrender Abschluss
  • sehr in die länge gezogen, schauspieler nerven auf die dauer
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Simonster

JEDES HERZ IST EINE REVOLUTINÄRE ZELLE

ein Testbericht von 2005-12-24 01:20:39 vom 24.12.2005
Empfehlung: ja
Vorteile: Interessante Handlung, tolle Schauspieler, durch die spezielle Technik wirkt der Film authentisch, man wird zum nachdenken angeregt...
Nachteile/Kritik: Im Grunde nichts...
„Die fetten Jahre sind vorbei“, unter anderen mit dem mehrfach ausgezeichneten Daniel Brühl, bekannt aus „Good bye Lenin“ und „Das Weiße Rauschen“, war der einzige deutsche Film, der nach elf Jahren (!) auf dem internationalen Filmfestival in Cannes in Mai diesen Jahres gezeigt wurde. Ende 2004 lief der Film im Kino und ist seit einiger Zeit als DVD im Handel.


Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg), beide wohl Mitte 20, haben das System der Ungerechtigkeit satt. Die Superreichen leben ihr unbesorgtes Leben im Luxus, während die Menschen in der dritten Welt um ihr Leben kämpfen müssen. Und so haben es sich die Rebellen zur Aufgabe gemacht, die Reichen aufzuwecken und zu verunsichern. Dies machen sie, indem sie heimlich in Berliner Villen einbrechen, aber nicht um teure Gegenstände zu stehlen – denn dann wären sie ja gewöhnliche Einbrecher - sondern um die Möbel zu verrücken und ein gepflegtes Chaos zu hinterlassen. So kann es sein, dass die Besitzer die Stereoanlage im Kühlschrank wieder finden, die teuren Porzellanfiguren sich in der Toilette aufhalten und die gesamten Möbel zu einem fast schon künstlerischen Turm gestapelt sind. Gleichzeitig hinterlassen die zwei, die sich selbst „Die Erziehungsberechtigten“ nennen, immer eine Botschaft: Entweder „Die fetten Jahre sind vorbei“ oder „Sie haben zuviel Geld“.

Und dann ist da auch noch Peters Freundin Jule (Julia Jentsch), die öfters in Schuhgeschäften gegen Kinderarbeit lautstark protestiert. Hinzu kommt, dass sie 100.000 € Schulden hat, da sie mit ihrem unversicherten Wagen einem teuren Mercedes hinten rein gefahren ist. Um diese Schulden zu begleichen, darf sie sich zu Tode rackern und das, obwohl der Mercedes einem Millionären namens Hardenberg (Burghart Klaußner) gehörte, der im Jahr eh mehrere Millionen Euro verdient. Jules Leben ist dadurch ziemlich verbaut....

Während Peter für einige Tage im Ausland ist, kommen sich Jan und Jule näher und verlieben sich auch noch ineinander. Als die beiden zufällig die Villa von Hardenberg finden, beschließen sie, auch dort einzubrechen. Doch diesmal geht es schief: Der Eigentümer taucht plötzlich auf, als sich Jan und Jule noch in der Villa aufhalten. Aus Verzweiflung schlagen sie in zu Boden und entführen ihn spontan zusammen mit Peter, der wieder zurück ist. Auf einer einsamen Almhütte in Tirol hält sich das Trio zusammen mit dem gefesselten Hardenberg erst mal versteckt. Zwangsläufig lernen sie den Entführten etwas besser kennen, der ja eigentlich ihr größter Feind ist und machen ihm aber gleichzeitig das ungerechte Verhältnis zwischen arm und reich klar. Es kommt vermehrt zu politischen Streitigkeiten. Derweil merkt Peter, dass Jan und Jule sich während seines Auslandaufenthalts doch etwas zu gut kennen gelernt haben. Und dann ist da noch die Überlegung, was sie nun mit Hardenberg tun sollen. Wenn die Polizei etwas über die Entführung erfährt, war’s das für die drei…


So viel also zur Story. Jan und Peter haben einfach keine Lust, sich anzupassen und versuchen, auf das ungerechte System aufmerksam zu machen und die Reichen wachzurütteln. Sie sind also sehr rebellisch und der Kopf voller revolutionärer Gedanken. Doch während der selbstbewusste Peter das alles eher lockerer sieht und so doch mal bei einem Einbruch eine wertvolle Armbanduhr mitgehen lässt, ist es für Jan schon ernster. Er wirkt verschlossen, geheimnisvoll und voller innerer Wut. Seine revolutionäre Art ist wohl das, was Jule an ihm interessant findet, die ihn eigentlich zu erst etwas unheimlich fand.

Die zweite Hälfte des Films spielt sich ja in der Almhütte in einer verlassenen Berglandschaft ab. Hier setzt sich das rebellische Trio mit ihrem Feind, Hardenberg auseinander. Dieser erzählt, dass er früher selbst mal so einer war, wie Jan, Peter und Jule. Aber dann hat er sich immer mehr und mehr angepasst und ist so zu einem gutverdienenden, aber egoistischen Manager geworden, der nicht merkte, dass er Jules Leben durch ihren Schuldenberg bei ihm, kaputt machte. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zu vielen lustigen, aber auch sehr politischen und intelligenten Gesprächen und Sprüche. So erklärt Hardenberg, dass er die regeln nicht erfunden hat, sondern nur nach ihnen spielt. Daraufhin entgegnet ihm Peter, dass es auch nicht darauf ankommt, wer die Pistole erfunden hat, sondern wer sie abzieht. So kommt es häufig zu einem Hin und Her, Hardenberg versucht sich gegenüber den dreien zu rechtfertigen, kann ihre Meinung aber auch verstehen und scheint zum Schluss gar nicht mal so unglücklich über seine Entführung zu sein. Im Gegenteil: Sie rauchen zusammen und spielen Karten.

Hans Weingartner, der Regisseur des Films führte nun zum zweiten Mal Regie. Sein Debüt gab er mit dem Film „Das Weiße Rauschen“ (2001/02), ebenfalls mit Daniel Brühl in der Hauptrolle. Bemerkenswert an diesem Film war, dass er ohne großen technischen Schnick Schnack auskam und durch ein sehr geringes Budget auch auskomme musste.
Und dies hat Weingartner beibehalten. Gedreht wurde wieder ohne viel künstliches Licht und mit gewöhnlichen Handkameras, wodurch das Bild an machen Stellen leicht verwackelt ist. Und auch der Ton wurde merkbar nicht noch im Nachhinein künstlich verbessert. Doch diese zwei Merkmale schaden dem Film ganz und gar nicht, im Gegenteil: Der Film wirkt dadurch noch umso natürlicher und authentischer. Man hat das Gefühl, als wenn nicht einfach nur zuschauen würde, sondern man sei wirklich dabei.

Die schauspielerische Leistung der Protagonisten lässt absolut keine Kritik zu. Das Daniel Brühl, der übrigens nie eine Schauspielschule besucht hat, glaubwürdig rüber kommt, war ja zu erwarten, aber auch die anderen überzeugen. Alle spielen sehr natürlich und echt. Man merkt, dass vieles ganz einfach improvisiert wurde. Dies hat den Vorteil, dass sich die Schauspieler nicht krampfhaft an ihrem Dialogtext halten und einfach freier spielen können. Abgesehen von Daniel Brühl kannte ich übrigens von den Hauptdarstellern nur Burghard Klaußner. Aber besonders Julia Jentsch wird man in Zukunft noch in weiteren wichtigen deutschen Filmen sehen (z.B. in "Sophe School - Die letzten Tage", ab Februar 2005 im Kino).

Auf jeden Fall bietet der Film sehr viel Diskussionsstoff und regt zum Nachdenken an, auch auf eine indirekte Weise. Leben wir wirklich in einer Demokratie oder einfach nur in einer Diktatur des Kapitals? Was kann man als Einzelner tun, um die Welt wenigstens etwas zu verbessern und die Ungerechtigkeiten des Systems zu beseitigen? Wie viel revolutionäre Energie ist gesund? Wie weit muss und sollte man sich das System anpassen? Um etwas bewirken zu können, braucht man nun mal leider Geld, womit man sich zwangsläufig dem System neigen muss. Und in wie fern ist es (un)gerecht, dass Jule bei Hadenberg so hoch verschuldet ist? Auf der einen Seite ist er doch stinkreich, andererseits war es dennoch ihr eigener Fehler, dass sie mit einem unversicherten Wagen einen Unfall macht.

Insgesamt kann ich nur schreiben, dass mich der Film sehr beeindruckt hat. Mir sind viele Sätze in Erinnerung geblieben. Ich halte „Die fetten Jahre sind vorbei“ schon für einen sehr gelungenen Film. Er beinhaltet vieles: Dramatik, lustiges, zwischenmenschliches, Gefühle und eine klare Botschaft. Nur das Ende ist etwas verwirrend, da es für den Zuschauer nicht ganz eindeutig ist, wie es nun dazu kommen konnte. Was genau, verrate ich natürlich nicht. Jedenfalls lässt sich darüber aber auch wiederum viel diskutieren. Ein deutscher Film, den man sich sehr gut anschauen kann!




-------

Die fetten Jahre sind vorbei
Drama
Deutschland, Österreich 2004
Regie: Hans Weingartner ("Das Weiße Rauschen"")
Buch: Hans Weingartner, Katharina Held
Darsteller: Daniel Brühl (Good Bye Lenin; Das Weiße Rauschen; Nichts bereuen), Julia Jentsch (Sophie School – Die letzten Tage; Schneeland), Stipe Erceg (Sommer Hunde Söhne; Der Typ), Burghart Klaußner (Ein Goldfisch unter Haien; Crazy; Good Bye Lenin)
Länge: ca. 129 Min
FSK: Ab 12
http://www.diefettenjahre.de
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
Baby1
Baby1, 22.12.2005
Guter Bericht LG und frohe Weihnachten LG Anita
Andreas1501
Andreas1501, 22.12.2005
Interessanter Bericht! Gruß Andreas
Dr.Claudia
Dr.Claudia, 20.12.2005
SH LG von Claudia
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wildheart

A bisserl Rebellion auf der Alm

ein Testbericht von 2008-10-08 10:29:19 vom 08.10.2008
Empfehlung: ja
ACHTUNG ! SPOILER !

Irgendwann entließ die Revolution ihre Kinder - hieß es. Oder war es umgekehrt? Der Glaube versetzt Berge, hieß es. Und wir glaubten - nicht an einen Gott, aber an etwas ähnliches. Etwas viel Schlimmeres: an den modernen Gott des 20. Jahrhunderts: die Revolution. Lang ist es her, und ehrlich gesagt weine ich diesem Glauben keine Träne nach. Später wuchs eine neue Generation heran, die viele - auch in der Besprechung dieses Films - die attack-Generation nennen möchten. Und über diese Generation, oder besser: einen Teil der heutigen Generation, die sich attack und ähnlichen Organisationsformen zurechnen, will Weingartners Film handeln. Dabei ist schwer auszumachen, ob dieser Streifen ernst gemeint ist oder eher satirisch. Seine Protagonisten führen das Vokabular im Munde, das stark nach attack riecht. Das ist keineswegs negativ gemeint. Denn die Kritik am sog. globalisierten Kapitalismus ist keine lahme Schindmähre - auch wenn das Plakative und Simplifizierende in den Kreisen der neuen Neuen Linken einem des öfteren Kopfschmerzen bereitet. Man kennt das ja. Ich kenne es jedenfalls aus eigener Erfahrung als alter Neuer Linker.

Weingartner lässt drei junge Leute ins Bild fallen: die schöne Jule (Julia Jentsch), die ihren Job und ihre Wohnung verliert, ihren Freund Peter (Stipe Erceg) und den Sympathieträger des deutschen Films Daniel Brühl als Jan. Von Demonstrationen, Flugblättern, Schlägereien mit Bullen und den gängigen Formen des öffentlichen Protests haben die drei die Nase voll - denn sie sehen keine positiven Erfolge dieses Protestes. Kurzerhand haben die beiden jungen Männer - Jule weiß (noch) nichts davon - sich entschlossen, andere Protestformen ins Leben zu rufen. Sie brechen in die Villen reicher Leute ein, montieren deren Einrichtungsgegenstände zu Kunstwerken des Protests und lassen Sprüche zurück wie "Die fetten Jahre sind vorbei" oder "Die Erziehungsberechtigten". Aber sie stehlen nichts - na ja, Peter lässt irgendwann einmal eine teure Armbanduhr mitgehen, die Jan prompt aus dem Fenster des Autos wirft.

Jule hat andere Probleme: Wohnung weg, Job im Restaurant weg (einem noblen, in dem reiche Leute dinieren) und fast 100.000 Euro Schulden. So kommt’s, wenn man während des Autofahrens im Handschuhfach kramt und dann einen teuren Mercedes zu Bruch fährt - und nicht Kfz-versichert ist.

Jan ist empört über den Mercedes-Fahrer, der kein Mitgefühl zu haben scheint, und so bricht er mit Jule in dessen Villa ein. Der Teufel (oder Weingartner) will es, dass Jule ihr Handy in dem teuren Anwesen vergisst, und als man es holen will, der Hausherr sie erwischt. Da er Jule wiedererkennt, bekommt er von Jan eins über den Kopf. Nach einer gewissen Zeit der Ratlosigkeit entführt man den reichen Herrn schnurstracks auf eine Hütte im schönen Tirol - Peter ist natürlich mit dabei - und macht ihm heftige Vorwürfe über sein Leben ohne Sorgen und seine Gleichgültigkeit gegenüber den Problemen der Welt. Bis man erfährt, dass der Entführte, Hardenberg (Burghart Klaußner) heißt er, selbst mal 68er war, mit Dutschke im SDS-Vorstand saß und so weiter und so fort. Man kommt sich (ein bisschen) näher - auf der Alm, da gibt’s koi Sünd: Hardenberg meint, irgendwann wolle man auch mal Sicherheit und Einkommen und Familie - und schon mache mein sein Kreuzchen bei der CDU. Die drei sind leicht verdutzt. Aber irgendwann sehen sie ein, dass sie den reichen Onkel nur entführt haben, um sich selbst zu schützen, nicht aber, um ein Zeichen gegen den übermäßigen Reichtum, den Kapitalismus, den Raubbau an der Natur oder was auch immer zu setzen.

Am Schluss sitzt der Hardenberg wieder in seiner Villa und die drei jungen Leute sind mit Hardenbergs Jacht auf Kreuzfahrt in den Süden. Das SEK-Kommando stürmt eine leere Wohnung, in der nur ein Zettel hängt: "Manche Menschen ändern sich nie." Finito.

______


Was soll dieser Film? Vielleicht sollte man erst mal schreiben, was er wohl nicht soll. Er ist sicher kein Erziehungsfilm, keine Anleitung zum Handeln. Er gibt auch kein Lebensgefühl irgendeiner Generation wieder - dazu sind die Personen zu knapp und oberflächlich gezeichnet. Er ist sicherlich auch kein Agitprop-Film für die attack-Generation - dazu sind die Statements der drei jungen Leute zu plakativ und agitatorisch gehalten. Er ist sicherlich auch kein Warn-Film - denn Hardenberg geht es nur um seine Freiheit, und das, was er den drei Entführern sagt, ist kalter Kaffee (man siehe Joschkas Weg von einer roten Betriebszelle zum Außenminister, vgl. auch Trittin und andere). Vielleicht ist er aber ein: "Ihr-werdet-genauso-wie-Hardenberg"-Film . Denn schließlich deutet das Ende doch stark in diese Richtung - Jacht und so.

Ich weiß nicht.

Manche schrieben, "Die fetten Jahre sind vorbei" sei ein belustigender Film eines Mannes, der das alles eher aus der pubertär-naiven Sicht eines "poetischen Widerständlers" sehe. Auch daran mag was sein, zieht man das Selbstverständnis des Regisseurs zu Rate. Aber ist das alles?

Ich weiß nicht.

Ich weiß nur: irgendwie sind mir die drei sympathisch - jedenfalls über weite Strecken. Und doch liegt das wohl vor allem an den Schauspielern selbst, weniger an ihren Rollen. Auch der Klaußner ist mir sympathisch, seine Hardenberg-Rolle eher gleichgültig. Mein Gott! Wie viele dieser Hardenbergs gibt es? Wie viele haben 68 etliche Demonstrationen und noch mehr Matratzen frequentiert und sind später zu gut- oder grünbürgerlichen Großkopferten avanciert? Von Rot zu Grün zu Gelb oder Rosa - der Mensch ist ein Chamäleon.

Was bleibt also von dem Film? Beginnen wir nochmal. Die drei Globalisierungskritiker entführen mehr oder weniger aus einer individuellen Not (vor Entdeckung ihrer Einbrüche) heraus einen reichen Mann und versuchen mehr oder weniger - eher weniger - geschickt, ihn als das zu kritisieren, was er ist: einen, dem es wesentlich besser geht als den meisten, auf Kosten der meisten. Die gewählten Widerstandsformen selbst (Umbauten in den Wohnungen begüterter Leute) verpuffen im Tagesgeschehen. Es bleibt Ratlosigkeit auf der ganzen Strecke. Die alten Protestformen sind längst passé; sie verhallen angesichts des Ausmaßes dessen, was Globalisierung bewirkt hat (oder das, was man etwas unbeholfen damit umschreiben will). Den neuen Protestformen geht es nicht anders. Es gibt nicht nur kein Patentrezept gegen den globalen Kapitalismus; es gibt gar kein Rezept (wilder Widerspruch der attack-Generation an dieser Stelle).

So bleibt von Weingartners "poetischem Widerstand" vielleicht eines - die Einsicht, dass es eine globale Antwort auf die Herausforderung der Globalisierung nicht geben kann und darf. Lehren die verschiedenen - gescheiterten und verbrecherischen - Versuche des Stalinismus im 20. Jahrhundert denn nicht wenigstens das? Und, dass es eine überdimensional-kollektive Lösung, was Widerstand betrifft, ebenso wenig geben kann und darf, weil in solchen "Lösungen" sich das Individuum letztlich bis zur Unkenntlichkeit auflöst. Am Schluss des Films - ein Ende, das manche Rätsel aufgibt - stehen jedenfalls vier Personen: ein reich gewordener Alt-68er, der die Bullen in ein leeres Haus stürmen lässt, und drei junge Freunde, die erstmal Urlaub machen. Dass die Entführung alle vier irgendwie zum Nachdenken bewegt hätte, was ihre persönliche Entwicklung und Verantwortung gegen sich selbst und gegenüber anderen betrifft, wäre das schönste Ergebnis einer solchen Geschichte - auch wenn der Film dies offen lässt.

Und ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, ob Weingartner in diese Richtung dachte. Wenn nicht, bliebe ein Film, dessen Geschichte irgendwie im Nichts verpufft. Wenn doch, na ja, dann vielleicht nicht. An irgendeiner Stelle des Films dachte ich: Das schönste Ende der Entführung wäre eine gemeinsame Erklärung von Entführtem und Entführern. Aber das wäre dann doch zu sehr Hollywood-like gewesen.

Die Antworten vieler auf die im Film angedeuteten Fragen gibt der Film nicht, und zwar keine. Eigentlich plädiert Weingartner für etwas, was uns allen am Herzen liegen sollte: Eigenverantwortung - auch in den Fragen einer Gesellschaft, deren Eliten offenbar keine Scheu davor haben, den ganzen Karren irgendwann gegen die Wand zu fahren. Warum auch nicht? Für einige werden sich immer Nischen finden, in denen es sich gut leben lässt. Die fetten Jahre sind noch lange nicht vorbei - für einige jedenfalls nicht.

Und noch etwas scheint der Film so ein bisschen zu protegieren: Überschaubarkeit. Da sind also eher die kleinen, individuellen, klein-kollektiven, übersichtlichen und wenigstens ansatzweise kontrollierbaren Perspektiven gemeint. So könnte es jedenfalls sein.

DVD

Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Ufa/DVD
DVD-Erscheinungstermin: 8. August 2005

Außer Trailer, Funny Scenes und einer Bildergalerie findet sich auf der "normalen" Scheibe, die inzwischen für unter 10 Euro zu haben ist, nichts an Bemerkenswertem. Wer auf Bonusmaterial aus ist, muss dann zur teueren Doppel-DVD greifen - doppelt so teuer -, die u.a. Interviews, Making Of, Ausschnitte von der Premiere in Cannes sowie vom Regisseur ausgewählte, nicht verwendete Szenen enthält.

Wertung: 8 von 10 Punkten.
© Bilder: Universum Film.
Screenshots von der DVD.

Die fetten Jahre sind vorbei
(The Edukators (englischer Titel))
Deutschland, Österreich 2004, 127 Minuten
Regie: Hans Weingartner

Drehbuch: Hans Weingartner, Katharina Held
Musik: Andreas Wodraschke
Director of Photography: Daniela Knapp, Matthias Schellenberg
Montage: Dirk Oetelshoven
Produktionsdesign: Christian M. Goldbeck

Darsteller: Daniel Brühl (Jan), Julia Jentsch (Jule), Stipe Erceg (Peter), Burghart Klaußner (Hardenberg)

Internet Movie Database:
http://german.imdb.com/title/tt0408777


© Ulrich Behrens 2007
Zuerst veröffentlicht unter: http://www.follow-me-now.de
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Kommentare
sindimindi
sindimindi, 23.11.2008
Tja, Ulrich...bei den68ern ist so mancher zum angepassten Spießbürger avanciert -besonders, wenn man an den geringen Widerstand derer bei den aktuellen Sicherheitsgesetzen denkt! RS
giselamaria
giselamaria, 27.03.2009
ein superguter Bericht, wie alle deine Buchbereichte, aber ein bw ist knapp und für einen Bericht, der schon ca. 5 Monate alt ist, leider nicht mehr sinnvoll.
LG Gisela
Lachesis
Lachesis, 08.10.2008
BW für den ausgezeichneten Schreibstil. Den Film fand ich übrigens sehr ermüdend.
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die_da89

euch ist’s doch auch egal, wie’s uns geht!?

ein Testbericht von 2007-02-05 19:02:58 vom 05.02.2007
Empfehlung: ja
Vorteile: Schauspieler, Handlung, Umsetzung, regt zum Nachdenken an...
Nachteile/Kritik: teilweise zieht er sich (gerade wenn man sehr müde ist beim Fernsehen)
Mit Die fetten Jahre sind vorbei brachte Regisseur Hans Weingartner die Politik zurück in den deutschen Film. Im Mittelpunkt seiner Geschichte stehen die drei Klein-Revolutionäre Jan, Peter und Jule (Daniel Brühl, Stipe Erceg und Julia Jentsch), die mit lustigen Einbrecher-Streichen in Bonzen-Villen die Hausbesitzer verunsichern wollen. Als der verfrüht heimkehrende Geschäftsmann Hardenberg (Burkhart Klaußner) sie bei einer „Aktion“ überrascht, wird er nach einigen Überlegungen gekidnappt.

Alles beginnt damit, dass Jan und Peter in Villen einbrechen, „ein wenig“ Chaos stiften in dem sie das komplette Inventar der Wohnung auf dem umräumen, und dann an den Wänden oder in Form von Briefen Botschaften wie „die fetten Jahre sind vorbei" oder „ihr hat zu viel Geld, die Erziehungsberechtigten“ hinterlassen. Die akribisch geplanten Aktionen (der 2 Männer die zusammen mit Peters Freundin in einer WG wohnen) laufen glatt, bis Peter für ein paar Tage wegfährt, Jan sich in dessen Freundin Jule verliebt und die beiden gemeinsam einen Spontan-Einbruch durchführen. Als Jule ihr dort liegen gelassenes Handy wieder holen will, laufen die beiden dem Besitzer in die Hände. Jan brennen die Sicherungen durch und er entführt den Hausherren in eine einsame Berghütte.

Die ist der Klapptext auf der Rückseite der DVD. Der Grund wieso ich die DVD kaufte war vor allem die Schauspielerin Julia Jentsch, die mich bereits als Sophie Scholl begeisterte. Als es dann den Film für 5€ in einem Wühlkorb gab, konnte ich nicht anders wie zu zuschlagen. Aber auch die 8,97 € die er regulär (bei Amazon) kostet finde ich ok für diesen Film.

Die Haupthandlung des Films beginnt in der Alpenhütte wo Idealist auf Realist, Jung-Revoluzzer auf Alt-68er, Systemkritik auf Angepasstheit trifft. Dabei fragt man sich, beim sehen des Filmes, oft wer jetzt eigentlich „recht“ hat und was an unsere Gesellschaft nicht schon alles kaputt ist.
Der Film ist gleichermaßen gesellschaftliche Bestandsaufnahme, Verarbeitung der 68er-Vergangenheit, Hinterfragung der Sinnhaftigkeit politischen Widerstands in einer entpolitisierten Zeit – und letztlich doch eine Kampfansage ans Dasitzen und Nichtstun.
Also alles in allem ein gutes Stück Zeitgeschichte.
Mit einem provokativen und überraschendem Ende werden die Zuschauer dazu gezwungen, über die eigene Meinung und wie ähnlich die verschiedenen Generationen sich doch eigentlich sind.
Alles in allem ein sehr kritischer und durch aus sehenswerter Film.
...
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Kommentare
wallikalli
wallikalli, 16.03.2007
Sehr schöner Bericht : Würde mich über Rücklesungen sehr freuen :
Baby1
Baby1, 23.02.2007
.: :. Liebe Grüße Anita .: :.
aybalam
aybalam, 05.02.2007
sehr hilfreich, viele Grüße!
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derben

die fetten jahre... wir machen uns die welt wie sie uns gefällt

ein Testbericht von 2005-08-19 09:59:27 vom 19.08.2005
Empfehlung: ja
Vorteile: politischer film, soll zum nachdenken anregen...
Nachteile/Kritik: sehr in die länge gezogen, schauspieler nerven auf die dauer
Die Story: Jan und Peter brechen den noblen Villenvierteln Berlins in die Häuser reicher Leute ein. Sie klauen aber nicht sonder verschieben nur Möbel und rücken das gesamt Inventar um.

Schief geht die ganze Aktion als sie irgendwann von einem Bewohner erwischt werden und in einer Panikreaktion entführen...


Leider hat mich dieser Film nicht wirklich überzeugt. Die drei Hauptfiguren wirken mit ihrem Idealismus auf die dauer sehr nervend. Auch sind bei der Länge des Films von 129 minuten sehr viele Szenen in die länge gezogen was den Zuschauer auf die dauer die lust am weiterschauen nimmt... hat man sich aber durch die ersten 45 min durchgekämpft kommt Spannung in die Storty der Einbruch in die Villa und die Entführung des gerade nach hause kommenden Besitzers.

Die Weltanschauung dieses Films nach dem motto "wir machen uns die welt wie sie uns gefällt" hat mich auch nicht zum nachdenken angeregt, viele dialoge sind übertrieben und wirken ehr lächerlich... Nett verpackt wir in die gesamte Handlung das beziehungsdrama innerehalb einer WG...

Von den Schauspielern (besonders Daniel Bühl) ist man besseres gewöhnt. Daniel Bühl hat in goodbye lenin super gespielt! hier lässt es leider etwas nach...

Fazit: Wer auf dieses politische Filmgenre steht sollte sich den "die fetten jahre.." ruhig anschauen für Anhänger der etwas leichteren Unterhaltung absolut nicht zu empfehlen.
...
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Kommentare
SquirrelFrank
SquirrelFrank, 19.08.2005
sehr schoumlner bericht, auch wenn 2 sterne imo zu wenig fuumlr den film sind. naja, is halt geschmackssache. lg
pcblizzard
pcblizzard, 19.08.2005
...steht da uumlberhauptnix von den Extras, deshalbnur ein quotnuumltzlichquot. Mfg pcblizzard
XoceansoulX
XoceansoulX, 19.08.2005
muss mich was die 2 sterne betrifft aber meinem bruder squirrelf anschlieszligen. lg
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ichbingut2

Nieder mit dem Kapitalismus - die Gerechtigkeit siegt?

ein Testbericht von 2005-02-25 11:06:43 vom 25.02.2005
Empfehlung: ja
Vorteile: Schauspieler Inhalt...
Nachteile/Kritik: --
Ausgezeichnet unter anderem zum besten deutschen Film bei den Filmfestspielen in Cannes. Zu Recht! "Die fetten Jahre sind vorbei!" von Hans Weingartner, schafft es eine Botschaft zu übermitteln die in meinen Augen trotzdem nicht zu fanatisch oder überheblich klingt.

Ein Film zum passenden Zeitpunkt. Erst vor kurzem sind die ersten Berichte der Bundesregierung durchgesickert die besagen, dass 10% der Bevölkerung sich 48%
des gesamten Geldes, welches in Deutschland in Umlauf ist, teilen. Die anderen 90 teilen sich den Rest. Die Kluft zwischen arm und reich wird auch in den nächsten Jahren noch mehr steigen - das ist eine Tatsache. Der Film "Die fetten Jahre sind vorbei!" unterstreicht genau diese Tatsache in einem gekonnten Mix aus Alltäglichkeit, Kuriosität und einem Batzen Realität!

INHALT:

Eine wunderschöne Villa, groß, pompös, mit weißem Marmor und weitläufigen, hohen Räumen. Die wohlhabende Familie fährt mit dem dicken Wagen vor. Geschniegelt vom Scheitel bis zur Sohle betreten sie ihr Haus. Ein Stofftier liegt auf dem Boden, die Stereoanlage steht im Kühlschrank und verschieden Möbel sind mitten im Zimmer zu einem großen Turm zusammen gebaut. "Die fetten Jahre sind vorbei!" das ist die einzige Message die die Einbrecher hinterlassen haben.

Diese oder die Botschaft „Sie haben zu viel Geld! Die Erziehungsberechtigten“ hinterlassen Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg) immer wenn sie in eine Nobelvilla einbrechen. Sie stehlen nichts, denn das würde sie zu ganz normalen Einbrechern machen. Sie wollen die „hohe Gesellschaft“ aufrütteln. Ihr Ziel ist es die Menschen zum nachdenken zu bringen und so wie Jan sagt, am Bankschalter ein kleines Männchen Ihnen „Sie haben zu viel Geld!“ zu flüstert.

Die beiden Jungs wohnen in einer WG ohne Tapete an der Wand. Einfach und ohne Schnick- Schnack. Sie sind gegen das System und gegen jede Normalität und Regel! Sie arbeiten nicht und gehen auch nicht zur Schule.

Jule (Julia Jentsch) protestiert in der Fußgängerzone gegen Kinderarbeit und als sie nach Hause kommt wird Ihr die Kündigung für Ihre Wohnung in die Hand gedrückt. Arbeiten tut sie als Bedienung überwiegend um ihre Schulden zu tilgen. Bei einem Autounfall hatte sie die Schuld an einem Totalschaden und da sie den Versicherungsbetrag nicht bezahlt hat muss sie jetzt 100.000 Euro für das Auto eines Millionärs ab bezahlen.

Sie wohnt also fort an bei Ihrem Freund, Peter. Dieser wohnt mit Jan zusammen und muss für kurze Zeit verreisen und so hilft Jan ihr Ihre Wohnung zu renovieren um die Kaution zurück zu bekommen. Dabei lernen sich Jan und Jule erst richtig kennen und verlieben sich.

An einem Abend bricht Jan mit Jule in eine Nobelvilla ein und sie werden erwischt. So kommt es dann ungewollt zu einer Entführung. Und ab da beginnt für mich der zweite Teil des Films.

Dieser „zweite Teil“ ist in meinen Augen der gelungenere. Er spielt dann nicht mehr in Berlin, sondern in einer Berggegend, friedlich, einsam und schön. Dort entsteht zwischen Jan, Jule, Peter und Hagenberg(Burkhart Klaussner ),dem Entführten, so was wie eine Bindung. Sie führen Gespräche über ihre unterschiedlichen Ansichten der Welt, schlafen nebeneinander und spielen Mau Mau. Nebenbei sind die drei jungen Leute aber auch sehr mit sich selbst beschäftigt weil Jan und Jule ihre Gefühle zueinander nicht weiter vor Peter verheimlichen und unterdrücken können.

Man bekommt als Zuschauer ein ganzes und klares Bild von dem vermittelt um das es geht. Von der „einen“ und auch von der "anderen Seite“. Oft habe ich mich beim nicken ertappt und ich bin mal nicht aus dem Kino raus gegangen und dachte „Recht haben sie ja, aber sehr übertrieben, das ganze.“

Man fragt sich die ganze Zeit wie das wohl enden wird und ob am Ende wohl einfach alles gut ist...so wie es im realen Leben nicht wäre. So wie es unrealistisch wäre. So, dass man sagt, „Das ist eben ein Film!“

Ich möchte das Ende nicht verraten, aber ich finde es sehr gelungen. Man sagt nicht mehr aus vollster Überzeugung „Es ist ja nur ein Film!“. Der Film zeigt durchaus noch mal auf, dass die Realität und die Menschen die in ihr leben eben anders sind und egal wie sehr sie es oft wollen, nicht aus Ihrer Haut können!

SCHAUSPIELER / TECHNIK:

Schauspielerisch ist dieser Film klasse. Er ist es deshalb weil sich niemand auffällig verstellt. Die Menschen scheinen so zu sein wie sie dort gezeigt werden. Sie sehen aus als wären sie nie in der Maske gewesen und reden (gerade Peter) als würden sie mit Ihrem besten Kumpel sprechen. Dabei hat man aber nicht den Eindruck von Unprofessionalität, sondern eher den, mitten dabei zu sein, sich damit identifizieren zu können! Die Kameraführung unterstreicht das. Sie ist nicht herkömmlich perfekt, aber auch nicht so wackelig, dass einem schlecht werden kann.

Der Film enthält neben einer Botschaft, eine zwischenmenschliche Story und Witz. Mit meiner Ansicht nach gekonnter Situationskomik wird für Abwechslung gesorgt:

"...und irgendwann erwischt du dich dabei wie du in der Wahlkabine stehst
und dein Kreuzchen bei der CDU machst!"

"Wir brauchen Kaffee, Klopapier und Wein. Ich frage Hagenberg mal ob er
einen ausgibt."

FAZIT:

Dieser Film ist in jedem Fall gelungen. Man muss ihn vielleicht nicht unbedingt gesehen haben, denn wer redet schon groß über solche Filme, aber ich finde man sollte ihn gesehen haben. Man kommt aus dem Kino und ist schwer am nachdenken. Nicht nur über die Ungerechtigkeit im Leben und über Menschen mit anderen Ansichten, aus einer „anderen Welt“, sondern auch über zwischenmenschliche Beziehungen wie die zwischen Jan und Peter und wie sie mit ihren Gefühlen umgehen.


KRITIK:

Während des zweiten Teils des Films habe ich mich immer wieder gefragt wo die
drei das Geld her nehmen um das was sie machen zu finanzieren. Sie fahren
hunderte Kilometer mit dem Busschen, trinken Wein und kiffen, arbeiten aber nicht. All diese
Sachen kosten Geld und so sieht man, dass man zwar gegen das System wie es
ist rebellieren kann, sich aber doch in gewisser Weise anpassen muss und es irgendwie akzeptieren muss!

Wenn Ihr euch noch genaueres über den Film angucken wollt geht doch einfach mal auf die Homepage: www.diefettenjahre.de
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Kommentare
kruemel02
kruemel02, 27.02.2005
Schon die Besetzung ist eine Auszeichnung wert. Schoumlner Bericht. Viele Gruumlszlige von Oli
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schalkman

Kreuzzug gegen den Kapitalismus

ein Testbericht von 2005-01-30 18:20:14 vom 30.01.2005
Empfehlung: ja
Vorteile: gute schauspielerische Leistung; gute Präsentation (Kamera, Regieführung, Story, Sound)...
Nachteile/Kritik: Hintergrund der Jungs bleibt leider im Dunkeln
1. Einleitung
===============

Tja, ist schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte mal über einen Film geschrieben habe: Das letzte mal war im Jahr 2002, am 25sten Mai, um ganz genau zu sein. Grund genug sich mal wieder zu einem Filmbericht durchzuringen. Am letzten Super-Kino-Dienstag stand für uns „Die fetten Jahre sind vorbei” auf dem Programm, denn dieser Film lief in unserem Provinzkino erst Mitte Januar an und wurde auch nur eine oder zwei Wochen lang gespielt (deshalb die große Verspätung). Aber nun zum Film...

2. Handlung
===============

„Die fetten Jahre sind vorbei” oder „Sie haben zu viel Geld – Die Erziehungsberechtigten”, das steht in den Briefen, die Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg) nachts in den Häusern reicher Leute hinterlassen. Natürlich bleibt es bei diesen nächtlichen „Hausbesuchen” nicht nur beim Briefeschreiben – Es werden Möbel verrückt, Fernseher und Stereoanlagen im Haus versteckt und Sammelgegenstände werden „mißhandelt”, geklaut wird aber (fast) nichts.

Doch was sollen diese Aktionen der beiden Freunde? Sie befinden sich mit ihrem blauen Uralt-VW-Bus auf einer Art Kreuzzug gegen die Ungerechtigkeit der Welt und so sind die Reichen mit ihren Traumvillen in Berlin die ersten Opfer. Da Peter jede Alarmanlage knacken kann und die Daten eines Yachtklubs besitzt, können die beiden ohne weiteres in jedes Haus des Edelviertels einsteigen ohne von den Besitzern gestört oder der Alarmanlage ertappt zu werden.

Peters Freundin Jule (Julia Jentsch) muss sich derweil mit ganz anderen Problemen herumschlagen: Nachdem sie auf der Autobahn mit ihrem kleinen, alten Auto in den Luxuswagen des Top-Managers Hardenberg (Burghart Klaußner) gefahren ist und einen Totalschaden angerichtet hat, schiebt sie eine Schuldenlast von 100.000 Euro vor sich her, die die Versicherung nicht übernimmt, da sie schon seit Monaten von Jule kein Geld gesehen hat.

Mehr oder weniger spontan beschließen Jan und Jule in Hardenbergs Haus einzusteigen während Peter für einige Tage verreist ist. Das Haus scheint verlassen, die Alarmanlage ist auch ohne Peter schnell deaktiviert und Jan und Jule machen das, was die zwei Jungs immer gemacht haben, doch sie will noch einen Draufsetzen und das Sofa in den Pool des Hauses werfen – dabei kommt es zu einem Techtelmechtel zwischen Jan und Jule – kurz bevor sie aus der Villa verduften können kommt allerdings Hardenberg nach Hause und wird von den beiden mit einem beherzten Hieb ins Reich der Träume versetzt. Die beiden stehen vor einem Problem...

... und rufen Peter an. Zu dritt schleifen sie Hardenberg in den VW-Bus und fahren mit ihm quer durch Deutschland bis sie schließlich in den Alpen ankommen, wo Jules Onkel eine kaum benutzte Berghütte besitzt, in der sie die kommenden Tage mit Hardenberg verbringen. Dieser erzählt ihnen nach und nach von seiner Jugend und Studienzeit (ja, er war auch ein 68er), doch seine Erzählung endet mit den Worten „und irgendwann ertappst du dich in der Wahlkabine dabei wie du dein Kreuz bei der CDU machst...”.

Nach und nach gewinnt man den Eindruck, dass sich Hardenberg mit seinen Entführern identifizieren kann, ihr Vertrauen gewinnt und ihnen das seinige auch schenkt. Währendessen brodelt es in der Dreiecksbeziehung Jan-Jule-Peter gewaltig, Liebe und Freundschaft scheinen zu zerbrechen. Über allem steht die Frage wie es weitergeht mit Hardenberg und wie die Zukunft der drei aussieht...

Mehr zum Ende sag ich an dieser Stelle nicht, nur dass es sehr gut...

3. Schauspieler
===============

Daniel Brühl, seit „Good Bye Lenin!” (GBL) wohl der bekannteste deutsche Jungschauspieler kann wie schon in GBL überzeugen, wenngleich ihm die Rolle des etwas abgedrehten Revolutzers Jan nicht so gut auf den Leib geschrieben wie die von Alex aus GBL. Trotzdem ist Brühls Leistung überzeugend, denn besonders in den Szenen, die Emotionen starke Emotionen beinhalten (Liebesszenen mit Jule; Konflikt mit Peter wegen Jule), lässt er sein Talent aufblitzen.

Stipe Ergec, spielt die Rolle des unberechenbaren Peter sehr gut. Hin und Her gerissen zwischen Liebe (zu Jule) und Freundschaft (zu Jan) verkörpert er den Charakter des Peter sehr überzeugend. Besonders den inneren Konflikt und die Unberechenbarkeit Peters wird dramaturgisch glaubwürdig von ihm umgesetzt.

Julia Jentsch, die im Film die Jule nimmt wird auf zwei Weisen gezeigt: Als auf Hochglanz polierte Edelkellnerin und als einfach Studentin, wobei ihr die zweite Rolle viel besser steht. Durch ihre natürliche Schönheit und ihr großes Talent bringt sie die leicht ökologisch angehauchte Globalisierungsgegnerin und Revolutzerin sehr glaubwürdig rüber. Sie ist vielleicht die schauspielerische Entdeckung des Films – sowohl die von einem Schicksalsschalg getroffene Frau wie auch die Zerissenheit in der Liebe und den Streit mit Hardenberg nimmt man ihr ab.

Burghart Klaußner, spielt Hardenberg, den Gegenpart zu Jan und Peter, auch bekannt aus GBL, wo er den Vater spielte. Auch diese Rolle hat mit Klaußner eine perfekte Besetzung gefunden. Die Rückverwandlung eines Kapitalisten in einen 68er vermittelt er dem Zuschauer sehr gut, vielleicht sogar zu gut, man wird am Ende von Hardenberg sehr enttäuscht sein...

4. Fakten
===============

Deutschland 2004
Regie: Hans Weingartner
Buch: Katharina Held & Hans Weingartner
Länge: ca. 126 Minuten

Freigegeben ab 12 Jahren

http://www.diefettenjahre.de

5. Kritik
===============

„Die fetten Jahre sind vorbei” ist einer der Filme, die man im Kino sieht und von ihnen auf Anhieb begeistert ist. Das liegt wohl am stimmigen Gesamtbild, das Regisseur Hans Weingartner zeichnet. Die perfekte Wahl der Schauspieler (lediglich Brühl hätte vielleicht noch ersetzt werden können, da er seit GBL für mich einen zu braven Ruf genießt), der absolut passende Soundtrack und nicht zuletzt die Kameraführung, die in diesem Film sogar irgendwie „mitspielt”.

Für die musikalische Untermalung des Films sorgen teilweise bekannte Bands wie Depeche Mode oder Placebo, doch man hat sich bei diesem Film nicht auf einige wenige Musiker beschränkt, sondern wählte aus einer langen Liste von Liedern für jede Szene das passende aus. Auf dem Soundtrack zum Film finden sich 32 Lieder von 30 Interpreten, also sehr abwechslungsreich. Man hat sich Gott sei Dank nicht auch nur auf eine Musikrichtung festelegt – Es wird alles quer Beet und passend zu Situation und Person eingespielt.

Die Kamera wirkt an passenden Stellen im Film wie eine Handkamera – verwackelt und etwas unscharf, doch die entsprechenden Szenen sind mit Bedacht gewählt und so macht die Kameraführung nichts kaputt, sondern spielt mit. Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhand eine Szene in der Hütte in den Alpen, bei der die Kamera aus der Dunkelheit des Raums in die taghelle Umgebung getragen wird. Die Szene wirkt in diesen wenigen Sekunden genauso wie ein Amateurfilm der späten 60er, der plötzliche Lichtwechel lässt das Bild kurz ganz hell werden und erst langsam wird alles wieder scharf und farbig – man fühlt sich in diesem Moment ins Jahr 1968 zurückversetzt, den Studentenaufständen ganz nache, so glaubwürdig und echt wirkt diese Szene.

Die Story an und für sich schreitet langsam voran, kann auf einen echten Höhepunkt verzichten und das ganz ohne langweilig zu werden. Großartige Nebenrollen kommen in dem Film nicht vor, die vier Hauptcharaktere werden so stark thematisiert, dass dies alle 126 Minuten gut ausfüllt. Schade finde ich nur, dass der Hintergrund von Jan und Peter so blass bleibt. Von Jule weiß man, dass sie auf Lehramt studiert und nebenher Kellnert, dass Hardenberg Top-Manager ist, ist auch klar, nur die beiden Jungs bleiben im Dunkeln – Es ist zwar anzunehmen dass sie studieren, doch es wird zu keiner Zeit im Film erwähnt. Ebenso fehlen Schlüsselereignisse, die ihre Systemabneigung begründen ähnlich wie bei Jule.

6. Fazit
===============

„Die fetten Jahre sind vorbei” ist wohl einer der besten Streifen, die ich in letzter Zeit im Kino gesehen habe. Der Film besticht nicht durch große Action à la Hollywood, sondern durch Dialoge und Story, wirkt dadurch glaubwürdig und gut. Von Anfang bis Ende denkt man, dass jetzt ein Einbruch in der Qualität des Films kommen müsste, doch er bewegt sich auf konstant hohem Niveau und versteht es den Zuschauer sehr gut zu involvieren. Einzige Schwäche sind die beiden Jungs, deren Hintergrund unklar bleibt, daher vier Sterne und eine klare Empfehlung. Holt euch am besten die DVD, die im Juni 2005 erscheint, denn in den meisten Kinos ist der Film leider schon abgelaufen...
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Kommentare
MissKultig
MissKultig, 10.05.2005
Du musst das Buch zum Film lesen, da werden alle Hintergruumlnde der beiden Jungs erklaumlrt und erlaumlutert und analysiert g Toller Bericht uumlbrigens ... Ich bin ganz deiner Meinung, auszliger das mit Daniel Bruumlhl g MFG ... Anni
MasterSirTobi
MasterSirTobi, 14.02.2009
Da hast du dir ein SH verdient. LG MST
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w.gruentjens

Grünschnäbel entführen reichen Alt-68er

ein Testbericht von 2005-01-19 11:22:04 vom 19.01.2005
Empfehlung: ja
Kompletter Erfahrungsbericht


Dieser Film, der bei seiner ersten Vorstellung mit Standing Ovations gefeiert wurde, hat dennoch kleine Schwächen. Ob er insgesamt aber so gut ist, dass man über die Schwächen hinwegsehen kann? Wir werden sehen ...


Zunächst erleben wir drei junge Leute, zwei Jungen und ein Mädchen, die, wie das bei jungen Leuten ist, so grün hinter den Ohren sind, dass sie den Protest gegen Establishment und Reichtum zu ihrer Lebensabschnittsaufgabe gemacht haben. Dazu brechen die beiden Freunde in die Häuser reicher Leute ein, häufen die Möbel und Besitztümer vorsichtig zu einem Turm und bringen einen Zettel an mit der Aufschrift: "Die fetten Jahre sind vorbei. Die Erziehungsberechtigten."

Das klingt ja noch alles ganz witzig, auch wenn die reichen Bürger, die dann aus dem Urlaub kommen, es gar nicht so witzig finden, wenn sie so erschreckt werden. Richtige Dramatik kommt erst in den Film, wenn neben den beiden Freunden Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg) die dritte Person - wie könnte es auch anders sein? - mit Jule (Julia Jentsch) auftritt. Jule ist die Freundin Peters, aber nicht mehr lange ...

Als Peter nämlich verreist ist und sie mit Jan zurückbleibt, passiert das gar nicht so Unwahrscheinliche: Die beiden Zurückgebliebenen, Jan und Jule, verlieben sich ineinander. Dieser kleine Handlungsstrang ist liebenswert gezeichnet, ohne kitschig zu sein - und diese Charakterisierung wird den Film noch an vielen Stellen treffen: liebenswert, aber ohne Kitsch.

Wenn Jan sie jetzt in das Geheimnis der Erziehungsberechtigten mit ihren Einbrüchen bei reichen Leuten einweiht, wird er bald lernen, dass man ein Geheimnis nicht unbedingt einem liebenswürdigen Mädchen anvertrauen sollte. Er trifft damit auf eine Wunde von Jule, die noch nicht verheilt ist, auf ein Trauma von Jule, das seine Wirkung erst entfalten wird.

Jule hat für ihren Wagen die Versicherung nicht bezahlt und die Mahnung auch übersehen, so dass sie den Versicherungsschutz verloren hat. Sie hat danach einen Unfall verursacht und 90000 € Schulden. Dass sie eine rechte Wut auf den reichen Mann hat, der sich ein neues Auto offensichtlich aus der Portokasse leisten kann, sie aber seinen Rechtsanwälten überlassen hat, kann man wohl verstehen. Als sie jetzt von den Einbrüchen erfährt, kommt sie auf eine Idee ...

Nachdem jedenfalls das Handy bei dem reichen Mann im Haus vergessen ist, wieder geholt werden soll, der reiche Mann aus dem Urlaub kommt und die drei - mittlerweile ist Peter dazugekommen - überrascht, entfaltet sich eine Entführungsgeschichte, die schöner nicht sein könnte.


Jetzt entfaltet der Film nämlich erst richtig sein Potential und gewinnt an Aussage. Während die drei jungen Leute den Herrn Hardenberg zuerst ständig gefesselt halten - was sich sehr wohl ändern wird - macht er ab und zu Bemerkungen, die sie von einem so reichen Bonzen nicht erwartet hätten. Es stellt sich heraus, dass er ein Freund Rudi Dutschkes war und sehr gegen den Kapitalismus und das Establishment protestiert hatte, dass er aber durch Familie, Hausbau, Schulden und die Notwendigkeit, mehr Geld zu verdienen, in eine Karriereschraube hineingeraten ist.

Der Austausch zwischen den Generationen, von der die eine schon weiß, dass sie früher auch mal so war, während die andere nur ahnen kann, dass sie später auch mal so sein wird, gehört mit zu den geistreichsten Szenen des deutschen Films; sie berührt Fragen, die wichtig und für jeden Menschen bedeutsam sind, über die man schmunzeln kann, wenn man seine jungen Jahre schon inter sich hat, und über die man als junger Mensch den Kopf schütteln kann, wenn man sich sagt: "So werde ich bestimmt mal nicht".


Im weiteren Verlauf des Filmes nämlich machen die Grünschnäbel durch den Austausch der Gedanken mit dem Alt-68er einen Reifungsprozess durch und macht auch der frühere Freund von Rudi Dutschke, der entführte Herr Hardenberg (Burghart Klaußner), einen Prozess der Erinnerung durch: Beide, Jung und Alt, nähern sich so einander an, tauschen Gedanken und Lebensgefühl aus. Der eine macht sozusagen eine Zeitreise in seine Jugend, die anderen eine Zeitreise in ihre Zukunft. So vermittelt der Film ganz stark den Eindruck eines ganzen Lebens, das sich in der Jugend entfaltet und weiterentwickelt.

Diese Aspekt, den man schon als philosophisch bezeichnen kann, hat mir an diesem Film besonders gut gefallen. Er bietet nämlich Anlässe für allerlei witzige Zusammenhänge bis hin zum Blödsinn, andererseits bei allem Schmunzeln, manchmal auch Lachen, genügend Anlässe zum Nachdenken und Diskutieren.


Daher steht das Drehbuch an der ersten Stelle der Qualität, die ich nun betrachten will. Leider fallen gegen den schönen Mittelteil des Films mit der Annäherung der Generationen Anfang und Ende ab, wobei man das Ende sogar missverstehen kann.

Die Regie von Hans Weingartner bringt eine fast authentische Nähe zu den Personen. Die Darstellung erfolgt mit wenig Distanz - auch räumlicher Distanz zwischen Kamera und Personen. Handwerkliche Perfektion wird nicht angestrebt, vielmehr wird die Kameraführung in die Nähe der Handkamera gestellt, wodurch der Film etwas weniger Filmhaftes, dafür mehr Videohaftes erhält.

Die Darsteller haben mich alle überzeugt, wobei ich mal besonders die Julia und den Herr Hardenberg hervorheben will, wenn auch die Jungen nicht schlechter dargestellt waren. Aber die beiden extrem positionierten Figuren - das junge Mädchen und der reif gewordene Mann - geben dem Film viel Leben.

Die Musik wurde von den Darstellern selbst ausgesucht und passt sehr gut in das Lebensgefühl, das der Film vermittelt.

Wer mal einen guten deutschen Film sehen will, der witzig unterhält und gleichzeitig Anlass zum Nachdenken gibt, der ist mit diesem Film gut beraten. Wer ganz hohe Kunst oder ganz billige Unterhaltung sucht, der ist hier allerdings falsch: Der Film liegt in einer guten Mitte dazwischen.
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J683

Wirklich vorbei!?

ein Testbericht von 2004-12-20 16:47:27 vom 20.12.2004
Empfehlung: ja
Vorteile: Ein Film zum Nachdenken, gute Schauspieler, Witz...
Nachteile/Kritik: ein bisschen verwirrender Abschluss
Ausgezeichnet unter anderem zum besten deutschen Film bei den Filmfestspielen in Cannes. Zu Recht! "Die fetten Jahre sind vorbei!" von Hans Weingartner, schafft es eine Botschaft zu übermitteln die in meinen Augen trotzdem nicht zu fanatisch oder überheblich klingt.

Ein Film zum passenden Zeitpunkt. Erst vor kurzem sind die ersten Berichte der Bundesregierung durchgesickert die besagen, dass 10% der Bevölkerung sich 48%
des gesamten Geldes, welches in Deutschland in Umlauf ist, teilen. Die anderen 90 teilen sich den Rest. Die Kluft zwischen arm und reich wird auch in den nächsten Jahren noch mehr steigen - das ist eine Tatsache. Der Film "Die fetten Jahre sind vorbei!" unterstreicht genau diese Tatsache in einem gekonnten Mix aus Alltäglichkeit, Kuriosität und einem Batzen Realität!

INHALT:

Eine wunderschöne Villa, groß, pompös, mit weißem Marmor und weitläufigen, hohen Räumen. Die wohlhabende Familie fährt mit dem dicken Wagen vor. Geschniegelt vom Scheitel bis zur Sohle betreten sie ihr Haus. Ein Stofftier liegt auf dem Boden, die Stereoanlage steht im Kühlschrank und verschieden Möbel sind mitten im Zimmer zu einem großen Turm zusammen gebaut. "Die fetten Jahre sind vorbei!" das ist die einzige Message die die Einbrecher hinterlassen haben.

Diese oder die Botschaft „Sie haben zu viel Geld! Die Erziehungsberechtigten“ hinterlassen Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg) immer wenn sie in eine Nobelvilla einbrechen. Sie stehlen nichts, denn das würde sie zu ganz normalen Einbrechern machen. Sie wollen die „hohe Gesellschaft“ aufrütteln. Ihr Ziel ist es die Menschen zum nachdenken zu bringen und so wie Jan sagt, am Bankschalter ein kleines Männchen Ihnen „Sie haben zu viel Geld!“ zu flüstert.

Die beiden Jungs wohnen in einer WG ohne Tapete an der Wand. Einfach und ohne Schnick- Schnack. Sie sind gegen das System und gegen jede Normalität und Regel! Sie arbeiten nicht und gehen auch nicht zur Schule.

Jule (Julia Jentsch) protestiert in der Fußgängerzone gegen Kinderarbeit und als sie nach Hause kommt wird Ihr die Kündigung für Ihre Wohnung in die Hand gedrückt. Arbeiten tut sie als Bedienung überwiegend um ihre Schulden zu tilgen. Bei einem Autounfall hatte sie die Schuld an einem Totalschaden und da sie den Versicherungsbetrag nicht bezahlt hat muss sie jetzt 100.000 Euro für das Auto eines Millionärs ab bezahlen.

Sie wohnt also fort an bei Ihrem Freund, Peter. Dieser wohnt mit Jan zusammen und muss für kurze Zeit verreisen und so hilft Jan ihr Ihre Wohnung zu renovieren um die Kaution zurück zu bekommen. Dabei lernen sich Jan und Jule erst richtig kennen und verlieben sich.

An einem Abend bricht Jan mit Jule in eine Nobelvilla ein und sie werden erwischt. So kommt es dann ungewollt zu einer Entführung. Und ab da beginnt für mich der zweite Teil des Films.

Dieser „zweite Teil“ ist in meinen Augen der gelungenere. Er spielt dann nicht mehr in Berlin, sondern in einer Berggegend, friedlich, einsam und schön. Dort entsteht zwischen Jan, Jule, Peter und Hagenberg(Burkhart Klaussner ),dem Entführten, so was wie eine Bindung. Sie führen Gespräche über ihre unterschiedlichen Ansichten der Welt, schlafen nebeneinander und spielen Mau Mau. Nebenbei sind die drei jungen Leute aber auch sehr mit sich selbst beschäftigt weil Jan und Jule ihre Gefühle zueinander nicht weiter vor Peter verheimlichen und unterdrücken können.

Man bekommt als Zuschauer ein ganzes und klares Bild von dem vermittelt um das es geht. Von der „einen“ und auch von der "anderen Seite“. Oft habe ich mich beim nicken ertappt und ich bin mal nicht aus dem Kino raus gegangen und dachte „Recht haben sie ja, aber sehr übertrieben, das ganze.“

Man fragt sich die ganze Zeit wie das wohl enden wird und ob am Ende wohl einfach alles gut ist...so wie es im realen Leben nicht wäre. So wie es unrealistisch wäre. So, dass man sagt, „Das ist eben ein Film!“

Ich möchte das Ende nicht verraten, aber ich finde es sehr gelungen. Man sagt nicht mehr aus vollster Überzeugung „Es ist ja nur ein Film!“. Der Film zeigt durchaus noch mal auf, dass die Realität und die Menschen die in ihr leben eben anders sind und egal wie sehr sie es oft wollen, nicht aus Ihrer Haut können!

SCHAUSPIELER / TECHNIK:

Schauspielerisch ist dieser Film klasse. Er ist es deshalb weil sich niemand auffällig verstellt. Die Menschen scheinen so zu sein wie sie dort gezeigt werden. Sie sehen aus als wären sie nie in der Maske gewesen und reden (gerade Peter) als würden sie mit Ihrem besten Kumpel sprechen. Dabei hat man aber nicht den Eindruck von Unprofessionalität, sondern eher den, mitten dabei zu sein, sich damit identifizieren zu können! Die Kameraführung unterstreicht das. Sie ist nicht herkömmlich perfekt, aber auch nicht so wackelig, dass einem schlecht werden kann.

Der Film enthält neben einer Botschaft, eine zwischenmenschliche Story und Witz. Mit meiner Ansicht nach gekonnter Situationskomik wird für Abwechslung gesorgt:

"...und irgendwann erwischt du dich dabei wie du in der Wahlkabine stehst
und dein Kreuzchen bei der CDU machst!"

"Wir brauchen Kaffee, Klopapier und Wein. Ich frage Hagenberg mal ob er
einen ausgibt."

FAZIT:

Dieser Film ist in jedem Fall gelungen. Man muss ihn vielleicht nicht unbedingt gesehen haben, denn wer redet schon groß über solche Filme, aber ich finde man sollte ihn gesehen haben. Man kommt aus dem Kino und ist schwer am nachdenken. Nicht nur über die Ungerechtigkeit im Leben und über Menschen mit anderen Ansichten, aus einer „anderen Welt“, sondern auch über zwischenmenschliche Beziehungen wie die zwischen Jan und Peter und wie sie mit ihren Gefühlen umgehen.


KRITIK:

Während des zweiten Teils des Films habe ich mich immer wieder gefragt wo die
drei das Geld her nehmen um das was sie machen zu finanzieren. Sie fahren
hunderte Kilometer mit dem Busschen, trinken Wein und kiffen, arbeiten aber nicht. All diese
Sachen kosten Geld und so sieht man, dass man zwar gegen das System wie es
ist rebellieren kann, sich aber doch in gewisser Weise anpassen muss und es irgendwie akzeptieren muss!

Wenn Ihr euch noch genaueres über den Film angucken wollt geht doch einfach mal auf die Homepage: www.diefettenjahre.de

Danke für`s lesen und eventuell viel Spaß im Kino :-)
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