ein Testbericht von retilein2011-04-12 13:41:02vom 12.04.2011Empfehlung: ja
Vorteile: ein Genuß für Whiskyliebhaber...Nachteile/Kritik: nicht ganz billig
Feiertage nähern sich, Ostern steht vor der Tür und meine Holde hatte gutes mit mir vor und so besuchten wir gemeinsam ein schon öfters von uns beehrten Spirituosenhändler, der außer mit seinen reichhaltigen Angebot an Whisky und Zigarren auch durch manche Episode zu überzeugen wußte.
Von einer kleinen Dorf und einer noch kleineren Destillerie war die Rede und einen dafür um so größeren und köstlichen Geschmack. Na ja, Ihr ahnt es schon, es wirkte überzeugend und so kauften meine Holde mir einen 10-jährigen Edradour und wie es sich zeigte, sollte ich dafür Ihr sehr dankbar sein, vom Verkostungseindruck soll nun berichtet werden.
Edrador
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Ein Blick in wikipedia bestätigte mir die Worte des Verkäufers:"Edradour ist die kleinste schottische Whisky-Destillerie. Die Brennerei liegt in einem kleinen Tal, verborgen von umliegenden Bergen, östlich der Ortschaft Pitlochry. Der Name Edradour ist von gälisch „Edred dobhar“ („Der Fluss von König Edred“) abgeleitet", http://de.wikipedia.org/wiki/Edradour.
Laut eigener Homepage arbeitet die 1825 durch eine Kooperative von Bauern zur Deckung des Eigenbedarfs gegründet und 1837 seine erste urkundliche Erwähnung fand, die Destillerie in wesentlichen Teilen noch wie im 19. Jahrhundert. Edradour ist die einzige Brennerei in Schottland die noch im Stil der alten Farmhaus-Betriebe erhalten ist, http://www.edradour.de.
Ähnlich der wechselvollen Geschichte der schottischen Brennereien wechselte auch diese Destillerie mehrfach seinen Besitzer um nun seit 2002 dem zweitgrößten unabhängigen schottischen Abfüller, dem in Edinburghs Newhaven Distrikt beheimateten Andrew Symington's Signatory zu gehören.
. Sie ist heute noch mehr Farm als Brennerei, denn laut Whiskey guide stellen 3 Männer ganze zwölf Fässer whisky in der Woche her, http://whisky-guide.de/index.php5?title=Edradour, d.h. ca. 90 000 l im Jahr, das ist die Wochenproduktion mancher namhaften Destilleries.
Dennoch ist Edradour ist durch die perfekte Lage an der Hauptstrasse (A9) in Richtung der Highlands, mit annähernd 100.000 Gästen eine der meistbesuchten Destillerien Schottlands, s. http://www.caledonia.at/destillerie.aspx?zeige=14.
Allgemeines
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An dieser Stelle einen kleinen Ausflug zur Whiskyherstellung selbst, wie man ihm bei der dortigen fachkundigen Führung hautnah erleben und sehen kann.
Die Edradour-Whiskys zeichnen sich durch eine charakteristische Üppigkeit aus. Edradour ist nicht nur die kleinste Malt-Whisky-Destillerie Schottlands, sie besitzt auch die kleinsten Brennblasen.
Hergestellt wird er, wie es für malt Whisky üblich ist aus G e r s t e. Es muß nicht immer schottische sein, allerdings kommt sie zumindest in der Regel aus EU-Ländern, dafür sorgen schon die entsprechenden EU-Bestimmungen.
Das W a s s e r wird benutzt zur Herstellung der "wort", der "wash", zur Kühlung bei der Destillation und schließlich um das Produkt auf Trinkstärke herabzusetzen. In diesem Falle stammt das Wasser für die Whisky-Herstellung aus einer Quelle am Mhoulin Moor. Das Prozesswasser selbst wird dem kleinen Flüsschen (Bach) entnommen, das mitten durch die Brennerei fließt.
Die Gerste wird auf einem Boden mit kleinen Löchern unter dem das T o r f -feuer brennt in seinem Rauch getrocknet und heißt nun Malz (Malt) und wird gemahlen (und heißt dann Grist.
Nachdem das Malz gemahlen wurde, kommt es zusammen mit Wasser und H e f e in den Washback und es entsteht eine Art Bier (denn bis hierhin ist das Herstellungsverfahren recht ähnlich), auch Würze (Wash) genannt.
Der Abfüllung kommt
große Bedeutung bei, zumeist Sherryfässern aber der Edradour reift in edlen Eichenholzfässern heran, das macht sein Aroma so charakteristisch stark und würzig.
Eine Besonderheit dieser Distillery ist – dem Morton. Dieser 50 Jahre alte Kühler wurde früher in der Molkerei der Farm verwendet, bis hier die Destillerie entstand.
Geschmackstest
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Beim Blick auf das Etikett kann man bildlich der Farmidylle folgen und findet die üblichen Flaschenangaben zum Inhalt, Menge und Alkoholgehalt. Optisch kann man es auch am nebenstehenden Bild erkennen.
Nun aber wieder zurück zum Edradour und dem Trinkgenuß.
Nach dem Öffnen der Aufbewahrungsschachtel kann man der eine zylindrische, runde und relativ gedrungen Flasche entnehmen die sogleich das Auge erfreut. So weicht die Flasche schon optisch von der Einheitssilhouette vieler anderer Malts ab. Der whisky selbst schimmert durch das klare Flaschenglas wie heller Bernstein und trägt zum freundlichen und hellen Gesamteindruck bei, dem sich selbst das Etikett anschließt.
Angenehm würziger Hintergrund nache Heidekraut, der sich geradezu aufdrängt wenn man einmal die dortige Landschaft gesehen hat. Auch läßt sich ein Sherryeinschlag nicht negieren, der von der Faßlagerung wohl herrührt. Das ganze wird noch getoppt durch einen ganz leichten Torfgeschmack, der dem ganzen einen zart süßen Geschmack verleiht.
Meine leicht verwirrte Nase ob der vielen Einflüsse sortiere ich mal auf würzig und leicht süßlich mit unterschwelligen rauchigen Touch.
Ein hochwertiger Whisky passt zu vielen Gelegenheiten, weil er so facettenreich ist, dass selbst Whisky-Kenner ihn immer wieder aufs Neue entdecken. Dank der reichen Palette an Eindrücken, die er liefert, unterstreicht er ruhige und besinnliche Momente
Das Geniessen offenbart mir einen weichen und runden Whisky mit einem würzigen alkoholischen Geschmack, einfach hat man ein reiches Mundgefühl von Eindrücken.
Im Abgang erst offenbart er mir seine Klasse. Den irgendwie beginnt es mild und wird im Mund dabei langsam wärmer, er kommt also also einfach fein daher. Für mich, wie schon eingangs erwähnt, einer der am schönsten zu trinkenden Whiskies.
sonstiges
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Ich habe mich schon mal schlau gemacht und möglicherweise fasse ich eine Exkursion dahin ins Auge, schließlich hatte ich mit Freunden schon einmal den Whiskytrail erwandert gehabt.
Laut Infos im Internet befindet sich die Destillerie in der Ortschaft Pitlochry und Edradour gehört daher zur Region Perthshire. Ungefähr 4 Kilometer ausserhalb von Pitlochry (Abzweigung in Richtung „Braemar“) auf der A 924 Richtung Moulin steht das Atholl Hotel. Von da beginnt ein halbstündiger Wanderpfad durch Eichenwälder und an einem Wasserfall vorbei, zur Brennerei. Übrigens Edradour sprich >Edradauer< bedeutet soviel wie „Zwischen zwei Wassern“
Die Anschrift lautet:
Pitlochry
Perthshire
PH16 5JP
Schottland
Tel +44 (0)1796 / 472 095
Fax +44 (0)1796 / 472 002
und ist mit seinen 2500 Seelen ein auch für seine Pitlochry Games bekannter Ort in den östlichen highlands und damit liegt so ziemlich genau in der Mitte Schottlands. Übrigens befindet sich auf der Seite http://www.schottlandfieber.de/index.php?option=co m_content&view=article&id=804%3Aedradour&a mp;catid=186%3Adestillerien&Itemid=287 eine sehr schöne interaktive Seite zum finden der Orte Schottlands.
Offizielle Öffnungszeiten:
Januar und Februar:
Mo – Sa 10:00 bis 16:00 Uhr
So 12:00 bis 16:00 Uhr
März bis Oktober:
Mo – Sa 09:30 bis 18:00 Uhr
So 11:30 bis 17:00 Uhr
November und Dezember:
Mo – Sa 09:30 bis 17:00 Uhr
So 12:00 bis 17:00 Uhr
Geschlossen: 25. und 26.Dezember und 1. und 2. Januar
Bei einem Preis von 36 Euro pro Flasche (0,7 l) mit 40 % Vol. alc ist der 10 jährige Edradour meiner Meinung nach nicht überteuert.
Der grösste Teil (ca. 90%) der Destillerie wird als Single Malt abgefüllt.
Mit Iain Henderson als Produktionsleiter (vormals bei Laphroaig) wurde die Qualität massiv verbessert und gewisse Woodfinishesexperimente z.B. auch an einer stark getorften Version machen neugierig auf mehr. Neben dem 10-Jährigen Standard gibt es also weitere interessante Angebote und ich behalte die Entwicklung mal im Auge.
Das letzte Wort zum Whiskey gebührt den Schotten selbst:
'May you never lie, steal, cheat or drink. But if you must lie, lie in each other arms. If you must steal, steal kisses. If you must cheat, cheat death. And if you must drink, for god's sake, drink whisky.'
'Du sollst nicht lügen, stehlen, betrügen oder trinken. Aber wenn du lügen (liegen) musst, liegt euch in den Armen. Wenn du stehlen musst, stiehl Küsse. Wenn du betrügen musst, betrüg den Tod. Und wenn du trinken musst, in Gottes Namen, dann trink Whisky.'
schottische Redensart
Fazit
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Zum Osterfeste sollte man sich was gutes gönnen und deshalb, sowie aus eigenster Erfahrung kann ich dem Edradour nur wärmstens empfehlen.
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¹ Alle Preisangaben inkl. MwSt. und ggf. zzgl. Versand. Zwischenzeitl. Änderung der Preise, Lieferzeiten & Lieferkosten sind in Einzelfällen möglich. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.
Komm dahin, wo der Geschmack ist!
ein Testbericht von Dr_Ed2007-07-02 20:50:52vom 02.07.2007Empfehlung: ja
Vorteile: sehr runder und harmonischer Geschmack...Nachteile/Kritik: In Deutschland nur schwer zu bekommen
Hallo Zielgruppe!
Damit meine Berichte in nächster Zeit eine persönlichere Note bekommen, habe ich mir überlegt, Euch ein weiteres Hobby von mir vorzustellen: Ich sammele Whiskies. Aber nicht diese - wie einige Whisky-KennerInnen es nennen - "Blended-Plörre", sondern richtige Single Malts. Aber bevor ich hier zum eigentlichen Produkt komme, ist es für einige von Euch möglicherweise ganz hilfreich, den Unterschied zu kennen zwischen "Blendeds" und "Single Malts".
###Dr.Ed's kleine Produktkunde###
~~Blendeds~~
Was ist denn nun ein "Blended Whisky"? - Die meisten Whiskies, die ihr so im Supermarkt um die Ecke kaufen könnt, sind sogenannte "Blendeds". Darunter versteht man Whiskies, die aus mehreren verschieden Whiskies oder Destillationen zusammengestellt werden. Das können dann Whiskies aus gemälzter Gerste, aber auch aus anderen gemälzten Getreidesorten sein. Dabei können dann auch Whiskies aus verschiedenen Brennereien, Jahrgängen und Herkünften zusammengemischt werden. Im Deutschen würde man dazu wahrscheinlich "Verschnitt" sagen.
Man kann es in etwa vergleichen mit Jahrgangssekt oder einigen Weinen, die nach einer bestimmten Rezeptur aus Weinen verschiedener Herkunft und/oder Rebsorten zusammengerührt wurden. Man könnte es grob überspitzt auch als Eintopf bezeichnen. Kann durchaus schmackhaft sein, hat aber selten eine individuelle Note und ist daher eher etwas für den "mainstream". Wenn Ihr also mal auf die Etiketten von Johnny Walker oder Ballantines draufschaut, werdet ihr sehen, dass es sich meist um die Blended-Version handelt. Zwar haben sich diese beiden Marken inzwischen dazu durchgerungen, auch Single-Malt-Versionen ihrer Produkte anzubieten, aber die sind dann natürlich auch teurer als deren "Blended"-Geschwister.
~~Single Malts~~
Unter "Single Malts" versteht man Whiskies, die ausschließlich aus Gerstenmalz hergestellt werden und die aus einer einzigen Brennerei stammen. Dabei können für die Flaschenabfüllung verschiedene Jahrgänge dieser Brennerei verwendet werden. Auf dem Etikett der Flasche wird dann das Alter des jüngsten in der Abfüllung enthaltenen Whiskies angegeben. Wenn also auf dem Etikett zu lesen ist, dass der Whisky 12 Jahre alt ist, bedeutet das, dass das jüngste Destillat mindestens 12 Jahre alt ist, wobei sich natürlich auch ältere Semester darunter befinden können.
In gewisser Hinsicht ist das natürlich auch eine Mischung, aber eine mit wesentlich geringeren Variationsmöglichkeiten. Hat aber den Vorteil, dass ein Whisky auf diese Weise eine wesentlich individuellere Note erhält, der ihn von anderen unterscheidbarer macht, so dass sich - ähnlich wie bei Spitzenweinen - allein durch den Geruch, aber auch den Geschmack schon in etwa über die Herkunft des Whiskys eine Aussage treffen lässt.
***THE EDRADOUR DISTILLERY***
Die Edradour-Distillerie (spricht sich Edradauer - und das ist jetzt kein Dr_Ed-Kalauer!) liegt in einer idyllischen Landschaft beim ramontischen Ort Pitlochry, einem kleinen, verschlafenen Nest, irgendwo in den Highlands. Ich persönlich war leider noch nicht da, aber eine mir befreundete Reiseleiterin, die schon mal vor Ort war, hat mir mal ganz entzückende Fotos gezeigt: Es ist eine Postkarten-Idylle, wie sie im Bilderbuch steht! Die Distillerie selber ist die kleinste Schottlands und soll seit ihrer Gründung im Jahre 1825 im Wesentlichen unverändert geblieben sein. Ich stelle mir das wie eine Art Freilichtmuseum mit Brennerei-Betrieb vor. Jedenfalls wurde mir von besagter Reiseleiterin gesagt, dass ich mit meiner Vorstellung gar nicht mal so falsch liege!
***THE EDRADOUR HIMSELF***
Der Whisky selber
hat eine klare, relativ helle Honigfarbe mit Tendenz Richtung Sherry, also einem leichten Stich ins rötliche. Bei entferntem Hinsehen könnte man die Flüssigkeit auch für Weinbrand halten. Das ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass der Whisky während seiner 10-jährigen Reifung überwiegend in ehemaligen Sherry-Fässern sein Dasein fristen durfte. Ein beliebter Trick unter Whisky-Destilleuren, um dem Destillat eine vielschichtigere Geschmacksnote zu geben.
Aber kommen wir doch mal zum Wesentlichen: Dem Geschmack! Einen Geschmack zu beschreiben hat natürlich immer etwas sehr subjektives. Aber ich bemühe mich trotzdem mal darum, es so objektiv wie irgend möglich zu halten.
Dazu wird erstmal die Flasche entkorkt. Ich hole einen tiefen Luftzug und schnuppere: Hmm, riecht irgendwie nach ein wenig Honig, eine Spur Vanille, etwas Torf, eine Note Sherry. Schütten wir das Ganze doch mal in ein Glas. Am besten eignet sich ein Sherry-Glas! Für diejenigen, die sich jetzt ein wenig wundern, warum ich nicht zu diesem zylinderförmigen Standard-Whisky-Glas greife, sei gesagt, dass sich in einem Sherry-Glas die Aromen besser entfalten können, ohne dass sie sich gleich verflüchtigen. Anders gesagt: Das Genuss- und Geschmackserlebnis wird dadurch intensivert! So, nochmal am Glas schnuppern - ja, jetzt kommt auch die Sherry-Note etwas besser zur Geltung und auch die anderen Düfte entfalten sich jetzt ein wenig intensiver. Also ich würde es mal als sehr aromatisch, harmonisch und weich bezeichnen.
Da stellt sich natürlich die Frage, ob das Destillat auch so schmeckt, wie es riecht? - Das kann ich nur bejahen! Etwas Heide-Honig, eine Idee Vanille, den Torf und den Sherry schmeckt man jetzt etwas deutlicher und im Abgang vielleicht noch einen Hauch Haselnuss. Insgesamt ein eher süßlicher Whisky. Ich persönlich würde ihn als sogenannten Dessert-Whisky einordnen, also ähnlich wie Rich-Cream-Sherry etwas, was man sich gerne zum Nachtisch gönnt. Die einzelnen Aromen vereinen sich sehr harmonisch, der Whisky ist ziemlich mild - also kein Rachenputzer - und hat einen runden, weichen Abgang.
***FAZIT***
Dieser Whisky ist ein echtes Leckerli. Er ist sehr mild und hat eine eher süßliche Note, so dass auch Einsteiger schnell auf den Geschmack kommen können, weil er nicht so ein Rachenputzer ist, mit dem - bildlich gesprochen - sämtliche Keime im Hals abtöten kann. Vom Verdünnen mit anderen Getränken oder mit Eis möchte ich dringend abraten, denn dadurch würde Euch ein Geschmackserlebnis der angenehmen und besonderen Art entgehen. Leider ist dieser Whisky in Deutschland nur sehr schwer erhältlich und wenn, dann dürfte eine Flasche mit 0,7 Liter geschätzte 35,- bis 50,-EUR kosten. Es ist also kein Allerwelts-Malt-Whisky wie z.B. Glenfiddich, sondern eher etwas für besondere Gelegenheiten.
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Whisky aus der Tube? Whisky in der U-Bahn? Weder noch.
ein Testbericht von Gemeinwesen2007-03-30 21:12:58vom 30.03.2007Empfehlung: ja
Vorteile: - siehe Text -...Nachteile/Kritik: Nur im gut sortierten Handel erhältlich.
„der Edradour mit zehn Jahren Alter und 40 % Vol in der Tube“ … ist natürlich Denglisch vom Schlimmsten und Blödsinnigsten. Dass der Whisky ganz famos ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.
„Edradour (…) in der Tube“ – das ist, egal wie mensch das ausspricht, natürlich Blödsinn. Ganz gleich ob die Tube eine deutsche Verpackungsform für Pastöses ist oder ob die Tube als „the tube“ ausgesprochen wird, was bekanntlich ein Spitzname (bitte: „Spitzname“, nicht „Nickname“, denn das ist schon wieder sprachpanscherischer Unfug) für die Londoner Untergrundbahn ist.
Wörtlich übersetzt ist die „tube“ einfach eine Röhre. Im Falle Edradour besteht sie aus Blech, und wer die schlicht als Geschenkverpackung beschriebe, läge damit sicher richtiger als der Übersetzer, der aus dem false friend „tube“
einfach die deutsche „Tube“ macht. So, genug der Umverpackungsbeschreibung – der Edradour stckt in einer Blechröhre, und das ist für Whisky, zumal solchen besserer Provenienz, nicht ungewöhnlich.
Ich habe kürzlich eine Flasche des „Edradour“ geschenkt bekommen und habe mich darüber natürlich gefreut. Zum einen, weil das eine nette Geste war, zum anderen, weil ich den Edradour bis dato nur dem Namen nach kannte.
Die Destillerie, aus der das Stöffchen stammt, rühmt sich, die kleinste von ganz Schottland zu sein. Angeblich reicht für deren Betrieb eine Mannschaft von drei Mann, und angeblich produziert die Mini-Destillerie pro Jahr nur soviel Whisky, wie die größten der schottischen Destillerien pro Woche in den Handel bringen (und zwar nicht gemeinsam, sondern jede für sich), und die „Three Men of Edradour“ helfen der Farbe ihres Erzeugnisses auch nicht mit Zuckerkulör auf die Sprünge.
Diese Angaben findet mensch auf der Blechröhre, in der der Edradour steckt, und es scheint sich bei ihnen tatsächlich nicht um bloßes Werbegeklingel zu handeln. Jedenfalls war der Händler, aus dessen Laden meine Flasche stammt, dem Vernehmen nach stolz auf die Erweiterung des Sortiments um den Edradour, und angeblich weiß die Kundschaft das auch zu schätzen.
Im erweiterten Sinne gehöre ich jetzt wohl auch zu dieser zufriedenen Kundschaft. Denn auch wenn ich den Edradour nicht selbst gekauft habe, bin doch vom ersten „Sampling“ auf Anhieb sehr angetan. Gestern habe ich die gedrungene Flasche entkorkt (jawoll, entkorkt, und nicht etwa aufgeschraubt) und mir einen Testschluck genehmigt. Mein Eindruck: Der Edradour ist, sowohl in der Nase wie am Gaumen, rund, buttrig, vollmundig. Noten von Toffee und Honig dominieren und machen diesen Whisky zum Genuss, den nicht nur fortgeschrittene Whisky-Fans zu schätzen wissen müssten. Was mir außerdem positiv aufgefallen ist: Seine runde Süße erkauft sich der Edradour für meine Begriffe nicht mit übergroßer Sherrynote (nichts gegen Aberlour, Macallan & Co. – aber selbst diese fraglos ganz ausgezeichneten Malts haben mich nicht zum bekennenden Fan von Whiskys mit ausgeprägter Sherrynote gemacht). Trotz seines für einen Malt vergleichsweise geringen Alters von nur 8 Jahren erscheint der Edradour erstaunlich warm und ausgereift – auch nicht der leiseste Anflug von Sprittigkeit trübt hier den überaus positiven Gesamteindruck.
R e s ü m e e
Ein toller Whisky – buttrig, vollmundig, mit Noten von Toffee und Honig, komplett unrauchig und ungetorft und damit gewissermaßen die Antithese zu den von mir ebenfalls geliebten Insel-Malts, denen ich an dieser Stelle verschiedentlich bereits das eine oder andere Denkmal gesetzt habe. Der Edradour hat mich auf Anhieb sehr für sich eingenommen – ich kann es gut nachvollziehen, dass der Whisky aus der kleinsten Destillerie sich bei einer wachsenden Zahl von Whisky-Fans großer Beliebtheit zu erfreuen scheint.
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PaterBrown, 30.03.2007
...hurra, ich habe den Trocken-Whisky erfunden... wird in Blöcken geliefert - einfach ein Stückchen abhobeln, in Wasser auflösen, fertig -O
kaengi_the_kangaroo, 30.03.2007
Nee, mit Whisky kann ich nix anfangen! Hab mich beim Whiskytasting in Schottland freiwillig zum fahren gemeldet! LG, Bärbel
speedy13, 03.08.2007
...und von den drei Mann führt dann einer wohl auch noch die Touris rum? Also arbeiten nur zwei...