Mal ehrlich - dass unser aller "Poptitan" Dieter Bohlen es in letzter Zeit (manche würden sagen: eigentlich schon immer) mit seiner Medien- und speziell Werbungs-Präsenz ein ganz klein wenig übertreibt, ist sicher kein Geheimnis mehr. Auch nicht, dass er dadurch einen nicht unbeträchtlichen Teil der deutschen Bevölkerung so langsam tierisch nervt.
Glaubt man Musikproduzent Frank Farian, so ist das auch bei der Musiker-Kollegenschaft der Fall, denn Geschäfte machen bedeute hier für den "Didäää" vor allem Verarsche, Geklaue und Kollegenschwein-Mentaliät. Herr Farian meinte nun, sich seinem ganzen angestauten Bohlen-Frust mittels eines Buches Luft machen zu müssen. Obwohl so ein Vorhaben wohl zur Zeit auf fruchtbaren Boden fällt (es gibt schließlich genug Bohlen-Hasser) ist es so gründlich nach hinten losgegangen, dass euch heute mal eindringlich vorm Lesen warnen möchte.
Ich brauche fast nicht mehr erwähnen, dass ich mir dieses Buch mal wieder aus meiner heimischen Bibliothek gekrallt habe, aber aufmerksam geworden bin ich darauf natürlich schon vorher, denn Herr Farian hat sich ja ausführlichst in den Medien darüber ausgelassen. Erwartet habe ich also eine ironische, fiese Demontage, in der mit dem Dieter mal wegen seiner nicht immer so geschmackssicheren Äußerungen abgerechnet wird.
Stattdessen habe ich ein Buch vorliegen, dass vor Kraftausdrücken und Beleidigungen strotzt, obwohl Herr Farian und seine zwei Co-Autoren mehrfach betonen, sie wollten sich nicht auf das verbale Niveau der Bohlenbücher herabbegeben, ich werde als Leser beleidigt (dazu mehr später) und muss leider feststellen, dass der Rest des Buches aus schlecht recherchierten Pseudo-Fakten, geklauten (!) Textpassagen und Fremdwörtern, die Herr Farian im verzweifelten Versuch, intellektuell zu wirken, geradezu im Überfluss verwendet, besteht.
Leider nicht immer im Richtigen Zusammenhang, so dass er damit öfters mal unfreiwilliges Kichern auslöst. Aber dazu später.
Aufmachung des Buches
Hier wundert man sich im Nachhinein, wieso ausgerechnet der Autor sich so hysterisch über mediale Klauaktionen auslässt. Die Aufmachung des Buches ist fast eine 1:1 Kopie (oder sollte man in dem Zusammenhang eher "Coverversion" sagen?) von Michael Moore's "Stupid White Men". Von dem dämlichen Titelklau bis hin zu den Schriftzügen, der Farbe, dem Format oder dem verwendeten Papier - alles gleich. Auch das Layout im Inneren des Buches ist gleich. Nur "schmückt" dieses Cover nicht Michael Moores Konterfei, sondern eine unglaublich übele Karrikatur von Dieter Bohlen. Man kann es ja auf dem von Ciao eingefügten Produktbild bewundern. Eingeteilt ist das Buch übrigens in 36 kleine Kapitelchen, die es immerhin leicht konsumierbar machen. Wenn man denn will.
Der Autor
Ich vermute mal, dass viele aus meiner und auch der nachfolgenden Generation Frank Farian nicht mehr UNBEDINGT kennen. Fakt ist, dass er in den 70er, 80er Jahren einer der größten Produzenten im Popbusiness war - sein größtes Produkt waren ohne Zweifel Boney M., die unzählige Welthits landen konnten. Nach seinem Megaskandal um die Gruppe Milli Vanilli (wer sich nicht mehr erinnert: durch einen dummen Fehler in der Technik kam heraus, dass die beiden Sänger, die inzwischen die Mega-Teenieschwärme schlechthin waren, nie selbst gesungen haben und dies auch garnicht konnten. Später versuchte Farian diese gigantische Pleite auszubügeln, indem er die Original-Sänger noch als "The Real Milli Vanilli" auftreten ließ. Klappte nur
leider nicht.) wurde es ein wenig still um den Produzenten. Megaseller wie Boney M brachte er nicht mehr heraus, er hatte nur noch kleine Achtungserfolge mit Gruppen wie "La Bouche" oder "No Mercy", die aber auch bals wieder in der Versenkung verschwanden.
Sein letzter Versuch dieser Art galt "Deutschland sucht den Superstar" - Vorzeigelatino Daniel Lopez. Der ward zuletzt auf den Höhen der Pro7-Alm gesichtet. Mehr muss man da wohl nicht sagen...
Das Buch
Was macht das Buch nun so schlecht? Zum Beispiel, dass sich seine Grundaussagen auch auf weit weniger als 370 Seiten zusammenfassen lassen würden - es sind diese hier:
1.) Dieter Bohlen kann nicht singen.
Klar, wissen wir doch alle. Ist auch schon länger bekannt, dass der Dieter seine Gesangsparts bei Modern Talking von Anderen hat erledigen lassen. Lustig dabei ist allerdings, dass sich ausgerechnet Herr Farian so UNGLAUBLICH darüber aufregt - war da nicht sowas mit Milli Vanilli?
2.) Dieter's Lieder sind Scheiße und noch dazu geklaut!
Nix dagegen zu sagen. Bis darauf, dass Herr Farian nur das bekannte "Für Dich"-Beispiel liefert und sonst nix. Das wird dann auf die gesamte Länge des Buches ausgewalzt. Nix Neues zu lesen.
3.) Dieter ist ganz allgemein ein Schwein!
Farian ist nicht nur selbst dieser Meinung, er lässt auch all die zu Worte kommen, die es wissen müssen - Exfreundinnen, Ex-Kollegen, Ex-Kumpels. Die haben alle nicht besonders nette Sachen über den Dieter zu sagen. Ist ja klar, zumal sich Farian auch nur an solche Leute gewandt hat, über die sich Bohlen in seinen beiden Büchern ausgelassen hat. Aber auch hier erfährt man eigentlich nicht viel mehr, als den unter Punkt 3 aufgeführten Satz (in ständiger Wiederholung).
4.) "Ich, Frank Farian"...bin VIEL BESSER!
Diese drei Worte werden im Buch gradezu inflationär verwendet, speziell im Vergleich mit des Dieters Ruhmestaten. Das läuft etwa in dem Stil ab: "Dieter Bohlen hatte so und so viele Nummer eins Hits. Aber ICH, Frank Farian, hatte..." Blabla.
So geht das IMMER weiter. Farian scheint unter dem Drang zu leiden, sich ständig selbst beweihräuchern zu müssen. Besonders lustig wird das, wenn seine beiden Co-Autoren das völlig zusammenhanglos weiterführen und plötzlich von Farian in der dritten Person weitergesprochen wird. Zitat:
"Frank Farian ist wie Daddy Cool, ein Mann ohne einen Hauch von Tingeltangel a la Bohlen. Er trägt weder Armani noch Lacoste oder Valentino. Seine Uniform: Jeans, Hemd und Pulli, wenn's kalt wird. Ein Mann mit aufrechtem Gang. Farian war immer Sturmspitze..." Und so geht's weiter, blabla.
Nicht nur, dass das Ganze wie gesagt durch die Tatsache, dass nur einige Zeilen vorher noch in der ersten Person gesprochen wurde, einen leicht schizophrenen Hintergrund bekommt, nein, auch diese Selbstbeschleimung wird für den Leser spätestens nach den ersten paar Seiten unerträglich. Wenn man dies liest, kommt einem immer wieder folgendes Bild in den Kopf:
Der Komponist, der unbestreitbar einiges drauf hat, steht als kleiner Zwerg neben einem, der zwar musikalisch kein Universalgenie ist, der aber so polarisiert, dass er mit der Zeit in Deutschland einen Bekanntheitsgrad von beinahe 100% erreicht hat. Den begabteren Komponisten kennt hingegen niemand mehr. Das ärgert den natürlich. Er hüpft und springt neben dem Riesen in die Luft und brüllt: "Guckt doch mich an! Hier! Mich! Ich bin viel besser! Ich hatte mehr Hits! Ich bin reicher! Warum achtet ihr denn nicht auf mich?" Man könnte auch sagen, das ganze Buch ist ein einziger großer Minderwertigkeitskomplex.
Doch damit ist der Ärger nicht beendet. Frank Farian begeht auch einen großen Faux-Pas, wenn nicht gar den größten: Er beleidigt sein Publikum.
Denn es ist doch logisch: Wenn jemand ein Buch über Dieter Bohlen rausbringt, dann werden es auch vorwiegend Leute kaufen, die sich irgendwie für Dieter Bohlen interessieren. Für solche Leute hat Farian folgende Vokabeln übrig:
"Mantafraktion" "Tiefergelegte", etc.
Das geht auch unterschwellig so weiter, so dass der Autor sich sämtliche Sympathien verscherzt.
Auch die Personen, die in seinem Buch am Rande auftauchen, werden ziemlich derbe beleidigt. So läßt sich Farian an einer Stelle vor Mitleid triefend über Bohlens Freundin Estefania aus, die das Pech hat, einem Windei wie dem Dieter aufgesessen zu sein, und kanzelt sie ein paar Seiten später als "Gogo-Girlande" ab. Nee, Herr Farian, so nich.
Ein weiterer nervenaufreibender Faktor sind die Bemühungen Herrn Farians, sich um jeden Preis von dem eher hemdsärmeligen Stil von Bohlen/Kessler abzugrenzen. Das macht er so: Man zitiere wahllos große Köpfe aus Literatur und Geschichte, wie z.B. Wilde, Goethe, Nietsche, Kant; werfe in jeden halbsatz 1-2 Fremdwörter, die die "Mantafraktion" nicht kennt und von denen der etwas intellektuellere Leser angemessen beeindruckt ist und runde das ab mit einigen netten, aber völlig außerzusammmenhanglosen biologischen und historischen Fakten, damit das geneigte Publikum auch sieht, dass man eine umfassende Bildung genossen hat.
Beispiel gefällig? Nehmen wir mal einen x-beliebigen Satz zur Hand:
"Dieter Bohlen ist ein gewalttätiger Sprachregelverletzer. Seine sprachlichen Exaltationen stammen aus dem Wörterbuch eines Unmenschen".
Jetzt müssen wir Halbgebildeten aus der Mantafraktion natürlich erst mal revidieren, was denn das Wort "Exaltation" bedeuten könnte.
Lustig wird es, wenn Farian seinen Fremdwörterduden selbst nicht richtig gelesen hat und damit einige lustige verbale Purzelbäume hinlegt. Leider habe ich vergessen, mir die entsprechenden Stellen zu markieren, so dass ich jetzt das ganze Buch nochmal lesen müßte, um nach Textbeispielen zu suchen. Ich erspare mir das lieber und lasse euch selber gucken, sofern ihr euch für das Machwerk interessieren solltet :-)
Der größte Klopfer
Als wäre es der Selbstbeweihräucherung noch nicht genug, schließt Farian an sein Buch noch ein ca. 30-seitiges Kapitel an, in dem er nur Anti-Bohlen-Statements befreundeter Kollegen und Gratulationen von seiner eigenen Website aufführt. Und da läßt der Leser denn auch seinen letzten Rest an Vertrauen und Hoffnung in den Autor fahren - denn es wimmelt von Deja-vu-Erlebnissen im "Das hab' ich doch schon gelesen?"-Stil. Die Antwort: Passagen, die man im Buch noch belächelt und mit zustimmendem Kopfnicken quittiert hatte, stammen gar nicht von Farian, sondern sind ungelogen 1:1 aus den abgedruckten Zuschriften übernommen! Und das in 99% aller Fälle ohne Hinweis auf ein Zitat.
Fazit
Was soll ich hier noch sagen? Das Buch ist grottig, schlecht, unerträglich. Gäbe es hier eine Null-Sterne-Bewertung, ich würde sie mit Freuden verteilen. Ein Stern ist für dieses Machwerk immer noch viel zu viel.
Also bitte: Spendet, anstatt euch dieses Werk anzutun, doch lieber selber für die nordoff-robbins-Stiftung, an die sämtliche Erlöse angeblich gehen sollen. Damit tut ihr Euch und Anderen gleichzeitig was Gutes.
Ach ja, und P.S. : Solltet ihr es wirklich lesen wollen, dann schaut Euch doch danach noch mal das Nietsche-Zitat am Anfang an. Ihr werdet feststellen, wie passend es wirklich ist und vielleicht den einzigen amüsierten Lacher des ganzen Buches loslassen. Versprochen ;-)
Facts:
Titel: Stupid, dieser Bohlen - die Wahrheit und Nichts als die Wahrheit über den Pop-Hochstapler
Autoren: Frank Farian/ Dieter Kaltwasser / Reginald Rudorf
Schnarcher1, 21.01.2007
Mit so einem Gesabbel stellt sich der Farian ja auf eine Stufe mit Bohlen! Ist ja selber wohl auch nicht viel besser! Schade ums Papier! LG
topfmops, 21.01.2007
Ein Volk, das über 600.000mal eine 039Autobiografie039 von Dietäää kauft, kann nicht arm sein, jedenfalls nicht an Geld.
Matze1195, 23.01.2007
9788 Sehr hilfreich .::. .::. liebe Grüße 9788
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Who is Dieter Bohlen ?
ein Testbericht von Nonsensvom 14.02.2010Empfehlung: ja
Vorteile: It's True...Nachteile/Kritik: -
Frank Farian is very known and authoritative producer all over the world. He has many big hits in England and in the USA. Dieter Bohlen many years the musical dust makes. People who tries to protect Dieter Bohlen, it should be a shame. Thus you protect nasty taste and shameful